Solarenergie Grüne Vorbilder
Mit der Photosynthese verwandeln Pflanzen das Sonnenlicht in klimafreundliche Energie. Forscher wollen diesen Prozess nachahmen.
Wenn Daniel Nocera Vorträge hält, erzählt er seinem Publikum oft erst einmal, warum ihn seine Kollegen hassen. »Ich erkläre die Dinge gern sehr einfach.« Und: »Manche sagen, ich machte alles kaputt. Ich wolle auch das Stromnetz zerstören.« Das könnte die wirre Äußerung eines technophoben Maschinenstürmers sein – oder der erste Schritt zu einer dezentralen und umweltfreundlichen Energieversorgung.
Nocera ist für zwei Dinge berühmt. Erstens: für seine große Klappe. Zweitens: dafür, dass er das Zeug dazu hat, seine Visionen zumindest teilweise Wirklichkeit werden zu lassen. Der Chemiker vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge bei Boston arbeitet seit Jahren daran, die Energie- und Klimaprobleme der Welt zu lösen. Er will nachahmen, was jedes grüne Blatt, jeder Grashalm, jede Alge und viele Bakterien hinbekommen: Sie verwandeln das Licht der Sonne in chemische Verbindungen wie etwa Zuckermoleküle – die sie brauchen, um zu wachsen und sich zu vermehren.
Die Photosynthese ist eine mehr als 2,5 Milliarden Jahre alte Innovation der Natur. Das gesamte Leben auf diesem Planeten hängt davon ab. Sie sorgt für die pflanzliche Nahrung von Mensch und Tier. Und auch die Energieträger Kohle, Erdöl und Erdgas würde es ohne Photosynthese nicht geben, denn sie entstanden in Jahrmillionen aus Pflanzenresten, die in tiefe Erdschichten abgesunken waren. Kein Wunder, dass die Menschen, seit sie anfingen zu verstehen, was sich im Inneren der Blätter abspielt, diesen Prozess nachahmen wollen, um Energie zu gewinnen.
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Den Pflanzentrick im Labor zu imitieren ist Nocera nun zumindest teilweise gelungen. Ende September präsentierte er in dem angesehenen Fachjournal Science den Prototypen eines »künstlichen Blatts«. Er produziert allerdings kein Adenosintriphosphat (ATP) – das Zellen als Energieträger für den Aufbau von Zuckermolekülen dient –, sondern Wasserstoff. Das ist zum Antreiben von Maschinen ohnehin zweckmäßiger: Der Wasserstoff reagiert mit dem Sauerstoff aus der Luft, und dabei wird sehr viel Energie frei, mit der etwa eine Brennstoffzelle Strom produzieren kann. Auch während der pflanzlichen Photosynthese entsteht Wasserstoff. Er taucht allerdings niemals gasförmig in einer Zelle auf, sondern ist nur ein Zwischenprodukt auf dem Weg vom Sonnenlicht zum Adenosintriphosphat.
Technisch ist die Produktion von Wasserstoff schon lange kein Geheimnis mehr. Mithilfe von Elektrolyse-Maschinen werden Wassermoleküle elektrisch in ihre Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerrissen. Diese Geräte verbrauchen allerdings viel Energie – keine gute Idee, wenn man eigentlich Energie gewinnen möchte. Wie Nocera suchen Hunderte von Forschern auf der ganzen Welt nach einem Weg, Wassermoleküle effizienter zu spalten.
Vor fast vier Jahren hatte Nocera sein Aha-Erlebnis. Nach einer Serie von missglückten Experimenten rührte der Chemiker Kobalt- und Phosphatpulver in ein Glas voll Wasser, hängte zwei Drähte in das Gemisch, setzte sie unter Strom – und sah Wasserstoff an die Oberfläche perlen. Es dauerte dann noch Jahre, bis er einen funktionierenden Prototyp konstruiert hatte. Heute mischt er seinen Katalysator nicht mehr ins Wasser, sondern trägt ihn auf der Rückseite von handelsüblichen Solarzellen auf. Die liefern den geringen Strom, den auch sein Wasserspalter noch immer braucht. Mit 2,5 Prozent Wirkungsgrad ist sein künstliches Blatt schlechter als das natürliche Vorbild und hinkt auch modernen Solarzellen weit hinterher. »Das ist vielleicht nicht der leistungsfähigste Weg, Wasser zu spalten«, sagt Nocera. »Aber es ist der billigste und robusteste, den wir bislang kennen.«
- Datum 31.01.2012 - 10:50 Uhr
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"Nach einer Serie von missglückten Experimenten rührte der Chemiker Kobalt- und Phosphatpulver in ein Glas voll Wasser, hängte zwei Drähte in das Gemisch, setzte sie unter Strom – und sah Wasserstoff an die Oberfläche perlen"
Dieser Versuch geht auch mit Leitungswasser. Hab ich als Kind schon probiert.
