Gesundheit Nächtliche Ruhestörung

Deutschland ist viel zu laut – das macht krank. Dabei wäre die Lösung eigentlich ganz einfach. Eine Analyse

Beim Treffen einer Expertengruppe der Vereinten Nationen stand kürzlich Verkehrslärm auf der Tagesordnung. Die Sorge der Abgesandten galt jedoch nicht dem Straßenkrach, sondern den Geräuschen von Elektroautos – die sind ihnen zu leise. Die Stromwagen seien eine Gefahr für Fußgänger, vor allem für Blinde, und Radfahrer. Sie sollen mit künstlichem Motorsound nachgerüstet werden.

Absurd – die Welt wird immer lauter, weil der Individualverkehr rasant zunimmt, und nun wird der Autokrach auch noch zur Norm erklärt.

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Lärm und seine Folgen
Wann werden Geräusche unerträglich laut? Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik anzuzeigen

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Dabei sind zwei von drei Deutschen genervt vom echten Sound der 40 Millionen Autos hierzulande, wie das Umweltbundesamt (UBA) herausfand. Es geht aber nicht nur um Befindlichkeiten, es geht um die Gesundheit: Lärm stresst, schwächt das Immunsystem und verursacht Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gefährlich ist er vor allem nachts. Ab einer Lautstärke von 55 Dezibelstört er den Schlafrhythmus, bei Dauerbelastung steigt das Herzinfarktrisiko. Und das sogar dann, wenn einen der Lärm gar nicht bewusst stört. 

Dezibel

Lärm ist nichts anderes als Schalldruck, und dessen Pegel wird in Dezibel gemessen. Die Skala ist logarithmisch, das bedeutet, dass eine Steigerung um nur zehn Dezibel vom menschlichen Gehör als doppelt so laut empfunden wird. Daher wären schon geringe Dezibelsenkungen ein wichtiger Beitrag zur Lärmreduktion.

Umgebungslärmrichtlinie

Sie verpflichtet Städte und Gemeinden mit mehr als 250000 Einwohnern, alle fünf Jahre Lärmkarten zu erstellen und zu veröffentlichen. Zudem sollen sie Aktionspläne entwerfen, um Lärm zu mindern, und dabei Bürger in die Planung einbeziehen. Die Lärm- karten deutscher Großstädte sind unter www.lärmkarte.de zu finden.

Rollgeräusch

Rollen Autoreifen über die Fahrbahndecke, wird es laut. Schon die Reifenschwingung verursacht Lärm, je härter der Gummi, desto mehr. Mit lärmoptimierten Reifen kann man den Pegel um bis zu sechs Dezibel senken. Die größere Lärmquelle ist die Fahrbahndecke. Eine Lösung wäre offenporiger Asphalt (»Flüsterasphalt«). Der schluckt Schall und kann so den Lärm um bis zu zehn Dezibel mindern. Er ist auch sicherer, weil Wasser schneller abfließt, aber auch teurer.

Ein Drittel aller Europäer ist nachts ungesundem Lärm ausgesetzt. In den Nachtlärmrichtlinien für Europa fordert die Weltgesundheitsorganisation eine Grenze von 40 Dezibel. Davon sind deutsche Hauptstraßen weit entfernt: Dort sind oft 60 und mehr die Regel.

ZEIT Wissen 3/2011
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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Zwar erließ die EU 2002 die Umgebungslärmrichtlinie, diese bietet aber keine verbindlichen, einklagbaren Grenzwerte. Auf kommunaler Ebene wird das Lärm-Problem meist nur verwaltet: Die Kassen sind leer, Behörden arbeiten gegeneinander, Wirtschaftsinteressen haben Vorrang.

Dabei wäre eine der effektivsten Maßnahmen so simpel wie günstig: ein Tempolimit in der Innenstadt. Aber das ist unpopulär, schließlich fährt jeder Zweite Auto und ist damit, Ironie des Schicksals, Ursache und Opfer zugleich.

Lärmvorgaben für Autos gibt es seit 40 Jahren, viel gebracht haben sie nicht. So gilt seit 1995 ein Grenzwert von 74 Dezibel. Das UBA fand 2005 jedoch heraus, dass viele Autos noch immer so viel Krach machen wie 1980. Die Motoren wurden zwar leiser, nicht aber die Reifen. Und ab 30 Stundenkilometern dominiert das Rollgeräusch.

Dass sich hier nichts getan hat, ist auch dem Wunsch nach unbeschränkter Autobahnraserei geschuldet: Um bei 200 Sachen noch die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, braucht man härtere und damit lautere Gummimischungen.

