ÖkotourismusReisen ins Grüne

Durch die Wildnis der Alpen wandern oder bedrohte Orang-Utans beobachten – der neue Ökotourismus macht Naturerlebnisse mit gutem Gewissen möglich. von Susanne Schäfer

Ein Wanderer blickt hinunter auf den Nebel über Garmisch-Partenkirchen.

Ein Wanderer blickt hinunter auf den Nebel über Garmisch-Partenkirchen.  |  © CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images

Urlauber, die sich im Grünen erholen, tun der Natur oft keinen Gefallen: Bei Touren in den Bergen, im Dschungel oder an der Küste verschrecken viele die Tiere oder zerstören die Pflanzenwelt. Es geht auch anders: Die Veranstalter, deren Reisen wir hier vorstellen, achten darauf, dass Touristen Natur erleben, ohne ihr zu schaden. Auch an eine klimafreundliche Anreise haben sie gedacht. So liegen manche der Urlaubsziele ganz in der Nähe, viele sind mit Bahn oder Schiff zu erreichen. Wer fliegt, bekommt Tipps, wie er die Klimasünde wiedergutmachen kann.

Zu Bibern Paddeln in der Uckermark

Der Anbieter schwärmt von »urwaldähnlichen Buchenwäldern« im Naturpark Uckermärkische Seen. Dort paddeln die Urlauber in Kanus mit einem Reiseführer über Flüsse und Seen. Die Wasserwanderstrecken liegen so, dass die Touristen die Natur entdecken, zugleich aber schonen. Unterwegs sehen sie Moore mit Orchideenwiesen, Fischadler bei der Jagd und die Dämme und Burgen der Biber. Wer die Nager selbst beobachten will, muss früh aufstehen – die Exkursion beginnt vor Sonnenaufgang. In Tipis erholen sich die Teilnehmer nachts vom Paddeln.

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Termin: drei Termine im Juli und August 2011 · Dauer: fünf Tage · Preis: 389 Euro ohne Anreise · Veranstalter: Rucksack Reisen · Kontakt: reisen@rucksack-reisen.de

Zu Fuß die Alpen überqueren

Abseits der üblichen Strecken liegt diese Route – man trifft deshalb weniger Menschen und kann ungestört die Landschaft genießen. Die Wanderung beginnt in Glarus, etwa 50 Kilometer südöstlich von Zürich. Dort geht es vorbei an den wuchtigen Dreitausendern des Oberrheintals hin zum rätoromanischen Teil der Schweiz um Disentis. Am dritten Tag erreicht die Gruppe das nördliche Tessin. Im letzten Abschnitt wandern die Teilnehmer durch die Kastanienwälder des Versascatals. Wer sich abkühlen will, kann das in einem Gebirgsfluss mit Badestellen tun. Geschlafen wird in Berghütten. Die Reise endet in Locarno.

Termin: zwei Termine im Juli und August 2011 · Dauer: sieben Tage · Preis: 730 Euro · Veranstalter: Bergfühlung – die Alpinsportschule · Kontakt: info@bergfuehlung.de

Segeln auf dem Ijsselmeer

Auch wer keine Ahnung hat, darf die Segel hissen und am Ruder stehen. Denn erfahrene Segler begleiten die Urlauber bei den Törns und bringen ihnen alles Notwendige bei. Die Route bestimmen die Teilnehmer selbst: Entweder geht es vom niederländischen Enkhuizen aus nach Süden zu den Hafenstädtchen des Markermeers oder nach Norden in Richtung Wattenmeer zu den friesischen Inseln Texel oder Terschelling. Auch für Familien mit Kindern geeignet.

