Ernährung Das Energiedepot

Weizen, Roggen, Reis – Getreide ist unser wichtigstes Nahrungsmittel. Was bedeutet das für unsere Gesundheit? Und ist Vollkorn immer besser?

Der Himmel meint es heute gut mit Franz Schreyer. Über den gelben Feldern ringsum ist keine Wolke in Sicht. Schreyer ist Landwirt, ein hochgewachsener Mann Anfang vierzig mit silbernen Haaren und wenig Zeit. In Gummistiefeln steigt er in den Geländewagen und fährt aufs Feld, wo der Mähdrescher und sein Lehrling warten. Schreyer rupft eine Ähre aus und reibt die Körner prüfend zwischen den Fingern. »Jetzt pressiert’s«, sagt er. Es ist der erste trockene Tag seit Langem, und wie seine Ernte ausfällt, entscheidet sich in den nächsten Stunden.

Getreide ist unser wichtigstes Lebensmittel. Es bildet das Fundament der menschlichen Ernährung und wird auch als Viehfutter gebraucht. Im Kampf gegen den Hunger ist es die entscheidende Waffe. Bei der Sorge um die Gesundheit hingegen fällt die Bilanz für das Getreide nicht immer positiv aus.

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Sieben Hauptsorten gibt es, ihre Bedeutung ist je nach Weltregion unterschiedlich. Ohne Reis würde in Asien eine gewaltige Hungersnot ausbrechen; Hirse ist für die Menschen in Afrika besonders bedeutsam, Mais für die Südamerikaner. In Europa wächst traditionell, neben Roggen, Gerste und Hafer, vor allem Weizen: In Deutschland ist er mit einer Anbaufläche von 3,19 Millionen Hektar inzwischen mit Abstand die wichtigste Sorte. Etwa ein Drittel der hiesigen Weizenernte wird zu Mehl verarbeitet, aus dem dann Brot, Nudeln, Stärke und viele andere Lebensmittel entstehen.

ZEIT Wissen 1/2012
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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Der Weizen von Schreyers Feldern, die in der Nähe von Straubing liegen, soll irgendwann in Form von Brötchen auf dem Teller landen. Dafür muss jetzt das Timing stimmen. Die Körner dürfen höchstens 14,5 Prozent Feuchtigkeit enthalten, damit sie während der Lagerung nicht schimmeln. Auf den perfekten Sonnentag können die Bauern aber nicht zu lange warten, sonst treiben die Körner am Halm aus. Das Getreide wäre dann wertlos, da Stärke und Eiweiß verloren gingen. In einem Jahr wie diesem muss Landwirt Schreyer abwägen, was ihn mehr kosten würde: das Getreide früher zu ernten und es anschließend zu trocknen. Oder zu warten, bis die Sonne diese Arbeit erledigt, und dafür eine schlechtere Qualität zu riskieren.

»Wir müssen möglichst eine gleichbleibende Qualität produzieren«, sagt Franz Schreyer. Die Mühlen können nur Getreide brauchen, dessen Körner sich gut in ihre Bestandteile zerlegen lassen – Mehlkörper, Schale und Keimling. Der Mehlkörper macht 80 Prozent des Korns aus und enthält vor allem Stärke, aber auch Eiweiß und Ballaststoffe. Der Eiweißgehalt des Weizens bestimmt, wie gut sich das Mehl backen lässt. Je mehr Eiweiß, desto mehr Geld erhält der Landwirt.

Weniger als ein Prozent der gesamten Produktion wird als Sommerweizen erst im Frühjahr ausgesät. Üblich in Deutschland ist der Anbau von Winterweizen, der spät im Jahr gesät und im folgenden Sommer geerntet wird. 110 Sorten davon gibt es hier mittlerweile. Diese neue Vielfalt hatte Folgen: Anfang des 20. Jahrhunderts konnte ein Landwirt höchstens mit etwa 2.000 Kilogramm Weizen pro Hektar Anbaufläche rechnen. Heute sind es rund 7.500 Kilogramm. Die Erträge haben sich also fast vervierfacht. Laut einer Studie der Universität Gießen ist etwa ein Drittel dieses Anstiegs neuen Sorten zu verdanken. »Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen«, sagt Joseph Steinberger vom Bundessortenamt in Hannover. Dort werden die Getreidesorten für deutsche Felder zugelassen.

Auch beim Max Rubner-Institut für Sicherheit und Qualität bei Getreide (MRI) beobachtet man die Ertragssteigerung seit Jahrzehnten. Allerdings kommt man dort zu einer anderen Prognose. Seit fünf bis zehn Jahren ließen sich Ertragsquoten nicht mehr im gleichen Ausmaß steigern wie zuvor, hat Institutsleiter Meinolf Lindhauer festgestellt. »Daraus kann man schließen, dass das Potenzial bei Züchtung und Anbau mit den verfügbaren Mitteln nahezu ausgeschöpft ist«, sagt er.