Ein Tempolimit würde daher helfen. In Innenstädten sollte Tempo 30 gelten, wenigstens nachts. Das würde den Lärm immerhin um bis zu fünf Dezibel reduzieren und öffentliche Verkehrsmittel aufwerten. Wäre es leiser, würde man auch E-Autos gut hören – ganz ohne künstliches Motorbrummen.

 
Leser-Kommentare
  1. ist viel schlimmer. Daher wäre ein grundsätzliches Nachtflugverbot viel wirksamer (mit wenigen Ausnahmen).

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    Fluglärm betrifft aber prozentual weit weniger...natürlich wäre es wünschenswert, dass die Betroffenen eben dieser belastung nicht ausgesetzt würden.

    Aber vom Kriegschauplatz "Autolärm" auf den Nebenschauplatz "Fluglärm" in einer Artikeldiskussion auszuweichen, bei der es um Autolärm geht, ist kontraproduktiv.

    • guiri
    • 21.04.2011 um 20:25 Uhr

    Vom Fluglärm sind aber viel weniger Menschen betroffen und man kann dem Fluglärm einfach entgehen indem man aus der Einflugschneide wegzieht. Dem Autlärm kann aber kaum jemand entgehen. Es ist absolut überfällig dass gegen Lärm und schlechte Luft in den Städten drastische Maßnahmen ergriffen werden. Verbot von Verbrennungsmotoren und Tempo 30 wäre ein guter Einstieg.

    Fluglärm betrifft aber prozentual weit weniger...natürlich wäre es wünschenswert, dass die Betroffenen eben dieser belastung nicht ausgesetzt würden.

    Aber vom Kriegschauplatz "Autolärm" auf den Nebenschauplatz "Fluglärm" in einer Artikeldiskussion auszuweichen, bei der es um Autolärm geht, ist kontraproduktiv.

    • guiri
    • 21.04.2011 um 20:25 Uhr

    Vom Fluglärm sind aber viel weniger Menschen betroffen und man kann dem Fluglärm einfach entgehen indem man aus der Einflugschneide wegzieht. Dem Autlärm kann aber kaum jemand entgehen. Es ist absolut überfällig dass gegen Lärm und schlechte Luft in den Städten drastische Maßnahmen ergriffen werden. Verbot von Verbrennungsmotoren und Tempo 30 wäre ein guter Einstieg.

  2. 2. Autos?

    Ich wohne auch in der Stadt nahe an einer großen Ausfallstraße. Dank guter Fenster hört man von den meisten Autos kaum etwas. Die regelmäßig fahrenden LKW oder insbesondere die Straßenbahn lässt jedoch schon mal das ganze Haus wackeln. Noch nerviger sind nur die unterdimensionierten Motorroller, die konstant mit Maximaldrehzahl fahren müssen, und die besoffenen Fußballfans morgens um 6 Uhr.

    Wie ist eigentlich der Grenzwerk für die Lautstärke definiert? Mir scheint das eher eine Wert unter Optimalbedingungen zu sein. Bei entsprechender Drehzahl kommt da doch fast jedes Auto und insbesondere Motorrad locker drüber. Eine Automatikschaltung für alle neuen Autos würde schon mal den ganzen Leute helfen, die nicht absichtlich laut fahren sondern nur zu dumm zum Hochschalten sind. Bei 1500 UpM sind auch 80 km/h noch leise.

    Frohe Ostern. :)

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    Das Übel mit dem wir allgemein zu kämpfen haben ist der Egoismus der Menschen. Die allgemeine Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Menschen nimmt rasant zu und keiner macht etwas dagegen. Wer was sagt, wird "angemacht". Polizei ? Gibt es die noch ?

    Das Übel mit dem wir allgemein zu kämpfen haben ist der Egoismus der Menschen. Die allgemeine Rücksichtslosigkeit gegenüber anderen Menschen nimmt rasant zu und keiner macht etwas dagegen. Wer was sagt, wird "angemacht". Polizei ? Gibt es die noch ?

  3. 3. .....

    Fluglärm betrifft aber prozentual weit weniger...natürlich wäre es wünschenswert, dass die Betroffenen eben dieser belastung nicht ausgesetzt würden.

    Aber vom Kriegschauplatz "Autolärm" auf den Nebenschauplatz "Fluglärm" in einer Artikeldiskussion auszuweichen, bei der es um Autolärm geht, ist kontraproduktiv.

