AsteroidenUnter Beschuss
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Wer trifft die Entscheidung?

Dass es möglich ist, ein Objekt zu treffen, das mit 50.000 Stundenkilometern durchs All schießt, haben die Nasa und die japanische Raumfahrtbehörde Jaxa vorgemacht. Die Nasa rammte am 4. Juli 2005 eine selbstlenkende Rakete mit 400 Kilogramm Kupfer in den Kometen Tempel-1 (Kometen bestehen aus Staub und Eis, Asteroiden aus Stein oder Eisen). Und Japans Raumsonde Hayabusa erreichte im selben Jahr den Asteroiden Itokawa, landete darauf und brachte eine Staubprobe zurück zur Erde.

Für eine richtige Abwehrmission brauchte es mehr Wumms, zum Beispiel Schwerlastraketen, mit denen sonst Satelliten ins All befördert werden. Je nach Größe des anfliegenden Steins müsste man den Asteroiden bis zu zwanzig Jahre vor der Kollision mit fünf bis zehn Atlas-V-Raketen treffen, haben US-Wissenschaftler ausgerechnet. »Die Technologie, mit der wir 99 Prozent aller potenziellen Einschläge verhindern können, ist vorhanden«, sagt Apollo-Veteran Russell Schweikart. »Worauf warten wir noch?«

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Wir warten auf die Politik. Denn irgendwo zwischen Asteroid erkennen und Asteroid abschießen gibt es ein Problem, das kein Ingenieur lösen kann: Wer trifft die Entscheidung? In Armageddon greift Bruce Willis zum roten Telefon und ruft im Weißen Haus an. »So werden wir es sicher nicht machen«, sagt Detlef Koschny. Aber wie dann?

Infografik Asteroid

der Asteroid Apophis

Auf einer Konferenz im vergangenen Herbst konfrontierten Koschny und Schweickart eine Schar internationaler Experten mit einem Gruselszenario: Stellen Sie sich vor, dass ein Asteroid am 13. April 2036 in den Atlantik einschlagen und eine globale Katastrophe auslösen wird. Tatsächlich kommt der Asteroid Apophis der Erde an diesem Tag recht nahe, die Einschlagwahrscheinlichkeit liegt aber unter 1 zu 230.000. Weiterhin angenommen, man könnte den Brocken früh genug mit einer Rakete zur Seite lenken. In welche Richtung soll man ihn schubsen? Nach Westen, sodass er am 13. April in Flugrichtung links von Amerika an der Erde vorbeifliegt? Oder nach Osten, sodass er jenseits von Wladiwostok über die Erde hinausschießt? Das Dilemma: Wenn etwas schiefgeht, lenkt man ihn im ersten Fall womöglich auf New York, im zweiten Fall Richtung Paris, Berlin, Moskau. Westen oder Osten? Die Experten waren sich einig: ein Fall für die UN.

Tatsächlich haben die Vereinten Nationen einen Unterunterausschuss eingerichtet, der seit drei Jahren an einem Notfallplan arbeitet: das »Action-Team für erdnahe Objekte«. Detlef Koschny und Alan Harris arbeiten darin mit, außerdem Fachleute aus Japan, Russland, den USA und anderen Nationen. Mitte Februar trafen sie sich in einem holzgetäfelten Saal des UN-Büros in Wien , im kommenden Jahr soll ihr Entwurf fertig sein. Das Action-Team möchte die Planetenverteidigung künftig an drei Gruppen delegieren: Die internationale Gemeinschaft der Astronomen soll sich um ein Frühwarnsystem kümmern, die Raumfahrtnationen wären für die Abwehrtechnik verantwortlich, und ein UN-Gremium – etwa der Ausschuss für die friedliche Nutzung des Weltraums – soll alles koordinieren.

Den Experten schwebt eine Checkliste vor, die man im Ernstfall nur noch abarbeiten müsste: Ab welcher Größe gibt es Katastrophenalarm? Welche Abwehrtechnik ist für welches Objekt geeignet? Wer baut die Raketen? »Wenn es so weit ist«, sagt Koschny, »müssen wir nur noch die Schublade aufmachen.«

Westen oder Osten? Man könnte den möglichen Schaden für beide Fälle vergleichen, sagt Koschny. Die Zahl der Todesopfer, die zerstörte Infrastruktur. »Und das letzte Wort hätte der Sicherheitsrat.«

