Cloud-ComputingWolkige Versprechen

Die Festplatte im Computer wäre überflüssig, alles läge im Netz: Schon seit Jahren wird die Cloud als das nächste große Ding gehandelt. Jetzt locken die Konzerne mit neuen Angeboten. Doch auch wenn vieles kostenlos erscheint, wirklich umsonst ist nichts. von 

Cloud Computing war auch bei der Cebit in Hannover ein großes Thema.

Cloud Computing war auch bei der Cebit in Hannover ein großes Thema.  |  © Sean Gallup / Getty Images

David Bradshaw ist durch und durch Experte. Sein halbes Leben lang beschäftigt er sich schon mit dem Internet, sagt er. Und seine silbergrauen Locken verraten, dass das nicht erst seit gestern ist. Das Telefon des Marktforschers Bradshaw klingelt ständig, seitdem Apple- Chef Steve Jobs neulich wieder einmal auf eine Bühne gestiegen ist und etwas Neues angekündigt hat: iCloud, einen Onlinedienst, der wie eine Festplatte zum Mitnehmen funktionieren soll. Man kann Texte, Fotos und Musik darauf speichern und von überall her abrufen. Per Computer, per Handy, per iPad. Als würden die Daten in einer Wolke um einen herumschweben – daher der Name. »Mag sein, dass die Leute verrückt danach sein werden«, sagt Bradshaw seinen Anrufern trocken. »Ich jedenfalls werde meine Musik und meine Daten in keiner Wolke speichern.«

Wieso das? Hat Bradshaw nicht richtig zugehört, als Steve Jobs auf der Bühne stand? Hat er nicht mitbekommen, wie »großartig« das alles sein soll? Hat er nicht die Vorhersagen seines Arbeitgebers IDC und der anderen Marktforschungsunternehmen gelesen? Sogenannte Cloud-Dienste – Apple hat nur das i vorne drangehängt – sind angeblich das nächste große Ding. 3,5 Milliarden Euro Umsatz sollen die Anbieter damit dieses Jahr allein in Deutschland erzielen. Nicht umsonst steht die gesamte Spitze der Technikwelt am Start, bereit für das nächste Rennen im Internet-Geschäft. Neben Apple machen sich Google, Microsoft und Amazon warm, und auch Facebook werden Ambitionen nachgesagt. Die Wolke – nur heiße Luft?

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Tatsächlich gibt es etliche Momente in unserem Leben, die mit Cloud-Computing weniger frustrierend wären: Wir möchten unser neues Lieblingslied auf der Fahrt ans Meer hören, haben es aber nicht auf den iPod geladen. Wir müssen eine Präsentation zu Hause fertig machen, die Datei liegt aber auf dem Bürorechner. Oder wir machen ein Foto mit dem Handy, können es aber nicht per E-Mail verschicken, weil die Datei das Größenlimit überschreitet. Allein dieses letzte Problem nervt laut einer Umfrage von Forrester Research in Großbritannien jeden fünften Internetnutzer.

ZEIT Wissen 5/2011
ZEIT Wissen 5/2011

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Eine Wolke könnte in solchen Momenten die Stimmung heben. Anstatt Fotos, Dokumente und Musik erst einmal auf dem eigenen Computer zu speichern und dann per USB-Stick, Kabel oder E-Mail verteilen zu müssen, werden sie gleich im Netz abgelegt – auf den riesigen Festplatten der Konzerne. Auf diese können wir dann mit jedem Gerät zugreifen, vorausgesetzt, es hat einen Internetanschluss.

Cloud-Computing verspricht noch mehr: Dank sogenannter Web-Apps – das sind Programme, die ebenfalls im Netz liegen – kann man direkt im Browser Fotos retuschieren, einen neuen Musikmix zusammenstellen oder Texte online bearbeiten. Das Geld für eigene Programme spart man – ebenso die Sorge, ein wichtiges Update zu verpassen.

Inzwischen sind bereits einige Wölkchen am Netz-Himmel aufgezogen, doch eine dichte Wolkendecke war bisher noch nicht in Sicht. Ein Grund könnte sein, dass vor allem kleine Anbieter immer wieder mit Sicherheitsproblemen auffallen. Dropbox, ein Vermieter von Online-Speicherplatz, musste neulich etwa zugeben, dass sein Login stundenlang nicht richtig funktioniert hatte und Kundendaten frei zugänglich waren.

