TechnikmafiaDie Technikmafia

Schutzgelderpressung war früher ein Verbrechen, heute ist es ein florierendes Geschäftsmodell: Hersteller von Kameras, Handys und Druckern verschlechtern ihre Modelle künstlich – um uns teure Extras verkaufen zu können. Eine Abrechnung

Angenommen, wir wären Pizzabäcker in einem miesen Mafiafilm. Eines Tages, wir haben gerade unser Lokal aufgesperrt, besucht uns Don Alfonso mit seinen humorlosen Begleitern. Diese zerren uns in die Küche, weil sich Blut von den Kacheln besser abwischen lässt, zertrümmern uns das Nasenbein und machen uns dann ein Angebot, das wir nicht ablehnen können: Gegen die Zahlung einer Gebühr könne man uns künftig vor solchen Unfällen beschützen. Nur ein schlechter Film?

Im richtigen Leben gibt es vergleichbare Mafiamethoden – zwar weniger blutig, aber ähnlich kostspielig. Opfer sind wir alle. Täter sind die Hersteller von technischen Geräten, von Handys, Computern, Kameras. Ihre Druckmittel sind »Antifeatures« – Tricks und Kniffe, mit denen sie ihre Produkte vorsätzlich schlechter machen, als sie eigentlich sein könnten. Kleine elektronische Schweinereien, die uns das Leben mit der Technik zur Hölle machen und dafür sorgen, dass wir zahlen und zahlen, um sie loszuwerden. Was uns natürlich nie gelingt. Weswegen wir noch mehr zahlen und zahlen. Und irgendwann sogar glauben, das sei völlig normal.

Anzeige

Aber das ist es nicht. Das ist Beschiss. Manche Handys zum Beispiel kann man nur mit Sim-Karten bestimmter Netzanbieter benutzen – das ist ein klassisches Antifeature. Denn technisch passt jede Sim-Karte in jedes Handy. Doch Telekom, Vodafone und all die anderen Netzbetreiber nehmen uns diese Freiheit, damit wir weiter mit ihren teuren Tarifen telefonieren und ja nicht mit einem anderen Anbieter fremdgehen. Loswerden können wir die Sperre natürlich nur gegen Bares.

ZEIT Wissen 4/2011
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Benjamin Mako Hill bemerkte als einer der Ersten, dass die Konzerne solche Schikanen systematisch einsetzen. Hill ist Amerikaner, dreißig Jahre alt, schlaksig und unvollkommen rasiert. Als Programmierer und Aktivist der Free-Software-Szene versteht er sich als eine Art Mafiajäger: Hill findet es gar nicht gut, dass die Konzernbosse ein Geheimnis darum machen, wie die Dinge funktionieren, die sie uns verkaufen. Er erfand das Wort »Antifeature« , um Aufmerksamkeit dafür zu erregen, dass Alltagsprodukte künstlich verschlechtert werden – und begann öffentlich gegen die absurdesten Auswüchse zu protestieren.

Aufgefallen ist ihm zuletzt Intel. Seit dem Herbst experimentiert der weltweit größte Chiphersteller in den Vereinigten Staaten mit einem »Upgrade-Service« für Prozessoren. Man kauft also zunächst einen Computer, in dem solch ein Prozessor steckt. Ist man mit dessen Leistung unzufrieden, darf man für etwa 50 Dollar eine »Intel Upgrade Card« erwerben, mit der sich via Internet eine schnellere Prozessorleistung herunterladen lässt. Aber Moment mal: Wie ist es möglich, ein Stück Hardware per Datendownload zu verbessern? Doch wohl nur, weil die Prozessorleistung ab Werk gedrosselt wurde und nun durch eine Art digitalen Schlüssel wieder entsperrt wird.

Kein Drama? Von wegen. Beim Neuwagenkauf würden wir uns so etwas nie bieten lassen: Wir investieren 20.000 Euro und wollen unseren Spaß haben. Dann merken wir, dass die Handbremse klemmt oder uns irgendetwas daran hindert, in den vierten Gang zu schalten. Und dann sagt der Autoverkäufer: Handbremse lösen? Kostet extra. Hochschalten? Kostet auch extra. Ist das nun Service? Oder unverschämt?

