AsteroidenUnter Beschuss
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Erster Schritt: Finde den Angreifer

Je größer die Objekte, desto seltener sind sie. Im Jahr 1908 explodierte vermutlich ein mindestens zehn Meter großer Brocken über dem sibirischen Fluss Tunguska in der Atmosphäre und streckte auf einer Fläche von annähernd der Größe des Saarlands rund 60 Millionen Bäume nieder. Einer der größten Asteroiden, die während der Menschheitsgeschichte auf unserem Planeten einschlugen, war 40 Meter dick und fiel vor etwa 50.000 Jahren auf Nordamerika. Der 1.200 Meter breite Krater ist heute eine Touristenattraktion im US-Bundesstaat Arizona, das Museum daneben sieht aus wie ein Puppenhäuschen.

Asteroiden sind der Bauschutt des Sonnensystems. Die meisten kreisen im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter um die Sonne, sie sind harmlos. Einige Tausend jedoch haben ihren Kurs geändert, weil sie zu dicht an anderen Asteroiden vorbeiflogen oder mit ihnen kollidierten. Sie fliegen nun in stärker elliptischen Bahnen um die Sonne. Viele von ihnen nähern sich auch dem Erdorbit. »Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir einen mit unserer Adresse entdecken«, sagt der 75-jährige Astronaut Russell Schweickart, der 1969 mit einer Apollorakete um die Erde flog und seit Jahren für den Aufbau einer Asteroidenabwehr wirbt.

Infografik Asteroidenabwehr

Das statistische Risiko eines Einschlags kennen Astronomen ziemlich genau, seit sie Nacht für Nacht den Himmel abscannen: 1.200 Asteroiden sind größer als 140 Meter und kommen der Erde in den nächsten Jahrzehnten näher als die 20-fache Erde-Mond-Distanz. Sie gelten als »potenziell gefährlich«, weil sie durch kleine Kursänderungen mit der Erde kollidieren und ganze Landstriche von der Fläche Bayerns verwüsten können. Keiner befindet sich nach derzeitigen Berechnungen auf Kollisionskurs, aber das kann sich ändern. Mit einem 140 Meter großen Stein rechnen Astronomen im Mittel alle 30.000, mit einem Ein-Kilometer-Brocken alle 700.000 Jahre.

Dass die Warnungen der Asteroidenjäger zunehmend Gehör finden, hat auch politische Gründe: Die Internationale Raumstation ISS wird demnächst eingemottet, die großen Raumfahrtagenturen brauchen eine neue Aufgabe. Warum nicht gleich die Verteidigung des Planeten Erde?

Erster Schritt: Finde den Angreifer. Pablo Ruiz und Detlef Koschny nehmen an diesem Abend das Objekt 2010XY72 ins Visier. Der Asteroid ist – geschätzt nach seiner Helligkeit – knapp einen Kilometer groß. Entdeckt haben ihn amerikanische Astronomen im Dezember. Alle 440 Tage umrundet er die Sonne, im Jahr 2027 wird er sich dabei der Erde bis auf die 20-fache Erde-Mond-Distanz annähern. Weil 2010XY72 seit seiner Entdeckung kaum beobachtet wurde und seine Bahn nur ungefähr bekannt ist, droht er verloren zu gehen. Astronomen der italienischen Spaceguard – einer Stiftung, die sich der Asteroidenwarnung verschrieben hat – haben ihn einen Tag zuvor auf eine Liste von Steinen gesetzt, die schleunigst wieder angepeilt werden müssen. Nacht für Nacht holen sich Asteroidenjäger in aller Welt ihre Ziele von dieser Liste.

Ruiz schießt eine Fotoserie von dem Ausschnitt des Nachthimmels, wo der Stein zu sehen sein müsste. Mit dem bloßen Auge lässt sich der Asteroid auf den Fotos nicht von Sternen unterscheiden. Erst als Koschny die Bilder am Computer übereinanderlegt, sieht er am unteren Bildrand einen blassen Strich in der Nähe des vorhergesagten Ortes. Kurz vor Mitternacht schickt er eine Mail mit den genauen Koordinaten an das Kleinplanetenzentrum der Internationalen Astronomie-Union in Cambridge, Massachussetts. Hier werden laufend die Orbits aller potenziell gefährlichen Asteroiden aktualisiert und in die Zukunft projiziert. Von 2010XY72, das steht am nächsten Tag fest, geht vorerst keine Gefahr aus.

Das gefährlichste Objekt auf der Liste ist ein 130 Meter großer Stein, der am 3. Juni 2048 nach heutiger Berechnung mit einem Restrisiko von 1 zu 3.000 die Erde treffen kann. Das heißt: Gäbe es 3.000 Kopien des Sonnensystems, würde die Erde in einer dieser Welten getroffen. Wenn das Risiko mit weiteren Beobachtungen nicht sinkt, wird bei Alan Harris bald wieder das Telefon klingeln.

