Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen belegen auch positive Wirkungen auf die Gesundheit. Für eine aktuelle Metastudie nahmen sich dänische Forscher vom Universitätskrankenhaus in Aarhus 21 Untersuchungen zu MBSR vor, also zum Anti-Stressprogramm nach Kabat-Zinn, sowie zur sogenannten Mindfulness Based Cognitive Therapy (MBCT), einer Variante für Depressive. Es zeigte sich: MBSR stärkt die psychische Gesundheit, entspannt Gestresste und beruhigt Angstpatienten. Die Methode verbessert außerdem die Lebensqualität bei vielen Patienten mit körperlichen Beschwerden. Auch wenn die Beschwerden selbst nicht abnehmen, quälen sie weniger.

Den Nutzen der Mindfulness Based Cognitive Therapy, die Elemente aus der Achtsamkeitsmeditation und der kognitiven Verhaltenstherapie vereint, belegt die Metastudie ebenfalls. Demnach bewahrt sie viele ehemalige Depressionspatienten vor Rückfällen. Allerdings wird kritisiert, dass man über die langfristige Wirkung kaum Aussagen treffen könne, weil die Studienautoren die Patienten meist nur kurz beobachteten.

Seitdem Studien die Wirksamkeit der Achtsamkeitsmeditation zeigen, sind auch Krankenkassen daran interessiert. Die meisten zahlen inzwischen im Rahmen der Prävention einen Zuschuss zu MBSR-Kursen. Auch zur Therapie wenden einige Psychotherapeuten und Mediziner die Achtsamkeitsmeditation an. Ärzte können sie zwar nicht verschreiben, aber Patienten können etwa eine Verhaltenstherapie machen, die von der Kasse gezahlt wird, und sich dafür einen Therapeuten suchen, der mit Meditation arbeitet.

Auch die Verhaltenstherapeutin und Achtsamkeitstrainerin Eva Sperger nutzt die Methode. "Gerade für Burn-out-Patienten ist es wichtig, sich selbst wieder wahrzunehmen", sagt Sperger. Viele hetzen in so hohem Tempo durch den Arbeitstag, dass sie nicht einmal spüren, wenn sie eine Pause brauchen, sich bewegen wollen oder Durst haben. "Nach einer Weile sind sie oft so hibbelig, dass sie es gar nicht aushalten, sich einfach nur hinzusetzen und nichts zu tun. " Sperger bittet die Patienten, sich ein paar Minuten lang nur auf ihren Atem oder Körper zu konzentrieren. "Vielen ist das unangenehm, aber danach sind sie doch mehr bei sich, und die Stunde wird intensiver."

Bei chronischen Schmerzen, Depressionen und Stress ist eine positive Wirkung der Achtsamkeitsmeditation schon gut belegt. Und es scheint, als könne sie auch bei Zwangsstörungen helfen. Dies legt eine kleine Pilotstudie der Universität Freiburg nahe, für die zwölf Teilnehmer einen Kurs in Mindfulness Based Cognitive Therapy absolvierten.

Einer von ihnen war Martin Baumann*. Er leidet an aggressiven Zwangsgedanken. "Wenn ich ein Messer in der Hand halte, stelle ich mir manchmal nur eine Sekunde lang vor, ich könnte jemanden damit verletzen", sagt er. "Dabei liegt mir das völlig fern, ich bin ein sehr gutmütiger Mensch, fast schon zu gutmütig." Die Gedanken erschreckten ihn, er fürchtete, tief im Inneren ein schlechter Mensch zu sein. So versuchte er mit aller Kraft, die Vorstellungen zu unterdrücken. Doch dadurch wurden sie noch intensiver, er bekam Panikattacken. In einer kognitiven Verhaltenstherapie lernte er, sich den Gedanken zu stellen und diese so lange weiterzuspinnen, bis er sich als Massenmörder durch die Straßen laufen sah. "So wurden die Vorstellungen absurd und verloren ihren Schrecken", sagt er.

Für ihn sei das eine gute Vorbereitung auf den Kurs in Achtsamkeitsmeditation gewesen, sagt Baumann. Bei dem Training lernte er, die Zwangsgedanken zunächst einmal zu bemerken. Jahrelang hatte er ja versucht, sie zu verdrängen. Im nächsten Schritt gelang es ihm, die Bilder zu akzeptieren und wieder verschwinden zu lassen. "Das war besonders schwierig, weil diese Vorstellungen extreme Gefühle bei mir ausgelöst haben", sagt er. "Aber jetzt kann ich sie weiterziehen lassen, weil ich weiß, dass der eine schlimme Gedanke nur einer unter Tausenden anderen ist, die einem die ganze Zeit durch den Kopf gehen."