    Antwort auf "Fluglärm"
  4. Also wenn als Alternative zum Autolärm mit einer "Aufwertung des ÖPNV" gedroht wird, dann sollten diese selbsternannten "Lärmopfer" nochmal scharf nachdenken.

    Autos machen im Grunde keinen Lärm, dass ist mehr ein gleichmäßiges Rauschen. Krach machen hier nur die Motorroller (selbst ungetunt deutlich lauter als Autos), Motorräder (nicht alle, aber die Speckis, die auf Hells Angel machen und einen Traktormotor verbaut zu haben scheinen) und ganz besonders der ÖPNV! Wenn es noch mehr ÖPNV gäbe, dann wäre das ein riesiger Rückschritt.

    Letztlich muss man sich aber entscheiden, das Leben in der Stadt war schon immer mit Lärmbelästigung verbunden, ruhig wird es in Städten sowieso nie. Wer es sich finanziell leisten kann, sollte einfach aufs Land ziehen oder an den Stadtrand.

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    "Gleichmäßiges Rauschen" soll kein Lärm sein? Das ist nicht ernst gemeint, oder?

    • guiri
    • 21.04.2011 um 20:31 Uhr

    Motorroller sind in der Tat ein zunehmendes Problem. Besonders in hippen Innstadtbezirken fahren retro Zweitakter die mehr Dreck als ein Geländewagen machen. Für alle Autos gelten Abgasnormen nur für diese kleinen Dreckschluedern nicht.
    Ist das eigentlich eine Gesetzeslücke? Diese Dinger müssten dringend verboten werden.

    "Gleichmäßiges Rauschen" soll kein Lärm sein? Das ist nicht ernst gemeint, oder?

    • guiri
    • 21.04.2011 um 20:31 Uhr

    Motorroller sind in der Tat ein zunehmendes Problem. Besonders in hippen Innstadtbezirken fahren retro Zweitakter die mehr Dreck als ein Geländewagen machen. Für alle Autos gelten Abgasnormen nur für diese kleinen Dreckschluedern nicht.
    Ist das eigentlich eine Gesetzeslücke? Diese Dinger müssten dringend verboten werden.

  5. "Gleichmäßiges Rauschen" soll kein Lärm sein? Das ist nicht ernst gemeint, oder?

    Antwort auf "Aprilscherz"
  6. Tempo 30 ist häufig zu langsam, um niedertourig im dritten Gang zu fahren, vor allem bei Rechts-vor-Links, also fährt man hochtourig im zweiten. Dann wird ein Auto lauter als bei Tempo 50 im vierten Gang.

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    Wieder einmal ein Schritt zur grenzenlosen Gängelung der Autofahrer. Da hilft nur noch Protest, indem Tempo 30 im ersten Gang gefahren wird. Alles müssen sich Autofahrer auch nicht bieten lassen.

    "Tempo 30 ist häufig zu langsam, um niedertourig im dritten Gang zu fahren"
    Vielleicht sollten Sie erst einmal lernen, richtig mit Ihrem Fahrzeug umzugehen.

    Wieder einmal ein Schritt zur grenzenlosen Gängelung der Autofahrer. Da hilft nur noch Protest, indem Tempo 30 im ersten Gang gefahren wird. Alles müssen sich Autofahrer auch nicht bieten lassen.

    "Tempo 30 ist häufig zu langsam, um niedertourig im dritten Gang zu fahren"
    Vielleicht sollten Sie erst einmal lernen, richtig mit Ihrem Fahrzeug umzugehen.

  7. Jeder der eine neue Wohnung bezieht entscheidet doch im Vorraus ob er nun in die Stadt zieht oder doch lieber in der ländlichen Umgebung wohnt.... jedoch bin ich was den Ausdruck "Gleichmäßiges Rauschen" angeht auch Langeland's Meinung. Ist schon irgendwie dreist...^^

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    ich bin nicht in die Stadt gezogen und kaufe dort auch nicht mehr ein. Meinetwegen darf es jetzt auch Schrittgeschwindigkeit in den Städten geben. Ich habe da kein Mitleid.

    ich bin nicht in die Stadt gezogen und kaufe dort auch nicht mehr ein. Meinetwegen darf es jetzt auch Schrittgeschwindigkeit in den Städten geben. Ich habe da kein Mitleid.

  8. Wieder einmal ein Schritt zur grenzenlosen Gängelung der Autofahrer. Da hilft nur noch Protest, indem Tempo 30 im ersten Gang gefahren wird. Alles müssen sich Autofahrer auch nicht bieten lassen.

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    [...]
    Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/er

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    Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/er

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