Psychologie So überwindet man schlechte Laune
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Sollten Angestellte also ihrer Gesundheit zuliebe Kunden anpöbeln?

Der Psychologe Dieter Zapf von der Universität Frankfurt fand heraus, dass das Herz deutlich schneller schlägt, wenn man pampigen Kunden gegenüber freundlich bleibt – darf man zurückschimpfen, erhöht sich die Frequenz nur leicht. Erzwungene Freundlichkeit bedeutet demnach Stress. 

Sollten Angestellte also ihrer Gesundheit zuliebe Kunden anpöbeln? Nicht unbedingt, denn es geht auch anders. »Nur die emotionale Dissonanz bedeutet ja Stress«, sagt Christian Dormann, also der Widerspruch zwischen gespielter und echter Stimmung. »Surface-Acting« nennen Psychologen es, wenn jemand schlechte Laune überspielt. Gesünder ist dagegen das »Deep Acting«.

Wie das geht, hat Dormanns Team kürzlich den Mitarbeitern einer Hotelkette beigebracht: Am besten versucht man, sich in eine bessere Stimmung zu bringen. »Oft hilft es auch schon, sich in einen Kunden hineinzuversetzen, der sich gerade beschwert«, sagt Dormann. »Hotelangestellten kann man deshalb raten, kurz innezuhalten und sich zu überlegen, ob das Anliegen des Gastes legitim ist.«

Zum Beispiel: Ist es gerechtfertigt, dass der Kunde ein blank geputztes Bad verlangt? Wer daran denkt, dass er sich selbst auch über Haare in der Dusche ärgern würde, gewinnt Abstand zur Wut auf den Gast. »Dann kann man sich überlegen: Wie handle ich jetzt professionell?«, sagt Dormann.

Auch die Firmen sollten dazu beitragen, dass ihre Angestellten auf gesunde Weise freundlich sein können, findet Dormann. So solle ein Verhaltenskodex den Mitarbeitern nicht vorschreiben, dass sie im Namen der Firma in jeder Situation lächeln müssen, sondern ihnen Spielraum lassen. »Sei professionell«, schlägt er stattdessen vor. Denn viele Mitarbeiter könnten sich mit ihrem Beruf besser identifizieren als mit dem Unternehmen. »Wir haben festgestellt, dass eine solche Regel für die Angestellten weniger belastend ist, die Kunden aber genauso zufrieden sind«, sagt Dormann.

Weit entfernt von diesem Ansatz ist die japanische Bahngesellschaft Keikyu. Sie testet mithilfe des Computerprogramms »Smile Scan«, ob die Ticketverkäufer genug lächeln. Nur wer Augen und Lippen optimal in Position bringt, erzielt hundert Punkte. Wer nicht so gut abschneidet, bekommt über den Bildschirm Ratschläge erteilt wie: »Heben Sie Ihre Mundwinkel weiter an.«

Lesen Sie im nächsten Teil der Serie "Erste Hilfe gegen Alltagsblockaden", wie man kreative Tiefs im Job überwinden kann .

 
Leser-Kommentare
  1. Gerade in den USA verdrängt es ja schon das natürliche Lächeln. Es sieht mehr nach agressiven Zähneflätschen aus, denn nach der Offenherzigkeit, die ja eigentlich Signalisiert werden soll.
    Mir ist ein neutraler Auftritt dann doch lieber. Und wer als Kunde freundlich und höflich ist, wird dann auch ein natürliches Lächeln ernten.

  2. Wer es im Verkauf zu tun hat, hat es immer mit Menschen zu tun. Und nicht jeder Mensch hat immer gute Laune, weder der Kunde, noch der Verkäufer. Das ist Wissen, dass in jedem innewohnt und wirklich jeder kann damit umgehen. Nur manchen Chefs nicht.
    Ich hatte für kurze Zeit mal einen Chef, vielmehr einen Möchtegernchef gehabt, der verlangte von mir tatsächlich permanentes Lächeln dem Kunden gegenüber. Das hält man noch nicht einmal eine Arbeitstag durch und am nächsten Morgen gehst du mit einem Gesicht zum Eierabschrecken in den Laden. Das erste was man dort sieht, ist der "Chef" mit seinen an den Ohrläppchen festgetackerten Mundwinkeln. Was für ein Betriebsklima dort herrschte, brauche ich wohl nicht zu erzählen.
    Ich habe den Laden freiwillig nach einer Woche wieder verlassen und arbeite seit dem ganz alleine für mich, zum Wohle von mir und meinen Kunden. Aber der andere "Chef" manövriert sein Geschäft kaltlächelnd in den Abgrund.

