Viele Menschen suchen Erholung im grünen Idyll

Von Komposthaufen, Regenwürmern und Gemüseanbau zu sprechen klang noch vor Kurzem piefig, inzwischen ist es völlig salonfähig. Immer mehr Deutsche erklären das Gärtnern zu ihrem Hobby. Jeder zweite Privathaushalt verfügt laut Bundesverbraucherministerium über einen Garten. Wer keinen hat, weicht auf den Balkon oder die Fensterbank aus. Schrebergärten und Selbsterntegärten haben immer längere Wartelisten für Interessierte. Auch auf dem Buchmarkt zeigt sich die neue Gartenbewegung: Allein für das erste Halbjahr 2011 nennt das Verzeichnis lieferbarer Bücher 182 Neuerscheinungen aus dem Gartenbereich. Der Trend zum Garten ist ein Riesengeschäft: Mehr als 15 Milliarden Euro geben deutsche Hobbygärtner laut Industrieverband Garten bisher jedes Jahr aus, künftig wohl noch mehr.

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Was die neuen Gärtner am Pflanzen und Ernten fasziniert, ist unterschiedlich. Manche suchen in Gartenprojekten Begegnungen mit Menschen einer anderen Generation oder Kultur . Andere sehen den Umgang mit Gießkanne und Spaten als politische Basisarbeit oder Beitrag zum Schutz bedrohter Pflanzen und Lebewesen . Einige schaffen es, mit der Kraft der eigenen Hände dem Boden so viel abzuringen, dass sie sich selbst mit Biogemüse versorgen können und von der Lebensmittelindustrie so gut wie unabhängig sind. Und wer zu Hause einen vertikalen Garten anlegt , ist wohl eher an der Verschönerung seiner Wohnung interessiert als an politischen oder gesellschaftlichen Zielen.

Die Bandbreite des Gärtnerns hat sich vergrößert – gerade im urbanen Raum. Neben der guten, alten Kleingartenparzelle gibt es gemeinschaftlich organisierte community gardens , Gärten für interkulturelle oder generationenübergreifende Begegnungen oder Guerillagärten auf halb legal bearbeiteten städtischen Flächen. Im Zuge des Trends urban gardening sind mittlerweile auch Weiterentwicklungen des Schrebergartens entstanden, der klassischen Form städtischer Kleinstlandwirtschaft: Wer Vereinsmeierei scheut und sich nicht auf Jahre an eine Datsche binden will, kann sich für eine Saison in Selbsterntegärten einmieten. Das fertig angelegte Biosalatbeet und professionelle Anleitung buchen Gartenanfänger gleich dazu.

Unabhängig davon, ob ein Gärtner nun die Natur schützen, die Lebensmittelindustrie boykottieren oder einfach vom Büroalltag entspannen will, tut er bei der Gartenarbeit nebenbei etwas für seine Gesundheit: Wer sich in der Natur aufhält, hat bessere Laune und einen niedrigeren Blutdruck. Das Leben im Grünen tut erwiesenermaßen gut.

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