Positives Denken Gute Laune auf Befehl
Die ganze Zeit sollen wir lächeln, in allem das Gute sehen, optimistisch in die Zukunft schauen: Positives Denken ist zum Zwang geworden. Wissenschaftler warnen nun, das könne uns krank machen, und empfehlen: Lasst auch schlechte Gefühle zu!
Die Ratgeber zum positiven Denken stapeln sich in Inge Hufers Bücherregal. Ganz oben liegt Sorge dich nicht, lebe! von Dale Carnegie, gleich darunter Rhonda Byrnes The Secret – das Geheimnis . Zahlreiche Eselsohren säumen die Seiten. Doch Hufer macht eine wegwerfende Bewegung. »Von wegen denk positiv!«, sagt die 61-Jährige mit den raspelkurzen Haaren und eingefallenen Wangen. »Danach war mir nun wirklich nicht zumute, als die Diagnose kam.«
Anfang 2009 erfuhr Hufer, sie habe Lungenkrebs. Ein Teil des linken Lungenflügels wurde entfernt, eine Chemotherapie angesetzt. Was der Kölnerin aber nach eigener Aussage mehr Kraft abverlangte als die schmerzhaften Behandlungen, waren die zahlreichen Ermahnungen zum positiven Denken: »Ärzte, Krankenschwestern, Freunde – alle hielten mir pausenlos vor, ich solle optimistisch sein«, sagt Hufer. Als sie vor einem ihrer Ärzte zusammenbrach, erklärte dieser, ihre Einstellung sei wenig hilfreich, und empfahl ihr die Lektüre von Carnegie. Der Erfolg des Buches ließ die Patientin damals aufhorchen. 2,8 Millionen Mal hat sich der Klassiker des positiven Denkens hierzulande verkauft, über 1000 Wochen war er auf den Bestsellerlisten zu finden. »Ich dachte, wenn so viele das Buch gekauft haben, muss es helfen können«, erzählt Hufer.
Für Byrnes Buch und andere Ratgeber entschied sich Hufer aufgrund deren ehrgeiziger Versprechen. Sie seien eine Bedienungsanleitung für ein glückliches und erfülltes Leben – und für jedermann geeignet, hieß es in den Buchbeschreibungen. Als bedienungsfreundlich stellte sich das Glück für Inge Hufer jedoch nicht heraus: Trotz Lektüre und Lächeln ging es ihr nicht besser. Im Gegenteil. »Je mehr ich mich dazu zwang, positiv zu denken, desto leerer fühlte ich mich«, erinnert sie sich.
Die Sache ist kompliziert. Zwar dokumentieren wissenschaftliche Untersuchungen die körperlichen und psychischen Vorzüge einer optimistischen Lebenshaltung . Was jedoch die förderlichen Folgen des positiven Denkens ins Gegenteil verkehren kann, ist der Zwang, dem sich viele Menschen aussetzen. Wie Inge Hufer versuchen sie krampfhaft, alle negativen Emotionen und Gedanken aus ihrem Alltag zu verbannen und am Glück festzuhalten. Für einige von ihnen ist dies sogar riskant: »Der Zwang zum positiven Denken kann beispielsweise für Opfer von Traumata schädlich sein«, warnt Scott Lilienfeld, Psychologie-Professor an der amerikanischen Emory-Universität in Atlanta. Es sei wichtig, individuelle Unterschiede zu respektieren: »Ein Patentrezept für alle gibt es nicht.«
Auf Inge Hufer lastete der Druck zum positiven Denken schwer: Nach dem Gefühl der Leere setzten bei ihr Selbstzweifel ein. War sie vielleicht ein so grundlegend pessimistischer Mensch, dass der Versuch, optimistisch zu bleiben, nicht nur aussichtslos war, sondern gar negative Emotionen wachrief? »Fragen und Zweifel dieser Art ließen mir keine Ruhe«, sagt Hufer. Erst das vor Kurzem veröffentlichte Buch der Amerikanerin Barbara Ehrenreich machte ihr Mut.