Mit seiner speziellen Kobal/Phosphat - Mischung hat der Chemiker erreicht weniger Energie für die Spaltung von Wasser zu benötigen.
Das ist schon bemerkenswert, wenn man mit derselben Strommenge, sagen wir doppelt soviel Wasser in H2 und O2 spalten kann.
Die nächsten 10 Jahre werden noch einigens an Entwicklung im Bereich Sonnenenergie-Nutzung bringen, vorallem durch die Biologie meine ich.
Momentan ist man zB dabei Kohlenwasserstoffe von Algen produzieren zu lassen, die Systeme müssen nur noch hochskaliert werden. Wüsten-Landstriche mit Meerzugang werden bereits von Investoren aufgekauft als "Ölfelder" der Zukunft.
Ob das tatsächlich die Lösung sein wird sei dahingestellt. Es ist zumindest ein sehr vielversprechender Ansatz, da eine Konkurrenz von Energie- und Nahrungserzeugung in der Fläche, wie es zB momentan durch Biogasanlagen stattfindet, nicht akzeptabel ist/wäre.
Mit seiner speziellen Kobal/Phosphat - Mischung hat der Chemiker erreicht weniger Energie für die Spaltung von Wasser zu benötigen.
Das ist schon bemerkenswert, wenn man mit derselben Strommenge, sagen wir doppelt soviel Wasser in H2 und O2 spalten kann.
Die nächsten 10 Jahre werden noch einigens an Entwicklung im Bereich Sonnenenergie-Nutzung bringen, vorallem durch die Biologie meine ich.
Momentan ist man zB dabei Kohlenwasserstoffe von Algen produzieren zu lassen, die Systeme müssen nur noch hochskaliert werden. Wüsten-Landstriche mit Meerzugang werden bereits von Investoren aufgekauft als "Ölfelder" der Zukunft.
Ob das tatsächlich die Lösung sein wird sei dahingestellt. Es ist zumindest ein sehr vielversprechender Ansatz, da eine Konkurrenz von Energie- und Nahrungserzeugung in der Fläche, wie es zB momentan durch Biogasanlagen stattfindet, nicht akzeptabel ist/wäre.
Mit seiner speziellen Kobal/Phosphat - Mischung hat der Chemiker erreicht weniger Energie für die Spaltung von Wasser zu benötigen.
Das ist schon bemerkenswert, wenn man mit derselben Strommenge, sagen wir doppelt soviel Wasser in H2 und O2 spalten kann.
Die nächsten 10 Jahre werden noch einigens an Entwicklung im Bereich Sonnenenergie-Nutzung bringen, vorallem durch die Biologie meine ich.
Momentan ist man zB dabei Kohlenwasserstoffe von Algen produzieren zu lassen, die Systeme müssen nur noch hochskaliert werden. Wüsten-Landstriche mit Meerzugang werden bereits von Investoren aufgekauft als "Ölfelder" der Zukunft.
Ob das tatsächlich die Lösung sein wird sei dahingestellt. Es ist zumindest ein sehr vielversprechender Ansatz, da eine Konkurrenz von Energie- und Nahrungserzeugung in der Fläche, wie es zB momentan durch Biogasanlagen stattfindet, nicht akzeptabel ist/wäre.
@ goddi
Wieso stellt man hier Fragen zum Artikel, wenn man ihn nicht ganz gelesen hat ?
Aber etwas undeutlich ist diese Stelle schon formuliert, aber wenn man weiterließt, wird es klarer.
Im übrigen ist dieser Artikel recht alt (kenne das irgendwie alles schon, bin vielleicht überinformiert). Aber es als "news" zu vermarkten.. naja
... kann man etwas darüber erfahren, dass wenigstens einer daran arbeitet, das technisch nachzumachen, was die Natur vor 2,5 Giga-Jahren erfunden hat! Die Natur speichert seit dem die Sonnenenergie in Form von Kohlenwasserstoffen ( Fetten und Kohlehydraten ), die Natur hat es bislang nicht geschafft, die elektrische Energie direkt zu speichern. So gibt es auch kein einziges direkt elektrisch angetriebenes Lebewesen, alle nutzen die Kohlehydrate. Es ist eben nicht ganz einfach, negativ geladene Teilchen dicht an dicht einzusperren, man muss sie sozusagen über chemische Bindungen "entschärfen". Und was den Wirkungsgrad von 2,5% angeht: Die Natur ist bei der Photosynthese nicht viel besser, was den Wirkungsgrad angeht.