Antifeatures erfüllen verschiedene Zwecke. Sie verleiten uns dazu, mehr Geld auszugeben. Oder sie gaukeln uns eine besondere Markenqualität vor. Oft sogar beides zugleich, wie bei Apples Musikladen iTunes Store . Da sollten einzelne Lieder (»in höherer Qualität«) vor Jahren plötzlich 30 Cent mehr kosten – damit der digitale Kopierschutz entfernt wird, der zuvor verhindert hat, dass man sie auf einigen Musikspielern überhaupt abspielen konnte.

Gemein ist allen Antifeatures, dass sie kaum als solche zu erkennen sind. Sie werden uns sogar oft als tolle Innovation verkauft. Als Zusatznutzen. Oder als Schutz unserer Geräte vor den Gefahren der Welt.

Leserkommentare
    • eins2
    • 12.07.2011 um 9:45 Uhr

    "Sollbruchstellen" gibts in fast allen Branchen, besonders in der Autoindustrie soll niemand auch nur noch eine Birne wechseln können unter dem Vorwand des Sicherheitsaspekts. Auch nicht beurteilen können, was wirkliche Fehler oder vermeidbare Fehler in der Produktion sind. Durchweg überteuerte Ersatzteile, Wettbewerb? Fehlanzeige. Es hat doch was mit Betrug zu tun oder? Sage doch niemand, unsere Regierungswächter,Kartellämter etc. wüssten davon nichts. Der Verbraucher hat da keine Chance ohne Hilfe.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Man sollte schon zwischen Sollbruchstellen, Antifeatures und geplanter Obsoleszenz unterscheiden.
    * Eine Sollbruchstelle ist in erster Linie ein Sicherheitsfeature (z.B. Glühsicherung)
    * Antifeatures werden im Artikel beschrieben
    * geplante Obsoleszenz ist eine designte Schwachstelle die Lebensdauer verkürzend wirkt.
    Meiner Meinung wird aber gerne der Verdacht auf geplante Obsolenzenz übertrieben. Oftmals handelt es sich bei häufig auftretenden Defekten nicht um Planung, sondern um Designfehler.
    Ziel von Ingenieuren und Designern ist im Allgemeinen eine kostengünstige Lösung mit maximaler Haltbarkeit zu finden. Bsp.: Es ist nicht Sinnvoll den Rückwärtsgang eines Getriebes auf 300000km auszulegen, wenn das Getriebe nur auf 200000km ausgelegt sein soll, da 95% der produzierten KFZ nur eine Laufleistung von 150000km erreichen. Der Rückwärtsgang wird also auf 10000km ausgelegt obwohl er auch auf 300000km ausgelegt werden könnte, was aber ökonomisch blödsinnig wäre. Stellt sich im Nachhinein raus, dass der Rückwärtsgang nur 5000km hält, dann ist das nicht geplante Obsolenszenz, sondern ein Designfehler der Ingenieure.
    Bsp. geplante Obsolenzenz: Warum kann ich bei vielen Geräten heute nicht mehr alleine den Akku wechseln und der Weg zu Werkstatt ist unwirtschaftlich?
    Trotzdem sollte man der Industrie nicht pauschal den Vorwurf machen das sie Geräte für die Tonne produzieren: Man kann ein Handy mit 20 Jahren Lebensdauer bauen, aber i.A. werden dann 18 Jahre Lebensdauer weggeworfen

    möglichst langlebige Geräte zu entwickeln.

    Das Ziel derjenigen Studenten, die für ein Ingenieustudium nicht intelligent genug waren und deshalb BWL wählten (ja, das war jetzt natürlich böse, üble Polemik) ist und bleibt es jedoch, mden Firmengewinn zu maximieren.

    Und das erreicht man nicht mit langlebigen Produkten!

    Wie viele Technologiefirmen werden von Ingenieuren geleitet?
    Wie viele von Buchhaltern...???

