Stadtverkehr "Radwege statt Umweltzonen"
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"Das Lastenfahrrad wird auch hier immer beliebter"

ZEIT Wissen: Kopenhagen ist eine der fahrradgerechtesten Großstädte in Europa. Dort werden jährlich 20 Millionen Euro in den Ausbau des Radwegenetzes investiert. Warum tun sich deutsche Großstädte mit dem Radverkehr schwerer?

Lau: Kopenhagen verfolgt den Ausbau des Radverkehrs nicht erst seit gestern. Die Stadt erntet jetzt die Früchte aus jahrzehntelangen Investitionen: Der Anteil der Radfahrer am Verkehr liegt dort bei 30 Prozent, im Berufsverkehr sogar bei 39 Prozent. So vorausschauende Politiker haben wir hierzulande kaum, mit Ausnahme von München vielleicht, wo die Behörden inzwischen viel für den Radverkehr tun.

ZEIT Wissen: In Kopenhagen gibt es eigene breite Radspuren neben der Fahrbahn. Ist das der Schlüssel dazu, mehr Menschen zum Radfahren zu bewegen?

Lau: Die Stadtplaner der 1960er Jahre haben die Radwege bei uns auf die Bürgersteige verlegt, um Platz für den Autoverkehr zu bekommen. Aber das funktioniert schon lange nicht mehr: Die Wege lassen sich nur schwer instandhalten und sind für Radfahrer und Fußgänger gefährlich. Einfach so auf der Straße im Mischverkehr fühlen sich viele Radfahrer jedoch nicht sicher genug. Da sind Radstreifen ein Mittel, das Radfahren komfortabler und sicherer zu machen. Wo sich die Streifen nicht ohne Weiteres anlegen lassen, lässt sich der Verkehr beruhigen, etwa durch autofreie Zonen oder Tempo 30.

ZEIT Wissen: In Kopenhagen sind 19.000 Lastenräder, sogenannte Cargo-Bikes, unterwegs. Könnten die auch bei uns einen Teil des städtischen Lieferverkehrs übernehmen?

Lau: Das Lastenfahrrad wird auch hier immer beliebter. Es kostet zwar um die 700 Euro, aber es rechnet sich schnell. Auch im gewerblichen Lieferverkehr wird es jetzt häufiger eingesetzt, etwa bei UPS-Boten.

ZEIT Wissen: Wenn immer mehr Menschen zu Fahrradfahrern werden, entsteht dann ein neues Parkplatzproblem?

Lau: Genügend Abstellmöglichkeiten zu schaffen gehört in jeder Radverkehrsstrategie ganz nach oben. Wenn man sein Rad an Zäunen oder Laternenpfählen abstellen muss, ist das nicht attraktiv und verärgert die Anwohner.

 
Leser-Kommentare
  1. Für den innerstädtischen Verkehr ist das Fahrrad die eindeutig beste Lösung, sofern Topografie und Wetter halbwegs mitspielen. In Kopenhagen war das schon beeindruckend, wie selbstverständlich das Fahrrad dort genutzt wird und die Cargobikes fand ich große Klasse, auch um die Kleinen vom Kindergarten abzuholen oder so wurden sie genutzt. Es geht anders, wenn man nur will. Ich wohne in der Nähe eines Bäckers, der direkt gegenüber Parklücken und unmittelbar vor der Tür einen Busstreifen hat. Quizfrage: Wo parken die Autofahrer? In der Busspur. Das ist zwar nur ein kleiner Ausschnitt, aber wenn die Leute zu faul sind, um über die Straße zu gehen, wird das mit den Fahrrädern wohl auch noch eine Weile dauern müssen, obwohl es, wie man in Kopenhagen oder auch Amsterdam sieht, möglich ist, Teile des Verkehrs aufs Fahrrad zu verlagern und damit alle zu entlasten.

    Für ländliche Räume braucht es kombinierte Lösungen, mancherorts kann aufgrund der schlechten oder nicht vorhandenen Anbindung an den ÖPNV nicht ohne Auto gedacht werden.. Aber in den urbanen Räumen kann man sich durchaus für viele Dinge aufs Rad einstellen..
    Und bevor die Diskussion losgeht: Ich finde das weniger eine parteipolitische Frage als eine Frage, wie die Menschen in großen Städten zusammenleben wollen.