Termin: mehrere Termine von April bis August 2011 · Dauer: sechs Tage · Preis: ab 398 Euro ohne Anreise · Veranstalter: Windbeutel Reisen · Kontakt: info@windbeutel-reisen.de

Im Baumhaus wohnen in Südfrankreich

Keine Sorge, der Aufenthalt wird komfortabler, als der Begriff »Baumhaus« nahelegt. In diesem Fall ist kein Bretterverschlag in einer Astgabelung gemeint, sondern eine eierförmige Holzhütte, die acht Meter hoch ist und im Wald steht. Auf der Terrasse sitzen die Urlauber in den Baumkronen, durch das transparente Dach können sie die Sterne sehen. Manche Häuser sind für zwei bis drei Personen geeignet, andere für vier bis fünf. Das Baumhausdorf liegt südlich von Bordeaux, nahe des Ortes Langon. Beim Bau wurden ökologische Prinzipien berücksichtigt: Die Häuser selbst sind aus Naturholz gebaut und mit Holzfasern isoliert, Wasser wird mit Solarenergie erhitzt, Autos sind auf dem Gelände verboten. Urlauber können in einem nahe gelegenen Teich baden, unter Anleitung auf Bäume klettern oder sich massieren lassen. In der Hauptsaison von Juli bis August wird ein Kinderprogramm angeboten.

Termin: geöffnet von April bis September 2011 · Dauer: mindestens eine Woche · Preis: ab 500 Euro pro Baumhaus für zwei bis drei Personen, ohne Anreise · Veranstalter: France Ecotours · Kontakt: info@france-ecotours.com

Wandern in der Wildnis Schwedens

Wanderer sind im Nationalpark Fululfjäll erwünscht: Solange der Tourismus der Region Gewinn bringt, verhindert er eine industrielle Nutzung, etwa die Abholzung der Wälder dort. In der südskandinavischen Gebirgsregion wachsen viele seltene Pflanzen. Neben Wanderungen sind Kanutouren und Ausflüge geplant. Die Urlauber verbringen die meisten Nächte in Ferienhäusern, einmal schlafen sie in einer Hütte.

Termin: mehrere Termine zwischen Juni und August 2011 · Dauer: zehn Tage · Preis: zwischen 879 und 929 Euro inklusive Anreise im Bus · Veranstalter: Rucksack Reisen ·
Kontakt:
reisen@rucksack-reisen.de

Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte nutzen Sie den Kommentarbereich, wenn Sie sich ernshaft zum Inhalt des Artikels äußern wollen. Danke. Die Redaktion/sh

  2. mein Kommentar war ernsthaft, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes; oder wollen Sie ernsthaft behaupten, das es sich hierbei nicht um Nepp handelt. Das man duschen kann ohne nass zu werden, gar das ein Leben ohne Verbrauch möglich ist. Das wollen Sie doch nicht ernsthaft bejahen wollen?

    Flugreise nach Borneo, Orang Utan gaffen, dann drei Tage Steine auf den Rücken und ein bisschen planschen. Natürlich ökologisch korrekt etwas verklemmt verhalten, aber mit 181 EURO an die Mafia und das Gewissen ist wieder im Reinen.

    Das darf nicht Nepp genannt werden?

    P.S.: Redigieren Sie Frau Susanne Schäfer selbst oder eine untergeordnete Abteilung?

  3. zwecks Urlaub bewegen!

    Aber das da gleich wieder mit dem Schlagwort "Öko" (Tourismus) und schlechtes und gute Gewissen operiert wird, nervt doch ein klein wenig.
    Ich muss da immer an aus gesundheitlichen Gründen (Grundschulalergie und so) frühpansionierte LehrerInnen denken. Das macht mir Angst!

    Im übrigen fällt mir nicht im Traum ein, an den Herrn Tetzel, oder wie diese Damen und Herren heute heißen, zwecks Ablass Geld zu überweisen.

  4. Der Begriff "Ökotourismus" ist im Grunde ein Oxymoron, denn Tourismus ist per se nicht ökologisch. Im Artikel finden sich gute Vorschläge für vertretbare Reisen, aber dann muss - wie erwähnt - die Anreise zur Alpenüberquerung per pedes auch mit der Bahn erfolgen. Den Orang Utans wäre vermutlich eher geholfen, wenn man ihren natürlichen Lebensraum in Ruhe ließe - der mittlerweile großflächig der Rodung für Biospritherstellung weichen muss, mit denen in Zukunft auch der Flieger abheben soll. Viele der Leute, die unbedingt Orang Utans "live" erleben wollen, können keine zehn heimischen Singvögel benennen. Deshalb sehe ich solche Reisen, selbst wenn Co2-Ausgleichsspenden erfolgen, kritisch. Ansonsten schöne Vorschläge, die hoffentlich aufgegriffen werden! Ich kenne jede Menge Menschen, die ständig in der Weltgeschichte umherjetten, aber vermutlich nicht einmal wissen, wo die Uckermark liegt.

