Reproduktionsmedizin Unsere neuen Kinder
Mediziner erfinden immer neue Techniken, Kinder zu zeugen. Doch jede wirft ethische Fragen auf. Wie weit dürfen wir noch gehen?
Das Schicksal, das alle Eltern fürchten, hat in diesem Fall Christiane Benson ereilt. Christiane ist acht Jahre alt, hat lange braune Haare und ein glucksendes Lachen. Und sie stirbt langsam – vergiftet von Stoffen, die ihr eigener Körper produziert: Ceroid-Lipofuszinen. Die wachsartigen Substanzen entstehen beim Stoffwechsel in den Zellen. Normalerweise werden sie abgebaut, doch bei Christiane Benson führt ein Enzymfehler dazu, dass sie sich im Gewebe ablagern. Für die Gehirnzellen ist das toxisch – es tötet sie.
Als Erstes wurde Christiane blind. Als Nächstes werden wohl epileptische Anfälle folgen. Und mit jedem Monat, den sie lebt, wird ihr Gehirn weiter zerfallen. Allmählich wird sie nicht mehr sprechen, essen, laufen und atmen können. Irgendwann um ihren 20. Geburtstag wird sie vermutlich sterben. »Das Ende ist grausam«, sagt Christianes Mutter, Charlotte Benson. Es gibt bisher keine Heilungsmöglichkeit.
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.
Verursacht wird Christianes Krankheit durch einen winzigen Fehler in ihrem Erbgut. Solche Fehler sind häufig. Studien zeigen, dass jeder von uns 250 bis 300 davon im Genom trägt. Meist hat das keine Folgen, denn wir besitzen von jedem Gen zwei Varianten – ist eine Fassung schadhaft, arbeitet der Körper mit der anderen. Zeugen aber zwei Menschen, die zufällig den gleichen Fehler im Erbgut aufweisen, ein Kind, besteht ein 25-prozentiges Risiko, dass dieses sowohl vom Vater als auch von der Mutter das defekte Gen mitbekommt. Dann wird es meist krank.
Damit soll es bald vorbei sein. Angespornt von einer Stiftung, die Christiane Bensons Eltern eingerichtet haben, hat ein US-Forscher vor Kurzem einen neuen Test für Paare mit Kinderwunsch entwickelt. Vor der Zeugung können sie prüfen lassen, ob sie eine von 448 Erbkrankheiten in den Genen tragen. Ist dies der Fall, stehen ihnen mehrere Methoden zur Verfügung, die Natur auszutricksen und in jedem Fall ein gesundes Kind zur Welt zu bringen. Die Präimplantationsdiagnostik, die in Deutschland nun in Ausnahmefällen erlaubt wird, ist eine davon. Willkommen im ethischen Labyrinth der Fortpflanzungsmedizin.
- PID
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Bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) entnehmen Mediziner künstlich im Reagenzglas gezeugten Embryonen einige wenige Zellen, um das Erbgut zu untersuchen. Klicken Sie hier für eine Infografik
Die Tests können einige Erkrankungen prüfen, etwa das Down-Syndrom (Trisomie 21), Chorea Huntington, Cystische Fibrose (Mukoviszidose), die Bluterkrankheiten Hämophilie A und B sowie Sichelzellanämie.
Die PID ermöglicht es auch, einen Embryo mit dem Wunschgeschlecht herauszusuchen. Außerdem können unter mehreren Embryonen jener ausgewählt werden, der für ein bereits lebendes, aber erkranktes Geschwisterkind zum Beispiel als Knochenmarkspender geeignet wäre.
- Verfahren
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Meist werden dem Embryo am dritten Tag Zellen entnommen. Zu diesem Zeitpunkt gelten Zellen als totipotent. Das bedeutet, dass sie sich noch zu einem vollständigen Organismus entwickeln können.