    11 Leser-Empfehlungen
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    • guiri
    • 16.11.2011 um 11:43 Uhr

    Amsterdam und Kopenhagen sind gute Beispiele wie es in Zukunft gehen kann.
    In Deutschland ist an solche modernen Verkehrskonzepte dank einer enormen Autolobby noch lange nicht zu denken. Ganz im Gegenteil: in Berlin wird bald wieder eine Autobahn mitten in der Stadt(!) gebaut. Man ist hier in den 60er Jahre stecken geblieben. Fatal eigentlich.

    [...] Ich wohne in der Nähe eines Bäckers, der direkt gegenüber Parklücken und unmittelbar vor der Tür einen Busstreifen hat. Quizfrage: Wo parken die Autofahrer? In der Busspur. Das ist zwar nur ein kleiner Ausschnitt, aber wenn die Leute zu faul sind, um über die Straße zu gehen, wird das mit den Fahrrädern wohl auch noch eine Weile dauern müssen, [...]

    Das ist leider bezeichnend für viele Autofahrer. Neulich haben wir uns beispielsweise mit bekannten getroffen, um in der Natur spazieren zu gehen. Bevor wir aber Wald und Wiesen betraten mussten wir ca. fünf Minuten durch ein Wohngebiet laufen. Am Übergang zur Natur war dann plötzlich ein Parkplatz und ich hörte den Autofahrer nur noch schimpfen, warum wir denn jetzt so weit gehen mussten, obwohl dort ein Parkplatz ist? Dass wir anschließend drei Stunden in der Natur unterwegs waren, war da unerheblich. Fünf Minuten in der Nichtnatur zu Fuß scheint die Hölle zu sein.

    Solche und ähnliche Geschichten über fußfaule Autofahrer könnte ich stundenlang erzählen. Das ist schon irgendwie lustig, aber auch traurig.

    • guiri
    • 16.11.2011 um 11:43 Uhr

    Amsterdam und Kopenhagen sind gute Beispiele wie es in Zukunft gehen kann.
    In Deutschland ist an solche modernen Verkehrskonzepte dank einer enormen Autolobby noch lange nicht zu denken. Ganz im Gegenteil: in Berlin wird bald wieder eine Autobahn mitten in der Stadt(!) gebaut. Man ist hier in den 60er Jahre stecken geblieben. Fatal eigentlich.

    [...] Ich wohne in der Nähe eines Bäckers, der direkt gegenüber Parklücken und unmittelbar vor der Tür einen Busstreifen hat. Quizfrage: Wo parken die Autofahrer? In der Busspur. Das ist zwar nur ein kleiner Ausschnitt, aber wenn die Leute zu faul sind, um über die Straße zu gehen, wird das mit den Fahrrädern wohl auch noch eine Weile dauern müssen, [...]

    Das ist leider bezeichnend für viele Autofahrer. Neulich haben wir uns beispielsweise mit bekannten getroffen, um in der Natur spazieren zu gehen. Bevor wir aber Wald und Wiesen betraten mussten wir ca. fünf Minuten durch ein Wohngebiet laufen. Am Übergang zur Natur war dann plötzlich ein Parkplatz und ich hörte den Autofahrer nur noch schimpfen, warum wir denn jetzt so weit gehen mussten, obwohl dort ein Parkplatz ist? Dass wir anschließend drei Stunden in der Natur unterwegs waren, war da unerheblich. Fünf Minuten in der Nichtnatur zu Fuß scheint die Hölle zu sein.

    Solche und ähnliche Geschichten über fußfaule Autofahrer könnte ich stundenlang erzählen. Das ist schon irgendwie lustig, aber auch traurig.

  2. Hm, ich musste ADFC googeln.. warum wird nicht erklärt was das ist?
    und dass der Allgemeine Deutsche Fahrradclub für Fahrradförderung ist ist ja nun auch nicht wirklich überraschend.
    Wozu also das Interview? Lobbyismus, aber warum?

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    Ist mir auch nicht ganz klar - deutlicherer Zusammenhang zu aktuellen Entwicklungen in der Einleitung wäre schön. Denkbar wäre aktuelle Debatte um Elektromobilität, BMVBS verteilt gerade Gelder für verschiedene Verkehrsträger (u.a. Radverkehr), nächster Bundesverkehrswegeplan zeichnet sich konkreter ab (?), ...

