Edzard Ernst : Edzard gegen Charles

Edzard Ernst erforscht die Alternativmedizin mit wissenschaftlichen Methoden – und ernüchternden Resultaten. Damit hat er sich viele Feinde gemacht, bis ins britische Königshaus. Als seine Universität ihn loswerden wollte, kam es zum Machtkampf.

Es ist schon Mittag, aber noch ruhig. Keine Hassmails von Homöopathen, keine Briefe von Anwälten, kein Ärger mit Prinz Charles. Aber das kann ja noch kommen. Edzard Ernst sitzt im Restaurant der Royal Society of Medicine in London und bestellt ein Sirloin-Steak medium rare, dazu Wasser, keinen Wein, er muss noch Vorträge halten. Mit Lesebrille, Schnauzbart und Doppelkinn sieht er sehr britisch aus, aber vielleicht ist das Einbildung, jedenfalls ist Ernst, geboren 1948 in Wiesbaden , seit zwölf Jahren britischer Staatsbürger. Er liebt dieses Land, er sagt: »Man wird hier nicht nach der Größe des Autos beurteilt.« Nur die Sache mit dem Königshaus, die könne man sich als Deutscher nicht vorstellen.

Am Morgen hat er drei Twittermeldungen abgesetzt und ist dann mit dem Zug von Exeter nach London gefahren. Am Nachmittag wird er als Hauptredner auf dem Kongress Evidence 2011 erwartet, anschließend hat er einen Termin mit Medizinstudenten in einem Krankenhaus. Er will über Homöopathie, Akupunktur und Chiropraktik reden. Über Ethik in der Medizin. Und über den Prinzen, natürlich.

Prinz Charles könnte der nächste König Großbritanniens werden, er ist ein Anhänger der Homöopathie und hat eine Firma, die vor zwei Jahren Tropfen auf Artischockenbasis zur vermeintlichen Entgiftung des Körpers auf den Markt gebracht hat. Edzard Ernst ist Professor für Alternativmedizin an der University of Exeter und erforscht Nutzen und Risiken alternativer Heilmethoden, er hat die Artischockentropfen als Quacksalberei bezeichnet und den Prinzen einen Schlangenöl-Verkäufer genannt. Es war der Höhepunkt einer Fehde, zu der Prinz Charles sich nie öffentlich äußerte. Glaubt man Ernst, hat Charles jedoch alles darangesetzt, den Professor zum Schweigen zu bringen.

Edzard Ernst

Sein Vater und sein Großvater waren Ärzte, Edzard Ernst folgte ihrem Vorbild. In München studierte er Medizin, den Unterhalt verdiente er sich als Schlagzeuger in einer Jazzband. 1988 wurde er als Professor an die Medizinische Hochschule Hannover berufen, 1990 an die Medizinische Universität Wien, 1993 als Großbritanniens erster Professor für Alternativmedizin an die University of Exeter. »Nichts in meinem Leben war geplant«, sagt Ernst. »Es war das reinste Chaos.«

Die beiden sind Stellvertreter in einer Auseinandersetzung, die mit zunehmender Aggressivität geführt wird. Die Fronten verlaufen quer durch politische Parteien und Bevölkerung, in England wie in Deutschland. Es geht um Geld, Macht und Leid, um Lug und Trug. Wirkt die Homöopathie besser als ein Placebo? Sind Akupunktur und Chiropraktik gefährlich? Lässt sich die Alternativmedizin überhaupt wissenschaftlich erforschen? Und wer soll das alles bezahlen?

