Vertikale Gärten Das Gewächshaus

Grün tut gut, das zeigen Studien schon lange. Doch nicht jeder wohnt in der Natur oder hat Grünflächen vor der Tür. Manche holen sich den Garten deswegen ins Haus.

Patrick Blanc ist ein großer Dschungelfan. Schon früh reiste er in den malaysischen Regenwald und brachte in den siebziger Jahren das grüne Durcheinander in die Städte Europas. Genauer: an die Wände. Blanc ist der Erfinder des vertikalen Gartens. Mittlerweile haben viele Anbieter seine Idee übernommen und weiterentwickelt. Sie schmücken Banken genauso mit Natur wie Kaufhäuser oder Privatwohnungen wie die von Julia Ware.

Wandgarten

Julia Ware ist Goldschmiedin und zog mit ihrem Mann Hayden aus der Karibik nach Berlin-Prenzlauer Berg

»Ich finde die grüne Wand in unserem Haus total spannend. Immer wenn ich die Treppe hochgehe, gucke ich an den Pflanzen entlang. Da verändert sich ständig etwas: Plötzlich entdeckt man zum Beispiel eine weiße Blüte. Durch den vertikalen Garten haben wir eine hohe Luftfeuchtigkeit in der Wohnung, und das ist sehr angenehm. Früher hatte ich immer Luftbefeuchter – die brauche ich jetzt nicht mehr. Der einzige Nachteil ist, dass an kalten Tagen das Kondenswasser von den Dachfenstern regnet. Und trotzdem freue ich mich auch nach zweieinhalb Jahren jeden Tag über unsere Pflanzen. Sie tragen sehr viel zur Gemütlichkeit im Haus bei und sind ein Ruhepol in der Wohnung. Die Idee für den vertikalen Garten hatte unsere Architektin, und wir waren gleich begeistert. Wir konnten in der Ecke nur wenige Fenster einbauen, deswegen wollten wir die Außenwelt nach drinnen holen. Gerade im trüben Berliner Winter ist es wirklich nett, so viel Grün in der Wohnung zu haben. Für mich waren all die Pflanzen eine neue Erfahrung, ich habe einen Killerdaumen – ich bringe alles um, was Blätter hat. Deswegen war für uns schon vorher klar, dass dieser Garten sich selbst ernähren muss. Die Bewässerung funktioniert automatisch, und das Licht steuert eine Zeitschaltuhr. Nur die Glühbirnen müssen wir regelmäßig austauschen.«

Es ist ein Architekturtrend – aber auch ein Beitrag zur Gesundheitsförderung. Denn: Grün tut gut, ob drinnen oder draußen. Fritz Neuhauser, Ober- arzt am Geriatriezentrum in Wien, nutzt den Effekt seit zehn Jahren zu medizinischen Zwecken. Viele Alzheimerpatienten seien dadurch ruhiger geworden, nicht mehr so ängstlich, hätten weniger Schmerzen, mehr Appetit und könnten sich besser orientieren, sagt er. Bei Patienten, die an Suchtkrankheiten, Depressionen und Burn-out-Syndrom leiden, hat er ebenfalls Verbesserungen feststellen können.

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Die wohltuende Wirkung der Natur ist den Menschen schon lange bewusst, sagt der Marburger Natursoziologe Rainer Brämer: »Wir haben eine jahrtausendealte Tradition der Rekreation im Grünen. Die Römer haben sich schon herrliche Gärten angelegt, und in den mittelalterlichen Städten lebten die Klostergärten davon, dass dort Ruhe herrschte und Erholung möglich war.«

Aus dieser Tradition stammen auch die Krankenhausgärten, die selbst dann heilungsfördernd wirken, wenn die Patienten sie nur durchs Fenster sehen können. Das zeigte der amerikanische Forscher Roger Ulrich. »Schon Naturbilder haben einen positiven Effekt – im Gegensatz zu abstrakter Kunst, die die Aggressivität erhöht«, erklärt Brämer und bezieht sich damit auf eine Studie von Ulrich.

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