In den USA gehört Ehrenreich zu den bekanntesten Autorinnen des Landes. Ihre Essays erscheinen regelmäßig in Printmedien wie der New York Times, ihre Bücher auf Bestsellerlisten. Hufer stolperte über den provokanten Titel ihrer Neuveröffentlichung: » Smile Or Die – Wie die Ideologie des positiven Denkens die Welt verdummt «. Binnen zwei Tagen hatte sie das Buch fertig gelesen und fühlte sich zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren verstanden.
Ehrenreichs Lektüre bewegte Hufer dazu, sich von dem erzwungenen Optimismus loszusagen. Doch die Ratgeber dürfen in ihrem Bücherregal bleiben: »Sie sind eine Art Mahnmal: Auf dass ich mir nicht mehr einreden lasse, wie ich zu denken und zu fühlen habe!«, erklärt Hufer. Sie habe nicht nur die schwerste Krankheit ihres Lebens gemeistert, sondern auch den schlimmsten Druck ihres Umfelds aushalten müssen.
- Datum 19.01.2011 - 07:02 Uhr
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- Quelle ZEIT Wissen 1/2011
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"Kluge" Bücher haben ihre Berechtigung.
Ein Blick in die Welt zeigt jedoch Offensichtliches; Berge ohne Täler gibt es augenscheinlich nicht.
Zu kompliziert?
Na und; das Leben lehrt schon, früher oder später.
Die Grundlage des positiven Denkens liegt meines Erachtens nicht in den unterschiedlichsten Büchern und Vorstellungen der Autoren. Meist teilen sie uns nur mit, was für sie hilfreich ist um positiv zu denken.
Viele Leser orientieren sich zu leicht und zu schnell an der Vorgehensweisen anderer. Aber der eigentliche Schlüssel liegt doch darin, nicht in allem das Positive zu sehen sondern sich aus jeder Lage für sich selbst sein Teil heraus zu ziehen. Ein Teil der mit sich selbst vereinbar ist. Und sollte das nicht aus anhieb funktionieren, einfach weiter probieren. Das lässt sich nicht von heute auf morgen erledigen. Meist ist dazu viel Zeit notwendig, irgendwann bekommt man ein Gespür dafür, setzt Prioritäten und weiß, wie man damit umgehen soll.
Sich zu fragen - warum ist gerade mir das passiert? - ist sicherlich begründet, jedoch ändert das alles nicht das Geringste. Das sind Faktoren, die keiner vorher sehen kann. Natürlich kann man hier nichts Positives herausziehen, aber das soll man auch nicht. Es lohnt nicht sich für Dinge den Kopf zu zerbrechen, die man nicht mehr ändern kann. Das ist nämlich der Krampf, den die meisten haben und nicht erkennen, dass ein Leben viele schöne Fasetten hat.
Vielleicht treten ich hiermit einigen auf den Füßen.
aber die Bildunterschrift ist irgendwie... redundant :)
Aber bitte: Das es ein konkretes Patentrezept zum Glück für alle gibt ist schon deswegen Schwachsinn, weil Evolutionsbedingt jeder genetisch ein Individuum ist und darüber hinaus noch anders sozialisiert ist.
Zu meinen man könne JEDEN mit demselben konkreten Rezept beglücken ist aus wissenschaftlicher Perspektive also eher noch sinnloser, als zu meinen man bräuchte nur eine, jeden beglückende Schuhgröße.
Man kann garnicht genug auf die Unterscheidung zwischen positiven Denken und positiver Psychologie hinweisen.
Das positive Denken wird im Artikel sehr gut dargestellt. Die positive Psychologie ist aus der Tradition entstanden, dass bei Patienten eben nicht mehr nur auf die Defizite sondern auf die Ressourcen geschaut wird. Also nicht gefragt wird was macht Menschen krank und unglücklich, sondern gesund und glücklich? Dabei wird aber nicht ausgeschlossen (wie es die positiven Denker gerne hätten) dass man negative Gedanken hat.
Was im Artikel gut hervortritt ist, dass jeder auf sein eigenes Rezept kommen muss.
Übrigens ist dieses Thema nicht neu.
Der Hamburger Psychologieprofessor Sven Tönnies konnte schon 1988 (Novemberausgabe) in der "Psychologie Heute" zeigen, dass das positive Denken wissenschaftlich nicht haltbar ist. Dabei ist aber nicht auszuschließen, dass es trotzdem Menschen gibt, denen das hilft.