    Man sollte schon zwischen Sollbruchstellen, Antifeatures und geplanter Obsoleszenz unterscheiden.
    * Eine Sollbruchstelle ist in erster Linie ein Sicherheitsfeature (z.B. Glühsicherung)
    * Antifeatures werden im Artikel beschrieben
    * geplante Obsoleszenz ist eine designte Schwachstelle die Lebensdauer verkürzend wirkt.
    Meiner Meinung wird aber gerne der Verdacht auf geplante Obsolenzenz übertrieben. Oftmals handelt es sich bei häufig auftretenden Defekten nicht um Planung, sondern um Designfehler.
    Ziel von Ingenieuren und Designern ist im Allgemeinen eine kostengünstige Lösung mit maximaler Haltbarkeit zu finden. Bsp.: Es ist nicht Sinnvoll den Rückwärtsgang eines Getriebes auf 300000km auszulegen, wenn das Getriebe nur auf 200000km ausgelegt sein soll, da 95% der produzierten KFZ nur eine Laufleistung von 150000km erreichen. Der Rückwärtsgang wird also auf 10000km ausgelegt obwohl er auch auf 300000km ausgelegt werden könnte, was aber ökonomisch blödsinnig wäre. Stellt sich im Nachhinein raus, dass der Rückwärtsgang nur 5000km hält, dann ist das nicht geplante Obsolenszenz, sondern ein Designfehler der Ingenieure.
    Bsp. geplante Obsolenzenz: Warum kann ich bei vielen Geräten heute nicht mehr alleine den Akku wechseln und der Weg zu Werkstatt ist unwirtschaftlich?
    Trotzdem sollte man der Industrie nicht pauschal den Vorwurf machen das sie Geräte für die Tonne produzieren: Man kann ein Handy mit 20 Jahren Lebensdauer bauen, aber i.A. werden dann 18 Jahre Lebensdauer weggeworfen

    möglichst langlebige Geräte zu entwickeln.

    Das Ziel derjenigen Studenten, die für ein Ingenieustudium nicht intelligent genug waren und deshalb BWL wählten (ja, das war jetzt natürlich böse, üble Polemik) ist und bleibt es jedoch, mden Firmengewinn zu maximieren.

    Und das erreicht man nicht mit langlebigen Produkten!

    Wie viele Technologiefirmen werden von Ingenieuren geleitet?
    Wie viele von Buchhaltern...???

  1. ...haben:

    Richtig !

    Sie sind BILLIGER (in der Anschaffung) als sie sein dürften.
    Gilt insbesondere für Handys und Drucker.
    Zyniker bezeichnen solche Geräte als Steuer für Doofe.

    Es gibt auch heute noch gute Geräte, die tun was sie sollen, lange halten und keinen Verrat am Kunden begehen...
    ...aber das sind eben kein Schnäppchen.

    12 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...das stimmt, ärgerlicherweise werden diese Produkte durch ihre Preispolitik oft in Nischen gedrängt und sind mangels Masse teurer als sie sein müssten. Gelegentlich werden sie aber zu Kult und zum quasi Selbstläufer in bestimmten Branchen, was der Hersteller dann wieder mit saftigen Preisaufschlägen abschöpft. Beispiel Stihl-Kettensägen uä.

    Die Kunst ist es, ein Produkt mit passendem Preis-Leistungsverhältnis zu finden, die gibt es idR auch, aber dafür sind die Suchkosten entsprechend hoch. Ich verbringe nicht selten einige Abende mit suchen und vergleichen, bevor ich ein Produkt kaufe, insbesondere wenn ich das im Internet tue und es daher nur schlecht zurücktauschen kann.

    Hat man gar keine Ahnung von den typischen Schwächen, kommt man uU am besten man kauft das billigste Gerät, danach weiß man dann, auf was man achten muss :-) denn leider verkaufen auch Markenhersteller nicht immer die gewünschten Features oder die gewünschte Qualität.

    • GDH
    • 12.07.2011 um 12:29 Uhr

    Aber da fällt mir als Gegenbeispiel die Firma Apple ein, die es irgendwie schafft, auch noch hohe Preise für ihre kastrierte Technik zu bekommen. Ein Apple-Ipod z.B. wurde für 3-stellige Euro-Beträge angeboten, als es schon noname-Geräte für <10 Euro gab, die man ganz bequem wie einen USB-Stick in den Rechner stecken und mit Daten bestücken kann. Der Apple-Kunde zahlt also offenbar freiwillig drauf um hinterher Spezialsoftware zu brauchen, die dann auch nur bestimmte Dateien auf das Abspielgerät kopiert...

