Parapsychologie: Warum wir alle spinnen
Selbst Skeptiker und Atheisten glauben an übernatürliche Phänomene, behauptet der Psychologieprofessor Bruce Hood. Wir können nicht anders. Irrationale Erklärungsmuster sind ein Erbe der Evolution. Das kann gefährlich werden.
© Don Emmert/AFP/Getty Images

Ein Heiligenschein um den Mond über der New Yorker Bronx: Eiskristalle in der Luft zaubern das Phänomen in den Nachthimmel
ZEIT Wissen: Professor Hood, stimmt es, dass Sie in Ihren Vorlesungen die Jacke eines Massenmörders herumreichen?
Bruce Hood : Ja, aber das ist nur ein dramaturgischer Kniff. Wenn die Zuhörer die Jacke berührt haben und anschließend erfahren, dass sie einst einem Massenmörder gehörte, sind sie angewidert und fühlen sich kontaminiert.
ZEIT: Und was bezwecken Sie damit?
Hood : Mit der Jacke verbinden viele eine Art negative Energie, die durch direkten Kontakt auf sie übertragen werden kann – sie glauben an etwas Übernatürliches, und dieser Glaube entspringt der Intuition. Mit dem Glauben an Geister, Glücksbringer oder an ein Leben nach dem Tod verhält es sich ähnlich.
ZEIT : In Ihrem Buch behaupten Sie, dass selbst aufgeklärte und skeptische Menschen an übernatürliche Phänomene glauben. Wie kommen Sie darauf?
Hood : Skeptiker halten Telepathie und Geister für Unsinn, aber die Strickjacke zu berühren finden auch sie unbehaglich. Und wenn man in 10.000 Meter Höhe in einem Flugzeug sitzt und irgendetwas schiefgeht, fangen auch Atheisten plötzlich an zu beten.
ZEIT: Woran liegt das?
Hood : An der Funktionsweise unseres Gehirns. Die Evolution hat es darauf getrimmt, die Welt zu interpretieren und Struk- turen zu erkennen. Wenn wir etwa bei Vollmond nicht gut schlafen, halten wir das für ungewöhnlich und verdrängen die vielen Male, in denen das bei Vollmond nicht passiert ist. Es ist schwer, diese tief sitzenden Mechanismen zu überlisten. Besonders in Stresssituationen fällt rationales Denken schwer.
ZEIT : Sie führen biologische Ursachen an, aber Religion und Aberglaube verbreiten sich doch auch durch die Kultur.
Hood : Das erklärt jedoch nicht die Unterschiede zwischen Menschen, die in derselben Familie aufgewachsen sind. Die Religion ist nur deshalb so erfolgreich, weil sie auf den Ideen aufbaut, die wir von Natur aus für plausibel halten. Wenn Kinder allein auf einer einsamen Insel aufwachsen würden, hätten sie bald ihre eigenen Dämonen und Götter erfunden.
ZEIT : Können wir die Irrationalität nie hinter uns lassen?
Hood : Aberglaube verschwindet – niemand glaubt heute noch an Hexen. Dafür gibt es heute New Age. Diese Leute akzeptieren Errungenschaften der Wissenschaft wie Handy und Internet, halten aber zugleich an ihren esoterischen Vorstellungen fest.
ZEIT : Eine Gefahr für die Zivilisation?
Hood: Mancher Aberglaube ist gefährlich. In Afrika werden Albinos von vermeintlichen Magiern getötet. Wir müssen verstehen lernen, warum Menschen solchen Glaubenssystemen anhängen.
Das Gespräch führte Max Rauner









Was für ein Unsinn. Als Professor für Psychologie sollte es Herr Hood eigentlich besser wissen. Dass Atheisten bei Flugproblemen das Beten anfingen ist erst einmal eine Behauptung bar jeglicher Evidenz. Für Gläubige mag das Seznario zwar wunderbar überzeugend klingen, "man hat es ja schon immer gewusst". Aber mit derselben Begründung könnte ein Atheist behaupten, dass selbst der Papst nicht an Gott glaube, denn das verbiete ihm sein Verstand. Und wenn man aus der Beobachtung, dass sich Studenten unwohl beim Kontakt mit persönlichen Gegenständen eines Massenmörder fühlen, darauf schließt, sie nähmen eine mystische negative Energie an, die dem Gegenstand innewohne, befindet man sich auf dem Niveau der Nicht-Wissenschaften mit dem Grundprinzip "man kann man sich zusammenreimen, was immer man will. Solange es plausibel klingt, ist es wahr" ... Wissenschaft geht anders, Herr Hood.
