ZEIT Wissen: Herr Lau, wenn über die Mobilität von morgen diskutiert wird, ist viel von Elektroautos die Rede. Schont das die Umwelt ?

Dirk Lau: Das ist eine Mode, der viele Politiker aufsitzen. Ob Sie ein Auto mit Diesel, Wasserstoff, gelbem oder grünem Strom antreiben, spielt eigentlich keine große Rolle. Es geht um den Flächenverbrauch, den der motorisierte Individualverkehr hat. Das Elektroauto macht zwar kaum Dreck oder Lärm, aber es verbraucht genauso viel Fläche wie Benziner. Zudem kostet schon seine Herstellung viel Energie .

ZEIT Wissen: Der ADFC hat kürzlich gefordert, statt in Umweltzonen in den Innenstädten lieber in den Radverkehr zu investieren. Was heißt das konkret?

Lau: Da gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen: Bau von genügend modernen Radabstellanlagen, Stärkung des Umweltverbunds aus öffentlichem Nahverkehr und Fahrrad , um nur zwei Beispiele zu nennen. Es reicht nicht, hier und da mal einen neuen Radstreifen anzulegen. Wir müssen den motorisierten Individualverkehr in den Städten drastisch reduzieren.

ZEIT Wissen: Wie viele CO2-Emissionen ließen sich dadurch einsparen?

Lau: Wenn Sie in Deutschland einen Kilometer mit einem neuen Auto fahren, verschmutzen Sie dabei die Atmosphäre mit durchschnittlich 160 Gramm CO2. Hinzu kommen die Belastungen durch Feinstaub und Stickoxidemissionen. Jeder Kilometer, den Sie stattdessen mit dem Rad zurücklegen, schont also das Klima.

ZEIT Wissen: Wie wichtig sind die neuen Leihfahrradsysteme, die es in immer mehr Städten gibt?

Lau: Sie sind bisher sehr erfolgreich, nicht nur bei Touristen, sondern zunehmend auch bei den Stadtbewohnern selbst. Eine konsequente Radverkehrsförderung können solche Leihkonzepte aber nicht ersetzen.