Volkskrankheit Rückenschmerzen

Fast alle Deutschen kennen das Stechen im Kreuz, 20 Millionen haben regelmäßig Rückenschmerzen. Die gute Nachricht: Operiert wird nur noch selten, selbst beim Bandscheibenvorfall reichen sanftere Mittel aus.

Ein Gymnastikball kann bei regelmäßigem Einsatz helfen, Rückenschmerzen vorzubeugen

Ein Gymnastikball kann bei regelmäßigem Einsatz helfen, Rückenschmerzen vorzubeugen

Das Gehirn reicht, und das ist das Problem, bis in den Rücken hinein. Dort heißt es Rückenmark und verläuft im Wirbelkanal, umgeben von der schützenden Wirbelsäule. Trotzdem haben 85 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Leben Kreuzschmerzen – und damit, wenn man so will, Beschwerden in den Ausläufern ihres Gehirns. »Das macht die Sache unfassbar kompliziert«, sagt der Orthopäde Ulf Marnitz vom Rückenzentrum Berlin.

Anders als beim Knie etwa ist bei Rückenbeschwerden die Psyche entscheidend. »Die Schmerzen sind gewissermaßen mit Emotionen vernetzt«, sagt Marnitz. Wer länger als drei Monate unter Rückenschmerzen leidet, bekommt mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent eine Depression. Und umgekehrt können auch psychosoziale Probleme Rückenschmerzen erst auslösen.

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Bandscheibenvorfall

Wie kleine Kissen federn die 23 Bandscheiben Erschütterungen und Stauchungen ab: Sie sind eine Art Stoßdämpfer der Wirbelsäule. Die knorpelartigen, mit einer elastischen Substanz gefüllten Bandscheiben liegen als Puffer zwischen den Wirbeln. Zum Problem werden sie, wenn sie einreißen, etwa durch längere Überlastungen. Teile rutschen in den Wirbelkanal, wo das Rückenmark liegt: ein Bandscheibenvorfall. Drückt die Bandscheibe das Rückenmark stark zusammen, belastet das einzelne Nerven – beim Betroffenen kann es zu Rückenschmerzen und Taubheitsgefühlen in Armen und Beinen kommen. Neben Krankengymnastik hat sich die sogenannte periradikuläre Therapie (PRT) etabliert: Der Arzt spritzt ein schmerz- und entzündungshemmendes Medikament direkt in den Wirbelkanal hinein. Führt ein Bandscheibenvorfall zu Lähmungen, wird in der Regel operiert.

Hexenschuss

Ein urplötzlicher, stechender Schmerz im Kreuz: Der Volksmund nennt ihn Hexenschuss, der Arzt Lumbago. Verantwortlich sind häufig eingeklemmte Nerven nahe der Wirbelsäule. Weil der Körper den Schmerz vermeiden will, reagiert er mit einem Krampf der Muskulatur an der Wirbelsäule. Die Folge: eine schiefe oder nach vorn gebeugte Haltung, die weniger schmerzhaft ist. Bleiben die Nerven empfindlich, behält man häufig auch die unnatürliche Haltung bei. Der Betroffene hat dann das Gefühl, eine Art Sperre im Kreuz zu haben. Helfen kann man sich meist selbst – wichtig ist für die verkrampfte Muskulatur vor allem Bewegung. Eine einfache Übung: hinlegen und Beine anwinkeln. Auch Wärme hilft manchmal, ein Heizkissen etwa. Eine Regel gibt es jedoch nicht – andere Patienten bevorzugen Eisbeutel. Hält der Schmerz allerdings mehr als drei Tage an, sollte man doch zum Arzt gehen.

Dass Ursache und Wirkung hier nicht immer eindeutig sind, haben Mediziner erst seit Kurzem verinnerlicht. Wurde bis in die neunziger Jahre hinein in der Regel noch operiert, wenn Wirbelsäulenschäden erkennbar waren – durch Röntgen oder Magnetresonanztomografie (MRT) zum Beispiel –, ist man mittlerweile davon abgerückt. Die Erfolgsrate war einfach zu klein: Auf dem MRT-Bild war der Schaden nach der Operation zwar behoben, die Schmerzen aber blieben meistens. In den Operationssaal muss heute deshalb nur noch, wer einen schweren Bandscheibenvorfall mit Lähmungen hat. Das sind lediglich fünf Prozent aller Patienten.