Das klingt vernünftig, nur: China hat sich an den Beratungen bisher nicht beteiligt, Indien zögert noch. Und so richtig glauben die Experten wohl selbst nicht an den Durchbruch. »Wir sind nicht besonders gut darin, kollektive Entscheidungen dieser Reichweite zu treffen«, sagt Russell Schweickart. »Wahrscheinlich müssen wir erst von einem Asteroiden getroffen werden.« Detlef Koschny hofft, dass man im Ernstfall wenigstens eine Stadt evakuieren könnte. Auch Alan Harris ist pessimistisch: »Wir werden wieder ein Tunguska-Ereignis haben«, prophezeit er, »vielleicht einen 50 Meter großen Stein über besiedeltem Land. Am Tag darauf wird mein Leben ein anderes sein.« Harris wird dann ein gefragter Mann sein. Nach dem Tsunami von 2004 dauerte es keinen Monat, bis Deutschland Indonesien ein Warnsystem schenken wollte.

Ende Februar fährt Detlef Koschny nach Heppenheim an der Bergstraße, um Amateur-Astronomen auf die Verteidigung unseres Planeten einzuschwören. Gleich neben der Starkenburg betreiben sie eine kleine Sternwarte. Einige Dutzend Asteroiden zwischen Mars und Jupiter haben die Amateure von hier aus schon entdeckt. Außerdem helfen sie dabei, die Bilder der Profis nach erdnahen Objekten zu durchforsten, Computer können das noch nicht.

Es ist kalt, und der Nachthimmel ist klar, als Koschny über das Kopfsteinpflaster zur Starkenburg hinauffährt. Oben angekommen, rennen plötzlich Menschen in Outdoorjacken aus dem Haus und versammeln sich auf dem Parkplatz, in den Himmel spähend. Da taucht über dem Odenwald ein Lichtpunkt auf und zieht zügig Richtung Frankfurt. Die Internationale Raumstation. Koschny guckt kurz nach oben und geht dann weiter. Die tut nichts.

 
Leserkommentare
    • Chali
    • 09.05.2011 um 13:55 Uhr

    Dolle Sache, das.
    Da können wir ja noch vorher unsere Rechnungen bezahlen und den Rechner herunterfahren!

    Eine Leserempfehlung
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    • 2eco
    • 09.05.2011 um 14:04 Uhr

    ...wie können Sie so naiv sein? Dass Frühwarnsystem ist doch nicht für Sie, oder für irgendeinen anderen Bürger!

    Das dient nur dazu, dass sich Politiker und Multimillionäre noch schnell in Ihren autarken Gebirgsbunkern verstecken können.

    • 2eco
    • 09.05.2011 um 14:04 Uhr

    ...wie können Sie so naiv sein? Dass Frühwarnsystem ist doch nicht für Sie, oder für irgendeinen anderen Bürger!

    Das dient nur dazu, dass sich Politiker und Multimillionäre noch schnell in Ihren autarken Gebirgsbunkern verstecken können.

    • 2eco
    • 09.05.2011 um 14:04 Uhr

    ...wie können Sie so naiv sein? Dass Frühwarnsystem ist doch nicht für Sie, oder für irgendeinen anderen Bürger!

    Das dient nur dazu, dass sich Politiker und Multimillionäre noch schnell in Ihren autarken Gebirgsbunkern verstecken können.

    3 Leserempfehlungen
  1. ein abgelentes Objekt am Ende wieder ein anderes Objekt ablenkt das dann wieder...und wieder und letztendlich dazu führt das wirklich so ein Ding Kurs auf die Erde nimmt.

    aber gut wenn es der Volkerverständigung dient und uns eint im Kampf gegen Gefahren von außen, dann soll es mir recht sein.

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    Futurama und der ins All geschossene Müllball.

    Aber lieber den ersten Meteor ablenken, um 150 Jahre später mit einem anderen konfrontiert zu werden, als gleich beim ersten nichts zu tun und ins Gras zu beissen... ist aber nur meine Meinung.

    Futurama und der ins All geschossene Müllball.

    Aber lieber den ersten Meteor ablenken, um 150 Jahre später mit einem anderen konfrontiert zu werden, als gleich beim ersten nichts zu tun und ins Gras zu beissen... ist aber nur meine Meinung.

  2. ...für seine brachiale Anziehungskraft dankbar sein. Dieser Planet zersetzt und "assimiliert" Himmelskörper die unserem Sonnensystem gefährlich werden könnten.

    Bei Interesse empfehle ich "Unser Universum - Eine Reise durch Zeit und Raum" (2 DVD, Discovery Channel). - Das Beste, was es z. Zt. in Form einer Dokumentation an Bildmaterial und wissenschaftlichem Anspruch gibt.

