Die Kollegen sind schon da, der Chef kommt etwas zu spät, es kann losgehen. Alles, woran man sich jetzt noch festhalten kann, ist der Laserpointer. Die Knie sind weich, Schweißflecken breiten sich gefühlt von der Achsel bis zur Taille aus, die eigene Stimme reiht mechanisch Sätze aneinander. Irgendwie bringt man es hinter sich, die Kollegen klopfen leise auf die Tische – der Sound des Mitleids.

Wer bei Auftritten vor anderen so schlechte Erfahrungen macht, hat beim nächsten Versuch oft Angst davor, dass er wieder solche Angst bekommt. So beginnt eine Spirale, aus der man sich nur schwer befreien kann. Dabei ist Aufregung eigentlich hilfreich.

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»Für einen guten Auftritt braucht man Adrenalin«, sagt Irmtraud Tarr . Als Konzertorganistin kennt sie Lampenfieber, als Psychotherapeutin behandelt sie Menschen, die unter Auftrittsangst leiden. »Wer völlig ruhig ist, spielt beim Konzert wie eine Schlafpille«, sagt Tarr. Dasselbe gilt für Präsentationen im Büro: Stress macht in der richtigen Dosis wach und konzentriert.

Woher kommt dann die Panik vor dem Auftritt? Lampenfieber sei die Angst vor negativen Bewertungen, schreiben die Psychologen Werner Metzig und Martin Schuster in ihrem Buch Prüfungsangst und Lampenfieber . Insofern ist es nachvollziehbar, dass viele das Publikum sogar als Feind sehen, wie Irmtraud Tarr beobachtet hat.

Genau das will sie ihren Patienten abgewöhnen: Man solle seine Zuhörer besser als Gruppe sehen, zu der man selbst gehört und mit der man kommuniziert, rät sie. »Manche schaffen das, indem sie sich vorstellen, nicht nur die Bühne wäre beleuchtet, sondern auch der Zuschauerraum.« Wer das Publikum nicht mehr als Feind sieht, fragt sich bestenfalls auch nicht: »Wie finden die mich?« Sondern freut sich darüber, dass ihm Leute zuhören. »Und diese Einstellung zeigt sich«, sagt Tarr: »Man steht gleich aufrechter.«