AsteroidenUnter Beschuss

Ein Asteroideneinschlag könnte Millionen Menschen töten. Die Vereinten Nationen arbeiten an einem Notfallplan, die USA wollen Astronauten auf einen fliegenden Stein im Weltall schicken, die Europäer planen ein Frühwarnsystem. Wie groß ist die Gefahr? von 

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Diese Illustration zeigt den möglichen Einschlag eines riesigen Asteroiden auf der Erde.  |  © Don Davis/Nasa

Die Rettung unserer Zivilisation beginnt für Detlef Koschny im Wohnzimmer. An einem Donnerstagabend im Februar sitzt er in seinem weißen Häuschen im niederländischen Nordwijkerhout vor dem Computer, seine Frau liest Zeitung auf dem Sofa. Detlef Koschny chattet mit Pablo Ruiz auf Teneriffa. Er fragt: »Wie ist das Wetter?«

Gut, antwortet Ruiz, 65 Prozent Luftfeuchtigkeit, klare Sicht. An der Küste Teneriffas drängen jetzt die Touristen in die Hotelbars, am Observatorium auf dem Berg ist Pablo Ruiz allein – allein mit einer Kaffeemaschine, ein paar Computern und einigen Milliarden Sternen über dem Kuppeldach. Ruiz und Koschny haben sich heute Abend im Dienst der Menschheit vernetzt. Sie wollen herausfinden, ob Asteroiden auf die Erde zufliegen. Ruiz tippt Kommandos in den Rechner. Schnurrend setzt sich das Fernrohr in Bewegung.

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Infografik Asteroidenabwehr

© Ela Strickert

Im Science-Fiction-Spektakel Armageddon rettet Bruce Willis die Erde vor der Apokalypse, indem er einen anfliegenden Monster-Asteroiden mit einer Atombombe zerlegt . Koschny hat Ähnliches vor, auch wenn das auf den ersten Blick nicht so aussieht. Über seinen Bauchansatz spannt sich ein kariertes Hemd, er trägt Sandalen und Wollsocken von Oma. Detlef Koschny ist Europas oberster Asteroidenjäger, er arbeitet für die Europäische Raumfahrtorganisation Esa in Nordwijk. Pablo Ruiz bedient das Esa-Teleskop auf den Kanarischen Inseln.

Gemeinsam mit Raumfahrtexperten in aller Welt verfolgen sie einen verwegenen Plan: Sollte eines Tages ein Asteroid Kurs auf die Erde nehmen, wollen sie diesen aus der Bahn schießen. Die Europäer rätseln noch, wie das ohne Atombombe geht, andere erwägen auch diese Option. Einziger Unterschied zu Hollywood: Auf der Rakete würden keine Menschen mitfliegen. Größer noch als die technischen Hürden sind die politischen. Wenn bei dem Manöver etwas schiefgeht, könnten eigentlich unbeteiligte Nationen plötzlich zum Ziel der kosmischen Bombe werden.

ZEIT Wissen 3/2011
ZEIT Wissen 3/2011

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

Es klingt fantastisch, aber es ist ernst gemeint. Die Vision einer Asteroidenabwehr für den Planeten Erde wird konkret. Anfang Mai werden 200 Spezialisten auf der Planeten-Verteidigungs-Konferenz in Bukarest erwartet. Die UN arbeiten an einem Notfallplan für eine drohende Kollision. US-Präsident Barack Obama will Astronauten auf einen Asteroiden schicken, der amerikanische Kongress hat die Nasa zur Asteroidenjagd verdonnert. Die Esa will ein Frühwarnsystem aufbauen, und auch die Europäische Kommission lässt jetzt Abwehrmaßnahmen erforschen – sechs Millionen Euro sind dafür eingeplant.

Es ist zwar schon lange her, dass ein Asteroid das Leben auf der Erde zur Hölle machte: Vor 65 Millionen Jahren krachte ein 10 bis 15 Kilometer großer Koloss auf die mexikanische Halbinsel Yucatán, katapultierte Staub in die Atmosphäre und verursachte einen globalen Temperatursturz, dem wohl auch die Dinosaurier zum Opfer fielen. Aber es fliegen immer noch kilometergroße Steine durchs Sonnensystem, manche von ihnen tauchen plötzlich wie aus dem Nichts auf.

Im Juli 2009 kollidierte einer von ihnen mit dem Jupiter und hinterließ dort eine Narbe von der Größe des Pazifiks. Man sei davon überrascht worden, teilte die Nasa mit – und machte ein Erinnerungsfoto mit dem Hubble-Teleskop.

Es gibt keinen Grund zur Panik. Es gibt aber auch keinen Grund, die Gefahr nicht ernst zu nehmen.

Bislang haben nur wenige Menschen Erfahrung mit Steinen, die vom Himmel fallen. Am 23. September 2003 durchschlug ein faustgroßer Meteorit – so heißen Asteroiden unter zehn Metern Durchmesser – das Dach eines Einfamilienhauses in New Orleans und krachte im Erdgeschoss neben die Toilette, am 9. Oktober 1992 zertrümmerte ein ähnlicher Stein den Kofferraum eines geparkten Chevrolets im Bundesstaat New York.

