Generationengärten Junges Gemüse
In vielen Städten bringen Generationengärten Rentner und Kinder zusammen. Die Älteren kommen wieder in Kontakt mit den Jungen, die im Garten viel von ihnen lernen können. Zum Beispiel, dass Erde nicht "igitt" ist.
Emir weiß heute nur eines ganz genau: was er nicht will – nämlich den kleinen Fisch aus Ton bemalen, den ihm Inge Kaulfuß auf den Tisch legt. »Das ist nicht meiner. Meiner ist woanders«, protestiert er.
Emir Altun ist fünf Jahre alt und übt den Dialog zwischen den Generationen. Nicht immer gestaltet der sich einfach. Trotzdem sind die Treffen mit den Senioren im Generationengarten Berlin ein Höhepunkt seiner Woche – und auch einer von Inge Kaulfuß.
- Generationengarten
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Inge Kaulfuß hat schon mit ihren Enkeln im Garten gestanden. Die Wartezeit auf Urenkel überbrückt sie im Generationengarten
»Angefangen haben wir als Senioren-Keramikgruppe. Als wir vor drei Jahren gefragt wurden, ob wir Lust hätten, bei einem Generationengarten mitzumachen, haben wir nicht lange überlegt. Ein bisschen Berührungsängste gab es – unsere eigenen Enkel sind ja schon längst erwachsen. Und für viele Kinder war es etwas Neues, in der Erde zu graben. Manche haben erst mal »igitt« geschrien. Damals hatten wir nur eine kleine Brache. Wir haben dann Büsche gestutzt, vorhandene Beete umgegraben und Hochbeete angelegt, wegen der Hunde. Zuerst haben wir Sonnenblumen ausgesät – die wachsen schnell, und wer mit Kindern gärtnert, braucht Erfolgserlebnisse. Später kamen Tomaten, Kartoffeln und Kürbisse dazu. Und Pfefferminze – die ernten die Kinder bei jedem Treffen im Sommer frisch und machen mit uns daraus einen Tee.
Das schönste Kompliment machte uns ein Junge, der in den Ferien bei seinem Opa in der Türkei war. Als Opa ihm zeigen wollte, wie er im Garten helfen kann, sagte er nur: »Opa, lass – ich kann das jetzt!« Ohne die Unterstützung durch die Planwerkstatt, die Kita und die Begegnungsstätte würde unser Generationengarten nicht funktionieren. Das Wichtigste ist aber die Gruppe – und dass alle so konsequent sind. Wir wünschen uns, dass sich die Kinder später daran erinnern, dass da mal so Ältere waren, die ihnen gezeigt haben, dass Gärtnern nicht schwer ist.
Der Generationengarten in der Falckensteinstraße im Stadt- teil Kreuzberg will Senioren und Kinder zusammenbringen. Ein Modellprojekt, das es in ähnlicher Form in vielen anderen deutschen Städten gibt. Die Idee dahinter: Das gemeinsame Jäten, Gießen und – im Winter – auch Basteln sollen den Kontakt zwischen den Generationen fördern.
Für die Direktorin des Zentrums Altern und Gesellschaft der Universität Vechta, Gertrud Backes, sind die Generationenprojekte und ihre öffentliche Förderung ein Zeichen dafür, wie ernst das Thema des demografischen Wandels mittlerweile genommen wird.
Alte Menschen ohne Sozialkontakte und Kinder, die keine Erfahrung mehr im Umgang mit Älteren haben – genau solche Entwicklungen sollen Generationenprojekte möglichst verhindern.
Die Rentnerin Gerda Roll zeigt Emir und den anderen Kita-Kindern mit schier unendlicher Geduld, wie man die La- sur mit dem Pinsel möglichst so auf die Tonfiguren aufträgt, dass nicht alles auf dem Fußboden landet. Sobald der Frühling kommt, sollen die Fische, an Fäden aufgehängt, als buntes Windspiel den Garten verschönern.
- Datum 15.03.2011 - 16:43 Uhr
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