    Abgesehen von der Meinung des ADFC hat Radverkehr in der Stadt m. E. auch mehrere Vorteile, die nicht nur Radbefürworter bestätigen: Regelmäßig Radfahren ist gut für die Gesundheit, mehr Ruhe/natürliche Geräusche, sauberere Luft (Gesundheit/Klimaschutz), mehr Platz für andere Flächennutzungen und Aktivitäten (z. B. Spielstraßen ließen sich einfacher umsetzen), geringere Kosten für den einzelnen und die Gesellschaft, weniger externalisierte Folgekosten, Öl wird für andere wichtigere Nutzungen gespart, mehr Kommunikation, "neue" Urbanität möglich - und man kann oft sogar relativ entspannt genauso schnell wie ein Auto im Stadtverkehr fahren, zumindest wenn man entsprechend trainiert ist (jeden Tag Rad fährt) und ein gutes Fahrrad hat.

    Eine der wichtigsten Aufgaben einer Zeitung ist es, zur Meinungsbildung beizutragen. Das wesentliche Element der Meinungsbildung ist es, verschiedene Seiten zu hören bzw. zu lesen. Ein Interview ist einfach eine häufig genutzte Möglichkeit, die Meinung eines Einzelnen (Vereins) darzustellen. Das wirkt authentisch und erspart eine Menge Konjunktiv.

    Dass jemand seine eigene Meinung vertritt ist völlig normal und keineswegs verwerflich. Es ist sogar ausdrücklich gefordert. Schön wäre ein Interview des ADAC (stellvertretend für die Automobilisten) zum gleichen Thema, damit man vergleichen kann.

    Ist mir auch nicht ganz klar - deutlicherer Zusammenhang zu aktuellen Entwicklungen in der Einleitung wäre schön. Denkbar wäre aktuelle Debatte um Elektromobilität, BMVBS verteilt gerade Gelder für verschiedene Verkehrsträger (u.a. Radverkehr), nächster Bundesverkehrswegeplan zeichnet sich konkreter ab (?), ...

    Abgesehen von der Meinung des ADFC hat Radverkehr in der Stadt m. E. auch mehrere Vorteile, die nicht nur Radbefürworter bestätigen: Regelmäßig Radfahren ist gut für die Gesundheit, mehr Ruhe/natürliche Geräusche, sauberere Luft (Gesundheit/Klimaschutz), mehr Platz für andere Flächennutzungen und Aktivitäten (z. B. Spielstraßen ließen sich einfacher umsetzen), geringere Kosten für den einzelnen und die Gesellschaft, weniger externalisierte Folgekosten, Öl wird für andere wichtigere Nutzungen gespart, mehr Kommunikation, "neue" Urbanität möglich - und man kann oft sogar relativ entspannt genauso schnell wie ein Auto im Stadtverkehr fahren, zumindest wenn man entsprechend trainiert ist (jeden Tag Rad fährt) und ein gutes Fahrrad hat.

    Eine der wichtigsten Aufgaben einer Zeitung ist es, zur Meinungsbildung beizutragen. Das wesentliche Element der Meinungsbildung ist es, verschiedene Seiten zu hören bzw. zu lesen. Ein Interview ist einfach eine häufig genutzte Möglichkeit, die Meinung eines Einzelnen (Vereins) darzustellen. Das wirkt authentisch und erspart eine Menge Konjunktiv.

    Dass jemand seine eigene Meinung vertritt ist völlig normal und keineswegs verwerflich. Es ist sogar ausdrücklich gefordert. Schön wäre ein Interview des ADAC (stellvertretend für die Automobilisten) zum gleichen Thema, damit man vergleichen kann.

  3. Ist mir auch nicht ganz klar - deutlicherer Zusammenhang zu aktuellen Entwicklungen in der Einleitung wäre schön. Denkbar wäre aktuelle Debatte um Elektromobilität, BMVBS verteilt gerade Gelder für verschiedene Verkehrsträger (u.a. Radverkehr), nächster Bundesverkehrswegeplan zeichnet sich konkreter ab (?), ...