Möglich ist auch die Entnahme von fünf Tage alten Zellen. Diese Zellen sind dann pluripotent. Sie können sich noch in verschiedene Gewebe entwickeln, sind jedoch nicht mehr in der Lage, einen gesamten Organismus zu bilden. So soll eine bessere Auswahl vitaler und einnistungsfähiger Embryonen erreicht werden.
- BGH-Urteil
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Der Berliner Gynäkologe Matthias B. hatte in den Jahren 2005 und 2006 Präzedenzfälle geschaffen und bei drei erblich vorbelasteten Paaren Gentests an Embryonen vorgenommen. Anschließend pflanzte er den Frauen nur jene Embryonen ein, die keinen Erbdefekt aufwiesen.
Ein solcher Gencheck war nach Auffassung der meisten Juristen und Ärzte in Deutschland verboten. Sie hielten sich an eine strenge Interpretation des Embryonenschutzgesetzes. Bei Verstößen drohen bis zu drei Jahre Haft.
Im Juli entschieden die Richter im Fünften Senat des Bundesgerichtshofs, dass die Embryonenauswahl durchaus erlaubt ist. Der Berliner Gynäkologe B. hatte sich selbst angezeigt, um Rechtssicherheit zu schaffen. Aufgrund der juristischen Brisanz dauerte das Verfahren fast viereinhalb Jahre. B. wurde schließlich freigesprochen.
- PID in anderen Ländern
-
Belgien: Seit 1994 testen Mediziner im Reagenzglas erzeugte Embryonen zum Beispiel auf Erbkrankheiten. Eine gesetzliche Regelung für die Forschung an Embryonen wurde 2003 geschaffen. Sie schränkt die PID kaum ein, verbietet aber die rein geschlechtsspezifische Auswahl von Embryonen.
Dänemark: Bei Risiko etwa für genetisch bedingte Krankheiten sind Untersuchungen an befruchteten Eizellen im Reagenzglas erlaubt. Die erste PID wurde 1999 zugelassen.
Frankreich: Die PID ist seit 1997 konkret rechtlich reguliert. Sie ist nur erlaubt, wenn dadurch schwere genetische Krankheiten vermieden werden können, wenn ein Elternteil nachweislich eine Anomalie hat und das Paar mindestens zwei Jahre zusammenlebt. Die erste Lizenz gab es 1999.
Großbritannien: Zur Erkennung schwerer Krankheiten oder spontan auftretender Chromosomendefekte ist die PID erlaubt. Sie wird seit 1990 angewendet. Alle Arbeiten mit embryonalem Gewebe unterliegen der Kontrolle einer speziellen Behörde, die Tests werden an lizenzierten Zentren durchgeführt. Das Anwendungsspektrum gilt allerdings als relativ breit. Im Januar 2009 kam in London das erste Baby Großbritanniens zur Welt, bei dem mittels PID ein Brustkrebsgen ausgeschlossen wurde.
USA: Das Verfahren wird seit 1990 genutzt, inzwischen an einer Vielzahl von Kliniken. Auf bundesstaatlicher Ebene gibt es keine gesetzliche Regelung. Selbst die Nutzung von PID zu nichtmedizinischen Zwecken wie der Wahl des Geschlechts wird weitgehend als legitim anerkannt.
Der Gentest für Paare ist nur der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die die einen mit Schrecken und die anderen mit Hoffnung erfüllt: Der Mensch bringt die Zufälle der Fortpflanzung mehr und mehr unter Kontrolle.
Wir bestimmen heute mit Verhütungsmitteln, wann wir uns vermehren und wann nicht. Wir haben Techniken entwickelt, mit denen Menschen Kinder kriegen können, obwohl sie unfruchtbar sind. Und zunehmend beeinflussen wir auch, was für ein Kind zur Welt kommt.