    Das Gleiche gilt für viele Markenprodukte, bei denen man nach dem Kauf gleich nochmal mit persönlichen Daten bezahlt, weil die Dinger ohne "Registrierung" erst garnicht alles können, was auf der Packung beworben wird.

    Auf meinem Schoß sitzt ein über 4 Jahre altes MacBook, auf meinem Schreibtisch steht ein fast 8 Jahre alter iMac und in meiner Familie wird ein 7 1/2 Jahre altes iBook verwendet. Alles funktioniert, mitunter sogar noch mit deutlich neuerer Software und schneller als je zuvor.

    Weiterhin können Sie sich gerne die frei im Internet verfügbaren Informationen über Apples Beitrag zu Open Source zu Gemüte führen.

    Die Welt ist nicht ganz so Schwarz-Weiß, wie man das manchmal gerne hätte.

    Geben Sie sich doch bitte die Mühe, nicht einfach unhaltbare Behauptungen zu posten, das wäre der Qualität der Diskussion hier sehr zuträglich.

    vielen Dank und mit freundlichsten Grüßen

    Meschugga

    ...das stimmt, ärgerlicherweise werden diese Produkte durch ihre Preispolitik oft in Nischen gedrängt und sind mangels Masse teurer als sie sein müssten. Gelegentlich werden sie aber zu Kult und zum quasi Selbstläufer in bestimmten Branchen, was der Hersteller dann wieder mit saftigen Preisaufschlägen abschöpft. Beispiel Stihl-Kettensägen uä.

    Die Kunst ist es, ein Produkt mit passendem Preis-Leistungsverhältnis zu finden, die gibt es idR auch, aber dafür sind die Suchkosten entsprechend hoch. Ich verbringe nicht selten einige Abende mit suchen und vergleichen, bevor ich ein Produkt kaufe, insbesondere wenn ich das im Internet tue und es daher nur schlecht zurücktauschen kann.

    Hat man gar keine Ahnung von den typischen Schwächen, kommt man uU am besten man kauft das billigste Gerät, danach weiß man dann, auf was man achten muss :-) denn leider verkaufen auch Markenhersteller nicht immer die gewünschten Features oder die gewünschte Qualität.

    • GDH
    • 12.07.2011 um 12:29 Uhr

    Aber da fällt mir als Gegenbeispiel die Firma Apple ein, die es irgendwie schafft, auch noch hohe Preise für ihre kastrierte Technik zu bekommen. Ein Apple-Ipod z.B. wurde für 3-stellige Euro-Beträge angeboten, als es schon noname-Geräte für <10 Euro gab, die man ganz bequem wie einen USB-Stick in den Rechner stecken und mit Daten bestücken kann. Der Apple-Kunde zahlt also offenbar freiwillig drauf um hinterher Spezialsoftware zu brauchen, die dann auch nur bestimmte Dateien auf das Abspielgerät kopiert...

    Das Gleiche gilt für viele Markenprodukte, bei denen man nach dem Kauf gleich nochmal mit persönlichen Daten bezahlt, weil die Dinger ohne "Registrierung" erst garnicht alles können, was auf der Packung beworben wird.

    Auf meinem Schoß sitzt ein über 4 Jahre altes MacBook, auf meinem Schreibtisch steht ein fast 8 Jahre alter iMac und in meiner Familie wird ein 7 1/2 Jahre altes iBook verwendet. Alles funktioniert, mitunter sogar noch mit deutlich neuerer Software und schneller als je zuvor.

    Weiterhin können Sie sich gerne die frei im Internet verfügbaren Informationen über Apples Beitrag zu Open Source zu Gemüte führen.

    Die Welt ist nicht ganz so Schwarz-Weiß, wie man das manchmal gerne hätte.

