PsychologieSo überwindet man Angst

Wer Spinnen, enge Fahrstühle oder Flüge fürchtet, tut oft das Naheliegende und meidet sie. Meistens wäre es besser, dem Schrecken ins Auge zu sehen. Simulationen sollen Phobikern dabei helfen, Angstsituationen auszuhalten. von Susanne Schäfer

Psychologen vermuten, dass jeder Mensch eine genetische Disposition dafür habe, sich vor bestimmten Situationen zu fürchten

Psychologen vermuten, dass jeder Mensch eine genetische Disposition dafür habe, sich vor bestimmten Situationen zu fürchten  |  © Miss.Erfolg/photocase.com

Sobald der Patient sich an den ruhigen Flug ge wöhnt hat, beginnen die Turbulenzen. Der Sitz ruckelt hin und her oder sackt ein Stück ab. Nicht das schlechte Wetter ist diesmal daran Schuld, sondern der Therapeut, der den Stuhl in den Bewegungsmodus geschaltet hat. Das Fenster und den Gang des Flugzeugs sieht der Patient auf einer Art Videobrille.

»Bei Flugphobikern erzielen wir mit der Therapie in virtuellen Welten gute Erfolge«, sagt der Psychologe Andreas Mühlberger von der Universität Würzburg . Die meisten trauen sich nach dem virtuellen Testflug in einen echten Flieger.

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Angst lässt sich tatsächlich abtrainieren. Jeder Mensch habe zwar eine genetische Disposition dafür, sich vor bestimmten Situationen zu fürchten, vermuten Psychologen. Krankhaft wird die Angst aber erst durch einen Lerneffekt – zum Beispiel, wenn man Erlebnisse in großer Höhe immer wieder als extrem gefährlich empfindet und so seine Furcht verstärkt. Wenn die Höhenangst irgendwann das alltägliche Leben stört, gilt sie als Phobie. Doch was gelernt ist, lässt sich auch wieder verlernen.

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Bewährt hat sich die Konfrontationstherapie. Dabei setzt sich der Patient seiner Angst bewusst aus – ein Spinnenphobiker streichelt Krabbeltiere, und jemand mit Platzangst wagt sich in einen Aufzug. Normalerweise vermeidet ein Phobiker genau diese Situationen. Wenn er jedoch in einer Therapie lernt, sie auszuhalten, nimmt die Angst automatisch ab. »Nach einer Weile lassen Symptome wie Herzrasen nach«, sagt Mühlberger.

Weil es teuer und umständlich ist, mit seinem Therapeuten zu verreisen, greifen Psychologen oft auf Simulationen zurück, um Flugphobiker zu heilen. Doch auch bei anderen Ängsten scheinen diese zu wirken. Der Psychologe Paul Emmelkamp von der Universität Amsterdam und seine Kollegen verglichen zwei Gruppen von Höhenphobikern. Die eine schickten sie zusammen mit Therapeuten in ein Einkaufszentrum, auf eine Feuertreppe und das Dach einer Universität. Die andere setzten sie exakt denselben Orten aus – allerdings waren diese nun am Computer originalgetreu nachgebildet. Das Ergebnis: Beide Gruppen trauten sich hinterher auf einer echten Treppe etwa gleich weit nach oben.

Erste Studien brachten sogar ein besseres Ergebnis für die Therapie in der Scheinwelt. »Das mag daran liegen, dass wir die angstbesetzte Situation leicht anpassen können«, vermutet Andreas Mühlberger. Also erst ruhiger Flug, dann Turbulenzen.

Leserkommentare
  1. Ein flacher nähkästchenpsychologischer Artikel jagt den nächsten. Möchten Sie vollständig gesunde (gibt's das?), aber sehr ungebildete Menschen über die Leiden ihrer Mitwelt informieren? Immer mit einem nicht-mehr-komisch-sein, leicht gemacht?
    Alle Artikel dieser Reihe waren bislang unter Reader's Digest-Niveau.
    Oder geht's bloß um die darunter platzierte Werbung?

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    Phobien gleich welcher Art sind übrigens öfter mal eine Art Lackmuspapier für den aktuellen Zustand einer anderen psychischen Erkrankungen, bspw. posttraumatisches Belastungssyndrom, Depression, Psychose.
    Und da hilft Konfrontationstherapie meistens nicht wirklich weiter.

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    • tbaum
    • 23. Mai 2010 17:10 Uhr

    Hallo dame.von.welt und andere Artikel-Kritiker,

    vielleicht mag sich der Artikel nicht auf hoechstem journalistischem Niveau - aber dennoch ist er lesenswert, zumindest vielleicht fuer Betroffene von Phobien.

