MobilitätFlexibilität ist alles

Statt eigene Autos zu fahren, werden wir uns in Zukunft verschiedene Verkehrsmittel teilen. Die müssen allerdings intelligent vernetzt sein.

Schon in den achtziger Jahren klagte Herbert Grönemeyer lauthals über das Verkehrschaos: »Ich drehe schon seit Stunden hier so meine Runden, es trommeln die Motoren, es dröhnt in meinen Ohren«, sang er. Geändert hat sich seitdem leider nichts, im Gegenteil: 30 Jahre später gehören lange Staus, hupende Autos, blockierte Kreuzungen mehr denn je zum Alltag. Und glaubt man den Prognosen von Verkehrsforschern, wird es eher schlimmer als besser: Die Zahl der Autos soll hierzulande bis 2030 weiter steigen – von derzeit knapp 42 Millionen auf mehr als 50 Millionen.

Noch immer wollen viele Deutsche nicht auf das eigene Auto verzichten. Noch immer scheint das Bedürfnis nach Freiheit, Spaß und Beweglichkeit untrennbar mit den eigenen vier Rädern verbunden. Dabei ist die Maxime »Ein Führerschein, ein Auto« längst nicht mehr zukunftsträchtig.

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Nicht nur werden Lärm, Staus und Abgase vor allem für Stadtbewohner zu einer immer größeren Belastung. Inzwischen ist der anschwellende Verkehrsstrom auch für knapp ein Fünftel aller CO₂-Emissionen in Deutschland verantwortlich und trägt damit erheblich zum Klimawandel und seinen dramatischen Folgen für Mensch und Umwelt bei. Während der Ausstoß der Industrie seit 1990 kontinuierlich gesunken ist, hat sich die CO₂-Bilanz des Verkehrssektors kaum verbessert. Und leider war die Hoffnung, dass technische Entwicklungen wie etwa die von Elektro- oder Hybridmotoren die schnelle Wende bringen, verfrüht. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln hat erst kürzlich in einer Modellrechnung prophezeit, dass 2020 gerade einmal drei Prozent aller Autos mit Strom unterwegs sein werden.

Deutschland auf Rädern
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Doch wenn es neue Antriebstechniken nicht richten können, welche Alternative bleibt dann überhaupt – Bus, Bahn oder Fahrrad? Die Antwort, da sind sich viele Mobilitätsforscher einig, ist einfach: alles auf einmal! Die Verkehrskonzepte der Zukunft stehen unter dem Motto »Teile und kombiniere!« – sie sind »multimodal«, wie Fachleute sagen. Neue Technologien werden es uns ermöglichen, immer genau den Mix von Verkehrsmitteln zu wählen, der uns am schnellsten und billigsten zum Ziel bringt. Natürlich werden dabei stets die Verkehrslage, der Fahrplan sowie die individuelle Situation berücksichtigt.

Dahinter steht keine Anti-Auto-Ideologie, sondern vor allem Pragmatik: Schon heute ist man mit Bus und Bahn, dem Fahrrad oder sogar den eigenen Füßen schneller unterwegs als mit dem Auto. Schließlich muss man am Ziel keine endlosen Runden um den Block drehen oder vor dem Parkhaus Schlange stehen, bis man endlich den passenden – und oft teuren – Parkplatz gefunden hat.

Für den 60-jährigen BMW-Liebhaber mag noch der alte Stammtisch-Spruch gelten: »Ich teile meine Frau mit niemandem, also teile ich auch nicht mein Auto.« Die unter 30-Jährigen können damit jedoch nicht mehr viel anfangen. Sie haben erkannt, dass es zumindest in Großstädten Wahnsinn ist, ein eigenes Auto zu besitzen – man denke nur an den Wertverlust, die Reparaturen, die Parkgebühren, Steuern, die Versicherung. Zudem ist das Auto für sie kein Statussymbol mehr, sondern eher ein Mittel zum Zweck der Fortbewegung. »Nutzen statt besitzen« lautet ihre Devise. Sie leihen sich lieber das passende Fahrzeug, um von A nach B zu kommen. Flexibler ist das ohnehin: Für den Einkauf gibt es den Kombi, für den Arztbesuch das Rad, für das Picknick mit Freunden den Neunsitzer.

Leserkommentare
    • Aha°
    • 29.02.2012 um 21:17 Uhr

    - mit Verlaub - ist ein totaler Schmarrn.

    Ein wirklich gutes Rad hält, selbst gebraucht gekauft, locker seine 10 Jahre und kostet 1000 €. Dazu kommen Reifen, Ketten und Zahnkränze, 200 € im Jahr, nochmal für Regenkleidung 1000 € (hält auch 10 Jahre, ich fahre noch eine 20 Jahre alte North xxx Jacke) sind 400 € im Jahr für unbegrenzte Freiheit, schnelle Beine, und fast immer gute Freude an der Bewegung.

    Mit Ihrem "einfachen" Gebrauchten müssen sie eben öfters in die Werkstatt, jeder der einmal in einer Schule war, weiss, dass 400 € im Monat für das Auto ein Witz sind.

    Also haben wir eben festgestellt, dass Mobilität mit Autobesitz mindestends 10mal teurer ist als radfahrender Weise.

    Dazu kommt noch, dass vom Autoverkehr ja gesellschaftliche Kosten erzeugt werden, die durch die ganze Steuer auch bei einer Verzwanzigfachung derselben nicht abgedeckt wären:

    Lärm ohne Ende, Dreck, Feinstaub, CO2, der ganze schwarze Reifen- und Bremsstaubabrieb, den es in den Boden spült, holen sie diesen Dreck etwa wieder raus?

    Dazu kommt noch der großflächige Verlust an Lebensqualität. Jedes Jahr sterben weit mehr als 10.000 Menschen am Autoverkehr, wie lange wollt ihr "freien Bürger" der Allgemeinheit diese Unverschämtheiten noch zumuten?

    In Kopenhagen wurde ausgerechnet, dass jeder mit dem Rad zurückgelegte Kilometer dem Gemeinwesen 1 € einbringt: Gesundheitswesen wird entlastet, weniger Dreck usw. Daher werden sogar im Winter die Radwege zuerst geräumt, dann erst die Straßen.

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