Glaube und Wissenschaft : Können gute Wissenschaftler religiös sein?

Gott hat in der Naturwissenschaft keinen Platz – dennoch sind viele Forscher gläubig. Kann das gut gehen? Darüber diskutieren ein Physiker und ein Philosoph.

PRO von Gerhard Börner

Gerhard Börner

Der 70-Jährige Kosmologe forscht am Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching

Wer meint, dass Naturwissenschaftler nicht religiös sein können, hängt dem mechanistischen Weltbild des 19. Jahrhunderts an. Damals schien es, als ließe sich die Welt durch die Bewegung und Kollision kleinster Partikel erklären. Eine Illusion, wie man heute weiß: Die Quantenmechanik zeigt, dass sich Materie ständig wandelt und verflüchtigt. Und der modernen Kosmologie zufolge hat sich das Universum aus einem Urknall entwickelt, in dem Raum, Zeit und Energie entstanden sind. Kategorien wie Raum und Zeit, nach denen wir unsere Erfahrungen ordnen, sind Veränderungen unterworfen. Das schafft Freiraum für den religiösen Glauben.

Der nicht religiöse Naturwissenschaftler versucht, alles, was ist, auf physikalische Größen und Prozesse zu reduzieren. Für den gläubigen Forscher besteht der Sinn im Wirken des Schöpfers, der die Welt im Innersten zusammenhält. Beide Einstellungen sind Glaubenssache, sind möglich, sind naturwissenschaftlich weder zu beweisen noch zu widerlegen, beeinflussen auch keineswegs die Methodik und die Ergebnisse der Forschung. Sicher wissen können wir nur das, was uns die Naturwissenschaft sagt, aber sie schweigt zu vielen Fragen, die uns tief berühren. Ob ein Forscher diese Fragen als glücklicher Atheist oder als tief Glaubender beantwortet, bleibt seine persönliche Entscheidung.

Verlagsangebot

Lesen Sie weiter.

Noch mehr faszinierende Wissenschaftsthemen jetzt im digitalen ZEIT WISSEN-Abo.

Hier sichern

Kommentare

432 Kommentare Seite 1 von 47 Kommentieren

Religion ist keine Erfindung, sondern Umgang

Aha, vor ca. 100000 Jahren, in der frühen Steinzeit also, haben sich also ein paar Menschen zusammengesetzt und sich gedacht: "Lasst uns den anderen verklickern, dass es eine andere Realität gibt, die viel schöner und wahrer ist als die sichtbare, die sie nur erreichen können, wenn sie auf uns hören. So haben wir das perfekte Unterdrückungsinstrument."
Eher unrealistisch. Propaganda aus dem Realsozialismus. Natürlich wurde die Religion sehr oft zur Unterdrückung eingesetzt, erschaffen wurde sie zu diesem Zwecke nicht. Vielmehr ist sie eine Art des Menschen mit der Welt umzugehen. Das sie dabei in ihrer "Methode" weit irrationaler als die NW ist, ist natürlich unbestreitbar.

Der Gegensatz ist keine natürliche Folge...

Religionen beschreiben auch die Wirklichkeit und liefern nicht wissenschaftliche Erklärungen für gesellschaftlichen und naturwissenschaftliche Phänomene.
Religionen sind aber anders als Naturwissenschaften nicht unhistorisch und auch nicht unsozial.
Religionen sind also ohne ihre Gemeinschaften ebenso undenkbar, wie eben auch z.B. politische Parteien oder schlicht wie ein Stamm oder eine Nation.
Das hat Folgen hinsichtlich der Bewertung von Antworten jenseits der naturwissenschaftlichen Erkenntnis.
Der gläubige Wissenschaftler unterscheidet sich vom Nichtgläubigen in etwa so wie der "Homo Ökonomicus" der neoliberalen Wirtschaftsideologie von den realen ökonomischen Handlungen der Menschen.