Jeder ist eben seines Glückes Schmied:-)
Man kann garnicht genug auf die Unterscheidung zwischen positiven Denken und positiver Psychologie hinweisen.
Das positive Denken wird im Artikel sehr gut dargestellt. Die positive Psychologie ist aus der Tradition entstanden, dass bei Patienten eben nicht mehr nur auf die Defizite sondern auf die Ressourcen geschaut wird. Also nicht gefragt wird was macht Menschen krank und unglücklich, sondern gesund und glücklich? Dabei wird aber nicht ausgeschlossen (wie es die positiven Denker gerne hätten) dass man negative Gedanken hat.
Was im Artikel gut hervortritt ist, dass jeder auf sein eigenes Rezept kommen muss.
Übrigens ist dieses Thema nicht neu.
Der Hamburger Psychologieprofessor Sven Tönnies konnte schon 1988 (Novemberausgabe) in der "Psychologie Heute" zeigen, dass das positive Denken wissenschaftlich nicht haltbar ist. Dabei ist aber nicht auszuschließen, dass es trotzdem Menschen gibt, denen das hilft.
Jeder ist eben seines Glückes Schmied:-)
"Generell dienen negative Emotionen wie Furcht einem wichtigen Zweck: Sie sind unverzichtbar,..."
Ich würde Furcht ( so lange sie nicht pathologisch ist) nicht als negativ bezeichnen.
Ich habe aber auch noch keines der Ratgeber Bücher gelesen und auch bewusst abgelehnt diese zu lesen.
In gewisser Weise, bedeudet "Sorge dich nicht, sondern lebe" halt deine Klappe wenn es dir dreckig geht, stör unsere Party nicht und mucke nicht auf, sondern akzeptiere die Umstände. Fast ein Gegensatz zu "Empöre Dich".
Man kann garnicht genug auf die Unterscheidung zwischen positiven Denken und positiver Psychologie hinweisen.
Das positive Denken wird im Artikel sehr gut dargestellt. Die positive Psychologie ist aus der Tradition entstanden, dass bei Patienten eben nicht mehr nur auf die Defizite sondern auf die Ressourcen geschaut wird. Also nicht gefragt wird was macht Menschen krank und unglücklich, sondern gesund und glücklich? Dabei wird aber nicht ausgeschlossen (wie es die positiven Denker gerne hätten) dass man negative Gedanken hat.
Was im Artikel gut hervortritt ist, dass jeder auf sein eigenes Rezept kommen muss.
Übrigens ist dieses Thema nicht neu.
Der Hamburger Psychologieprofessor Sven Tönnies konnte schon 1988 (Novemberausgabe) in der "Psychologie Heute" zeigen, dass das positive Denken wissenschaftlich nicht haltbar ist. Dabei ist aber nicht auszuschließen, dass es trotzdem Menschen gibt, denen das hilft.
Jeder ist eben seines Glückes Schmied:-)
oder ggf. die Bedeutung des Wortes "konkret" nachschlagen.
Da ich mit Ihnen weitgehend übereinstimme (außer bei dem Satz "Jeder ist seines Glückes Schmied", denn wir unterliegen genau wie jedes andere Lebewesen den Naturgesetzen und leider hat daher niemand sein Glück in der Hand, sondern um glücklich zu sein braucht er vor allem: GLÜCK, denn überhaupt in die Lage zu kommen ein individuell wirksames Glückkonzept entwickeln und umsetzen zu können ist ein unfassbares Glück das global betrachtet nicht selbstverständlich ist) habe ich ja geschrieben, dass es nicht ein KONKRETES Rezept gibt. Ein Beispiel für so ein KONKRETES Rezept ist "ständig nur positiv denken". Nur dagegen hatte ich mich gewand. Das jeder ein individuelles KONKRETES Konzept entwickeln muss war doch gerade meine These. Mit dem Wort "konkret" habe ich also nicht ausgeschlossen, dass es auch gemeinsame Grundlagen anhand der die meisten ein individuelles Rezept entwickeln können (nicht jeder wenn ich nichts zu essen habe oder psychisch krank bin etc etc dann kann ich vielleicht nicht einmal so ein Konzept entwickeln geschweige denn umsetzen!).
oder ggf. die Bedeutung des Wortes "konkret" nachschlagen.