    • Aexl21
    • 18.05.2010 um 22:39 Uhr

    Ich kann mich der Meinung der Vorkommentatoren nur anschließen. Ein künstliches lächen bei Verkäufern (am besten gepaart mit den tollen Namensansteckern am Hemd auf denen zusätzlich steht "Ich bin freundlich") regt mich mehr auf, als wenn derjenige sich natürlich gibt. Sicherlich sollten gerade Leute die in ihren Berufen viel mit anderen Menschen zu tun haben, nicht gerade die stärksten Aggressionen herausplatzen lassen. Aber ein neutrales "Hallo" an der Supermarktkasse wirkt immernoch besser als ein "Ich hoffe ihnen hat der Einkauf gefallen!" ... und als Mittel gegen schlechte Laune und angestauten Frust sind nach wie vor ein guter Gesprächspartner und sportliche Betätigung mehr als nur zu empfehlen! ;-)

  3. Es würde vielleicht helfen, wenn wir endlich einsehen, daß wir Europäer sind und in der Wirtschaft mit den allermeisten Amerikanismen brächen. Was hat es der Welt gebracht, daß Shareholder Value und das Gebaren in Großunternehmen nach Amimuster Einzug gehalten haben? Nichts gutes. Garnichts.

    • remail
    • 19.05.2010 um 8:32 Uhr

    Man kann auch nur mit den Augen lächeln, dabei bleibt das Herz am rechten Fleck. Feinsinnige Situationskomik ist oft leichter als Pseudoprofession. Das kann man lernen, vor allem über Mitfühlen und die Erkenntnis, dass wirkliche Freude ein Teil unseres Alltags sein kann, wenn wir nur wollen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Mit dem Herzen sehen, vielen Dank sehr schöner Kommentar.
    Ein authentischer Mensch mit all seinen Ecken und Kanten ist
    mir persönlich lieber als ein künstliches und vorgetäuschtes Verhalten. Ich versuche Dankbarkeit für die vielen kleinen und wertvollen Dinge des Lebens zu kultivieren,das verschafft mir viel Freude und gibt Kraft bei dem ganz normalen Wahnsinn
    des Lebens.

    Mit dem Herzen sehen, vielen Dank sehr schöner Kommentar.
    Ein authentischer Mensch mit all seinen Ecken und Kanten ist
    mir persönlich lieber als ein künstliches und vorgetäuschtes Verhalten. Ich versuche Dankbarkeit für die vielen kleinen und wertvollen Dinge des Lebens zu kultivieren,das verschafft mir viel Freude und gibt Kraft bei dem ganz normalen Wahnsinn
    des Lebens.

    • knarr
    • 19.05.2010 um 13:18 Uhr

    Die Bezeichnung “Surface-Acting” bezieht sich auf konträre Betätigungen der in der Psychologie unumstößlichen Parität zwischen “Körper & Geist”; das impliziert bereits, das man etwas anderes denkt und fühlt, als der eigene Körper in diesem Moment ausdrückt.

    Mir stellt sich die Frage, ob die willentliche Anpassung des körperlichen Ausdrucks durch den von der Psychologie propagierten Glauben beeinflusst wird, nach dem die mentalen Prozesse als eigene Einheit von den physischen Prozessen abgegrenzt verstanden werden. Nach diesem Verständnis würde die Psyche (der Geist, die Seele oder der (Lebens)atem) den Verstand für die Manipulation der Physis instrumentalisieren. Das klingt bereits nicht gesund.

    Unter “Deep Acting” verstehe ich dann in diesem Zusammenhang den Normalzustand, nämlich das gleichmäßige Betätigen unseres biologischen Systems ohne einen Gedanken der Unterscheidung zwischen mentalen und physischen Prozessen. Das klingt gesund. Der “Zeit Ratgeber Psychologie” scheint mir jedoch ein anderes Verständnis vermitteln zu wollen: sich bewusst verbiegen ist gesünder!

    • Nikocc
    • 19.05.2010 um 14:08 Uhr

    Ich war zehn Jahre in einem Callcenter, sehr hohes Niveau, Distribution in der IT, feste Kunden, 10-20 pro Mitarbeiter. Manchmal war die Stimmung so gut im Team, daß die Kunden von dem Lachen telefonisch angesteckt wurden.

    Tipps waren z.B. ein Spiegel am Arbeitsplatz um seinen eigenen Gesichtsausdruck zu sehen.

    Aber auf die Dauer, drei zum Teil unqualifizierte Vorgesetzte, die einem permanent auf die Finger schauten, die Arbeitsplätze war nach dem Sardinenbüchsen-Prinzip ausgerichtet, 60 Menschen in einem Raum...etwas Galere mit Einpeitscher, subtil über Provisionssystems.

    Fazit: burnout, immer wieder Magenprobleme, freiwillig gekündigt, 9 Monate durch Asien auf Yogatour und nun ein gemeinnütziges, internationales Projekt (8 Länder inzwischen) für welches wir immer Erzähler ab 65 suchen:

    http://www.memoro.org/de-de/

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  • Quelle ZEIT Wissen Ratgeber 2/2010
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  • Schlagworte Psychologie | Gesundheit | Seele | Glück | Wissenschaft
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