Harris ist ein Brite in Berlin, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) , Büro 321, der Mann für den zweiten Schritt: Angreifer abwehren. Immer wenn die Bild- Zeitung Asteroidenalarm gibt, klingelt bei Harris das Telefon, meist sind Journalisten dran. Wie schlimm ist es wirklich?, fragen sie. Aber auch Freunde wollen wissen, was Deutschland der Gefahr aus dem All entgegenzusetzen habe. Bis jetzt nicht viel, Harris will das ändern. »Andere Naturkatastrophen erscheinen uns gefährlicher«, sagt er, »aber bei einem Asteroideinschlag können Millionen sterben. Für die Menschheit hat das eine enorme Bedeutung.«

Die Häufigkeit eines Asteroideneinschlags ist im Vergleich zu anderen Naturkatastrophen zwar gering. Das statistische Risiko, durch einen Asteroideneinschlag zu sterben, ist zehnmal niedriger als die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch durch einen Tsunami umkommt. Aber das Risiko ist nicht null, und es gibt einen entscheidenden Unterschied: Ein Asteroideneinschlag ist die einzige Naturkatastrophe, die man im Prinzip verhindern kann.

Harris hat ein Team zusammengestellt und von der EU vier Millionen Euro für die Erforschung von Abwehrmaßnahmen bewilligt bekommen. Die Raumfahrtkonzerne Astrium und Deimos sind mit dabei, Kollegen aus Russland, Europa und den USA. Sie wollen unterschiedliche Strategien auf dem Computer simulieren und ein bis zwei Methoden an einem kleineren Asteroiden erproben. In der Diskussion sind vier Optionen: den Asteroiden mit einer schweren Rakete rammen; ihn wegpusten mit einer Atombombe – das simulieren die Russen; ihn ablenken durch die Schwerkraft einer parallel fliegenden Raumsonde oder durch fokussierte Sonnenstrahlung. »Die Techniken sehen auf dem Papier alle gut aus«, sagt Harris. »Aber es gibt viele Unbekannte. Deshalb müssen wir das testen.« Er rechnet mit Kosten von 500 Millionen Euro für eine Testrakete, die einen Asteroiden aus der Bahn schießen könnte.

Leserkommentare
    • Chali
    • 09.05.2011 um 13:55 Uhr

    Dolle Sache, das.
    Da können wir ja noch vorher unsere Rechnungen bezahlen und den Rechner herunterfahren!

    Eine Leserempfehlung
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    • 2eco
    • 09.05.2011 um 14:04 Uhr

    ...wie können Sie so naiv sein? Dass Frühwarnsystem ist doch nicht für Sie, oder für irgendeinen anderen Bürger!

    Das dient nur dazu, dass sich Politiker und Multimillionäre noch schnell in Ihren autarken Gebirgsbunkern verstecken können.

    • 2eco
    • 09.05.2011 um 14:04 Uhr

    ...wie können Sie so naiv sein? Dass Frühwarnsystem ist doch nicht für Sie, oder für irgendeinen anderen Bürger!

    Das dient nur dazu, dass sich Politiker und Multimillionäre noch schnell in Ihren autarken Gebirgsbunkern verstecken können.

    • 2eco
    • 09.05.2011 um 14:04 Uhr

    ...wie können Sie so naiv sein? Dass Frühwarnsystem ist doch nicht für Sie, oder für irgendeinen anderen Bürger!

    Das dient nur dazu, dass sich Politiker und Multimillionäre noch schnell in Ihren autarken Gebirgsbunkern verstecken können.

    3 Leserempfehlungen
  1. ein abgelentes Objekt am Ende wieder ein anderes Objekt ablenkt das dann wieder...und wieder und letztendlich dazu führt das wirklich so ein Ding Kurs auf die Erde nimmt.

    aber gut wenn es der Volkerverständigung dient und uns eint im Kampf gegen Gefahren von außen, dann soll es mir recht sein.

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    Futurama und der ins All geschossene Müllball.

    Aber lieber den ersten Meteor ablenken, um 150 Jahre später mit einem anderen konfrontiert zu werden, als gleich beim ersten nichts zu tun und ins Gras zu beissen... ist aber nur meine Meinung.

    Futurama und der ins All geschossene Müllball.

    Aber lieber den ersten Meteor ablenken, um 150 Jahre später mit einem anderen konfrontiert zu werden, als gleich beim ersten nichts zu tun und ins Gras zu beissen... ist aber nur meine Meinung.

  2. ...für seine brachiale Anziehungskraft dankbar sein. Dieser Planet zersetzt und "assimiliert" Himmelskörper die unserem Sonnensystem gefährlich werden könnten.