Edzard Ernst ist heute der Buhmann der Alternativmediziner. Er habe gar keine homöopathische Ausbildung, schimpfte im vergangenen Jahr der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte , außerdem seien dem Professor wichtige Arbeiten zur Homöopathie unbekannt. Die Ständeorganisation der britischen Chiropraktiker – sie glauben, dass viele Leiden auf Probleme mit der Wirbelsäule zurückgehen – schrieb an die Presse, Ernst ignoriere Forschung die nicht in sein Weltbild passe. Und die Akupunkteure vom Journal of Chinese Medicine bloggten : »Es wäre schön, von einem Professor für Komplementärmedizin etwas mehr Unterstützung zu bekommen.«

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

Als Ernst 1993 als Professor für Komplementär- und Alternativmedizin an die University of Exeter berufen wurde, schien die Welt noch in Ordnung. Der neue Professor hatte selbst einige Monate lang im Münchner Krankenhaus für Naturheilweisen gearbeitet, wo er auch homöopathische Mittel verabreicht hatte. Anschließend hatte er sich als Grundlagenforscher einen Namen gemacht und war dann als Abteilungsleiter an die Universitätsklinik Wien berufen worden, wo ihm 100 Mitarbeiter und Pensionsansprüche rückwirkend zum 18. Lebensjahr zustanden. Diesen Posten hat er aufgegeben, um in die englische Provinz zu kommen. Sogar der Homöopath der Queen war Mitglied der Berufungskommission, die Edzard Ernst für die Stelle in Exeter empfahl, und als Königin Elisabeth zwei Jahre später die Universität besuchte, plauderte sie mit dem deutschen Professor über seine Arbeit.

Es dauerte nicht lange, da waren die Alternativmediziner irritiert. Statt Beweise für die Heilkraft von Globuli und Akupunkturnadeln zu liefern, erforschte Ernst ihre Wirksamkeit mit wissenschaftlichen Methoden. Er organisierte klinische Studien und schrieb Metaanalysen, in denen viele Einzelstudien zu einem Thema kritisch bewertet und zusammengefasst werden. Und er schrieb offen über Nebenwirkungen und Risiken alternativer Heilmethoden.

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Kommentare

635 Kommentare Seite 1 von 43 Kommentieren

Netter Bericht....

Aber es ist nur eine Frage der Zeit bis die Anhänger der "Alternativ"-medizin hier einschlagen und ihren nicht faktengestützten Hokuspokus verteidigen werden.

Die sind ähnlich merkbefreit, wie die ganzen Leugner des menschengemachten Klimawandels, Creotards, RT-Gegner und andere faktenresitente Menschen.

Hilfreich wäre hier eine grundlegende Reihe von Artikeln und Sendungen, die den Leuten auf unterhaltsame Art die Wissenschaft, ihre Arbeitsweise und deren Ergebnisse näher bringt.

Dann könnten sich die Leute viel besser gegen diese ganzen Quacksalber wehren, die ihnen wirkungslosen Dinge andrehen wollen.

Gruß
Oli

Gruß
Oli

Also wirklich

Du hast das lediglich mit einem "eventuell" etwas abgeschwächt. Ansonsten gibst du dich als eigentlich Unbeteiligter aus, was aber schwer vorstellbar ist, wenn du allerorten Aggressivität siehst. Hier stellen einige Leute ganz gelassen die Sachlage dar und du nimmst das anscheinend alles sehr persönlich.

Bitte verzichten Sie auf persönliche Streitigkeiten und diskutieren Sie das Artikelthema. Danke, die Redaktion/lv

Quacksalber auf beiden Seiten

@ZielWasserVermeider": "Hilfreich wäre hier eine grundlegende Reihe von Artikeln und Sendungen, die den Leuten auf unterhaltsame Art die Wissenschaft, ihre Arbeitsweise und deren Ergebnisse näher bringt.
Dann könnten sich die Leute viel besser gegen diese ganzen Quacksalber wehren, die ihnen wirkungslosen Dinge andrehen wollen."

Wohl wahr. Mit ihrem Bashing gegen die Alternativmedizin liegen Sie dennoch falsch. Sie haben offenbar nicht begriffen, worum es in dem Artikel geht.

Der Artikel bzw. die Arbeit der Mediziner ist ein Playdoyer für Evidenzbasierte Medizin! Der Begriff der Evidenzbasierten Medizin steht aber völlig unabhängig von der Unterscheidung zwischen so genannter Schulmedizin und Alternativmedizin.