Ergibt etwa der Gentest, dass ein Paar tatsächlich Erbkrankheiten weitergeben kann, kann es stattdessen von Ärzten einen Embryo im Reagenzglas kreieren und sichten lassen, um sicherzustellen, dass er gesund ist, bevor die Frau ihn austrägt. Solche und andere Reproduktionstechniken (siehe Infografik rechts) halfen weltweit bereits bei der Zeugung von geschätzt rund vier Millionen Babys. Abermillionen weitere werden jedes Jahr natürlich gezeugt, verdanken aber ihr Dasein der Tatsache, dass sie jene Qualitätskontrolle – die »pränatalen Tests« – überstanden haben, der wir heute fast jeden Embryo unterziehen.
Kollektiv verhindern diese Verfahren viel Leid. Die Neuronale Ceroid-Lipofuszinose etwa, an der Christiane leidet, ist nur eine von rund 6.000 Krankheiten, die durch fehlerhafte DNA vererbt werden. Sie verursachen weltweit jeden fünften Tod im Kleinkindalter und jede zehnte Einweisung in ein Kinderhospital. Aber die Techniken könnten auch auf den Kopf stellen, was Fortpflanzung biologisch und sozial bedeutet.
- Datum 28.09.2011 - 10:43 Uhr
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Und sind hier schon zu weit gegangen und pfuschen im großen Stil in Dingen herum, in welche wir nicht einzugreifen haben.
"Wir" (also Ihr, oder manche von Euch, oder wenige, welche über die Mehrheit bestimmen) haben einen Weg eingeschlagen, welcher entweder zu revidieren ist, oder dieser wird wie bei allem, Stück für Stück, weiter gegangen.
Sicherlich muss diesen Weg niemand gehen, der ihn nicht selbst möchte. Niemand muss diese Techniken nutzen, wenn er der Meinung ist, dass er damit etwas falsches täte.
Und KEIN Kind kann sich seine Eltern/ Verwandten aussuchen. Auch OHNE solche Hilfsmittel, die bewusst und gewollt benutzt werden, gibt es glaube ich bestimmt (im Vergleich zu der Masse Kinder, bei denen PID eine Rolle spielt) nicht wenige Kinder, die ihren Vater oder ihre Mutter nicht kennen oder nicht kennen lernen, weil diese entweder sehr früh gestorben sind, oder sich die Wege ihrer Mutter und ihres Vaters sehr früh getrennt haben, wenn denn zumindest klar ist, wer der Vater ist.
So ist Medizin auch in DIESEM Fall ein Mittel, dem Menschen an sich zu helfen. Wer Hilfe ablehnt darf dies tun, aber der Segen der Medizin ist nur DANN ein Fluch wenn der Mensch ihn zu einem macht. Sprich: Menschen z.B. in gewissen Ländern wo Männer mehr wert sind als Frauen, die sich mit dieser Technik unverantwortlich verhalten und Mädchen abtreiben.
Man sollte Entwicklung nicht verteufeln, solange sie eindeutig dafür geschaffen ist, dem Menschen zu helfen, und solange nicht Menschen betroffen sind, die nichts damit zu tun haben wollen (Stichwort: Atomstrom für alle, radioaktive Strahlung gleich gratis dazu).
- oder werfen sie jetzt auch ihre Brotmesser weg, nur, weil es Menschen gibt, die mit derartigen Gegenständen andere Menschen verletzt haben?
Gehören sie zu den Menschen, die gerne Allen die Benutzung von Kondomen verbieten würden, weil so Leben verhindert wird und Kinder nicht geboren werden, die gerne gelebt hätten?
Sicherlich muss diesen Weg niemand gehen, der ihn nicht selbst möchte. Niemand muss diese Techniken nutzen, wenn er der Meinung ist, dass er damit etwas falsches täte.
Und KEIN Kind kann sich seine Eltern/ Verwandten aussuchen. Auch OHNE solche Hilfsmittel, die bewusst und gewollt benutzt werden, gibt es glaube ich bestimmt (im Vergleich zu der Masse Kinder, bei denen PID eine Rolle spielt) nicht wenige Kinder, die ihren Vater oder ihre Mutter nicht kennen oder nicht kennen lernen, weil diese entweder sehr früh gestorben sind, oder sich die Wege ihrer Mutter und ihres Vaters sehr früh getrennt haben, wenn denn zumindest klar ist, wer der Vater ist.