Ich würde mich selbst als Skeptiker und Agnostiker definieren, deshalb bin ich aber noch nicht - man verzeihe mir den Ausdruck - blöd! Und ja, es gibt vermeintlich intelligente Menschen, die dann aber ohne Glücksbringer nichts auf die Reihe bringen, an Homöopathie glauben oder an Geister ... die Liste lässt sich beliebig verlängern. Meine persönliche, aber sicher nicht repräsentative, Erfahrung dagegen ist: Es ist eine Frage der Intelligenz, ob man sich dem Schwachsinn freiwillig ausliefert oder nicht.
Dabei ist die Bewertungsregel so einfach: Man gehe einfach nach der Wahrscheinlichkeit. Was man nicht beweisen kann ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht existent. Dagegen kann man die Nichtexistenz einer Sache (Gott und andere Konstrukte) nicht beweisen - wozu auch. Wenn ich am Straßenrand jemanden treffe, der mit erzählt ein gelb blinkender, sprechender Oktopus hätte den nahenden Weltuntergang angekündigt und alle Sünder müssten jetzt büssen, dann muss doch der offensichtlich verwirrte Zeitgenosse beweisen, dass seine Aussage wahr ist, zumindest belegbare Hinweise liefern, dass seine Aussage zumindest mit großer Wahrscheinlichkeit richtig ist. Dagegen muss ich nicht wiederlegen, dass das Vorgetragene stimmt.
Das auch gebildete Menschen sich dem (Aber-)glauben und sonstiger Einbildungen nicht entziehen können liegt schlicht daran, dass Bildung(Dressur) und Intelligenz nicht das selbe sind. Bestenfalls ist ein Mindestmaß an Intelligenz nötig für Bildung!
"Was man nicht beweisen kann ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht existent."
@Arcus771:Was beweisbar ist, hängt doch wesentlich vom Stand der Wissenschaft und der Methodik ab! So hat Watson sich auf das Verhalten als Grundlage der Psychologie beschränkt und Gefühle und Gedanken abgelehnt, nicht weil der Meinung war, dass es Gefühle und Gedanken nicht gab, sondern weil Gefühle und Gedanken zu seiner Zeit nicht wissenschaftlich kontrolliert beobachtbar waren.
Außerdem ist es ein Unterschied, ob ich etwas nicht beweisen kann oder ob ich es falsifizieren kann.
In dem Maße, wie Wissenschaftler sich über die Begrenztheit seines Zugangs täuschen, sind sie selbst irrational.
"Was man nicht beweisen kann ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch nicht existent."
@Arcus771:Was beweisbar ist, hängt doch wesentlich vom Stand der Wissenschaft und der Methodik ab! So hat Watson sich auf das Verhalten als Grundlage der Psychologie beschränkt und Gefühle und Gedanken abgelehnt, nicht weil der Meinung war, dass es Gefühle und Gedanken nicht gab, sondern weil Gefühle und Gedanken zu seiner Zeit nicht wissenschaftlich kontrolliert beobachtbar waren.
Außerdem ist es ein Unterschied, ob ich etwas nicht beweisen kann oder ob ich es falsifizieren kann.
In dem Maße, wie Wissenschaftler sich über die Begrenztheit seines Zugangs täuschen, sind sie selbst irrational.
@minhen
Wissenschaft geht anders? In der Tat. Aber wer in einem Interview Referenzen erwartet ist wahrlich wenig qualifiziert, andere darüber zu belehren, wie Wissenschaft geht. In einer wissenschaftlichen Publikation würde Hood sicher Referenzen nennen. Ein Interview ist aber keine. Selbst wenn er im Gespräch welche genannt hätte wären sie der Redaktion zum Opfer gefallen, denn ein Artikel in einer sich an die Allgemeinheit richtenden Zeitung ist der falsche Ort dafür.
Wissenschaft geht anders - richtig. Wer sie aber an dieser Stelle erwartet weiss schlicht selbst nicht, wie sie geht.