    2 Leserempfehlungen
  3. Es existiert also doch noch intelligentes Leben auf diesem Planeten.
    Das ist eine der Vernünftigsten Meldungen, in den letzten Jahren. Zumindest ein guter Ansatz.

    3 Leserempfehlungen
  4. Futurama und der ins All geschossene Müllball.

    Aber lieber den ersten Meteor ablenken, um 150 Jahre später mit einem anderen konfrontiert zu werden, als gleich beim ersten nichts zu tun und ins Gras zu beissen... ist aber nur meine Meinung.

    Antwort auf "na wenn blos mal so.."
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    @ Rheinlandsmann

    Ich musste auch genau an dieses Szene denken. :)

    Aber wenn man selber und noch (wie im Beispiel) 2 oder 3 Generationen nach einem selbst Ruhe haben, ist es doch besser als den Einschlag einfach so hinzunehmen! In 150 Jahren gibt es mit Sicherheit auch schon wieder ganz andere Technik um so einen Einschlag zu verhindern!

    @ Rheinlandsmann

    Ich musste auch genau an dieses Szene denken. :)

    Aber wenn man selber und noch (wie im Beispiel) 2 oder 3 Generationen nach einem selbst Ruhe haben, ist es doch besser als den Einschlag einfach so hinzunehmen! In 150 Jahren gibt es mit Sicherheit auch schon wieder ganz andere Technik um so einen Einschlag zu verhindern!

  5. Das Bild zum Artikel ist schon arg reisserisch geraten und auch völlig am Thema vorbei.

    Den bei einem Asteroiden dieser Größe müssten wir lernen, die Erde zur Seite zu steuern. Ablenken kann man so einen Brocken höchstens mit dem Mond... und auch das würden wir nicht überleben.

    Eine Leserempfehlung
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    • PGMN
    • 09.05.2011 um 14:43 Uhr

    ...ist dasselbe, das bei Artikeln über dieses Thema von Allen Zeitungen, allen Fernsehsendern und allen Websites jedesmal verwendet wird. Nur bei Radiosendern habe ich es bisher noch nicht verwendet gesehen...

    • manheu
    • 09.05.2011 um 16:13 Uhr

    Die Illustration stammt von Don Davis, der viel für die NASA gearbeitet hat. Da es diesen halbwegs seriösen Hintergrund hat, wird es sehr gern für die Darstellung eines Einschlagsereignisses genutzt und die Verhältnismäßigkeit steht da (in meinen Augen vertretbar) hinter der Ästhetik zurück.

    Hier komplett zu sehen:

    http://solarsystem.nasa.g...

    • PGMN
    • 09.05.2011 um 14:43 Uhr

    ...ist dasselbe, das bei Artikeln über dieses Thema von Allen Zeitungen, allen Fernsehsendern und allen Websites jedesmal verwendet wird. Nur bei Radiosendern habe ich es bisher noch nicht verwendet gesehen...

    • manheu
    • 09.05.2011 um 16:13 Uhr

    Die Illustration stammt von Don Davis, der viel für die NASA gearbeitet hat. Da es diesen halbwegs seriösen Hintergrund hat, wird es sehr gern für die Darstellung eines Einschlagsereignisses genutzt und die Verhältnismäßigkeit steht da (in meinen Augen vertretbar) hinter der Ästhetik zurück.

    Hier komplett zu sehen:

    http://solarsystem.nasa.g...

  6. 8. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Beiträge und versuchen sich konstruktiv zum Artikel zu äußern. Danke, die Redaktion/se

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    • PGMN
    • 09.05.2011 um 14:49 Uhr

    Der Beitrag auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Danke, die Redaktion/se

    • Crest
    • 09.05.2011 um 15:08 Uhr

    Sie sind Teil des "Freilandversuchs einer ganzen Galaxis". Vielleicht zeigen Sie mal, dass Sie es wert waren, "auf das Universum losgelassen zu werden" (und benehmen sich nicht wie ein kleines Kind).

    Herzlich Crest

    • PGMN
    • 09.05.2011 um 14:49 Uhr

    Der Beitrag auf den Sie sich beziehen, wurde bereits entfernt. Danke, die Redaktion/se

    • Crest
    • 09.05.2011 um 15:08 Uhr

    Sie sind Teil des "Freilandversuchs einer ganzen Galaxis". Vielleicht zeigen Sie mal, dass Sie es wert waren, "auf das Universum losgelassen zu werden" (und benehmen sich nicht wie ein kleines Kind).

    Herzlich Crest

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