So ist Medizin auch in DIESEM Fall ein Mittel, dem Menschen an sich zu helfen. Wer Hilfe ablehnt darf dies tun, aber der Segen der Medizin ist nur DANN ein Fluch wenn der Mensch ihn zu einem macht. Sprich: Menschen z.B. in gewissen Ländern wo Männer mehr wert sind als Frauen, die sich mit dieser Technik unverantwortlich verhalten und Mädchen abtreiben.
Man sollte Entwicklung nicht verteufeln, solange sie eindeutig dafür geschaffen ist, dem Menschen zu helfen, und solange nicht Menschen betroffen sind, die nichts damit zu tun haben wollen (Stichwort: Atomstrom für alle, radioaktive Strahlung gleich gratis dazu).
- oder werfen sie jetzt auch ihre Brotmesser weg, nur, weil es Menschen gibt, die mit derartigen Gegenständen andere Menschen verletzt haben?
Gehören sie zu den Menschen, die gerne Allen die Benutzung von Kondomen verbieten würden, weil so Leben verhindert wird und Kinder nicht geboren werden, die gerne gelebt hätten?
sehr aufschlussreich ... doch leider, leider ohne Lösung. Die gibt es vielleicht auch gar nicht, weil ein paar einfach immer weiter machen werden.
Bei meinem zweiten Kind habe ich bestimmte Untersuchungen nicht mehr machen lassen, weil ich bei meinem ersten Kind wahrnahm, wie verstörend es letztlich war und mir Selbstvertrauen und Sicherheit nahm. Ich kann das also nur wirklich intensiv bestätigen.
Vielleicht gibt es ja schon komparatistische Analysen, die Kinder von anonymen Samenspendern mit Kindern von getrennten Eltern vergleichen. Das 'warten auf den Vater'-Syndrom würde ich es mal nennen, frei nach einer 'Die lange Nacht'- Sendung vom DLF.
...auf, was jeder einzelne Mensch unter Eigenverantwortlichkeit versteht und in wie weit er als mitverantwortlicher, mündiger Bürger in jener Vielfalt an Auswahl, die uns die Demokratien bieten, bewusst entscheidet und handelt.
Es gibt viele Möglichkeiten und viel Freiheit. Die Frage ist, ob man bereit ist, bewusst und verantwortlich zu wählen und zu seiner Entscheidung zu stehen, bzw. die Verantwortung dafür zu übernehmen...auch in die Zukunft denkend...jenseits der eigenen Grenzen.
Ein wenig mutet mich die Möglichkeit, mittels neuer Hoch-Technologien Kinder in die Welt zu setzen, unheimlich an. Und ich kann mich nebenbei auch nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass es im Kern vermutlich nicht so sehr um die Kinder geht, als vielmehr um die Befriedigung egoistischer Wünsche einerseits bzw. um Opportunismus und Gewinn andererseits...
wenn die Philosophie (Ethik) soweit hinter der Naturwissenschaft herhinkt. Aber deswegen zu sagen, dies sei ein Zweig der Medizin, von dem Menschen nichts wissen _dürfen_, halte ich für falsch.
Es müssen vernünftige Lösungen gefunden werden, damit zum Beispiel mit Absicht "erzüchtete" Behinderungen verhindert werden. (Welche Eltern sind denn so verdammt egoistisch, dass sie sich für ihr Kind ihre Behinderungen wünschen?)
Andereseits kann mit diesen Techniken viel Leid verhindert werden. Das einzige was zu Lösungen führen kann ist ein vernünftiger, ideologiefreier und vor allem _konkreter_, also am vorliegenden Problem orientierter, Diskurs.
und deswegen (für mich) auch keine Frage.