Ich erwarte keine Referenzen, sondern wissenschaftliches Arbeiten und das kann auch kommuniziert werden. Das Interview liefert jedoch keine entsprechenden Anhaltspunkte und lässt mit den groben Verallgemeinerungen (beim Flugzeugabsturz beten auch Atheisten, wer persönliche Gegenstände eines Massenmörders ungern berührt glaubt an negative Energien in selbigen) lässt eher das Gegenteil vermuten. Man kann außerdem davon ausgehen, dass eher kein Experiment mit abstürzenden Flugzeugen durchgeführt wurde. Vermuten kann man darüber hinaus, dass die Annahme mit negativen Energien wohl grob vereinfacht, wahrscheinlich sogar falsch ist. Viel plausibler wäre eine Ekel-Reaktion, die sozial erlernt ist. Doch darum geht es nicht. Die Aussagen im Interview sind so schlicht und ergreifend nicht haltbar.
Glückwunsch übrigens zu Ihrer messerscharfen Analyse was ich erwarte, was ich weiß und was ich nicht weiß. Im Sinne des Interviews muss ich also darauf schließen, dass alle Diplom-Chemiker Gedanken lesen können (oder eher glauben es zu können)?
Ich erwarte keine Referenzen, sondern wissenschaftliches Arbeiten und das kann auch kommuniziert werden. Das Interview liefert jedoch keine entsprechenden Anhaltspunkte und lässt mit den groben Verallgemeinerungen (beim Flugzeugabsturz beten auch Atheisten, wer persönliche Gegenstände eines Massenmörders ungern berührt glaubt an negative Energien in selbigen) lässt eher das Gegenteil vermuten. Man kann außerdem davon ausgehen, dass eher kein Experiment mit abstürzenden Flugzeugen durchgeführt wurde. Vermuten kann man darüber hinaus, dass die Annahme mit negativen Energien wohl grob vereinfacht, wahrscheinlich sogar falsch ist. Viel plausibler wäre eine Ekel-Reaktion, die sozial erlernt ist. Doch darum geht es nicht. Die Aussagen im Interview sind so schlicht und ergreifend nicht haltbar.
Glückwunsch übrigens zu Ihrer messerscharfen Analyse was ich erwarte, was ich weiß und was ich nicht weiß. Im Sinne des Interviews muss ich also darauf schließen, dass alle Diplom-Chemiker Gedanken lesen können (oder eher glauben es zu können)?
"Luci", die in Afrika, hat wohl auch eher intuitiv Gefahren erkannt und eingeordnet. Da war halt ein Gewitter wohl "der große Donnervogel" oder so.
Heute Beispielsweise glauben, eigentlich hoch intelligent Menschen, auf Grund zweifelhafter und ominöser "Fakten", an "Die Klimaerwärmung" welche die Küsten verhehren und das Land verschlingen wird. Nur durch große Opfergaben kann dies noch verhindert werden!
Preisfrage: Wer würde seine Mutter wohl verfluchen und sei es nur "im Spaß"?!
zu verbreiten, fällt wahrlich nicht nur intelligenten Menschen leicht. Schade, dass sie das neocon-Geschwafel ernst nehmen und so leichtfertig meine Zukunft und die ihrer Kinder und Enkel verspielen.
Zurück zum Thema:
Als Agnostiker und Dauer(ver)zweifler würde ich in einem abstürzenden Flugzeug auch alle mir bekannten Gedankenkonstrukte à la Isis, Osiris, Thor und vielleicht auch Gott anrufen, denn wenn mein Leben außerhalb meiner Verantwortung steht, bestünde ja trotzdem die marginale Chance einer Rettung durch eine Entität.
Hat vielleicht was mit Optimismus/Hoffnung zu tun.
...dass das mit dem Klima sich von selbst erledigt.
Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/ew
zu verbreiten, fällt wahrlich nicht nur intelligenten Menschen leicht. Schade, dass sie das neocon-Geschwafel ernst nehmen und so leichtfertig meine Zukunft und die ihrer Kinder und Enkel verspielen.
Zurück zum Thema:
Als Agnostiker und Dauer(ver)zweifler würde ich in einem abstürzenden Flugzeug auch alle mir bekannten Gedankenkonstrukte à la Isis, Osiris, Thor und vielleicht auch Gott anrufen, denn wenn mein Leben außerhalb meiner Verantwortung steht, bestünde ja trotzdem die marginale Chance einer Rettung durch eine Entität.
Hat vielleicht was mit Optimismus/Hoffnung zu tun.
...dass das mit dem Klima sich von selbst erledigt.
Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/ew
es scheint, als feierte die metaphysik der alten systeme ihre wiederauferstehung in den naturwissenschaften. der auftrieb der neuen, evolutionstheoretischen und bioanthropologischen soziologien und psychologien und die neo-organizistische zurichtung von individuum und gesellschaft nehmen langsam das format einer eigenen gegenaufklärerischen bewegung an. am aberglauben ist diese selbstentmündigung und selbstdementierung des denkens näher dran als vielen bewusst ist.