    Geben Sie sich doch bitte die Mühe, nicht einfach unhaltbare Behauptungen zu posten, das wäre der Qualität der Diskussion hier sehr zuträglich.

    vielen Dank und mit freundlichsten Grüßen

    Meschugga

  2. Der Warenausstoß ist aufgrund der hohen Produktivität so groß geworden, dass die Märkte zunehmend gesättigt sind. Aber da ja angeblich alles wachsen muss, lässt man sich halt was einfallen. Erst wurde die geplante Obsoleszenz erfunden, damit die Produkte nur einen bestimmten Zeitraum halten, was ich auch schon für Betrug halte. Und nun wird in dem Artikel eine neue Masche zur Umsatzgenerierung beschrieben, die nicht minder frech ist.

    Wir haben uns komplett verrannt in ein Wirtschaftssystem, dass an Perversion immer weiter zunimmt (Patente auf Schweine; Saatgut, dessen Ernte nicht zur Wiederaussaat verwendet werden kann; Landgrabbing; Nordseekrabben-Pulen in Marokko um weitere ergänzende Beispiele zu nennen,). Kranke Welt.

    Ich versuche, mich dem so gut wie möglich zu entziehen, indem ich bewusst Dinge kaufe, die nach meinen Erfahrungen eine lange Nutzungsdauer versprechen und möglichst reparierbar sind. Geht jedoch leider nicht immer, wie z. B. in der oben beschriebenen Branche. Aber vielleicht gibt es ja auch da Hersteller, die als Alleinstellungsmerkmal auf Abgrenzung von den oben beschriebenen Praktiken setzen.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Der Warenausstoß ist aufgrund der hohen Produktivität so groß geworden, dass die Märkte zunehmend gesättigt sind. Aber da ja angeblich alles wachsen muss, lässt man sich halt was einfallen. Erst wurde die geplante Obsoleszenz erfunden, damit die Produkte nur einen bestimmten Zeitraum halten, was ich auch schon für Betrug halte. Und nun wird in dem Artikel eine neue Masche zur Umsatzgenerierung beschrieben, die nicht minder frech ist."

    ... da unterstellst du einen volkswirtschaftlichen Zusammenhang, wo keiner ist.

    Es geht nicht darum zu wachsen oä, sondern nur darum, dass der Hersteller versucht ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzubekommen (unabhängig ob dieser Kuchen größer oder kleiner wird).

    Da hohe Warentransparenz mit gleichzeitiger Konkurrenz über den Preis immer nur einen Gewinner übrig lässt, während alle anderen pleite gehen, weicht man dem aus und versucht maximale Intransparenz zu schaffen.

    Das ist absolut nichts neues, wie es der Artikel teilweise suggeriert, nur tritt es heute mehr in den Vordergrund, weil massenweise technische Gadgets produziert werden und diese besonders anfällig für Verschleierung sind. Ein anderer Bereich ist z.B. der der Versicherungen, besonders fies, weil man die Nachteile erst bemerkt, wenn der Schaden eingetreten ist.

    Der Markt ist eben nicht effizient und hohe Konkurrenz führt weder automatisch zu niedrigeren Preisen, noch zu besseren Produkten.

    was Du sagst gebe ich Dir recht.

    Aber dass es nicht um Wachstum geht? Natürlich gehts darum, Umsatzziele zu steigern und die Aktionäre oder Teilhaber mit mehr Rendite zu beglücken. Das ist doch nicht schwer nachzuvollziehen. Und wenn das viele so machen, dann gewinnt das Ganze durchaus an volkswirtschaftlicher Relevanz.

    Im übrigen sind diese Methoden, wie Du schon andeutest, in der Tat systemübergreifend zu finden. Das geht mittlerweile schon bis in den privaten Bereich, dass jeder versucht, den anderen irgendwie zu übervorteilen oder über den Tisch zu ziehen. Nicht umsonst haben die Anwälte so viel zu tun.

    Egal ob Handwerker, Tiefkühlpizza, Kraftstoffverbrauch, nie (oder immer seltener) bekommst Du das, was Dir versprochen wird. Diese Gesellschaft ist eine Gesellschaft der latenten Rumlügerei. Wen wunderts, wenn es die gesellschaftlichen Eliten vormachen und damit auch noch Erfolg haben...

    "Der Warenausstoß ist aufgrund der hohen Produktivität so groß geworden, dass die Märkte zunehmend gesättigt sind. Aber da ja angeblich alles wachsen muss, lässt man sich halt was einfallen. Erst wurde die geplante Obsoleszenz erfunden, damit die Produkte nur einen bestimmten Zeitraum halten, was ich auch schon für Betrug halte. Und nun wird in dem Artikel eine neue Masche zur Umsatzgenerierung beschrieben, die nicht minder frech ist."