    Ich zum Beispiel bin von Hoehenangst betroffen - und natuerlich weiss ich im Prinzip auch, dass gerade die Konfrontation mit dieser Phobie dazu beitraegt, diese abzubauen (und genau daran arbeite ich gerade). Trotzdem tut es in einer solchen Situation gut, sich darin bestaetigt zu fuehlen, genau eine solche Konfrontationstaktik anzuweden. Und es tut erst recht gut, wenn man so etwas "beilaeufig" in einem Zeit-Artikel liest.

    Von daher von mir ein ganz klares "Daumen hoch" fuer diesen Artikel!

    Viele Gruesse,
    tbaum

  2. Der Onlineauftritt der Zeit hat schon seit längeren eine neue Dimension erreicht. Reader's Digest für Lehrer und Beamte.

  3. "Phobien gleich welcher Art sind übrigens öfter mal eine Art Lackmuspapier für den aktuellen Zustand einer anderen psychischen Erkrankungen"
    Das ist Quatsch. Menschen mit spezifischen Phobien haben keineswegs oft diese Phobien weil "darunter" eine affektive Störung oder eine andere Angststörung liegt.

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    sondern genau umgekehrt, in anderen Worten noch mal: Menschen mit PTBS, Depression, Psychose können ebenfalls Phobien haben. Die aber nur ein Nebenschauplatz ist und in ihrer jeweilig auftretenden Schwere symptomatisch sein kann, nicht aber mit Konfrontationstherapie allein erfolgreich behandelt werden kann.
    Da die Konfrontationstherapie sich nicht mit der Ursache - der eigentlichen Krankheit beschäftigt - sondern allenfalls deren Symptom, die spezifische Angst abtrainiert.

    Ich wollte damit nicht aussagen, daß alle Leute mit z.B. Flugangst schwere psychische Erkrankungen haben. Tut mir leid, wenn's mißverständlich formuliert war.

  4. ich halte solche aussagen ebenfalls für stümperhaft und gefährlich. der ganze artikel leidet übrigens extrem unter qualitätsmangel. niveau schülerzeitung 5. klasse, wenn überhaupt.

  5. Wer vermutet so etwas? Warum werden solche Vermutungen direkt in der Einleitung solcher Artikel genannt?

    Sehr geehrte Frau Sommer, lesen Sie doch einfach einmal den Artikel bei Wikipedia dazu, dann können auch Sie sehen, was eine qualifizierte Darstellung des Themas "Phobien" ausmacht und können Ihre Werbeaktion mit Ihren Augen sehen, was sie ist: eine qualitativ schlechte Zusammenstellung von unstimmigen Fakten, die nicht einmal ansatzweise den Stand der Forschung wiedergeben.

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    Die Annahme einer genetischen Disposition steht als Bilduntertitel.

  6. Die Annahme einer genetischen Disposition steht als Bilduntertitel.

    • tbaum
    • 23. Mai 2010 17:10 Uhr

    Hallo dame.von.welt und andere Artikel-Kritiker,

    vielleicht mag sich der Artikel nicht auf hoechstem journalistischem Niveau - aber dennoch ist er lesenswert, zumindest vielleicht fuer Betroffene von Phobien.

    Ich zum Beispiel bin von Hoehenangst betroffen - und natuerlich weiss ich im Prinzip auch, dass gerade die Konfrontation mit dieser Phobie dazu beitraegt, diese abzubauen (und genau daran arbeite ich gerade). Trotzdem tut es in einer solchen Situation gut, sich darin bestaetigt zu fuehlen, genau eine solche Konfrontationstaktik anzuweden. Und es tut erst recht gut, wenn man so etwas "beilaeufig" in einem Zeit-Artikel liest.

    Von daher von mir ein ganz klares "Daumen hoch" fuer diesen Artikel!

    Viele Gruesse,
    tbaum

    • sevens
    • 23. Mai 2010 17:26 Uhr

    wie dieser Artikel hier suggeriert (sieh der Angst ins Angesicht, dann vergeht sie und alles ist wieder gut - nett gemeinter Tip aus dem vorvergangenen Jahrhundert), dann wäre wohl die Welt um einiges Leiden ärmer. Daß eine Spinnenphobie wohl auch nicht zu den schwerwiegenden Problemfeldern der Psychologie gehört, sollte auch jedem klar sein. Angst hat ganz andere Dimensionen, und leider fehlt hier der Verweis darauf. Wer morgens schon mal mit einer Angststörung nahezu gelähmt, mit Herzrasen und Schweißausbrüchen im Bett gelegen hat und nicht aufstehen konnte, der weiß, daß es ein langer Prozess ist, aus dem Teufelskreis der Angst zu entkommen. Das ist viel Arbeit.

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