Die Wahrheit liegt dabei regelmäßig zwischen den beiden Extremen, abhängig davon welcher verifizierbare Erkenntnisstand erreicht wird.
Dabei befruchtet Religion eben auch die Wissenschaft durch unorthodoxe Antworten, die schlicht mangels Fortschritt und geschlossener Gedankenmodelle den Blickwinkel der Forschung verengen. Ebenso stellt die Naturwissenschaft durch ihre Erkenntnisse überholte Erklärungen der Religion ständig in Frage.
Auf beiden Seiten wird dabei historischer und sozialer Balast mitgeschleppt, der naturgemäß auf Seiten der Rligion größer sein muss.
Denn Religion mit ihrer Gemeinschaftsfunktion muss erst Wege finden soziale und historische Vorstellungen zu transformieren.
Wovon die Wissenschaft Dank der Trennung von der Theologie und der Säkularisation frei ist.

H.

@117 Zeitvernichtung Seltsame Phänomene

Welche seltsamen Phänomene meinen Sie?. Blitz, Donner, Dürren bei den Griechen sogar Eifersucht, Intrigen und das Problem, wer ist die Schönste im Land?. Das waren reale Erfahrungen, die Angst machten.

Der Mensch versucht, Erklärungen zu finden. Und wie anders hätte man alles erklären können als durch Menschen verursacht, die allerdings mehr Macht hatten, also Götter.

Da wo sie nicht waren, wurde der Natur die "göttliche" bewusste und gestaltende Kraft zugewiesen.

Der Atheismus konnte da gar nicht existieren, denn welche Erklärung hätte der Atheist gehabt für die Phänomene? Ihre Annahme, einer habe erfunden unterstellt, er hätte eine Alternative gehabt. Die Lehre vom einen Gott war insofern schon ein Fortschritt.

Und der nächste Fortschritt war, dass man erkannte, dass die Phänomene im weltlichen Zusammenhang entstehen. Erst ab dann war überzeugender Atheismus möglich. Denn der Atheist hatte in Bezug auf die Phänomene was zu bieten.

.....

"Dabei befruchtet Religion eben auch die Wissenschaft durch unorthodoxe Antworten, die schlicht mangels Fortschritt und geschlossener Gedankenmodelle den Blickwinkel der Forschung verengen."

Ich kann mir ehrlich gesagt nicht denken, was Sie damit meinen könnten. Haben Sie da konkrete historische Beispiele, bei denen das passiert ist? Vielleicht kann ich Ihre Aussage dann besser verstehen.

Eine Antwort...

Es gibt viele Beispiele dafür, das Religion Antworten befördert.
Dazu gehört die katholische Soziallehre nach dem Krieg, die Reformation, sogar die Inquisition, die zwar vor allem an ihrem katastophalem Scheitern bekannt ist, aber einen gewaltigen Fortschritt in der Justizgeschichte darstellte, ohne die unser heutiges Rechtssystem undenkbar wäre.
Auch die heutigen Naturwissenschaften wären ohne die theologische Basis nie entstanden. Schlicht weil die Theologie auf Widersprüche stiess, die nicht beantwortet werden konnten.
Aber ganz aktuell ist der Neoliberalismus ein solches Beispiel, bei dem die Wissenschaft den Blick fürs Ganze verloren hat und unter anderem Religionen gedankliche Vorstellungen und die Basis liefern für eine Umdenken der Massen.
Die gesamte gentechnische Diskussion fusst auf christlicher Ethik und kann allein auf wissenschaftlicher Basis nicht gesellschaftskonform beantwortet werden.

Wir sind uns nicht immer darüber bewust, dass letztlich Religion die Voraussetzung für diese Diskussionen sind, weil diese Diskussionen Dank der Trennung von Staat und Kirche nicht mehr primär durch Religionen, sondern Menschen mit entsprechende geprägter Ethik geführt werden.
Das sorgt auch dafür, man sich bequemer Weise der Auseinandersetzung mit Religion entledigen kann, aber defacto dadurch schmarotzt und gleichezeitig die Weiterentwicklung durch Nichtteilnahme beschränkt.
Je größer als oder Abstand zur Religion wird, desto weniger leistungsfähig wird Wissenschaft.

