Der namenlose Roboter mit dem kräftigen grünen Arm ist alles andere als zutraulich. Will man ihm die Hand schütteln, zieht er sie zurück. Will man über seine metallischen Muskeln streicheln, weicht er aus. Selbst wenn man seine Finger nur leicht anhaucht, ergreift der massige Roboter die Flucht.

Die Maschine, die in einem Pausenraum der Technischen Universität München steht, war nicht immer so zurückhaltend. Gordon Cheng, Professor am Lehrstuhl für Kognitive Systeme , musste dem gelernten Fabrikroboter die Scheu vor dem Menschen erst beibringen. Es war mühsam, aber es war notwendig: »Die meisten Maschinen, die heutzutage in der Produktion eingesetzt werden, sind ziemlich gefährlich«, sagt Cheng. »Wenn wir sie raus aus den Fabriken und rein in die Gesellschaft bringen wollen, brauchen wir eine neue, einfühlsame Generation von Robotern.«

Genau dieses Ziel hat sich das europäische Forschungsvorhaben Robot Companions for Citizens (Roboter-Begleiter für die Bürger, kurz Robocom) gesetzt. Mit fünf anderen Initiativen konkurriert es um den Titel eines Flaggschiff-Projekts der EU. Der Gewinner wird zehn Jahre lang mit bis zu einer Milliarde Euro gefördert.

Viel Geld, viele Versprechen: »Unsere Roboter werden älteren Menschen erlauben, länger ein eigenständiges Leben zu führen, sie werden beim Kampf gegen Naturkatastrophen helfen und die menschliche Leistungsfähigkeit verbessern«, sagt Projektkoordinator Paolo Dario von der Scuola Superiore Sant’Anna in Pisa. Möglich werden soll das durch empfindsame Maschinen: Seit Jahrzehnten versuchen Forscher, ihre Maschinen vor allem mit möglichst schlauen Algorithmen auf alle Eventualitäten des Alltags vorzubereiten – mit mäßigem Erfolg. Jetzt wollen sie sich verstärkt an menschlichen oder tierischen Vorbildern orientieren, deren Augen oder Tastsinn nachbauen, das Verhalten nachahmen. Wie ein kleines Kind soll sich der Roboter seiner Umgebung bewusst sein und entsprechend sozial, emotional und sensibel auf sie reagieren.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

Deshalb hat Gordon Cheng gemeinsam mit dem Doktoranden Philipp Mittendorfer eine Art Haut für seinen Roboter entwickelt. Die sechseckigen Sensoren registrieren Kräfte, Vibrationen und Temperaturänderungen. »Solch eine Haut kann nur ein erster, einfacher Schritt sein«, sagt Cheng. »Für Robocom müssen wir den aktuellen Stand der Technik weit hinter uns lassen und die Latte ganz hoch hängen.« Noch ist das Konsortium, dem neben der TU München und der Scuola Superiore Sant’Anna acht andere Institutionen angehören, damit beschäftigt, einen Fahrplan für die nächsten zehn Jahre aufzustellen. Und noch weiß es nicht so recht – so zumindest der Eindruck –, wie Robocom überhaupt aussehen soll.