Manche Probleme "schafft" man sich. Auch ethische. Ich denke da an ein Problem, das frühe Christen mal hatten, als es um die Frage ging, ob man Fleisch von in heidnischen Riten geopferten Tieren, das später zum Verkauf angeboten wurde, als Christ erwerben und verspeisen dürfe. (Meines Wissens hat einer der Apostel "abgewunken", und damit war das Problem "gegessen".)
Wir haben es bei der PID mit nichts mehr und nichts weniger als mit einer Qualitätskontrolle zu tun, bei dem nicht jeder "bug" zwanghaft als "feature" verkauft werden kann. M.a.W es gibt objektive Behinderungen, die man auch als solche bezeichnen sollte. Und wenn jemand als add-on noch blaue Augen habe möchte, soll er sie dann nicht bekommen?
Das wäre ein Problem? Ein Weg hin zum Designerbaby? Selbst wenn, wäre das nicht der Weg in eine Monotonie. Die Wünsche sind und bleiben unterschiedlich (und ein Designerhaus, man spricht dann von "Architektenhaus", zeichnet sich eben nicht durch Einheitlichkeit aus.)
Suchen Sie es ich aus:
a. Der Mensch will "lieber Gott spielen".
b. Der Mensch greift manipulativ in die Evolution ein.
c. Der Mensch wird zum Auge der Evolution (die Evolution ist nicht mehr völlig blind).
Herzlichst Crest
P.S.
In der Welt Online (http://www.welt.de/vermis...) fand sich ein bewegender Bericht zu einem vergleichbaren Schicksal.
Ich muss dieser Ansicht heftig widersprechen.
"Qualitätskontrolle" ist ein Begriff, der berechtigte Anwendung in Bereichen wie der Lebensmittelindustrie oder der Automobobilproduktion findet. Ihn auf den Menschen anzuwenden finde ich nicht nur unangebracht, sondern moralisch ekelhaft. Damit etikettieren wir eine Wertigkeit auf das menschliche Leben, die jedem Menschenrecht nur trotzen kann.
("Wie bist du bloß durch die Qualitätskontrolle gekommen? Deine minderwertigen Features und offenkundigen Bugs lassen doch gleich erkennen, dass du ein Produkt minderer Güte bist.")
Ich muss höflichst würgen und speien.
Ein Mensch ist kein Avatar, dem man nach Lust und Laune blaue Augen oder ein paar IQ-Punkte dazukauft. Der Jemand mit den blauen Augen befindet sich im Übrigen im Reagenzglas und kann sich sein "Add-On" keinesfalls aussuchen. Wenn du blind oder taub geboren wirst, weil deine Eltern das so witzig finden, wirft das mehr als nur eine Frage auf. Und weil du eben _kein_ Avatar bist, wirst du dir auch nachträglich kein Hören und Sehen mehr dazukaufen können.
Für die Multiple-Choice-Frage muss ich passen.
Tja, den Standpunkt könnte man vielleicht akzeptieren, wenn man dem Leistungsvermögen des menschlichen Gehirns nur trauen könnte.
Leider vermag es, nur weitgehend "mechanische" Lösungen zu produzieren. Vom Affen, der Stöckchen benutzt, um seine Banane zu angeln, haben wir es zum Affen gebracht, der fehlerfrei funktionierende Bankautomaten oder meinetwegen auch nicht explodierende Atomkraftwerke bauen kann.
Dummerweise funktioniert das Leben/die Realität nicht so mechanisch, daher versagt unser Gehirn, z.B. wenn es um nicht-lineare Prozesse und dergleichen geht.
Schwalben gibt es schon seit 50 Millionen Jahre. Das müssen wir erst mal hinkriegen, so lange zu überleben, bevor wir die Rolle, die wir in der Evolution spielen, erkennen können. Vielleicht sind wir ja auch die Blindgänger :-D
Ich muss dieser Ansicht heftig widersprechen.