H.

@128 ZEITtvernichtung

Mein Widerspruch war gegen die 1:1 Schamanentheoree gerichtet. Wäre sie nicht auf fruchtbaren Boden gefallen, hätte er nichts ausrichten können, ausser denen die Idee in die Köpfe einzupfanzen.

Ein interessanter Gedanke ist der über die Existenz der damaligen Skeptiker. In Hyroglyphen, Aufzeichnungen und Schriftwerken ist die Existenz des Glaubens an die Götter bekannt. Jede Zeit hat ihre Menschen, die über die grösstmöglichen Erkennisse ihrer Zeit verfügen. Mehr geht ja auch nicht. Insofern sind die vorher dagewesenen auch nicht dümmer.

Aber solcherart Skeptiker sind nirgendwo verzeichnet. Höhlenzeichnungen in Frankreich zeigen keine Alternativen. Entweder waren solche Skeptiker ausgeschlossen oder zu gruppenlos, um sich Gehör verschaffen zu können. Oder sie hatten keinen Zugang zu den Fähigen der Zeit. Es konnte und durfte ja nicht jeder an Wände und Fassaden

Aber ich denke, dass in einer von göttlichen Wirkungsweisen bestimmten Welt der nicht naturwissenschaftlich gebildete Atheist keine Alternativen zu bieten hätte. Man sieht ja was die Medizin anstellen musste, um die Krankheit als Strafe Gottes abzulösen. Hätte kein Arzt geheilt, wäre das nicht passiert. Daran sieht man, dass der Mensch nicht nur manipulierbar ist, sondern auch überzeugt werden muss. Und m. E. kann Gott neben der Wissenschaft existieren.

Wobei ich allerdings immer behaupte, dass Gott weder parteilich ist noch einem durch Vorsagen oder befehlen die Freiheit der Entscheidung nimmt.

Ewiges Missverständnis

Die Naturwissenschaft kann nur innerweltlich operieren. Jegliche Erkenntnis die sie gewinnt hängt von einer vorstrukturierten (möglichst mathematisch-rationalen) Theorie ab, die auf empirische Daten angewendet wird. Wenn ein Gott im Sinne eines Schöpfers existieren sollte, "existiert" er außerhalb von Welt, dass heißt außerhalb von Existenz. Er könnte ansonsten nicht die Welt als "causa sui" bedingen, so wie sich Mathematik an sich nicht mathematisch beweisen kann. Nicht umsonst ist die Mystik teil einer jeden Religion, um auf "Nichtexistenz", auf das Unsagbare, zugreifen zu können. Jedenfalls kann die Naturwissenschaft keine Aussagen über diese Form der Wirklichkeit treffen. Deswegen schließen sich Evolutionstheorie und die Annahme einer Schöpfung auch nicht aus.

Mind over Matter!

"Die Naturwissenschaft kann nur innerweltlich operieren." -Zitat Areopagita

Warum sollte die Naturwissenschaft nicht "innerweltlich" operieren können? Die Naturwissenschaft hat den Materialismus bereits transzendiert!
http://www.youtube.com/wa...
Desweiteren hat die Naturwissenschaft festgestellt, dass es ein objektives Wissen gar nicht geben kann, da der Beobachter – das Subjekt – immer einen Einfluß auf das Objekt der Beobachtung ausübt (measurement theory).

Stimme zu, darüber kann man streiten.

Allerdings ist das Wort "spirituell" ja inzwischen auch schon sehr abgenutzt (und mir persönlich zu diffus). In der modernen Werbung ist ein spiritueller, aber kein religiöser Ohrensessel denkbar. Darüber hinaus kamen viele Mystiker des facto aus der Religion. Bemerkenswert ist ja, dass sich diese Mystiker viel mehr ähneln als die Religionen. Ich glaube aber, dass die begrifflichen Unschärfen unauflöslich sind und dass sich eigentlich immer erst in concreto erweist, worum es sich handelt. Danke für den Hinweis.

