Den Menschen, die zu Wiebke Sponagel kommen, geht es eigentlich gut: Sie haben oft hohe Positionen in Banken, im Marketing oder bei IT-Anbietern, verdienen gut, manche haben die Aussicht, in den Firmen weiter aufzusteigen. Und trotzdem suchen sie Hilfe, weil es ihnen eben doch nicht gut geht.

Wiebke Sponagel hat sich als Coach unter anderem auf das sogenannte Downshifting spezialisiert: Sie hilft Menschen, die ihr Berufsleben ruhiger, langsamer und selbstbestimmter gestalten wollen. »Manche sind überlastet und im Hamsterrad ihres Arbeitslebens gefangen«, sagt Wiebke Sponagel. »Andere sehen in ihrer Arbeit einfach keinen Sinn .« Sie erzählt von einem Produktmanager, der schimpfte, er könne das ewige Streben nach Gewinnmaximierung in seinem Job nicht länger ertragen. Lieber wolle er mit Menschen arbeiten.

Für manche mag derartiges Gejammer nach Luxusproblemen klingen, doch viele werden sich in der Frustration der Erfolgreichen wiederfinden. Die Zeit der unbedingten Leistungsbereitschaft ist offenbar vorbei – je mehr Druck Unternehmen auf Mitarbeiter ausüben, desto mehr scheinen die sich zu fragen, wozu sie sich eigentlich so aufreiben.

Nur: Wie lässt sich der Wunsch nach Entlastung erfüllen? Und, noch schwieriger: Wie findet man Sinn im eigenen Tun ?

Manchmal hilft es schon, weniger zu arbeiten. Jürgen Dinsel hat seine Arbeitszeit als Unternehmensberater stark reduziert und widmet sich nun lieber eigenen Projekten und seiner Familie. Ihn habe die Veränderung zufriedener und gelassener gemacht, sagt er.

Teilzeitarbeit löst das Problem der Überlastung allerdings nicht automatisch: Wer Pech hat, arbeitet am Ende genauso viel wie in Vollzeit, verdient nur weniger dafür. Wer sich für Teilzeit entscheidet, sollte also lernen, Nein zu sagen, und nur so viele Aufgaben annehmen, wie in der vereinbarten Arbeitszeit zu schaffen sind. Und er sollte sich darauf einstellen, dass er im Job als weniger leistungsfähig betrachtet wird und weniger Anerkennung bekommt. Manchen helfe ein Tagebuch, in dem sie jeden Tag festhalten, was gut gelaufen ist, sagt Wiebke Sponagel. »Auf diese Weise kann man selbst für seine Anerkennung sorgen.«

Trotzdem rät Sponagel ihren Klienten in der Regel nicht zu Teilzeit. Lieber sucht sie mit ihnen gemeinsam nach neuen Wegen auf dem Arbeitsmarkt, die zwar nicht gleich die große Karriere versprechen, dafür aber mehr Sinn. Diesen finden manche ihrer Klienten, indem sie sich selbstständig machen und selbstbestimmter arbeiten. 

So hat Sponagel eine Physiotherapeutin begleitet, die ihre Festanstellung gekündigt und sich mit einer eigenen Praxis selbstständig gemacht hat. Eine Unternehmensberaterin ließ sich, unterstützt durch das Coaching, zur Weinkennerin ausbilden, um einen eigenen Laden zu eröffnen. Und der Produktmanager, der so angewidert war vom Gewinnstreben in seiner Branche, leitet jetzt eine private Arbeitsvermittlung und verhilft anderen Menschen zu – hoffentlich sinnvollen – neuen Jobs.