Leserkommentare
    • Chali
    • 09. Mai 2011 13:55 Uhr

    Dolle Sache, das.
    Da können wir ja noch vorher unsere Rechnungen bezahlen und den Rechner herunterfahren!

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    • 2eco
    • 09. Mai 2011 14:04 Uhr

    ...wie können Sie so naiv sein? Dass Frühwarnsystem ist doch nicht für Sie, oder für irgendeinen anderen Bürger!

    Das dient nur dazu, dass sich Politiker und Multimillionäre noch schnell in Ihren autarken Gebirgsbunkern verstecken können.

    • 2eco
    • 09. Mai 2011 14:04 Uhr

    ...wie können Sie so naiv sein? Dass Frühwarnsystem ist doch nicht für Sie, oder für irgendeinen anderen Bürger!

    Das dient nur dazu, dass sich Politiker und Multimillionäre noch schnell in Ihren autarken Gebirgsbunkern verstecken können.

  1. ein abgelentes Objekt am Ende wieder ein anderes Objekt ablenkt das dann wieder...und wieder und letztendlich dazu führt das wirklich so ein Ding Kurs auf die Erde nimmt.

    aber gut wenn es der Volkerverständigung dient und uns eint im Kampf gegen Gefahren von außen, dann soll es mir recht sein.

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    Futurama und der ins All geschossene Müllball.

    Aber lieber den ersten Meteor ablenken, um 150 Jahre später mit einem anderen konfrontiert zu werden, als gleich beim ersten nichts zu tun und ins Gras zu beissen... ist aber nur meine Meinung.

  2. ...für seine brachiale Anziehungskraft dankbar sein. Dieser Planet zersetzt und "assimiliert" Himmelskörper die unserem Sonnensystem gefährlich werden könnten.

    Bei Interesse empfehle ich "Unser Universum - Eine Reise durch Zeit und Raum" (2 DVD, Discovery Channel). - Das Beste, was es z. Zt. in Form einer Dokumentation an Bildmaterial und wissenschaftlichem Anspruch gibt.

    Eine Leserempfehlung
  3. Es existiert also doch noch intelligentes Leben auf diesem Planeten.
    Das ist eine der Vernünftigsten Meldungen, in den letzten Jahren. Zumindest ein guter Ansatz.

    Eine Leserempfehlung
  4. Futurama und der ins All geschossene Müllball.

    Aber lieber den ersten Meteor ablenken, um 150 Jahre später mit einem anderen konfrontiert zu werden, als gleich beim ersten nichts zu tun und ins Gras zu beissen... ist aber nur meine Meinung.

    Antwort auf "na wenn blos mal so.."
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    @ Rheinlandsmann

    Ich musste auch genau an dieses Szene denken. :)

    Aber wenn man selber und noch (wie im Beispiel) 2 oder 3 Generationen nach einem selbst Ruhe haben, ist es doch besser als den Einschlag einfach so hinzunehmen! In 150 Jahren gibt es mit Sicherheit auch schon wieder ganz andere Technik um so einen Einschlag zu verhindern!

  5. Das Bild zum Artikel ist schon arg reisserisch geraten und auch völlig am Thema vorbei.

    Den bei einem Asteroiden dieser Größe müssten wir lernen, die Erde zur Seite zu steuern. Ablenken kann man so einen Brocken höchstens mit dem Mond... und auch das würden wir nicht überleben.

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    • PGMN
    • 09. Mai 2011 14:43 Uhr

    ...ist dasselbe, das bei Artikeln über dieses Thema von Allen Zeitungen, allen Fernsehsendern und allen Websites jedesmal verwendet wird. Nur bei Radiosendern habe ich es bisher noch nicht verwendet gesehen...

    • manheu
    • 09. Mai 2011 16:13 Uhr

    Die Illustration stammt von Don Davis, der viel für die NASA gearbeitet hat. Da es diesen halbwegs seriösen Hintergrund hat, wird es sehr gern für die Darstellung eines Einschlagsereignisses genutzt und die Verhältnismäßigkeit steht da (in meinen Augen vertretbar) hinter der Ästhetik zurück.

    Hier komplett zu sehen:

    http://solarsystem.nasa.g...

  6. 8. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Beiträge und versuchen sich konstruktiv zum Artikel zu äußern. Danke, die Redaktion/se

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    • PGMN
    • 09. Mai 2011 14:49 Uhr

    Der Beitrag auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Danke, die Redaktion/se

    • Crest
    • 09. Mai 2011 15:08 Uhr

    Sie sind Teil des "Freilandversuchs einer ganzen Galaxis". Vielleicht zeigen Sie mal, dass Sie es wert waren, "auf das Universum losgelassen zu werden" (und benehmen sich nicht wie ein kleines Kind).

    Herzlich Crest

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