Die Erde hat ihre Schätze ungleich verteilt. Manche lagern tief in der Kruste, unerreichbar für den Menschen, andere jedoch schlummern gleich an der Oberfläche. Pech für Umweltschützer, ein Segen für die Rohstoffindustrie. Sie rückt mit großen Maschinen an, reißt die Landschaft auf und holt den Schatz raus.

Zum Beispiel in der kanadischen Provinz Alberta. In sogenannten Ölsanden sind hier 25 Milliarden Tonnen Öl gespeichert, nur Saudi-Arabien hat mehr Öl. Diese Sedimente bestehen aus einer erdölhaltigen Masse (Bitumen), Sanden, Tonen und Wasser. In zwei Tonnen des klebrig-zähen Bodens steckt ungefähr ein Barrel (159 Liter) Erdöl. Wegen des steigenden Ölpreises rentiert es sich inzwischen, das Erdöl in aufwendiger Arbeit aus den Ölsanden zu gewinnen. Die Ausbeutung hat schon begonnen. 140.000 Quadratkilometer gelten als potenzielles Tagebaugebiet – das entspricht etwa 40 Prozent der Fläche Deutschlands.

Um an die wertvollen Ölsande zu gelangen, werden die Böden abgetragen, zerkleinert und mit heißem Wasser und Lauge ausgewaschen. Unerwünschte Nebenprodukte wie Schwefel landen in riesigen Sammelbecken. Die Maschinen laufen rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Für die Gewinnung des Öls zerstört der Mensch in wenigen Jahrzehnten, was sich in Millionen Jahren natürlich entwickelt hat. Die Narben, die in der Erdkruste zurückbleiben, sind der Preis für unseren Lebensstil.

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Vor allem die Ausbeutung fossiler Energieträger hat das Gesicht des Planeten verändert. In Deutschland zählt die Braunkohle zu den wichtigsten Rohstoffen . Im Jahr verbraucht hier jeder Mensch durchschnittlich mehr als zwei Tonnen davon. Die Braunkohle stammt vor allem aus dem Rheinland und der Lausitz und liefert ein Viertel des Stroms. Dabei ist sie keineswegs der energiereichste Brennstoff: Ein Kilogramm Braunkohle bringt 2,5 Kilowattstunden Strom – das reicht für sechs Minuten warm duschen oder eine Stunde staubsaugen. Erdgas, Öl und Steinkohle liefern drei- bis fünfmal so vie l.

Gewonnen wird die Braunkohle im Tagebau. Die Flöze liegen aufgrund der Erdbewegung unterschiedlich tief, mal 20, mal mehr als 400 Meter. Riesige Schaufelradbagger müssen viele Tonnen Löss, Kies und Sand beiseiteschaufeln, um an die Kohle zu gelangen. Allein im Tagebau Garzweiler fallen jährlich mehr als 140 Millionen Kubikmeter Abraum für 40 Millionen Kubikmeter Kohle an.

Der Abbau der Rohstoffe – egal ob Braunkohle, Ölsande, Schwefel oder Phosphate – hat unübersehbare Folgen. Wenn die Bagger anrollen, müssen Bäume, Wiesen und ganze Dörfer weichen. Asche und andere Partikel verpesten die Luft, Abwässer gelangen in die Flüsse, das Grundwasser und die Erde sacken ab.

Die gute Nachricht: Mit etwas Hilfe können die Wunden heilen. 1.730 Quadratkilometer haben die Braunkohlebagger in Deutschland zu Mondlandschaften umgegraben, eine Fläche, fast doppelt so groß wie Berlin . Auf zwei Dritteln davon finden sich heute wieder Felder, junge Wälder und Seen. Die Betreiber der Tagebauten wurden dazu verpflichtet, die Schäden für Mensch und Umwelt so gering wie möglich zu halten und die zerstörten Landschaften zu renaturieren. In Südbrandenburg und Sachsen soll so die größte künstliche Seenlandschaft Europas entstehen – eine Wiedergutmachung gegenüber der Natur.