Leser-Kommentare
  1. Ich bin nicht allzu alt und auch kein Weltenbummler, aber ich habe schon einige Länder dieser Welt besucht.
    In keinem dieser Länder gab es anständiges Brot.

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    oder zumindest sehr selten.

    oder zumindest sehr selten.

  2. Sehr geehrte Frau Kimmerle und Frau Nath,

    das Thema Ihres Artikels finde ich prinzipiell recht interessant. Jedoch finde ich gibt Ihr Artikel nicht wirklich Antworten auf die im Abstrakt erwaehnten Fragen. Noch ist der Artikel sonderlich strukturiert, das an sich klar waere ueber was Sie eigentlich schreiben wollen. Es scheint mir alles ein bisschen zu sehr Einzelfakten zusammengestueckelt und ich persoenlich finde den Artikel ehrlich gesagt nicht veroeffentlichungswuerdig.

    Gruesse

    BaumFreund

    Eine Leser-Empfehlung
  3. fast vervierfacht und wir sind nicht am Ende der Entwick-
    lung. Hier zeigt sich welche Reserven die Nahrungsmittel-
    produktion hat. Wenn wir das auf Afrika beziehen liegt das
    Potential wohl beim Zehnfachen, besonders wenn man Weide-
    wirtschaft durch Landwirtschaft ersetzt und die Felder be-
    waessert, wo immer es moeglich ist.

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    • das_m
    • 04.01.2012 um 17:57 Uhr

    Es ist zwar richtig, dass die landwirtschaftliche Produktivität v.a. seit den 1960er-Jahren massiv gesteigert werden konnte. Dies gilt übrigens nicht nur für Getreide.
    Problematisch ist jedoch, welchen Energie- und Ressourceninput eine derart intensive Landwirtschaft fordert.
    Ohne massiven Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden wäre eine derartige Ertragssteigerung nie möglich gewesen, trotz der ständigen Neuentwicklung ertragsreicherer Sorten.

    Dieser enorme Energie- und Ressourceneinsatz verursacht nicht nur massive Schäden an Ökosystemen, er stellt die globale Nahrungsmittelversorgungssicherheit vor ein grundsätzliches Problem:
    Die wichtigsten Ressourcen, welche heute zur intensiven Produktion von Nahrungsmitteln eingesetzt werden sind endlich. Erdöl und Phosphor.
    Nun zu erwarten oder gar zu fordern, dass weltweit eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion nach europäischem Vorbild stattfinden soll, verschärft das Problem weiter. Wir fahren den Karren an die Wand.

    Sie haben zwar durchaus recht: Gerade in Afrika sind durch den Anbau neuer Sorten und durch modifzierte Anbaumethoden Ertragssteigerungen möglich. Geschieht dies jedoch unter Anwendung hiesiger Produktionsweisen, werden ganze Weltregionen zusätzlich in die Abhängigkeit endlicher Ressourcen getrieben. Welche Folgen dann die in naher Zukunft zu erwartenden Ressourcenengpässe haben, können Sie sich sicher ausmalen.

    • das_m
    • 04.01.2012 um 17:57 Uhr

    Es ist zwar richtig, dass die landwirtschaftliche Produktivität v.a. seit den 1960er-Jahren massiv gesteigert werden konnte. Dies gilt übrigens nicht nur für Getreide.
    Problematisch ist jedoch, welchen Energie- und Ressourceninput eine derart intensive Landwirtschaft fordert.
    Ohne massiven Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden wäre eine derartige Ertragssteigerung nie möglich gewesen, trotz der ständigen Neuentwicklung ertragsreicherer Sorten.

    Dieser enorme Energie- und Ressourceneinsatz verursacht nicht nur massive Schäden an Ökosystemen, er stellt die globale Nahrungsmittelversorgungssicherheit vor ein grundsätzliches Problem:
    Die wichtigsten Ressourcen, welche heute zur intensiven Produktion von Nahrungsmitteln eingesetzt werden sind endlich. Erdöl und Phosphor.
    Nun zu erwarten oder gar zu fordern, dass weltweit eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion nach europäischem Vorbild stattfinden soll, verschärft das Problem weiter. Wir fahren den Karren an die Wand.