Bis jetzt verwendet nur jeder vierte Internetnutzer Cloud-Dienste, viele davon sogar nur selten. Das könnte sich nun ändern. Erstens drängen die Großen ins Geschäft, und zweitens wird Speicherplatz im Netz immer billiger, das Internet immer schneller, und Handys, die ständig online sind, verbreiten sich rasant. Mittlerweile kann man ganze Musiksammlungen ins Netz verlagern und Air oder Nena mit 99 Luftballons auf dem Handy abspielen, wo immer man ist. Einfach Start drücken, ein paar Sekunden später strömen die ersten Töne durchs Kopfhörerkabel, außer vielleicht in Tunneln und an Bord eines Flugzeugs.

Leserkommentare
  1. Früher wurden Daten noch echt geklaut, heute stehen sie in der Cloud.

    Wer dort ernsthaft kritische Daten vorhalten will, der hat sie nicht mehr alle. Oder vielmehr: Der hat sie nicht mehr alle für sich ;)

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    • Keiner
    • 23. August 2011 8:07 Uhr

    und zwar so, dass sie auch der CIA nicht mehr lesen kann.

    Bei Musikdateien macht das nicht so sehr Sinn, es sei denn, man hat Paranoia, dass irgendwer darauf schließt, ein User hat 5x hintereinander ein Heavy Metal-Lied gehört, das bedeutet dann, er wird bald losziehen und irgendwen töten ;)

    • Keiner
    • 23. August 2011 8:07 Uhr

    und zwar so, dass sie auch der CIA nicht mehr lesen kann.

    Bei Musikdateien macht das nicht so sehr Sinn, es sei denn, man hat Paranoia, dass irgendwer darauf schließt, ein User hat 5x hintereinander ein Heavy Metal-Lied gehört, das bedeutet dann, er wird bald losziehen und irgendwen töten ;)

    Antwort auf "Typischer Hype"
  2. Der Kommentar bezüglich Emails ist in diesem Artikel ziemlich unsinnig. Praktisch benutzt fast jeder einen Cloud Internetdienst - theoretisch kann dies sogar schon der Exchange Server beim Arbeitgeber sein.

    Am Ende ist es jedoch so dass kaum jemand einen Email Server daheim hat - und wenn doch dann wird der mitunter nicht immer für Emails genutzt. Exchange ist teuer, bei OpenSource Produkten hat man eventuell das eine oder andere Problem...
    Zum Beispiel kostenfrei verschlüsseln, und was ist mit der "Uptime"? etc.
    Am Ende bleibt es eine Spielerei der Erfahrung wegen und eventuell aus praktischen Gründen wenn man eine Webseite hat die Emails zu verschicken braucht, e.g. Foren.

    In dem Moment in dem man seine Webseite bei einem Hosting Anbieter laufen lässt ist man technisch schon wieder beim Cloud Computing.

    Und Emails wechseln ist bei weitem nicht so schwer - ich habe es einmal gemacht, denn Kontakte hat man doch eigentlich in seinem Emailprogram - zum Beispiel Outlook.

  3. ...

    Ach ja? Google hat ein Opt-Out, wo ich mit einem Klick alle meine Daten auf meine Festplatte sichern kann - ich habe's gerade ausprobiert, 25min und alle meine Daten aus der Google 'Cloud' war gesichert und ich kann sie hinschieben wo immer ich will --> "Die Nutzer sind locked-in – eingesperrt." --> Quatsch!

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    Dass ein Anbieter so etwas anbietet ist vielleicht nett, aber ihre Erfahrung ist nicht allgemeingültig.

    Es gibt mehr als nur google - und google umgeht man bei Privatsphärenbedenken eh lieber.

    Ihre 25Minuten Downloadzeit sind auch sehr optimistisch - wenn jemand tatsächlich "in" einer Cloud leben würde, dann würden mehrere GB an Daten anfallen.
    -> In 25 Minuten kann ich bei etwa 2MB/s etwa 2GB an Daten verschicken (Erfahrung von WLAN Netzwerk daheim), die Mathematik sagt mir 3120MB im theoretischen Idealfall.