......

Es ging mir nicht darum eine Lanze für das Christentum und seine Rituale zu brechen. Ich wollte nur darauf aufmerksam machen, dass aus ontologischer Perspektive ein Schöpfergott nicht teil des Systems "Universum/Welt/Ganzheit" sein kann, da sich Systeme nicht durch sich selber bedingen können. (So ist die logische Notwendigkeit der Logik auch nicht logisch beweisbar). Ein solcher Gott fiele (Konjunktiv!) aus dem Forschungsbereich der Naturwissenschaft, die sich mit dem System "Welt" auseinandersetzt. Das gibt natürlich auch einen gutes Argument gegen die Existenz Gottes ab, wenn er außerhalb von Existenz, ... ja was eigentlich. Eine weitere Möglichkeit ist Gott als das System selber, als Tatsache, dass etwas existiert zu begreifen. Lässt sich aber mit der christlichen Vorstellung von einem personalen Gott schwer vereinbaren.

Während ich Ihnen folgen würde.....

....dass der Beitrag, den Sie kommentieren, Beschränkungen der Möglichkeiten annimmt, die keineswegs vollständig sind, tut dies der Artikel auch. Wir können nicht wissen, wie die Zusammenhänge sind, können sie daher auch nicht formulieren und daher wiederum nicht mit der wissenschaftlichen Methode bisher und wahrscheinlich nie bearbeiten. Als ich mich vor vielen Jahren mit dem Thema mit dem Vorteil vieler Wissenschaftler, Theologen und Philosophen, die in unserem Haus ein und aus gingen, relativ intensiv beschäftigte, gewann ich den Eindruck, dass wir einfach nicht wissen noch wissen können. Wir können so wie ich die Diskussionen im Hause und der Literatur verstand da nur abwarten und sehen, was nach dem Leben kommt oder nicht kommt. Eine andere als agnostische Position schien mir sehr schwierig.

@298 "Was können wir wissen"

Vielen Dank für Ihre Antwort.

Man kann natürlich zu dem Ergebnis kommen, dass man nichts wissen kann. Dann bleibt aber alles im relativen und ungefähren (Bin Ich? Denke Ich?).

Das sind aber lediglich Gedankenspiele, die keine Forderung erheben. Religionen hingegen bestimmen "Dos" and "Don'ts". Insofern erheben sie den Anspruch, dass es eine Interaktion gibt. Damit kann sich die Wissenschaft auseinandersetzen, denn in diesem Augenblick begibt sich die Religion in die vom Starkommentator postulierte "Wirklichkeit" und muss sich an ihr messen lassen.

Was bleibt von einem Gott, der lediglich im "Ich kann nicht wissen" gedacht werden könnte - Gleichberechtigt mit jeder anderen Idee die irgendein denkendes Wesen im Laufe der Millionen mal gehabt haben könnte.

"...dennoch sind viele Forscher gläubig..."

Kann man das ("viele") vielleicht in relativen Zahlen nennen statt solche unquantitative manipulierende aussage zu machen?

Na dann mal gucken in meiner Umgebung von PhD Naturwissenschaflern....Oh ja ich kenne ein Paar die man religioes nennen koennte, die grosse Mehrheit hat damit jedoch nichts am Hut. Im Gegenteil. Ich wuerde uber den Daumen weniger als 10% zaehlen. Dann schauen wir zum Vergleich die Armen und Ungebildeten an. Da sieht es umgekehrt aus.

Wie kann man ein kritischer Wissenschaftler sein, wenn man sich die Aroganz erlaubt die Fragen aller Fragen mit einem Dogma und nicht hinterfragbarem Postulat zu beantworten.