Könnte es sein, dass Gläubige, Skeptiker und Atheisten deswegen an übernatürlichen Phänomene glauben, weil es diese ganz einfach gibt? Ist Ihnen das schon mal in den Sinn gekommen? Es ist eben vieles auf dieser Welt noch nicht erforscht und kann mit wissenschaftlichen Methoden nicht nachgewiesen oder "gemessen" werden. Kann sein dass die Menschen im 25. Jahrhundert uns arme Irre belächeln, weil wir Dinge als vermeintlichen "Humbug" oder "irrational" bezeichnet haben, die bis dahin jedes Schulkind weiß - und uns auch noch anmaßend mit dem Etikett "aufgeklärt" geschmückt haben.
Jou, kann schon sein.
Wie wir ja wissen, meinten schon die ollen Griechen (die mit der Filosofie, nicht die mit den eifersüchtigen und hintertückischen Göttern), dass da nix Übernatürliches in dieser Welt sei, dass alles einen rationalen Hintergrund habe und auch erklärt werden könne. Übrigens auch, dass die Erde rund sei, schon mit recht genauer Berechnung.
Diese Auffassung wurde durch die religiösen Eiferer jeglicher Couleur (nicht nur der Christen, die waren nur besonders erfolgreich) überstimmt. Und natürlich belächelt.
Genau das könnte in 200 Jahren auch der Fall sein. Man belächelt die Wissenschafts"gläubigen", wo doch alle Antworten im fliegenden Spaghettimonster enthalten sind! Wenn die Zeit fortschreitet, heißt das noch lange nicht Fortschritt.
Jou, kann schon sein.
Wie wir ja wissen, meinten schon die ollen Griechen (die mit der Filosofie, nicht die mit den eifersüchtigen und hintertückischen Göttern), dass da nix Übernatürliches in dieser Welt sei, dass alles einen rationalen Hintergrund habe und auch erklärt werden könne. Übrigens auch, dass die Erde rund sei, schon mit recht genauer Berechnung.
Diese Auffassung wurde durch die religiösen Eiferer jeglicher Couleur (nicht nur der Christen, die waren nur besonders erfolgreich) überstimmt. Und natürlich belächelt.
Genau das könnte in 200 Jahren auch der Fall sein. Man belächelt die Wissenschafts"gläubigen", wo doch alle Antworten im fliegenden Spaghettimonster enthalten sind! Wenn die Zeit fortschreitet, heißt das noch lange nicht Fortschritt.
Da fällt mir folgende schöne Anektote ein:
Der dänische Physiker und Nobelpreisträger Nils Bohr wurde mal von einem Physiker-Kollegen besucht. Über dem Eingang zum Haus hing ein Hufeisen, was den Besucher masslos erstaunte und er daraufhin einfach fragen musste: "Sie, Herr Prof. Bohr, und ein Hufeisen??? Glauben Sie etwa im Ernst daran?" Prof. Bohr soll geantwortet haben: "Selbstverständlich nicht!!! Aber es soll auch dann helfen, wenn man nicht daran glaubt!"
Übrigens klingen die letzten beiden Fragen für mich so, als sei es ziemlich wichtig für uns, uns lieber weg vom Menschen und hin zum Vulkanier zu entwickeln.
Ob die Behauptung, jeder glaube an übernatürliche Phänomene stimmt, hängt vor allem davon ab, wie man an etwas zu glauben definiert.
Das Beispiel mit der Jacke des Mörders ist da vielleicht sogar ganz gut. Etwas unwohl mögen sich da wirklich die aller meisten fühlen, weil es eben einen Zusammenhang zwischen der Jacke und dem Mord gibt. Dass dieser bedeutungslos ist, ergeben erst rationale Überlegungen.
Wirklich an übernatürliche Phänomene Gläubige zeichnen sich aber nicht durch solche Empfindungen aus, die sie nach kurzer Überlegung verwerfen, sondern dadurch, dass sie diese Überzeugungen auch ihrer rationalen Argumentation zu Grunde legen.
Überall Zusammenhänge zu vermuten ist wahrscheinlich wirklich in unserer Natur angelegt. Die Behauptung, dass jeder an solche Phänomene "glaube", ist dann aber eine stark übertriebene Darstellung.
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