    ... da unterstellst du einen volkswirtschaftlichen Zusammenhang, wo keiner ist.

    Es geht nicht darum zu wachsen oä, sondern nur darum, dass der Hersteller versucht ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzubekommen (unabhängig ob dieser Kuchen größer oder kleiner wird).

    Da hohe Warentransparenz mit gleichzeitiger Konkurrenz über den Preis immer nur einen Gewinner übrig lässt, während alle anderen pleite gehen, weicht man dem aus und versucht maximale Intransparenz zu schaffen.

    Das ist absolut nichts neues, wie es der Artikel teilweise suggeriert, nur tritt es heute mehr in den Vordergrund, weil massenweise technische Gadgets produziert werden und diese besonders anfällig für Verschleierung sind. Ein anderer Bereich ist z.B. der der Versicherungen, besonders fies, weil man die Nachteile erst bemerkt, wenn der Schaden eingetreten ist.

    Der Markt ist eben nicht effizient und hohe Konkurrenz führt weder automatisch zu niedrigeren Preisen, noch zu besseren Produkten.

    was Du sagst gebe ich Dir recht.

    Aber dass es nicht um Wachstum geht? Natürlich gehts darum, Umsatzziele zu steigern und die Aktionäre oder Teilhaber mit mehr Rendite zu beglücken. Das ist doch nicht schwer nachzuvollziehen. Und wenn das viele so machen, dann gewinnt das Ganze durchaus an volkswirtschaftlicher Relevanz.

    Im übrigen sind diese Methoden, wie Du schon andeutest, in der Tat systemübergreifend zu finden. Das geht mittlerweile schon bis in den privaten Bereich, dass jeder versucht, den anderen irgendwie zu übervorteilen oder über den Tisch zu ziehen. Nicht umsonst haben die Anwälte so viel zu tun.

    Egal ob Handwerker, Tiefkühlpizza, Kraftstoffverbrauch, nie (oder immer seltener) bekommst Du das, was Dir versprochen wird. Diese Gesellschaft ist eine Gesellschaft der latenten Rumlügerei. Wen wunderts, wenn es die gesellschaftlichen Eliten vormachen und damit auch noch Erfolg haben...

    • tymtym
    • 12.07.2011 um 9:52 Uhr

    Jaja, das beobachte ich auch ständig - vor allem unter Jugendlichen...

    8 Leserempfehlungen
  3. Diesen Antifeatures begegnen wir im technischen Bereich allenthalben, und immer geht es nur darum, den Herstellern einen möglichst großen Profit zu sichern. Heute können digitale Videorecorder weniger als ihre analogen Pendants vor 20 Jahren - versuchen Sie einmal, eine aufgezeichnete TV-Sendung dauerhaft zu speichern. Apple - ein Hersteller, der dank des Hochpreissegments wahrlich genug mit seinen Produkten verdient - nervt uns immer wieder mit neuen Tricks, bei denen die neuen Produkte zwar physisch mit alten zusammenpassen, sich aber trotzdem über "altes Zubehör" beschweren und die Zusammenarbeit verweigern.
    Es gehören aber immer zwei dazu - der Anbieter und der Kunde. Es gibt zu vielen Antifeature-Produkten auch Alternativen, man muss sie nur auswählen - und wahrscheinlich steht dann nicht Apple, Sony oder Panasonic drauf.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nichts leichter als das. Man nehme einen PC mit z.B. einer Terratec-TV-Karte; Betriebssystem: Linux Ubuntu; TV-Software: Kaffeine mit Timeshift und EPG-Programmierung; Kaffeine nimmt im .m2t-Format auf, was wenigen USB-Receivern/-DVD-Plaern schmeckt; also noch das ebenfalls kostenlose Schnitt- und Umcodierprogramm DVBcut installiert, und innert weniger Minuten ist der neueste "Barnaby" als MPEG auf der Platte, bereit zur Verteilung per Stick oder externem HDD, wo er dauerhaft geparkt werden kann.