    Bei Interesse empfehle ich "Unser Universum - Eine Reise durch Zeit und Raum" (2 DVD, Discovery Channel). - Das Beste, was es z. Zt. in Form einer Dokumentation an Bildmaterial und wissenschaftlichem Anspruch gibt.

    2 Leserempfehlungen
  3. Es existiert also doch noch intelligentes Leben auf diesem Planeten.
    Das ist eine der Vernünftigsten Meldungen, in den letzten Jahren. Zumindest ein guter Ansatz.

    3 Leserempfehlungen
  4. Futurama und der ins All geschossene Müllball.

    Aber lieber den ersten Meteor ablenken, um 150 Jahre später mit einem anderen konfrontiert zu werden, als gleich beim ersten nichts zu tun und ins Gras zu beissen... ist aber nur meine Meinung.

    Antwort auf "na wenn blos mal so.."
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    @ Rheinlandsmann

    Ich musste auch genau an dieses Szene denken. :)

    Aber wenn man selber und noch (wie im Beispiel) 2 oder 3 Generationen nach einem selbst Ruhe haben, ist es doch besser als den Einschlag einfach so hinzunehmen! In 150 Jahren gibt es mit Sicherheit auch schon wieder ganz andere Technik um so einen Einschlag zu verhindern!

    @ Rheinlandsmann

    Ich musste auch genau an dieses Szene denken. :)

    Aber wenn man selber und noch (wie im Beispiel) 2 oder 3 Generationen nach einem selbst Ruhe haben, ist es doch besser als den Einschlag einfach so hinzunehmen! In 150 Jahren gibt es mit Sicherheit auch schon wieder ganz andere Technik um so einen Einschlag zu verhindern!

  5. Das Bild zum Artikel ist schon arg reisserisch geraten und auch völlig am Thema vorbei.

    Den bei einem Asteroiden dieser Größe müssten wir lernen, die Erde zur Seite zu steuern. Ablenken kann man so einen Brocken höchstens mit dem Mond... und auch das würden wir nicht überleben.

    Eine Leserempfehlung
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    • PGMN
    • 09.05.2011 um 14:43 Uhr

    ...ist dasselbe, das bei Artikeln über dieses Thema von Allen Zeitungen, allen Fernsehsendern und allen Websites jedesmal verwendet wird. Nur bei Radiosendern habe ich es bisher noch nicht verwendet gesehen...

    • manheu
    • 09.05.2011 um 16:13 Uhr

    Die Illustration stammt von Don Davis, der viel für die NASA gearbeitet hat. Da es diesen halbwegs seriösen Hintergrund hat, wird es sehr gern für die Darstellung eines Einschlagsereignisses genutzt und die Verhältnismäßigkeit steht da (in meinen Augen vertretbar) hinter der Ästhetik zurück.

    Hier komplett zu sehen:

    http://solarsystem.nasa.g...

    • PGMN
    • 09.05.2011 um 14:43 Uhr

    ...ist dasselbe, das bei Artikeln über dieses Thema von Allen Zeitungen, allen Fernsehsendern und allen Websites jedesmal verwendet wird. Nur bei Radiosendern habe ich es bisher noch nicht verwendet gesehen...

    • manheu
    • 09.05.2011 um 16:13 Uhr

    Die Illustration stammt von Don Davis, der viel für die NASA gearbeitet hat. Da es diesen halbwegs seriösen Hintergrund hat, wird es sehr gern für die Darstellung eines Einschlagsereignisses genutzt und die Verhältnismäßigkeit steht da (in meinen Augen vertretbar) hinter der Ästhetik zurück.

    Hier komplett zu sehen:

    http://solarsystem.nasa.g...

  6. 8. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Beiträge und versuchen sich konstruktiv zum Artikel zu äußern. Danke, die Redaktion/se

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    • PGMN
    • 09.05.2011 um 14:49 Uhr

    Der Beitrag auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Danke, die Redaktion/se

    • Crest
    • 09.05.2011 um 15:08 Uhr

    Sie sind Teil des "Freilandversuchs einer ganzen Galaxis". Vielleicht zeigen Sie mal, dass Sie es wert waren, "auf das Universum losgelassen zu werden" (und benehmen sich nicht wie ein kleines Kind).

    Herzlich Crest

    • PGMN
    • 09.05.2011 um 14:49 Uhr

    Der Beitrag auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Danke, die Redaktion/se

    • Crest
    • 09.05.2011 um 15:08 Uhr

    Sie sind Teil des "Freilandversuchs einer ganzen Galaxis". Vielleicht zeigen Sie mal, dass Sie es wert waren, "auf das Universum losgelassen zu werden" (und benehmen sich nicht wie ein kleines Kind).

    Herzlich Crest

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