Noch immer gibt es kein Verhütungsmittel für Männer, das ähnlich sicher und einfach anzuwenden wäre wie die Antibabypille für die Frau. Dabei beschäftigen sich Wissenschaftler seit rund 40 Jahren mit der vorübergehenden Ausschaltung der männlichen Fertilität. Verschiedene Ansätze wurden und werden dabei verfolgt, etwa der Stopp der Spermienproduktion durch Gossypol, einen Wirkstoff aus Baumwollsamen, oder mittels eines simulierten Vitamin-A-Mangels.

Ein weiterer Ansatz ist die Blockade eines Enzyms, das dem Spermium erlaubt, sich durch die Schutzhülle der Eizelle zu bohren. Andere Forscher wollten die Spermien auf ihrem Weg durch den Samenleiter sterilisieren oder diesen mit Kunststoffen oder Silikon gar ganz verstopfen. Auch mit Molekülen wollte man schon die Spermien bremsen oder ihre Fertilität senken.

Die Methoden kamen aber meist nicht über den Tierversuch hinaus. Es gab zu viele Nebenwirkungen, oder die Unfruchtbarkeit war irreversibel.

Eine scheinbar simple Alternative: Weil auch Wärme die Spermienproduktion stoppt, badete in den achtziger Jahren eine Schweizer Männergruppe ihre Hoden über Wochen tapfer nach einer ausgeklügelten Methode in heißem Wasser. Das wirkte und hatte keine Nebenwirkungen. Mit dem Auftreten von HIV und Aids gaben die "Zürcher Hodenbader" aber auf – zu mühsam, wenn ohnehin ein Kondom nötig war.

Nur der hormonelle Ansatz war bisher ernsthaft erfolgversprechend und hat es bis zur klinischen Studie gebracht. Die Methode gilt als sicher: Eine Kombination der Hormone Testosteron und Gestagen schaltet die Spermien aus. Doch wegen Nebenwirkungen wurde die jüngste Studie abgebrochen. Ob die Pille für den Mann je auf den Markt kommt, ist also fraglich.

Die Pharmaunternehmen sind mittlerweile aus der Forschung ausgestiegen: Zu gering seien die Chancen am Markt. Die Anwendung sei zu kompliziert. Denn die "Pille" für den Mann lässt sich nicht schlucken, die Wirkstoffe müssen regelmäßig gespritzt werden. Erst nach etwa drei Monaten setzt die Wirkung ein.