    Sie haben zwar durchaus recht: Gerade in Afrika sind durch den Anbau neuer Sorten und durch modifzierte Anbaumethoden Ertragssteigerungen möglich. Geschieht dies jedoch unter Anwendung hiesiger Produktionsweisen, werden ganze Weltregionen zusätzlich in die Abhängigkeit endlicher Ressourcen getrieben. Welche Folgen dann die in naher Zukunft zu erwartenden Ressourcenengpässe haben, können Sie sich sicher ausmalen.

  4. Angenehm zu lesender und recht informativer Artikel. Obwohl ich mich auch schon ein wenig für kundig halte, habe ich doch noch eine Menge lernen können. Die sachlichen Informationen und die Einschübe der befragten Fachleute sind in eine angenehm unaufgeregte Erzählung eingebunden. Kein Alarmismus, sondern einige Punkte, über die man sowohl als Bürger als auch als Verbraucher nachdenken kann. Gut gemacht!

    So wünsche ich mir auch andere Artikel in der ZEIT, da können die alten Hasen etwas von den Jungen lernen.

    • das_m
    • 04.01.2012 um 17:57 Uhr

    Es ist zwar richtig, dass die landwirtschaftliche Produktivität v.a. seit den 1960er-Jahren massiv gesteigert werden konnte. Dies gilt übrigens nicht nur für Getreide.
    Problematisch ist jedoch, welchen Energie- und Ressourceninput eine derart intensive Landwirtschaft fordert.
    Ohne massiven Einsatz von Kunstdünger und Pestiziden wäre eine derartige Ertragssteigerung nie möglich gewesen, trotz der ständigen Neuentwicklung ertragsreicherer Sorten.

    Dieser enorme Energie- und Ressourceneinsatz verursacht nicht nur massive Schäden an Ökosystemen, er stellt die globale Nahrungsmittelversorgungssicherheit vor ein grundsätzliches Problem:
    Die wichtigsten Ressourcen, welche heute zur intensiven Produktion von Nahrungsmitteln eingesetzt werden sind endlich. Erdöl und Phosphor.
    Nun zu erwarten oder gar zu fordern, dass weltweit eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion nach europäischem Vorbild stattfinden soll, verschärft das Problem weiter. Wir fahren den Karren an die Wand.

    Sie haben zwar durchaus recht: Gerade in Afrika sind durch den Anbau neuer Sorten und durch modifzierte Anbaumethoden Ertragssteigerungen möglich. Geschieht dies jedoch unter Anwendung hiesiger Produktionsweisen, werden ganze Weltregionen zusätzlich in die Abhängigkeit endlicher Ressourcen getrieben. Welche Folgen dann die in naher Zukunft zu erwartenden Ressourcenengpässe haben, können Sie sich sicher ausmalen.

    Eine Leser-Empfehlung
  5. oder zumindest sehr selten.

  6. Natuerlich muss nach dem oekonomischen Prinzip gehandelt
    werden - geringster Aufwand fuer hoechsten Ertrag, das gilt
    fuer Wasser ebenso wie fuer Duenger und Pflanzenschutz und
    mechanische Bearbeitung. Aber um den Ertrag zu vervierfachen
    haben wir nicht den vierfachen Aufwand getrieben - mit anderen Worten die Menge Zusatzstoffe hat sich proportional
    verringert. Es gibt grosse Einspar- und Ertragspotentiale
    aber nicht wenn man wie mancherorts in Afrika sagt: It is
    not our tradition.

  7. Auch wenn die GVO-Gegner es nicht wahr haben wollen, Ertragssteigerungen lassen sich nur noch über Gentechnik realisieren. Das ist auch nötig, um Dünger und Wasser zu sapren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • das_m
    • 04.01.2012 um 19:28 Uhr

    Denn GV-Pflanzen wachsen nur noch mit Luft und Liebe! Die wachsen doppelt so schnell und doppelt so hoch und schonen gleichzeitig Ressourcen... die Erlösung ist nah!
    Spass beiseite. GVO haben gewisse Potentiale, die man nutzen kann (soll), aber das Ressourcenproblem der globalen Landwirtschaft lösen sie nicht.

    das sind in diesem Kontext sehr veraltete Ansichten und schon hundertmal durchdiskutiert. Do not feed the trolls.

    • das_m
    • 04.01.2012 um 19:28 Uhr

    Denn GV-Pflanzen wachsen nur noch mit Luft und Liebe! Die wachsen doppelt so schnell und doppelt so hoch und schonen gleichzeitig Ressourcen... die Erlösung ist nah!
    Spass beiseite. GVO haben gewisse Potentiale, die man nutzen kann (soll), aber das Ressourcenproblem der globalen Landwirtschaft lösen sie nicht.

    das sind in diesem Kontext sehr veraltete Ansichten und schon hundertmal durchdiskutiert. Do not feed the trolls.

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