    Nichts leichter als das. Man nehme einen PC mit z.B. einer Terratec-TV-Karte; Betriebssystem: Linux Ubuntu; TV-Software: Kaffeine mit Timeshift und EPG-Programmierung; Kaffeine nimmt im .m2t-Format auf, was wenigen USB-Receivern/-DVD-Plaern schmeckt; also noch das ebenfalls kostenlose Schnitt- und Umcodierprogramm DVBcut installiert, und innert weniger Minuten ist der neueste "Barnaby" als MPEG auf der Platte, bereit zur Verteilung per Stick oder externem HDD, wo er dauerhaft geparkt werden kann.

    • _bla_
    • 12.07.2011 um 9:54 Uhr

    Regt sich auch jemand darüber auf das Kinokarten für Studenten und Schüler günstiger sind, obwohl der Sitzplatz doch auch genauso von einem Erwachsenen genutzt werden könnte?

    Das gleiche Prinzip ist auch hier am Werk. Der Umsatz wird gesteigert indem einzelne Gruppen mit geringerer Zahlungsbereitschaft das Produkt günstiger bekommen und somit auch kaufen. Ansonsten würde weniger verkauft werden und der Durchschnittspreis höher ausfallen.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Vergleich hinkt ganz gewaltig. Bei Ermäßigungen für Schüler, Studenten usw. ist ganz klar, dass die volle Leistung angeboten wird (derselbe Sitz, der volle Film, Toilettenbenutzung eingeschlossen). Der Unternehmer verzichtet darauf, von bestimmten Gruppen (Schüler, Studenten usw.) den vollen Preis zu nehmen, weil die vielleicht nicht so kaufkräftig sind. Er schmälert damit zunächst seinen Umsatz, vielleicht weil er hofft, so Dauerkunden zu gewinnen, die auch später ohne Ermäßigung wiederkommen. Außerdem ist es wohl besser, die Sitze mit „Emäßigten“ zu füllen, als dass sie ganz leer bleiben.

    Bei den Antifeatures ist es dagegen so, dass die Firmen zum vollen Preis unvollständige oder in Funktionsumfang oder Leistung eingeschränkte Versionen ihrer Produkte verkaufen. Für die Behebung der künstlich eingebauten Mängel oder Beschränkungen wird der Kunde nochmals kräftig zur Kasse gebeten.

    Das Beispiel der „Intel Upgrade Card“ spricht doch Bände: Der Prozessor hat schon alles an Bord, was er für volle Leistung braucht. Der Kunde muss aber trotzdem nochmal tief in die Tasche greifen, um die volle Leistung auch nutzen zu können. Oder das mit den Akkus, den Druckerpatronen, den Glühbirnen für’s Autos: Man muss die teuren Originalteile kaufen, obwohl No-Name-Produkte (oft genug aus derselben Fabrik desselben Zulieferers) genausogut sein können. Das ist eine moderne Form der Wegelagerei und eine ziemliche Unverschämtheit.

    Ja, der Text ist sinnlos polemisch. Fremdakkus oder -patronen zu verhindern ist nicht vergleichbar mit Features, die gegen Gebühr freigeschaltet werden.

    Letztere Art von Preisgestaltung ist betriebswirtschaftlich logisch, marktkonform und gar nicht kundenfeindlich.

    Warum?
    1. verbilligen hohe Stückzahlen gleicher Hardware Herstellung, Lagerung und Vertrieb,
    2. verlagert sich die Wertschöpfung vom Material (= Rohstoff + Verarbeitung) hin zur Software.

    Unterscheiden sich Geräte nur noch in der Software, ist es billiger, ein Einheitsgerät zu produzieren als eine einfache plus eine Luxus-Version.

    Der Wert des Geräts für den Kunden steckt in den Features - aber nicht jeder legt auf alle Features Wert. Software für den PC kaufe ich ja auch nach Bedarf. So bekommt der Kunde, der auf Kinkerlitzchen verzichtet, ein gleich gutes Produkt billiger als sein Nachbar, der meint, jeden Schnickschnack haben zu müssen. Merkt er später, dass die Extras doch nicht so doof sind, muss er kein neues Gerät kaufen, sondern lässt sich die Funktionen freischalten. Klar kostet das was.

