Ehrenamt Hilfe zur Selbsthilfe

Wer sein Berufsleben angenehmer gestalten will, kann auch außerhalb des Büros ansetzen und sich sozial engagieren. Damit hilft man nicht nur anderen, sondern profitiert auch selbst: Freiwillige Arbeit hilft, Stress zu bewältigen.

Zu tun gäbe es immer genug – man könnte beim Kücheneinbau im Asylbewerberheim helfen, ein Fest im Kinderheim vorbereiten oder den Senioren im Altenheim einen Kuchen backen. Aber wer hat schon Zeit, sich neben seinem stressigen Beruf für andere zu engagieren?

Was wie eine zusätzliche Bürde erscheinen mag, wirkt für manche wie eine Befreiung. Katrin Tamme etwa engagiert sich in München bei der Stiftung Gute Tat, und wenn sie bei einer Ferienfreizeit Jugendliche betreut hat, geht sie anschließend viel motivierter zurück an ihren Arbeitsplatz bei einer Bank.

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Wer anderen hilft, tut auch sich selbst etwas Gutes, gerade in Bezug auf das Berufsleben kann soziales Engagement Wunder bewirken: Menschen, die am Feierabend Sinnvolles tun, lassen sich am nächsten Tag im Büro durch stressige Situationen nicht so leicht die positive Stimmung verderben und schaffen es, auch dann noch gut zuzuhören. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Psychologin Sabine Sonnentag von der Universität Mannheim. Sie interpretiert das Ergebnis so, dass Menschen, die außerhalb des Berufslebens Anerkennung bekommen, im Job weniger unter Stress leiden, da sie die Probleme dort als nicht so entscheidend für ihr Wohlbefinden einschätzen.

Tatsächlich ist der Anteil der Menschen, die sich freiwillig engagieren, bei den 40- bis 49-Jährigen besonders hoch. 42 Prozent der Personen in dieser Altersgruppe engagieren sich sozial – obwohl sie ja meist mitten im Berufsleben stehen.

Um bei kurzzeitigen Projekten wie dem Umbau im Asylbewerberheim oder der Feier im Kinderheim zu helfen, können sich Freiwillige spontan bei der Stiftung Gute Tat melden. Die vermittelt sie an soziale Einrichtungen oder gemeinnützige Vereine, die gerade Unterstützung brauchen.

Auch im Urlaub suchen viele Berufstätige nach einem Sinn, den sie im Job offensichtlich nicht finden. Immer neue Anbieter stellen sich auf diese neuen Wünsche ein, die Tourismusbranche nennt den Trend »Voluntourism«, in Anlehnung an den Begriff volunteer, Freiwilliger. Die Urlauber pflanzen im australischen Outback Bäume, betreuen in kolumbianischen Slums Straßenkinder oder setzen ihre handwerklichen Fähigkeiten dazu ein, ein paar Wochen lang bei einem indischen Unternehmen mitzuarbeiten.

Was die Menschen dazu bewegt, in den Ferien zu schuften und dafür oft auch noch Geld auszugeben, kam bei einer Studie heraus, die Harald Pechlaner beaufsichtigte. Er beschäftigt sich an der Universität Eichstätt-Ingolstadt mit Voluntourism.

Befragt wurden Berufstätige, die im Sommer auf kleinen Bauernhöfen in den Alpen bei der schweren Arbeit halfen. »Darunter waren auch wohlhabende, erfolgreiche Manager, Politiker oder höhere Beamte«, sagt Pechlaner. Viele sagten, sie wollten durch die Arbeit ihr Gewissen beruhigen – sie hätten erkannt, dass sie ihre Position auch durch Glück erreicht hatten. »Was sie von der Gesellschaft bekommen hatten, wollten sie ihr zurückgeben.«

 
Leser-Kommentare
  1. Entfernt. Bitte diskutieren Sie den konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/mk

  2. Man muss das Ganze kritisch betrachten.
    Welche ehrenämter vernichten Jobs? Wenn ich im Musikverein in der Jugend mithelfe ist das okay, denn dort nimmt man niemanden den Job weg.
    Aber wenn man in Australien Pflanzen anbaut, in Kolumbien Straßenkinder betreut, in einem indischen Unternehmen mitarbeiter oder beim Umbau der Kita hilft, dann nimmt man definitiv den Menschen die Arbeit, die darauf angewiesen sind.

    Und ja, natürlich machen das vor allem reichere Menschen oder die Frauen von diesen, da sie die Zeit dazu haben. Der mittlerweile normale Durchschnittsmensch mit 2 Jobs kann sich das nicht erlauben, da er am nächsten morgen wieder arbeiten muss und das vielleicht auch noch am Wochenende.

    Noch ein Wort zu den Gründen. Das ist ja super, da verbocken "Politiker", "höhere Beamte" und "erfolgreiche Manager" so viel in unserem Staat und dann meinen sie, dass sie das durch streichen in nem Kindergarten wieder gut machen können??
    Die sitzen an den Stellschrauben der Gesellschaft, da können sie mal was zum Guten verändern und nicht nur abends nach Feierabend, wenn die ihr Gewissen anschalten!

