Es klingt wie eine Entschuldigung, aber auch ein wenig trotzig: »Von allen Flaggschiff-Projekten«, sagt Adrian Ionescu, »ist unseres wahrscheinlich am komplexesten.« Der Halbleiterphysiker von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne geht mit einem ebenso ambitionierten wie sperrigen Vorhaben ins Rennen um den Forschungsjackpot . »Schlaue, autonome, energieautarke persönliche Assistenten« möchte Ionescu mit seinen Partnern entwickeln.

Komplexität verkauft sich allerdings nicht gut, schon gar nicht bei den Politikern, die letztlich über den Gewinner des Milliarden-Jackpots entscheiden müssen. Die Initiatoren haben ihrem Vorhaben daher einen eingängigen und vielversprechenden Namen verpasst: »Guardian Angels« . Auf Deutsch: Schutzengel.

Digitale Schutzengel, so die Vision, sollen den Menschen künftig überallhin begleiten. Eingenäht in den Pullover, überwachen sie den Puls und andere Vitalfunktionen, und bei verdächtigen Veränderungen benachrichtigen sie automatisch den Hausarzt. Sie kommunizieren mit anderen Sensoren und warnen zum Beispiel Autofahrer, dass gleich ein Kind – das einen digitalen Schutzengel in seinem Schulranzen trägt – zwischen den parkenden Fahrzeugen hervorspringen wird. Am Ende sollen die Sensoren sogar menschliche Emotionen erfassen können, indem sie Mimik und Schweiß analysieren. »Unsere Technologie wird den Menschen von der Kindheit bis ins hohe Alter vor komplexen oder gefährlichen Situationen bewahren«, schwärmt Ionescu.

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Diese Idee hatten schon andere: Der Chiphersteller Intel, einer der 28 Partner im Guardian-Angels-Konsortium, präsentiert seit Jahren auf seiner Hausmesse Geräte, die den menschlichen Gang analysieren und Senioren vor drohenden Stürzen warnen sollen. Noch sind die Beschleunigungssensoren, die die Probanden dazu in ihre Socken stopfen müssen, recht klobig, verbrauchen viel Strom und haben eine begrenzte Reichweite.

Datenverarbeitung, Kommunikation und besonders die Energieversorgung sind daher die grundlegenden Probleme, die die Schutzengel-Schöpfer lösen müssen: Niemand will ständig die Batterie seines Pullovers wechseln. Die schlauen Messfühler müssen sich stattdessen selbst mit Strom versorgen, indem sie aus Sonnenlicht, Bewegungen oder Wärmeunterschieden Energie gewinnen.