"Qualitätskontrolle" ist ein Begriff, der berechtigte Anwendung in Bereichen wie der Lebensmittelindustrie oder der Automobobilproduktion findet. Ihn auf den Menschen anzuwenden finde ich nicht nur unangebracht, sondern moralisch ekelhaft. Damit etikettieren wir eine Wertigkeit auf das menschliche Leben, die jedem Menschenrecht nur trotzen kann.
("Wie bist du bloß durch die Qualitätskontrolle gekommen? Deine minderwertigen Features und offenkundigen Bugs lassen doch gleich erkennen, dass du ein Produkt minderer Güte bist.")
Ich muss höflichst würgen und speien.
Ein Mensch ist kein Avatar, dem man nach Lust und Laune blaue Augen oder ein paar IQ-Punkte dazukauft. Der Jemand mit den blauen Augen befindet sich im Übrigen im Reagenzglas und kann sich sein "Add-On" keinesfalls aussuchen. Wenn du blind oder taub geboren wirst, weil deine Eltern das so witzig finden, wirft das mehr als nur eine Frage auf. Und weil du eben _kein_ Avatar bist, wirst du dir auch nachträglich kein Hören und Sehen mehr dazukaufen können.
Für die Multiple-Choice-Frage muss ich passen.
Tja, den Standpunkt könnte man vielleicht akzeptieren, wenn man dem Leistungsvermögen des menschlichen Gehirns nur trauen könnte.
Leider vermag es, nur weitgehend "mechanische" Lösungen zu produzieren. Vom Affen, der Stöckchen benutzt, um seine Banane zu angeln, haben wir es zum Affen gebracht, der fehlerfrei funktionierende Bankautomaten oder meinetwegen auch nicht explodierende Atomkraftwerke bauen kann.
Dummerweise funktioniert das Leben/die Realität nicht so mechanisch, daher versagt unser Gehirn, z.B. wenn es um nicht-lineare Prozesse und dergleichen geht.
Schwalben gibt es schon seit 50 Millionen Jahre. Das müssen wir erst mal hinkriegen, so lange zu überleben, bevor wir die Rolle, die wir in der Evolution spielen, erkennen können. Vielleicht sind wir ja auch die Blindgänger :-D
Das Problem an Dingen, die einmal gedacht wurden, ist, dass sie schwerlich oder gar nicht rückgängig zu machen sind. Wir können also nicht einfach mit der Moralkeule wedeln und die Reproduktionsforschung damit aus der Weltgeschichte prügeln. Wir müssen mit dem Monster leben, das wir geschaffen haben: Die entfesselte Macht "Gottes", in unseren Händen.
In der Praxis müssen wir Mittel und Wege finden, mit unserem Wissen, den Möglichkeiten und weiterer Forschung verantwortungsvoll umzugehen. Nicht nur die Ethik hinkt hinterher, Dielektrikum, sondern auch die Gesetzgebung. Wie der Artikel treffend herausstellt, werden für Nischenprobleme entwickelte Techniken schnell breit angewandt und in diesem Sinne zweckentfremdet. Hier muss auch der Gesetzgeber aktiv werden und auf die neuen Entwicklungen reagieren. Das funktionierte natürlich besser, wenn wir dafür Lösungen auf internationaler Ebene fänden. Schließlich ist ein Befruchtungsurlaub in Ländern mit niedrigeren Gen-Gesetzen keine ferne Utopie. Denn so wäre das Problem nur veschoben.
Ich muss dieser Ansicht heftig widersprechen.
"Qualitätskontrolle" ist ein Begriff, der berechtigte Anwendung in Bereichen wie der Lebensmittelindustrie oder der Automobobilproduktion findet. Ihn auf den Menschen anzuwenden finde ich nicht nur unangebracht, sondern moralisch ekelhaft. Damit etikettieren wir eine Wertigkeit auf das menschliche Leben, die jedem Menschenrecht nur trotzen kann.
("Wie bist du bloß durch die Qualitätskontrolle gekommen? Deine minderwertigen Features und offenkundigen Bugs lassen doch gleich erkennen, dass du ein Produkt minderer Güte bist.")