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    Die Ausübung eines Ehrenamtes ist meistens langweilig, entmutigend und ermüdend.
    Das macht man nur, wenn man eine religiöse oder politische Überzeugung hat.
    Diesen Aspekt blendet der Artikel bezeichnenderweise aus.
    Die "Überzeugungstäter" werden immer weniger.
    Der säkulare Staat ist allein auf Sozialbürokratien angewiesen; er kann viele Leistungen zukünftig nicht mehr bereitstellen.
    Jetzt soll es wieder einmal der Markt richten:
    "Immer neue Anbieter stellen sich auf diese neuen Wünsche ein..."

    Findet Euch damit ab:
    Es gehört zum Wesen postheroischer und säkularer Gesellschaften, daß sie niemand gegen Angreifer verteidigt und daß sich niemand unentgeltlich engagiert.

    Noch eine Anmerkung:
    "Wenn ich im Musikverein in der Jugend mithelfe ist das okay, denn dort nimmt man niemanden den Job weg."
    Es kommt darauf an, was Sie machen. Eventuell nehmen Sie dem Dirigenten, der sich dort ein Zubrot verdient, seine Arbeit weg.

    Die Ausübung eines Ehrenamtes ist meistens langweilig, entmutigend und ermüdend.
    Das macht man nur, wenn man eine religiöse oder politische Überzeugung hat.
    Diesen Aspekt blendet der Artikel bezeichnenderweise aus.
    Die "Überzeugungstäter" werden immer weniger.
    Der säkulare Staat ist allein auf Sozialbürokratien angewiesen; er kann viele Leistungen zukünftig nicht mehr bereitstellen.
    Jetzt soll es wieder einmal der Markt richten:
    "Immer neue Anbieter stellen sich auf diese neuen Wünsche ein..."

    Findet Euch damit ab:
    Es gehört zum Wesen postheroischer und säkularer Gesellschaften, daß sie niemand gegen Angreifer verteidigt und daß sich niemand unentgeltlich engagiert.

    Noch eine Anmerkung:
    "Wenn ich im Musikverein in der Jugend mithelfe ist das okay, denn dort nimmt man niemanden den Job weg."
    Es kommt darauf an, was Sie machen. Eventuell nehmen Sie dem Dirigenten, der sich dort ein Zubrot verdient, seine Arbeit weg.

  3. ...um den Armen zu helfen.
    Davon gibts in Deutschland mehr als genug.

    Voluntourism ist nichts weiter als ein "Besser"-Club in dem man unter sich ist.

    PS. Ich bin selbst ehrenamtlich tätig.

    • fanta4
    • 03.11.2011 um 10:02 Uhr

    "»Darunter waren auch wohlhabende, erfolgreiche Manager, Politiker oder höhere Beamte«, sagt Pechlaner. Viele sagten, sie wollten durch die Arbeit ihr Gewissen beruhigen – sie hätten erkannt, dass sie ihre Position auch durch Glück erreicht hatten. »Was sie von der Gesellschaft bekommen hatten, wollten sie ihr zurückgeben.«"

    Ja, eine schlechtes Gewissen drückt so manchen.

    Nur - was sie der Gesellschaft vorher geklaut haben, können sie so auch nicht zurückgeben.

    Ein bisschen Frondienst und drei Vater unser, funktioniert vielleicht bei Gläubigen...

  4. Intelligenz und Reife gehen aber immer mit einem großen Herzen einher. Wenn man nur sein Gehirn beansprucht, das Herz aber verkümmert, dann wird man zunehmend egoistisch und neurotisch.
    Deswegen ist die Zahl der Neurotiker und Depressiven in westlichen Ländern auch so groß.
    Darum sollte es in erster Linie das Ziel sein, sein Herz zu öffnen.
    Sich sozial zu engagieren ist ein sehr guter Ansatz.

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    Es ist ziemlich ungesund beruflich etwas zu tun, was "die Welt schlechter" macht. Eine neutrale Tätigkeit mag hinhauen, wenn man noch Zeit hat, nach Feierabend etwas "weltverbesserndes" zu tun. Dabei geht es nicht um revolutionäre Tätigkeiten, sondern um die Gestaltung der physischen und/oder sozialen Umwelt zu einem Mehr an Schönheit und Integration. Wir sind es unserer Seele schuldig klüger zu werden, und nur die Umsetzung der Klugheit in Taten vermag ihr das glaubhaft zu machen. Ein Ehrenamt kann das leisten. Es ist wichtig, dass ein Mensch einen "Garten" hat - einen echten, oder einen metaphorischen. Jeder sollte das als Grundrecht und -pflicht betrachten.

