Thomas Perls spendet regelmäßig Blut. Mark Mattson verzichtet jeden Morgen auf das Frühstück und montags, mittwochs und freitags zusätzlich noch auf das Mittagessen. David Sinclair nimmt schon seit Jahren geheimnisvolle Pillen.

Drei Menschen mit merkwürdigen Angewohnheiten? Sicher, aber alle drei verfolgen damit ein großes Ziel – sie wollen möglichst alt werden. Und sie sind keine Spinner, sie gehören zu denen, die am ehesten eine Antwort auf die Frage finden könnten, die die Menschen schon lange beschäftigt: Wie können wir lange leben? Die drei zählen zu den führenden Experten der Altersforschung.

Nie sterben müssen, ewig jung bleiben – der Traum ist so alt wie die Menschheit. Es muss ja nicht gleich die Unsterblichkeit sein, ein paar Jahre oder gar Jahrzehnte mehr Lebenszeit würden vielen schon genügen. Wobei: Um jeden Preis wollen wir auch nicht alt werden. Wir wollen nicht, von Krankheiten gezeichnet, im Bett liegen müssen oder dement werden. Wir wollen gesund und zufrieden alt werden und noch im hohen Alter aktiv sein – geistig und körperlich.

Wie dieses Ziel zu erreichen ist, untersuchen Wissenschaftler in aller Welt. An Menschen, Mäusen oder Würmern erforschen sie vor allem zwei Ansätze. Zum einen wollen sie in die Prozesse des Alterns selbst eingreifen. Um das zu schaffen, müssen sie grundlegende Fragen beantworten: Was genau ist Altern? Und welche Vorgänge beschleunigen oder verlangsamen es?

Zum anderen wollen sie wissen, wie man das Leben verlängern kann, indem man die Krankheiten verhindert, an denen die meisten Menschen sterben, etwa Herz-Kreislauf-Leiden und Krebs.

Vor allem mit dem ersten Ansatz macht die Altersforschung derzeit von sich reden. »Wir wissen schon lange, dass Altern ein langfristiger Prozess ist«, sagt Thomas von Zglinicki, Professor für zelluläre Gerontologie am Institute for Ageing and Health in Newcastle , »jetzt aber können wir sagen: Es gibt Schlüsselmoleküle für den Alterungsprozess in unseren Zellen. Können wir die beeinflussen, können wir die Lebensspanne beeinflussen.« Einen solchen Schlüssel hat vor Kurzem eine Wissenschaftlergruppe in einer Aufsehen erregenden Studie in der Fachzeitschrift Science Translational Medicine beschrieben, sie fand ihn bei Kleinwüchsigen in einer entlegenen Region Ecuadors . Einer der beteiligten Forscher will nun mit den gewonnenen Erkenntnissen ein Mittel entwickeln – für ein längeres Leben.

Bis es die ersten wirksamen und sicheren Medikamente gegen den Alterungsprozess gibt, kämpfen die Forscher gegen die typischen Alterskrankheiten. Mit dem zweiten Ansatz ist die Altersforschung schon weit vorangekommen. Wie alt ein Mensch wird, bestimmen etwa zu 20 bis 30 Prozent seine Gene. Das bedeutet umgekehrt, dass das Lebensalter stark vom Lebensstil abhängt. Und das ist die gute Nachricht: Wir können unser Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Etwa indem wir uns gut ernähren: Der Einfluss unserer Essgewohnheiten sei »gigantisch«, sagt der Ernährungsmediziner Michael Ristow, der an der Universität Jena die Prävention von Alterskrankheiten erforscht. »Ob wir mit 80 oder Ende 50 sterben, ist im Prinzip ernährungsabhängig«, sagt er. Eine ausgewogene Ernährung senkt das Risiko zahlreicher Krankheiten und kann das Leben verlängern, bestätigt eine seit Jahren laufende Studie mit 520.000 Europäern, an der auch das Deutsche Institut für Ernährungsforschung (Dife) beteiligt ist. »Es sind immer die gleichen Lebensmittel, auf die wir da kommen: Obst und Gemüse, ballaststoffreiches Getreide, wenig Fleisch«, fasst Heiner Boeing, Leiter der Epidemiologie am Dife, die Ergebnisse zusammen. Vor allem den Ballaststoffen falle eine wichtige Bedeutung zu, etwa bei der Prävention von Typ-2-Diabetes , Magen- und Darmkrebs.