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    Der Begriff "Ökotourismus" ist im Grunde ein Oxymoron, denn Tourismus ist per se nicht ökologisch.

    Es kommt halt drauf, womit man vergleicht.
    Gegenüber dem Ski&Shopping-Trip nach Dubai oder 2 Wochen All-inclusive im Club-Ghetto Los Idiotos auf DomRep sind die genannten Reisen geradezu hyperökologisch.

    Und erholsamer sowieso, meiner Meinung nach...

  5. Der Begriff "Ökotourismus" ist im Grunde ein Oxymoron, denn Tourismus ist per se nicht ökologisch.

    Es kommt halt drauf, womit man vergleicht.
    Gegenüber dem Ski&Shopping-Trip nach Dubai oder 2 Wochen All-inclusive im Club-Ghetto Los Idiotos auf DomRep sind die genannten Reisen geradezu hyperökologisch.

    Und erholsamer sowieso, meiner Meinung nach...

    Antwort auf "Ökotourismus"
  6. Als Absolvent des Studiengangs MSc Ecotourism in Schottland freue ich mich natürlich über Artikel zum Thema Öotourismus.

    Und ich gebe meinen Vorrednern Recht - eine Flugreise nach Borneo als Ökotourismus zu bezeichen, ist sicher schwierig.
    Durch die Artenvielfalt in Äquatornähe finden nun mal gerade dort sehr viele Reisen mit Flora und Fauna als Inhalt statt. Je nachdem wie weit der Tourist reist, kann das öko sein oder eben auch das Gegenteil.

    Aber zum Glück gibt es ja Gegenden wie die Uckermark, die für den europäischen Ökotouristen eine Menge zu bieten haben. Ich denke da gerade an den Grumsiner Forst und die Uckerseen (Berlin Usedom Box!). Herrlich.

    Im Übrigen unterscheiden wir an der Uni Ökotourismus von nachhaltigem Tourismus, u.a. dadurch dass Ökotourismus den Menschen am Zielort ein Einkommen ermöglicht und nicht nur dem Verantstalter der Reise. Denn genau das kann unter dem Deckmantel "nachhaltig" oft passieren. Schade schade.

  7. Der Tourist zerstört das, was er sucht, indem er es findet. Dem muss man sich schon bewusst sein. Das heißt aber nicht, dass man nicht reisen darf. Ich empfinde es nur als sehr problematisch, Euphorismen wie "öko" oder "nachhaltig" mit Tourismus in Verbindung zu bringen. Das muntert ja geradezu dazu auf, die letzten Reservate zu "erobern". Der selbsterklärte Ökotourismus hält hinsichtlich seiner "Naturverträglichkeit" mit vielen Hotel-all-inclusive Angeboten tatsächlich nicht mit. Freilich ist das auch eine Frage der Berechnungsgrundlage. Aber die Message kam, glaube ich, rüber...

  8. 8. Hm....

    Ich finde es allgemein problematisch, wenn man in Großschutzgebieten, ganz gleich ob in Deutschland oder anderswo, auf Tourismus jetzt.
    Öko- oder nachhaltiger Tourismus hin oder her.

    Man kann ganz klar erkennen, dass, auch mit Besucherlenkung, bei der heutigen Menge an Besuchern und Urlaubern in Großschutzgebieten, einige wenige extrem scheue Arten sich zurück ziehen. Bsp: Schreiadler (Feldberger Seenland), Fischotter (Sternberger Seenland) usw.

    Wie einige Vorredner schon geschrieben haben. Der naturverträglichste Tourismus ist, kein Tourismus.
    Die aktuelle „Eroberung“ der Polnische Nationalparks Bialowieza und Biebrza/Narew zeigen ganz deutlich die durch Tourismus entstehenden Probleme.

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