    Auch SIM-Locks bei Handys mit Zeitvertrag haben ihren Sinn. Damit hält sich der Netzbetreiber schadlos für die Subvention, die er in den Kaufpreis investiert hat. Wer solche Deals ablehnt, kann sich ein Handy ohne SIM-Lock kaufen (zum ungeschönten Barzahlerpreis) und sich das Funknetz aussuchen.

    Mir ist z.B. das iPhone ein zu teurer Spaß. Gäbe es eine abgespeckte Version ohne Vertrag, würde ich zuschlagen.

    Der Vergleich hinkt ganz gewaltig. Bei Ermäßigungen für Schüler, Studenten usw. ist ganz klar, dass die volle Leistung angeboten wird (derselbe Sitz, der volle Film, Toilettenbenutzung eingeschlossen). Der Unternehmer verzichtet darauf, von bestimmten Gruppen (Schüler, Studenten usw.) den vollen Preis zu nehmen, weil die vielleicht nicht so kaufkräftig sind. Er schmälert damit zunächst seinen Umsatz, vielleicht weil er hofft, so Dauerkunden zu gewinnen, die auch später ohne Ermäßigung wiederkommen. Außerdem ist es wohl besser, die Sitze mit „Emäßigten“ zu füllen, als dass sie ganz leer bleiben.

    Bei den Antifeatures ist es dagegen so, dass die Firmen zum vollen Preis unvollständige oder in Funktionsumfang oder Leistung eingeschränkte Versionen ihrer Produkte verkaufen. Für die Behebung der künstlich eingebauten Mängel oder Beschränkungen wird der Kunde nochmals kräftig zur Kasse gebeten.

    Das Beispiel der „Intel Upgrade Card“ spricht doch Bände: Der Prozessor hat schon alles an Bord, was er für volle Leistung braucht. Der Kunde muss aber trotzdem nochmal tief in die Tasche greifen, um die volle Leistung auch nutzen zu können. Oder das mit den Akkus, den Druckerpatronen, den Glühbirnen für’s Autos: Man muss die teuren Originalteile kaufen, obwohl No-Name-Produkte (oft genug aus derselben Fabrik desselben Zulieferers) genausogut sein können. Das ist eine moderne Form der Wegelagerei und eine ziemliche Unverschämtheit.

    Ja, der Text ist sinnlos polemisch. Fremdakkus oder -patronen zu verhindern ist nicht vergleichbar mit Features, die gegen Gebühr freigeschaltet werden.

    Letztere Art von Preisgestaltung ist betriebswirtschaftlich logisch, marktkonform und gar nicht kundenfeindlich.

    Warum?
    1. verbilligen hohe Stückzahlen gleicher Hardware Herstellung, Lagerung und Vertrieb,
    2. verlagert sich die Wertschöpfung vom Material (= Rohstoff + Verarbeitung) hin zur Software.

    Unterscheiden sich Geräte nur noch in der Software, ist es billiger, ein Einheitsgerät zu produzieren als eine einfache plus eine Luxus-Version.

    Der Wert des Geräts für den Kunden steckt in den Features - aber nicht jeder legt auf alle Features Wert. Software für den PC kaufe ich ja auch nach Bedarf. So bekommt der Kunde, der auf Kinkerlitzchen verzichtet, ein gleich gutes Produkt billiger als sein Nachbar, der meint, jeden Schnickschnack haben zu müssen. Merkt er später, dass die Extras doch nicht so doof sind, muss er kein neues Gerät kaufen, sondern lässt sich die Funktionen freischalten. Klar kostet das was.

    Auch SIM-Locks bei Handys mit Zeitvertrag haben ihren Sinn. Damit hält sich der Netzbetreiber schadlos für die Subvention, die er in den Kaufpreis investiert hat. Wer solche Deals ablehnt, kann sich ein Handy ohne SIM-Lock kaufen (zum ungeschönten Barzahlerpreis) und sich das Funknetz aussuchen.

    Mir ist z.B. das iPhone ein zu teurer Spaß. Gäbe es eine abgespeckte Version ohne Vertrag, würde ich zuschlagen.

  4. weiteres unter Obsoleszenz zu ergoogeln.

    3 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service