    Es ist ziemlich ungesund beruflich etwas zu tun, was "die Welt schlechter" macht. Eine neutrale Tätigkeit mag hinhauen, wenn man noch Zeit hat, nach Feierabend etwas "weltverbesserndes" zu tun. Dabei geht es nicht um revolutionäre Tätigkeiten, sondern um die Gestaltung der physischen und/oder sozialen Umwelt zu einem Mehr an Schönheit und Integration. Wir sind es unserer Seele schuldig klüger zu werden, und nur die Umsetzung der Klugheit in Taten vermag ihr das glaubhaft zu machen. Ein Ehrenamt kann das leisten. Es ist wichtig, dass ein Mensch einen "Garten" hat - einen echten, oder einen metaphorischen. Jeder sollte das als Grundrecht und -pflicht betrachten.

  5. "sie hätten erkannt, dass sie ihre Position auch durch Glück erreicht hatten."
    Diese Erkenntnis haben leider die wenigsten Erfolgreichen.
    Erfolg führt zu Selbstüberschätzung und viele gelangen erst durch eine persönliche Krise zu dieser Erkenntnis.

  6. Die Ausübung eines Ehrenamtes ist meistens langweilig, entmutigend und ermüdend.
    Das macht man nur, wenn man eine religiöse oder politische Überzeugung hat.
    Diesen Aspekt blendet der Artikel bezeichnenderweise aus.
    Die "Überzeugungstäter" werden immer weniger.
    Der säkulare Staat ist allein auf Sozialbürokratien angewiesen; er kann viele Leistungen zukünftig nicht mehr bereitstellen.
    Jetzt soll es wieder einmal der Markt richten:
    "Immer neue Anbieter stellen sich auf diese neuen Wünsche ein..."

    Findet Euch damit ab:
    Es gehört zum Wesen postheroischer und säkularer Gesellschaften, daß sie niemand gegen Angreifer verteidigt und daß sich niemand unentgeltlich engagiert.

    Noch eine Anmerkung:
    "Wenn ich im Musikverein in der Jugend mithelfe ist das okay, denn dort nimmt man niemanden den Job weg."
    Es kommt darauf an, was Sie machen. Eventuell nehmen Sie dem Dirigenten, der sich dort ein Zubrot verdient, seine Arbeit weg.

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    Antwort auf "Kritisch..."
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    Wenn das Ehrenamt langweilig und dumm ist, sollten sie vielleicht was sinnvolleres tun, als in der kath. kirche als Messdiener aktiv zu sein.
    Ich habe mein Ehrenamt, immerhin jede Woche 4 Stunden, stets als etwas sehr angenehmes empfunden und es gerne getan. und wissen sie auch warum? Weil es mir Spaß gemacht hat. Und weil ich es für mich gemacht habe, und nicht, um die Welt zu retten.
    UNd ihr Kommentar, der alle Ehrenämter über einen kamm schert und alle, die Ehrenämter ausüben auch, ist einfach nur dumm.

    Das Problem beim Ehrenamt ist, das man zum Handlanger degradiert wird von den Hauptamtlichen Helfern. Das man die Arbeit machen soll, die sie selber nicht machen möchten.

    Und dann muss man sich von Hauptamtlichen auch noch vorschreiben lassen, wie man zu helfen habe, derweil die Hauptamtlichen viel Geld mit ihrer Hilfe verdienen, während die Freiwilligen wenig bis keine Einfluss haben.

    Wenn das Ehrenamt langweilig und dumm ist, sollten sie vielleicht was sinnvolleres tun, als in der kath. kirche als Messdiener aktiv zu sein.
    Ich habe mein Ehrenamt, immerhin jede Woche 4 Stunden, stets als etwas sehr angenehmes empfunden und es gerne getan. und wissen sie auch warum? Weil es mir Spaß gemacht hat. Und weil ich es für mich gemacht habe, und nicht, um die Welt zu retten.
    UNd ihr Kommentar, der alle Ehrenämter über einen kamm schert und alle, die Ehrenämter ausüben auch, ist einfach nur dumm.

    Das Problem beim Ehrenamt ist, das man zum Handlanger degradiert wird von den Hauptamtlichen Helfern. Das man die Arbeit machen soll, die sie selber nicht machen möchten.

    Und dann muss man sich von Hauptamtlichen auch noch vorschreiben lassen, wie man zu helfen habe, derweil die Hauptamtlichen viel Geld mit ihrer Hilfe verdienen, während die Freiwilligen wenig bis keine Einfluss haben.

  7. Ausgeheckt durch grosse Kampagnen von Bertelsmann. Zum Dank gibts dann einmal im Jahr ne Plakette, wenn man besonders fleissig war vom Landesvater. Viele Ältere fallen auf diesen getarnten Stellenabbau rein. Dann redet man sich noch ein man hätte was Gutes getan, meist ist das ein Hobby der oberen Mittelschicht mit katholischem Hintergrund. Die sind dann auch immer fleissig am Eindreschen auf die faulen Hartzer, die doch auch ein Ehrenamt übernhemen könnten weil sie den ganzen Tag daheim sitzen würden.

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