Ich frage daher trotzdem: Wer hat gott erschaffen? Ist Gott gläubig? Irgendwie endet diese Frage in einer unedlichen Summe. Vielleicht ist die antwort ja "pi" oder "e". Vielleicht ist es aber auch keine endliche Reihe am Ende.

Ganz klar NEIN also.

Wozu sich anstrengen und Darwin, Quantentheorie und Relitivitaetstheorie lernen wenn die Antworten doch so einfach sind (selbt fuer die beschraenksten zu begreifen): Jungfrau Maria hat Gott geboren, und wenn wir Sterben wartet das Paradies. Darwin hat geirrt denn es gab ja Adam und Ewa. Nun ja, mann kann es auch etwas dehnen und an den kreativistischen Ansatz glauben, wie der ehemalige US Praesident und sein Frau.

Angst macht mir das. Wenn selbt Wissenschaftler beginnen an Dogmen zu glauben sind wir verloren.

Darwin hatte ein Problem mit einem der Dekadenz und Bigotterie heimgefallenen Christentum, dass mit den eigenen Regeln nicht mehr viel zu tun hatte, da es von weltlichen Gelüsten und Machtsmissbrauch korrumpiert war.

So gesehen war er kein Freund des Intstituts "Religion".

„Es liegt etwas wirklich Erhabenes in der Auffassung, dass der Schöpfer den Keim allen Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder gar nur einer einzigen Form eingehaucht hat und dass, während sich unsere Erde nach den Gesetzen der Schwer­ kraft im Kreise bewegt, aus einem so schlichten Anfang eine unendliche Zahl der schönsten und wunderbarsten Formen entstand und noch weiter entsteht.“

Aus "On the Origin of Species" (1859)von Darwin.

Zwei Dogmen des Empirismus

Ihre Meinung scheint sehr gefestigt zu sein, aber fundiert ist sie dennoch nicht.

Sie beschweren sich über mangelnde Datengenauigkeit im Artikel und erheben Ihre eigenen Daten mit der Daumengröße. Dann berufen Sie sich auf Ihre scheinbare "Autorität" als PhD und greifen in Ihre Vorurteilsschublade gegen Arme!
Jeder argumentatorisch Geschulte erkennt also schon 3 Fehlschlüsse in den ersten 2 Absetzen! Vielleicht wollen Sie auch nach Schopenhauers Kunstgriffen disputieren? Jedenfalls ist es ihrem angeblichen Dr.-Grad unwürdig!

Weiterhin scheinen Sie der Meinung zu sein, die emp. Wissenschaften beruhen nicht auf Dogmen? Wie wenig sie sich in ihrer eigenen Disziplin auskennen überrascht mich! Der Empirist W. v. O. Quine hat eindeutig 2 Dogmen in der emp. Wissenschaft nachgewiesen. Aber niemand hinterfragt sie, warum auch? Es ist doch so sehr bequem in seiner eigenen Schublade zu denken und andere geistige Disziplinen (dogmatisch) zu ignorieren. Ich frage mich dennoch, ob das dann noch faire Wissenschaft ist. Der Bedeutung des menschlichen Geistes wird es allerdings nicht gerecht.

Religiöse Wissenschaftler hat die Physik doch einige. Ich denke nur an Einstein und Heisenberg. Aber auch Newton, der oft als Begründer der empirischen Wissenschaft bezeichnet wird beschäftigte sich mit Hebräischer Lichtmystik.

Ein ganz klares JA, ansonsten wird man ewig nur Handlanger für die wahren geistigen Größen bleiben, die es verstehen über die eigenen Überzeugungen hinweg zu denken!

Newton und Galilei

"Sir Isaac Newton (1643-1727) lebte in einer Zeit in der es auch lebensgefaehrlich war etwas gegen die Kirche zu behaupten."

