Psychologen vermuten, dass jeder Mensch eine genetische Disposition dafür habe, sich vor bestimmten Situationen zu fürchten © Miss.Erfolg/photocase.com

Sobald der Patient sich an den ruhigen Flug ge wöhnt hat, beginnen die Turbulenzen. Der Sitz ruckelt hin und her oder sackt ein Stück ab. Nicht das schlechte Wetter ist diesmal daran Schuld, sondern der Therapeut, der den Stuhl in den Bewegungsmodus geschaltet hat. Das Fenster und den Gang des Flugzeugs sieht der Patient auf einer Art Videobrille.

»Bei Flugphobikern erzielen wir mit der Therapie in virtuellen Welten gute Erfolge«, sagt der Psychologe Andreas Mühlberger von der Universität Würzburg . Die meisten trauen sich nach dem virtuellen Testflug in einen echten Flieger.

Angst lässt sich tatsächlich abtrainieren. Jeder Mensch habe zwar eine genetische Disposition dafür, sich vor bestimmten Situationen zu fürchten, vermuten Psychologen. Krankhaft wird die Angst aber erst durch einen Lerneffekt – zum Beispiel, wenn man Erlebnisse in großer Höhe immer wieder als extrem gefährlich empfindet und so seine Furcht verstärkt. Wenn die Höhenangst irgendwann das alltägliche Leben stört, gilt sie als Phobie. Doch was gelernt ist, lässt sich auch wieder verlernen.

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Bewährt hat sich die Konfrontationstherapie. Dabei setzt sich der Patient seiner Angst bewusst aus – ein Spinnenphobiker streichelt Krabbeltiere, und jemand mit Platzangst wagt sich in einen Aufzug. Normalerweise vermeidet ein Phobiker genau diese Situationen. Wenn er jedoch in einer Therapie lernt, sie auszuhalten, nimmt die Angst automatisch ab. »Nach einer Weile lassen Symptome wie Herzrasen nach«, sagt Mühlberger.

Weil es teuer und umständlich ist, mit seinem Therapeuten zu verreisen, greifen Psychologen oft auf Simulationen zurück, um Flugphobiker zu heilen. Doch auch bei anderen Ängsten scheinen diese zu wirken. Der Psychologe Paul Emmelkamp von der Universität Amsterdam und seine Kollegen verglichen zwei Gruppen von Höhenphobikern. Die eine schickten sie zusammen mit Therapeuten in ein Einkaufszentrum, auf eine Feuertreppe und das Dach einer Universität. Die andere setzten sie exakt denselben Orten aus – allerdings waren diese nun am Computer originalgetreu nachgebildet. Das Ergebnis: Beide Gruppen trauten sich hinterher auf einer echten Treppe etwa gleich weit nach oben.

Erste Studien brachten sogar ein besseres Ergebnis für die Therapie in der Scheinwelt. »Das mag daran liegen, dass wir die angstbesetzte Situation leicht anpassen können«, vermutet Andreas Mühlberger. Also erst ruhiger Flug, dann Turbulenzen.