Montagabends in einem deutschen Wohnzimmer: Der erste Arbeitstag der Woche ist vorbei, und ein wenig Entspannung vor dem Fernseher täte jetzt gut. Doch leider ist das Programm vor Mitternacht recht bescheiden. Die DVD-Sammlung ist alt. Und die nächste Videothek viel zu weit weg, zumal es draußen schüttet. Wie großartig wäre es, könnte man jetzt den Thriller schauen, der am Wochenende zu nachtschlafender Zeit lief.

Glücklicherweise muss es nicht mehr viele solcher Abende geben. Das Fernsehen steht vor einem Umbruch, gegen den die Einführung des Farbfernsehens 1967 als blasse Episode erscheint. Hightech-Unternehmen und Sender wollen endlich einlösen, was sie seit mehr als einem Jahrzehnt versprechen: Sie wollen Fernsehen und Internet zum ultimativen Wohnzimmer-Erlebnis verschmelzen. Gucken und klicken – was man will, wann man will. Thomas Künstner von der Unternehmensberatung Booz & Company verfolgt seit den frühen neunziger Jahren die Entwicklung der beiden Medien und hat schon viele Ideen verpuffen sehen; er ist sicher: »Die Wende steht wirklich bevor.«

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Denn anders als zur Jahrtausendwende, als »Konvergenz« – das Zusammenwachsen verschiedener Medien – zum Modebegriff der New Economy wurde, verfügen heute 70 Prozent der deutschen Haushalte über einen schnellen Internetanschluss. Dieser ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, Filme in hoher Auflösung ruckelfrei aus dem Internet zu empfangen – und sich so von den Fesseln starrer Sendepläne zu befreien. Dank YouTube, den Internet-Mediatheken und Online-Videotheken ist das am Computer schon länger möglich. Die meisten Fernsehgeräte jedoch sind bisher nicht in der Lage, sich aus der Programmvielfalt im Netz zu bedienen.

Apple und Google wittern nun das große Geschäft, beide Konzerne bringen kleine Boxen auf den Markt, die herkömmliche Fernseher in »Smart TVs« verwandeln. Apple TV und Google TV können nicht nur auf Online-Videodienste zugreifen, sondern auch auf andere Netzdienste wie Filmdatenbanken. Die spannende Frage ist, zu wessen Gunsten die Entwicklung verlaufen wird: Werden Internetkonzerne und Gerätehersteller das große Geschäft machen? Oder werden die Sender etwas entgegenzusetzen haben und auch morgen noch darüber bestimmen, was wir wann schauen?

Die verschiedenen Konzepte unterscheiden sich deutlich. Das neue Apple TV ist der zweite Versuch des kalifornischen Computerkonzerns, Filme, Fotos und Musikvideos auf den Fernsehschirm zu bringen. Kernstück ist ein kleiner quadratischer Computer in schwarzem Gehäuse, der, anders als das Vorläufermodell, keine Festplatte hat. Speichern war gestern, heute setzt Apple auf Streaming: Alle Inhalte werden drahtlos aus dem Internet oder vom eigenen Computer empfangen, in einem Flash-Speicher zwischengespeichert und über ein Kabel direkt an den Fernseher übertragen.

Wer etwa Dauer-Weltretter Jack Bauer in der neuesten Staffel von 24 sehen will, wählt die Serie in einem minimalistischen Menü am Fernseher aus. Außer auf den iTunes Store von Apple, in dem man Videos einzeln kaufen oder für 48 Stunden leihen kann, greift die kleine Box auch auf die Online-Videothek Netflix zu. Dort können die Kunden für eine monatliche Abogebühr so viele Filme ausleihen, wie sie wollen. Leider gilt dieses Angebot derzeit nur für die USA, in Deutschland gibt es noch nichts Vergleichbares. Immerhin können iPhone-Besitzer ihre Telefone auch hier mit einem kostenlosen Programm in eine kompatible Luxus-Fernbedienung verwandeln.