Da ich mit Ihnen weitgehend übereinstimme (außer bei dem Satz "Jeder ist seines Glückes Schmied", denn wir unterliegen genau wie jedes andere Lebewesen den Naturgesetzen und leider hat daher niemand sein Glück in der Hand, sondern um glücklich zu sein braucht er vor allem: GLÜCK, denn überhaupt in die Lage zu kommen ein individuell wirksames Glückkonzept entwickeln und umsetzen zu können ist ein unfassbares Glück das global betrachtet nicht selbstverständlich ist) habe ich ja geschrieben, dass es nicht ein KONKRETES Rezept gibt. Ein Beispiel für so ein KONKRETES Rezept ist "ständig nur positiv denken". Nur dagegen hatte ich mich gewand. Das jeder ein individuelles KONKRETES Konzept entwickeln muss war doch gerade meine These. Mit dem Wort "konkret" habe ich also nicht ausgeschlossen, dass es auch gemeinsame Grundlagen anhand der die meisten ein individuelles Rezept entwickeln können (nicht jeder wenn ich nichts zu essen habe oder psychisch krank bin etc etc dann kann ich vielleicht nicht einmal so ein Konzept entwickeln geschweige denn umsetzen!).
Jeder normal bemittelte Mensch, der mit offenen Augen durchs Leben geht, sieht, dass die Welt alles andere als nur positiv ist. Der Zwang zum positiven Denken hat deshalb geradezu etwas Totalitäres und macht agressiv.
Jeder hat andere körperliche und seelische Dispositionen und macht andere Erfahrungen. Dies sollte repektiert werden.
Ob einen das Leben nur anwidert oder man alles ganz toll findet. Beides ist legitim.
oder ggf. die Bedeutung des Wortes "konkret" nachschlagen.
Da ich mit Ihnen weitgehend übereinstimme (außer bei dem Satz "Jeder ist seines Glückes Schmied", denn wir unterliegen genau wie jedes andere Lebewesen den Naturgesetzen und leider hat daher niemand sein Glück in der Hand, sondern um glücklich zu sein braucht er vor allem: GLÜCK, denn überhaupt in die Lage zu kommen ein individuell wirksames Glückkonzept entwickeln und umsetzen zu können ist ein unfassbares Glück das global betrachtet nicht selbstverständlich ist) habe ich ja geschrieben, dass es nicht ein KONKRETES Rezept gibt. Ein Beispiel für so ein KONKRETES Rezept ist "ständig nur positiv denken". Nur dagegen hatte ich mich gewand. Das jeder ein individuelles KONKRETES Konzept entwickeln muss war doch gerade meine These. Mit dem Wort "konkret" habe ich also nicht ausgeschlossen, dass es auch gemeinsame Grundlagen anhand der die meisten ein individuelles Rezept entwickeln können (nicht jeder wenn ich nichts zu essen habe oder psychisch krank bin etc etc dann kann ich vielleicht nicht einmal so ein Konzept entwickeln geschweige denn umsetzen!).
Wenn sich, wie im Artikel unterstellt, positives Denken auf die Fassade beschränkt, also "immer nur lächeln", obwohl man innerlich vor Wut kocht oder verzweifelt ist, dann verschlimmert es zweifellos die Situation nur.
Was aus meiner den Unterschied ausmacht, ist die Blickrichtung: schaue ich immer nur rückwärts auf alle die Fehler und Probleme der Vergangenheit, dann fühle ich mich natürlich dauernd schlecht und traue mir irgendwann gar nichts mehr zu. Schaffe ich es dagegen, nach vorn zu schauen und mir klar zu machen, wie ich es beim nächsten Mal besser machen kann, dann werde ich mit gewissem Optimismus einen neuen Anlauf starten.
Ob dafür nun die positive Vorstellung des erwarteten Erfolges oder die Wut über das verpatzte letzte Mal die bessere Motivation liefert, ist individuell verschieden; aber eine trotzige Gegenreaktion ist nach meiner Erfahrung der stärkere Antrieb.
Wichtig ist nur, den unumkehrbaren Lauf der Zeit zu akzeptieren: vorbei ist vorbei, ändern können wir nur die Zukunft. Und die sollten wir versuchen aktiv zu gestalten, egal ob die Motivation nun Vorfreude oder Ärger ist.
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