Volkskrankheiten
Gut leben als Patient: Wie wir mit Rückenschmerzen und Co. zurechtkommen (Bitte klicken Sie auf das Bild)

Gut leben als Patient: Wie wir mit Rückenschmerzen und Co. zurechtkommen (Bitte klicken Sie auf das Bild)

Bei weiteren 15 Prozent ist zwar ebenfalls ein Bandscheibenvorfall zu erkennen, aber die Beschwerden beschränken sich auf Schmerzen wie bei der 52-jährigen Ute Kaluza. Sie wurde den gängigen Empfehlungen entsprechend konservativ behandelt: Schmerzmittel in der akuten Phase, Physiotherapie zur Heilung. »Ich habe kaum noch Beschwerden«, sagt Kaluza heute.

Auf diese Weise behandeln Ärzte auch die Mehrheit der Rückenschmerzgeplagten richtig – die übrigen 80 Prozent, die keinen Bandscheibenvorfall haben. Ihr »unspezifischer Rückenschmerz« lässt sich nicht eindeutig zuordnen. Meist sind Nervenblockaden oder Muskelverkrampfungen verantwortlich, im unteren Rückenbereich nennt man diese auch Hexenschuss. Bei vier von fünf Patienten nehmen die Schmerzen innerhalb des ersten Monats übrigens auch ganz ohne Behandlung wieder ab.

Volkskrankheiten plagen viele Deutsche. Wie Betroffene damit zurechtkommen:

Asthma – Wie man Anfälle verhindert

Bluthochdruck – Bleibt die Krankheit unentdeckt, kann sie dem Körper schaden

Depression – viele sind erkrankt, ohne es zu wissen

Diabetes – ist die Krankheit einmal erkannt, lässt sie sich gut kontrollieren

 
Leser-Kommentare
  1. Es tut mir Leid das schreiben zu müssen aber ich finde diesen
    Artikel arg uninformativ.
    es fehlen theoretische ansätze zum rückenschmerz, wie zb psychosomatische, fehlbewegungen, etc...
    zudem keine genauere heilmethodenbeschreibung.
    Ich denke jeder müsste wissen was ein Bandscheibenvorfall und was ein Hexenschuss ist, Ich halte diesen Artikel leider für einen Platzfüller in einer sonst sehr anregenden Zeitung.
    MFG

  2. Es ist klar, dass solch ein schlanker Artikel einem so wichtigen Thema nicht gerecht werden kann.
    Zu recht weist der Autor -um nur einen Punkt herauszugreifen- auf die Rolle der Psyche bei der Entwicklung von Rückenschmerzen hin.
    Bei der Beschreibung der nicht operativen Behandlung hat er den so wichtigen Kreislauf von seelischer Anspannung und muskulärer Verspannung jedoch schon wieder vergessen und beschränkt sich auf Schmerzmittel und Physiotherapie.
    Weiter: Wie will man mit dem Bild des Mannes, der auf dem Gymnastikball hockt und die Fäuste ballt, dem Leser begreiflich machen, wie wichtig es ist, den Teufelskreis zwischen innerer und äusserer Anspannung zu durchbrechen.
    Insgesamt betont der Artikel zu sehr die mechanistische Betrachtungsweise.

  3. Was ist bitte eine Nervenblockade?

    • AnLaKa
    • 24.01.2010 um 16:40 Uhr

    Dass Rückenschmerzen mit der Psyche zu tun haben, ist ja hinlänglich bekannt. Dass Rückenschmerzen mitunter auch ein Symptom für die jeweilige Haltung des Menschen, sprich körperlich als auch seelisch gegenüber dem Leben ist, weiß man.Umso erstaunlicher ist es, dass man als rückenschmerzen geplagter Patient sehr wenig darüber erfährt, wie man Fehlhaltungen beheben kann und wie viel der Mensch selbst zur Besserung beitragen kann. Schon eine kleine Haltungskorrektur über die Neutralisierung des Bodenkontaktes, sprich Erdung kann viele Blockaden und Fehlhaltungen auflösen und das ist ein erster Schritt in Richtung Beschwerdelinderung. Allein die körperliche Aufrichtung und die Erdung sind Grundnahrungsmittel, die nicht nur den Körper von unerträglichen Schmerzen befreien sondern auch die Seele. Und das nennt man Ressourcen. Warum also nicht nutzen?
    Mehr unter "Haltung fertig los" http:// latritschkarlbauer.wordpress.com

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