Die Natur ist schon um einiges besser. Der Wirkungsgrad wird mit ca. 34% angegeben, unter idealen Bedingungen. Der tatsächliche mit etwa 20%. (quelle: wikipedia)
Wenn man dabei bedenkt das die Photosynthese nicht beim Wasserstoff stoppt, wie das Verfahren im Artikel, sondern erst bei ATP, erkennt man das da Welten zwischen den beiden Wirkungsgraden liegen.
"die Natur hat es bislang nicht geschafft, die elektrische Energie direkt zu speichern"
Zum einen nimmt keine Pflanze elektrische Energie auf, jedenfalls ist mir keine Spezies bekannt die sich von Blitzen ernährt und zum zweiten wäre eine solche Speicherung unzweckmäßig. Die Energie wird ja nicht nur zur Ernährung genutzt, sondern ganz wesentlich auch zum Aufbau des Körpers und der besteht aus Materie.
Die Natur ist schon um einiges besser. Der Wirkungsgrad wird mit ca. 34% angegeben, unter idealen Bedingungen. Der tatsächliche mit etwa 20%. (quelle: wikipedia)
Wenn man dabei bedenkt das die Photosynthese nicht beim Wasserstoff stoppt, wie das Verfahren im Artikel, sondern erst bei ATP, erkennt man das da Welten zwischen den beiden Wirkungsgraden liegen.
"die Natur hat es bislang nicht geschafft, die elektrische Energie direkt zu speichern"
Zum einen nimmt keine Pflanze elektrische Energie auf, jedenfalls ist mir keine Spezies bekannt die sich von Blitzen ernährt und zum zweiten wäre eine solche Speicherung unzweckmäßig. Die Energie wird ja nicht nur zur Ernährung genutzt, sondern ganz wesentlich auch zum Aufbau des Körpers und der besteht aus Materie.
@ 4
Wenn Sie mit Lebewesen Pflanzen meinen, haben Sie schon recht.
Aber in tierischem Gewebe lässt sich jede Menge elektrische Energie speichern! z.B.
http://de.wikipedia.org/w...
Nur so am Rande, sorry for off topic
Also wirklich, das ist schon ein lächerlich kleiner Wert. Eine normale Solarzelle hat so etwa 15% Effizienz. Die Effizienz der Wasserelektrolyse liegt bei etwa 70-80%, also 15%*0.7=10.5% für das Gesamtsystem Solarzelle+Elektrolyse. Hallo, wo ist jetzt der Gewinn bei dem neuen System? Das ist doch wieder mal ein Hype um gar nichts...
Da gibt es nämlich noch die zugegeben bedeutend uneffektivere Chemosynthese.
http://de.wikipedia.org/w...
Sie wird von einer ganzen Reihe vgon Bakterien durchgeführt.
Indirekt ist die zwar auch von der Sonne (Wärme) abhängig, aber sie hat schon Jahrmillionen vor der "Erfindung" der Photosynthese funktioniert.
Ich finde den Ansatz jedenfalls höchst interessant. Und ...mit Verlaub. Dass das Prinzip nnicht besser funktioniert, als eine normale Solarzelle, ist jetzt auch nicht soo verwunderlich. Die Forschung an der künstlichen Photosynthese steht noch am Anfang, während an Solarzellen schon ein ghanzes Weilchen länger herumgebastelt wird. Ich will niucht wissen, wie uneffektif die ersten Prototypen der Solarzelle waren.
Aus ihrer Infographik:
""Im 2. Schritt reagieren die Ionen mit CO2 und Enzymen zum Energieträger ATP""
Dies ist nicht richtig.
Mithilfe des Ionengradienten wird aus ADP und Phosphat ATP synthetisiert.
Das CO2 wird erst im Anschließenden Calvin Zyklus als Kohlenstoffquelle für den Zuckeraufbau verwendet.
Hierfür wird das ATP als Energieträger gebraucht
Liebe(r) skeptik,
vielen Dank für den Hinweis, der Autor hat uns geschrieben:
"Wir haben den Prozess stark vereinfacht dargestellt und sind dabei vielleicht etwas über das Ziel hinaus geschossen. Tatsächlich handelt es sich um zwei getrennte Prozesse und das CO2 kommt erst im nächsten Schritt hinzu."
Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen, belassen die Infografik aber vorerst im Artikel.
Grüße aus der Redaktion
Liebe(r) skeptik,
vielen Dank für den Hinweis, der Autor hat uns geschrieben:
"Wir haben den Prozess stark vereinfacht dargestellt und sind dabei vielleicht etwas über das Ziel hinaus geschossen. Tatsächlich handelt es sich um zwei getrennte Prozesse und das CO2 kommt erst im nächsten Schritt hinzu."
Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen, belassen die Infografik aber vorerst im Artikel.
Grüße aus der Redaktion
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