In welchem der zehn Gläser ist Wasser? Die Behälter sind mit Handtüchern abgedeckt, der Kandidat geht mit zwei Drahtbügeln in der Hand die Reihe durch. Glas eins – nichts. Glas zwei – leer. Vor dem dritten Glas drehen sich die Drähte. Eindeutig, sagt der pensionierte Studienrat, »es müsste Glas drei sein«.

Eindeutig? Mehr als 30 Pendler und Rutengänger haben den freiwilligen Labortest an der Universität Würzburg bislang absolviert. Erfolg hatte keiner von ihnen. Auch der Studienrat fuhr vor zwei Jahren ohne Preisgeld heim.

10.000 Euro verspricht die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) demjenigen, der sein übersinnliches Talent unter kontrollierten Bedingungen unter Beweis stellt. »Die Teilnehmer sind ernsthaft verdutzt, dass es nicht klappt«, sagt Martin Mahner. Der Biologe hat die GWUP 1987 mit gegründet und koordiniert als hauptberuflicher Skeptiker die Aktivitäten des Vereins.

Die GWUP testet nicht nur Rutengänger. Sie organisiert auch Aktionen gegen Homöopathie und analysiert Wahrsagerprophezeiungen. Den anonymen Aufklärern des Internetprojekts esowatch.com ist das noch zu zahm, sie stellen Schwindler an den Online-Pranger.

Für andere hingegen wirkt es so, als wollte die naturwissenschaftlich dominierte GWUP dem mythischen Denken einfach unkritische Wissenschaftsgläubigkeit entgegensetzen. Ein Missverständnis, wie Martin Mahner betont: »Man muss natürlich auch der Wissenschaft gegenüber skeptisch bleiben.«

Im Ausland bekennen sich Intellektuelle wie Umberto Eco zur Skeptikerbewegung. »Leider hält sich die akademische Prominenz in Deutschland traditionell eher zurück«, sagt Mahner. Unterstützung bekommen die Geisterjäger dafür aus dem Showgeschäft: Seit einigen Jahren trommelt der Komiker Bernhard Hoëcker für die GWUP. Ganz ernsthaft.

Der Artikel ist Teil eines Dossiers zum Thema Esoterik . Weitere Artikel dazu lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des ZEIT Wissen Magazins