    Das setzt aber voraus dass sie durchgängig einen 2MB/s Download haben - das haben aber die wenigsten.
    Wenn sie im Gegensatz nur ein paar Dokumente im Netz haben, dann leben sie nicht "in" der Cloud und könnten diese auch per USB Stick mitnehmen - das wäre auch bei 3GB kein Problem.

    Dann kommt natürlich noch das Problem dass der eine oder andere dann gern woanders hin möchte - somit alles wieder hochladen muss... Und spätestens hier dauert es dann sehr lange.

  4. Ich nutze zwar den e-postbrief und bin gewohnt, dass persönliche Briefe bei der Post im Datenspeicher bevorratet sind, bevorzuge jedoch ein geschlossenes System. Man kann ja nie wissen, trotz der Versprechungen, wie mit den Daten umgegangen wird.
    Schließlich haben meine Frau und ich auch eine persönliche Schublade, in denen Unterlagen liegen, die niemanden etwas angehen.

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    Warum nutzen sie eine Email die kostet?

    Eigentlich ein entwicklungstechnischer Rückschritt... das Große Plus von Emails ist dass sie kostenfrei sind.

    Ich habe ältere Verwandte und Bekannte, die nicht über einen Internetanschluss verfügen. Da ist es eben praktisch vom Schreibtisch aus, Briefe, sogar mit pdf.Anlagen, versenden zu können.
    Außerdem spart man den Aufwand bzgl. der Briefmarke, Briefumschläge und den rechtzeitigen Gang zum Briefkasten und das ist schon ein enormer Vorteil, den ich gerne nutze.

  5. Dass ein Anbieter so etwas anbietet ist vielleicht nett, aber ihre Erfahrung ist nicht allgemeingültig.

    Es gibt mehr als nur google - und google umgeht man bei Privatsphärenbedenken eh lieber.

    Ihre 25Minuten Downloadzeit sind auch sehr optimistisch - wenn jemand tatsächlich "in" einer Cloud leben würde, dann würden mehrere GB an Daten anfallen.
    -> In 25 Minuten kann ich bei etwa 2MB/s etwa 2GB an Daten verschicken (Erfahrung von WLAN Netzwerk daheim), die Mathematik sagt mir 3120MB im theoretischen Idealfall.

    Das setzt aber voraus dass sie durchgängig einen 2MB/s Download haben - das haben aber die wenigsten.
    Wenn sie im Gegensatz nur ein paar Dokumente im Netz haben, dann leben sie nicht "in" der Cloud und könnten diese auch per USB Stick mitnehmen - das wäre auch bei 3GB kein Problem.

    Dann kommt natürlich noch das Problem dass der eine oder andere dann gern woanders hin möchte - somit alles wieder hochladen muss... Und spätestens hier dauert es dann sehr lange.

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    --> 7000 Emails
    --> 400 Dokumente
    --> 250 Fotos
    --> 25 JS auf Google Sites gehostet
    --> diverser Kleinkram

    Alles zusammen ungefähr 3,5 GB Daten, mit einer 16GB Leitung runtergeladen. Das ist mehr als 'nur ein paar Dokumente im Netz', aber es gibt sicherlich auch noch viel Luft nach oben. Das ganze war nur ein Test und hat wunderbar geklappt. Ich traue mir zu, innerhalb von zwei drei Stunden die Daten in Azure, DropBox oder sonst wo zu haben. Ach ja DropBox, da habe ich noch etwa 100 JS Skripte stehen, funktioniert ebenfalls tadellos und wenn ich wollte, könnte ich die auch sofort verschieben, etwa zu Google Sites. Die könnte ich natürlich auch auf einem Stick mit mir rum tragen, aber was nützen sie mir da?

    Alles zusammen stelle ich fest, mit meinen Daten von Google nach DropBox oder von DropBox nach Google umzuziehen oder sonst wohin ist etwas Aufwand, okay, aber innerhalb von ein paar Stunden erledigt. Die Aussage, dass das 'unmöglich' sei, halte ich für schlichtweg falsch.

  6. Warum nutzen sie eine Email die kostet?

    Eigentlich ein entwicklungstechnischer Rückschritt... das Große Plus von Emails ist dass sie kostenfrei sind.

    Antwort auf "Cloud-Computing"

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