Lange Würmer schieben sich aus weißlichen Röhren empor, dazwischen blassrosa Fische, im Hintergrund schießen dunkle Fontänen in die Höhe. Fasziniert verfolgt der Kieler Geologe Colin Devey das bizarre Schauspiel auf dem Monitor. Was er sieht, spielt sich 1600 Meter entfernt unter seinen Füßen ab, am Grund des Pazifiks. Der ferngesteuerte Tiefsee-Tauchroboter Kiel 6000 sendet von dort aus erste Aufnahmen über ein langes Kabel in den Kontrollraum des Forschungsschiffs Sonne.

Drei Wochen lang sind Experten des Kieler Leibniz-Instituts für Meeresforschung (IFM) vor der Küste Neuseelands unterwegs. Erstmals testen sie ihren mit Kameras und Greifarmen versehenen, fünf Millionen Euro teuren Roboter – in einer Umgebung, die »in Zukunft auch für Europas Rohstoffversorgung interessant sein könnte«, wie Devey sagt. Vor Neuseeland erstreckt sich eine unterseeische Bergkette, übersät mit Schwarzen Rauchern. Die Geysire am Meeresgrund gelten als Goldgruben der Tiefsee.

»Was wie Rauch aussieht, ist in Wahrheit heißes Wasser«, erklärt Devey. »Durch den Druck der Tiefsee sickert es in die Erdkruste, erhitzt sich auf bis zu 400 Grad Celsius und löst wertvolle Mineralien aus dem Gestein.« Gesättigt mit Gold, Silber, Kupfer und Zink, schießt das Wasser wieder aus dem Meeresboden. Beim Erkalten setzen sich die Metalle in meterdicken Schichten ab und bilden Flächen, die so groß werden können wie Fußballplätze.

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Als Forscher in den achtziger Jahren 30 Gramm Gold pro Tonne Gestein am Meeresgrund fanden, ging ein Raunen durch die Fachwelt, erinnert sich Peter Herzig, der Direktor des IFM. An Land gelten schon Lagerstätten mit nur einem Gramm Gold pro Tonne als lukrativ. Heute werden immer neue Schwarze Raucher in der Tiefsee entdeckt: entlang des Pazifischen Feuerrings, am Mittelatlantischen Rücken, sogar im Mittelmeer. Im Schnitt enthält ihr Gestein 5 bis 20 Gramm Gold pro Tonne, 200 bis 1200 Gramm Silber, bis zu 50 Prozent Zink und 15 Prozent Kupfer.

Nun wollen die ersten Firmen den Schatz heben: Neptune Minerals, ein britisch-australisches Bergbauunternehmen, hat von Neuseeland Erkundungslizenzen gepachtet. Und die kanadische Firma Nautilus Minerals, die vor der Küste Papua-Neuguineas über 70 Felder erkundet, will das Gestein der Schwarzen Raucher mithilfe riesiger Meißelbohrer, die auf Stelzen über den Meeresboden laufen, abtragen. Im Januar erteilte die Regierung Papua-Neuguineas dem Unternehmen die weltweit erste Lizenz zum Bergbau in der Tiefsee.