    Abgesehen von der Meinung des ADFC hat Radverkehr in der Stadt m. E. auch mehrere Vorteile, die nicht nur Radbefürworter bestätigen: Regelmäßig Radfahren ist gut für die Gesundheit, mehr Ruhe/natürliche Geräusche, sauberere Luft (Gesundheit/Klimaschutz), mehr Platz für andere Flächennutzungen und Aktivitäten (z. B. Spielstraßen ließen sich einfacher umsetzen), geringere Kosten für den einzelnen und die Gesellschaft, weniger externalisierte Folgekosten, Öl wird für andere wichtigere Nutzungen gespart, mehr Kommunikation, "neue" Urbanität möglich - und man kann oft sogar relativ entspannt genauso schnell wie ein Auto im Stadtverkehr fahren, zumindest wenn man entsprechend trainiert ist (jeden Tag Rad fährt) und ein gutes Fahrrad hat.

    Antwort auf "ADFC interessant"
  4. ...angesichts von sechs Wintermonaten und einer alternden Bevölkerung hierzulande.
    [...]

    Also: Schuß in den Ofen!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke. Die Redaktion/vn

    Eine Leser-Empfehlung
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    Kritik nehmen wir gerne entgegen, dennoch bitten wir Sie, diese an community@zeit.de zu richten. Danke, die Redaktion/mo.

    liegt im sonnigen Süden ohne Winter... [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User. Danke. Die Redaktion/vn

    • klaro
    • 16.11.2011 um 11:15 Uhr

    würde unsere superintelligente Spitzenkanzlerin sagen. Heißt das in Ihren Augen, wenn alt, dann Auto? Wenn Regen, Wind, Unlust, zu viel Sonne, zu viele Wolken, abends oder nachts dann Auto?! Und der Strom kommt aus der Steckdose! Sie haben eine einfache und praktisch alternativlose Sicht der Dinge. In anderen Ländern können sich sogar Ältere noch bewegen. In Deutschland schaffen es aber noch nicht einmal die jungen MEnschen!

    Kritik nehmen wir gerne entgegen, dennoch bitten wir Sie, diese an community@zeit.de zu richten. Danke, die Redaktion/mo.

    liegt im sonnigen Süden ohne Winter... [...]

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    • klaro
    • 16.11.2011 um 11:15 Uhr

    würde unsere superintelligente Spitzenkanzlerin sagen. Heißt das in Ihren Augen, wenn alt, dann Auto? Wenn Regen, Wind, Unlust, zu viel Sonne, zu viele Wolken, abends oder nachts dann Auto?! Und der Strom kommt aus der Steckdose! Sie haben eine einfache und praktisch alternativlose Sicht der Dinge. In anderen Ländern können sich sogar Ältere noch bewegen. In Deutschland schaffen es aber noch nicht einmal die jungen MEnschen!

  5. Es gibt Städte in Deutschland, in denen der Wille vorhanden ist. In Münster fahren fast 40% der Leute mit dem Fahrrad.

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    ... sind 120 Prozent jünger als 50.

    ... sind 120 Prozent jünger als 50.

  6. Obwohl ich noch mit Muskelkraft sogar jeden Berg hochfahre, sehe ich im batterieunterstützten Fahrrad die elektromobile Zukunft. Denn ein Elektrofahrzeug muss leicht sein, einen geringen Luft- und einen geringen Rollwiderstand haben, also genau das Gegenteil unserer ach so unverzichtbaren tonnenschweren Stadtpanzer auf bierfassähnlichen Super-Breitreifen. Bescheiden wird sie sein, die Elektrozeit.

    • gn42
    • 15.11.2011 um 21:50 Uhr

    Das übergewichtige Auto von heute mit Elektromotor auszustatten, geht in die falsche Richtung.

    Fahrräder mit Elektromotor in bergigen Gegenden sind der richtige Weg, kleiner Motor, kleiner Akku.

    In Frankreich und Spanien habe ich selten Radwege gesehen. Viele Straßen haben mit einen ca. 1 m breiten Randstreifen für Fahrräder. Ich habe dort in den überwiegenden Fällen rücksichtsvoll überholende Autofahrer erlebt.

    Es bleibt ein Problem, viele Radfahrer sind Schönwetterfahrer, bei Regen und Schnee nehmen sie das Auto.
    Eine mögliche Lösung wäre ein Rad mit drei oder vier, statt zwei Rädern, Dreiräder oder Vierräder mit einer Wetterschutzverkleidung. Für solche Dreiräder gibt es jedes Jahr Ende April eine Spezialradmesse "Spezi" in Germersheim ( http://www.spezialradmess... )

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