Dann wäre es am einfachsten gewesen schlicht zu schweigen. Newton aber verfasste umfangreiche theologische Arbeiten, die da sie der damaligen Mainstream-Theologie widersprochen und für ihn daher nicht ganz ungefährlich waren. Es ist ganz eindeutig das Newton tiefgläubig war und seine theologischen Ansichten alles andere als Mitläufertum waren.

"Sein Kollege Galileo Galilei (1564 - 1642) wurde hingerichtet."

Völliger Unfug. Galileo Galilei stand 1633 bis 1642 unter Hausarrest in seiner Villa, durfte dort weiter forschen und führte ein umfangreichen Briefwechsel mit diversen anderen Wissenschaftlern.

@169 bla nur am Rande

Nur am Rande sei vermerkt, dass der damalíge Papst Benedikt, der auch der Aufklärung zugetan war, ihn geschützt hat. Wegen seiner Krankheit und frühen Tod kam er gegen die Inquisition nicht an.

Und auch Charles Darwin war gottesgläubig. Er wollte erst nicht veröffentlichen, um seine eigene Kirche nicht zu beschädigen. Erst als seine Lieblingstochter nicht zu retten war und starb, wandte er sich von Gott und vom Glauben ab.

Taschenspielertrick

Lieber kritiker77,

Sie (und nicht wenige andere hier) vergleichen den heutigen Stand des naturwissenschaftlichen Wissens und Könnens mit einer voraufgeklärten Weltsicht, namentlich der des 17. Jh.

Dies ist doch ein wenig zu simpel: Als die katholische Kirche Galilei zu Unrecht den Prozess machten, hielten die Ahnväter der heutigen Naturwissenschaftler den Aderlass für die medizinische Behandlungsmethode und andere dachten Gold herstellen zu können.

Wie dumm wäre es aber, den Bader und den Alchemisten mit dem Biologen, Mediziner und Chemiker zu vergleichen.

Dennoch gehen Sie und andere hier mit dieser Einstellung an die Religion heran - Sie nehmen ein religiöses Weltbild, dass sich seit dem 17. Jh. vielfach geändert hat und versuchen es mit heutigen Erkenntnissen zu widerlegen.

Das sei Ihnen gegönnt. Wo Sie aber daraus Aussagen über den Glauben im 21. Jh. ableiten, da halte ich dieses anachronistische Vorgehen für einen intellektuell unredlichen Taschenspielertrick.

Daher: beurteilen Sie den Glauben doch an seinen heutigen Positionen - auch wenn es intellektuell herausfordernder ist. Soviel geisteswissenschaftliches Grundkönnen ist doch (hoffentlich) auch dem Naturwissenschaftler gegeben ...

Herzlichst
am Rande

Ross und Reiter

Lieber GeorgesLupaque,

ich habe überhaupt kein Problem mit einer Kritik an der fortschrittsfeindlichen katholischen Kirche des späten 19. Jh. (Stichworte sind der Syllabus Errorum, die sog. "Unfehlbarkeit" und der Antimodernisteneid 1910). Und vielleicht findet sich ja ein Katholik, der mit Ihnen den Diskurs führt.

Ich scheide mangels römischer Katholizität hier aus.

Aber es sollen Ross und Reiter genannt werden: Dann kann die Position zur Wissenschaft der römischen Kirche im 19. Jh. problematisiert werden. Gerne!

Allerdings könnte dann so mancher lernen, dass die Position der römischen Kirche heute eine andere zu sein scheint. Aber vielleicht scheuen manche diese Einsicht, da sie geneigt sein könnte, ein kirchenkritisches Weltbild zu erschüttern. Doch das wäre eine andere Debatte.

Wenn es jedoch pauschal um den Glauben oder den Gläubigen geht, dann umfasst diese Kategorie m.E. mehr als den einen römischen Teil der Gesamtchristenheit.

Übrigens: Sowohl die kath. Bischofskonferenz als auch die EKD lehnen den Kreationismus ausdrücklich ab:

EKD: http://www.ekd.de/downloa...

DBK: http://www.alt.dbk.de/sti...