Ich muss höflichst würgen und speien.
Ein Mensch ist kein Avatar, dem man nach Lust und Laune blaue Augen oder ein paar IQ-Punkte dazukauft. Der Jemand mit den blauen Augen befindet sich im Übrigen im Reagenzglas und kann sich sein "Add-On" keinesfalls aussuchen. Wenn du blind oder taub geboren wirst, weil deine Eltern das so witzig finden, wirft das mehr als nur eine Frage auf. Und weil du eben _kein_ Avatar bist, wirst du dir auch nachträglich kein Hören und Sehen mehr dazukaufen können.
Für die Multiple-Choice-Frage muss ich passen.
liebten Ihr Kind als Mensch. Ich denke aber, dass sie kein Problem damit gehabt hätten, die Gene von Claras Körper als von "minderer Güte" zu bezeichnen. (Der Standpunkt der Eltern bzgl. der PID ist insofern auch völlig eindeutig und folgerichtig.)
Am Spruch "In einem gesunden Körper ist auch ein gesunder Geist" mag ja was dran sein, aber daraus folgt (sogar formallogisch) nicht, dass in einem kranken Körper ein kranker Geist sitzen muss. (Paradebeispiele, etwa Stephen Hawking, gibt es zur Genüge).
Wäre es also nicht produktiv, hier ein wenig differenzierter vorzugehen? (Also nicht: "Du bist von minderer Güte", sondern "Dein Körper ist von minderer Güte.")
Begriffe wie "Qualitätskontrolle eines Embryos" als "moralisch ekelhaft" zu empfinden, deutet einerseits zwar auf eine "emotionale Authentizität" in Ihrem Kommentar hin, signalisiert gleichzeitig aber eine Prüderie, vergleichbar dem Schrecken alter Heiliger beim Auftauchen sexueller Gefühle und Vorstellungen. (M.a.W. "Höflichst gewürgt und gespien" haben jene auch. ;-))
Herzlichst Crest
liebten Ihr Kind als Mensch. Ich denke aber, dass sie kein Problem damit gehabt hätten, die Gene von Claras Körper als von "minderer Güte" zu bezeichnen. (Der Standpunkt der Eltern bzgl. der PID ist insofern auch völlig eindeutig und folgerichtig.)
Am Spruch "In einem gesunden Körper ist auch ein gesunder Geist" mag ja was dran sein, aber daraus folgt (sogar formallogisch) nicht, dass in einem kranken Körper ein kranker Geist sitzen muss. (Paradebeispiele, etwa Stephen Hawking, gibt es zur Genüge).
Wäre es also nicht produktiv, hier ein wenig differenzierter vorzugehen? (Also nicht: "Du bist von minderer Güte", sondern "Dein Körper ist von minderer Güte.")
Begriffe wie "Qualitätskontrolle eines Embryos" als "moralisch ekelhaft" zu empfinden, deutet einerseits zwar auf eine "emotionale Authentizität" in Ihrem Kommentar hin, signalisiert gleichzeitig aber eine Prüderie, vergleichbar dem Schrecken alter Heiliger beim Auftauchen sexueller Gefühle und Vorstellungen. (M.a.W. "Höflichst gewürgt und gespien" haben jene auch. ;-))
Herzlichst Crest
Hier werden Fragen angesprochen, mit denen sich die Gesellschaft auseinandersetzen muss. Sollte der Staat beispielsweise durch Gesetze eingreifen, wenn Eltern eine mögliche Taubheit ihres Kindes nicht einfach nur dem Zufall überlassen wollen, sondern diese sogar vorsätzlich herbeiführen wollen?
Ich persönlich finde das vorsätzliche Angstreben solcher Gen-Defekte übrigens falsch. Eventuell sind die tauben Kinder ja eines Tages dankbar für ihren Gen-Defekt, aber wie wahrscheinlich ist das?
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