Herzlichst
am Rande

Danke für Ihre Antwort,

worum es mir wesentlich ging, ist, dass Wissenschaft bis heute relativ homogen ist, während der Begriff und die Praxis der Religion sich außerordentlich differenziert haben. So muss man m.E. fairerweise auch immer die reale Praxis in Rechnung stellen, selbst wenn man einen "modernen" oder "idealen" Begriff von Religion destillieren möchte (ein Ansinnen, gegen das ich nichts habe). Zwischen dem bei Theologen (oder besser gesagt: Apologeten) beliebten Spiel, die Religion sei heute ganz anders und einer verbreiteten Praxis etwa des Katholizismus, den ich gut kenne, besteht nun einmal eine Diskrepanz, die Verteidiger der Religion, wie manches andere, leicht unglaubwürdig macht. Altötting und Lourdes sind eben schwer kompatibel (ebenso wie manche Orthodoxien in der EKD), da ist eben nicht einmal beispielsweise Schleiermacher bis heute angekommen. Die Lage beim Kreationismus ist mir bekannt, da kenne ich mich aus. Viele Grüße.

Argumente und Kontradiktionen

Wenn Sie sich bezüglich Ihres Dr. Grades beleidigt fühlen zeigt das nur, wie stolz Sie darauf sind.
Ich kritisierte Sie wegen Ihrer schlechten Argumente und zeigte Ihnen ihre Fehlschlüsse auf, ihre Meinung zu Religion und Religiosität werden Sie sowieso nie ändern. Ich finde es einem Dr. nur unwürdig, sich nicht besser mit logischen Argumenten auszukennen.

Dazu: Haben Sie eigentlich gemerkt, das Ihr Satz:
„Richtig ist: In der Wissenschaft gibt es keinen «unumstösslichen Wahrheitsgehalt».“
in sich widersprüchlich ist?

Außerdem möchte Ich Sie noch fragen, welche Definition von Wissenschaft Sie haben? Es scheint mir als sei es folgende:
Wissenschaft ist das, was Wissenschaftler dazu erklären.

Ihren Versuch aus Newton und Galilei ein Argument zu basteln ignoriere ich, da es den Kern meiner Aussage nicht erfasst.

Schauen Sie sich die Antwort von GeorgesLupaque zu meinem Kommentar an, diese finde ich durchaus gelungen, ich stimme Ihm sogar in einigen Ansichten zu.

Glaubensverständnis

Lieber GeorgesLupaque,

wir sind uns schnell einig, wenn es darum geht, dass es in einigen kirchlichen Gemeinschaften Gruppierungen gibt, die Einsichten der NW nicht rezipieren bzw. nicht anerkennen.

Ich wollte hier aber auf Glaubensverständnis hinweisen, dass mit modernen geistes- und nw'lichen Erkenntnissen nicht notwendigerweise in Konflikt geraten muss.
Dass es immer auch dass Gegenteil gibt, sagt m.E. nichts über die Grundfrage aus, ob Religiosität möglich ist. Denn hier ist die Frage zu stellen: Welche Religiosität?; denn meine These lautet, dass Religiosität durchaus in einer Form möglich ist, die der NW nicht in ihren originären Bereich hineinredet.

Ferner sprechen Sie die Glaubenspraxis oder Spiritualität an ("Altötting und Lourdes"). Dazu in aller Kürze: In diesen Angelegenheiten respektiere ich die Frömmigkeit derer, die die genannten Stätten verehren. Ich gebe zu, in Teilen imponiert mir dies auch.
Wenn die Stätten Gläubigen Hilfe im Glauben sein können, weil sie ja symbolisch auf Gott verweisen, sehe ich hier kein Problem.

Wenn hier jedoch mit dem Verweis auf sog. "Wunder" Gräben zum aufgeklärten Weltverständnis (wieder-)aufgerissen werden, empfinde ich auch solches als problematisch.

Herzlichst
am Rande