Schulmedizin ist nämlich nicht gleich Evidenzbasierte Medizin! Es gibt eine ganze Reihe von Verfahren, die seit Jahrzehnten völlig selbstverständlich von Schulmedizinern angewendet und sogar von den gesetzliche Krankenkassen bezahlt werden, die jede Evidenz missen lassen! (Nicht zu reden von einem Großteil der IGeLeistungen) Hier handelt es sich genauso um zu bekämpfende Quacksalberei wie bei den von Ihnen gescholtenen Verfahren.

Nicht zu vergessen auch, dass hier mitnichten allen Verfahren der so genannten Alternativmedizin Wirkungslosigkeit unterstellt wird. Im Gegenteil: Der streng an der Evidenz orientierte Ansatz hat ja auch positive Ergebnisse gebracht.

Als "Anhänger der Schulmedizin" sollte man sich sicher nicht auf der sicheren Seite wähnen!

Sinn von Medizin

Welchen Sinn hat denn bitte ein Heilmittel, wenn es nicht zu einer Verbesserung der Symptome beiträgt?

Ich habe auch so eine "primitive" evidenzbasierte Sichtweise. Diese Sichtweise ist tatsächlich schon ein bisschen älter, besonders populär wurde sie in einem Zeitalter namens Aufklärung. Ihr verdanken wir sämtlichen Fortschritt, den die Menschheit seither gemacht hat.
Für eine nicht evidenzbasierte Sichtweise gibt es auch ein schönes Wort in der Umgangssprache: Aberglaube

Nur die Heilung zählt

Also für mich ist der Sinn der Heilkunde der: Ich habe Beschwerden, gehe zu einem Menschen, der sich mit der Linderung von medizinischen (und/oder psychischen) Beschwerden auskennt, dieser Mensch gibt mir ein Mittel oder verschreibt mir eine Therapie, ich nehme das Medikament ein resp. halte mich an die Therapie - und bin entweder geheilt von den Beschwerden oder sie sind deutlich gelindert.

Wer allerdings Mittel und Therapien verschreibt, bei denen man bei der Mehrzahl der behandelten Menschen keine signifikante Verbesserung des Zustandes resp. Linderung der Beschwerden sieht - auch unter Berücksichtigung, dass Heilung manchmal längere Zeit beansprucht - ist schlicht nicht der Heilkunde kundig. So einfach ist dass. Leider trifft dies in besonderen Mass auf Homöopathen, Akupunkteure, Chiropraktiker und Konsorten zu.

Sich rauszureden, dass man den Erfolg halt manchmal nicht sieht, ist nur ein billiger Taschenspielertrick. Erst den Leuten eine fragwürdige Therapie aufschwatzen, und wenn keine Heilung eintrifft, den Leuten einreden, sie hätten halt den Sinn der Therapie nicht verstanden, dass ist für mich Scharlatanerie.

abstruse Behauptungen

Mit der "primitiven" evidenzbasierten Sichtweise ist die Medizin des 21. Jahrhunderts gut in der Lage ihre Grenzen und Möglichkeiten zu beschreiben. Aber auch die "Alternativmedzin" gibt Heilungsversprechen. Nur wird hier auf Mechanismen verwiesen, die sich grundsätzlich einer systematischen Erkenntnis entziehen. Die Existenz einer "regressiven Vikariation" konnte bisher nicht bewiesen werden. Erst recht nicht deren heilende Effekte bei den Behandelten. Dies erzeugt nicht etwa Zweifel bei den Jüngern sondern ist ihnen Beweis der Primitivität der wissenschaftlichen Methodik.

Zur Behandlung diverser Idiosynkrasien bei Bessergestellten haben diese Methoden ihren Platz. Die Bezeichnung "Alternativmedizin" als Alternative zur wissenschaftlichen Medizin ist schon lächerlich.

Die Homöopathie kennt nur Symptome!

Das ist vor allem vor dem Hintergrund albern, dass Homöopathie vom Grundsatz her nur Symptome kennt. Das ganze Prinzip "Gleiches mit Gleichem" zu heilen läuft darauf hinaus: Löst ein (unverdünntes) Präparat bei einem gesunden (!) Menschen gewisse Symptome (!) aus, dann hilft es (im verdünnten Zustand (!)) gegen eine Krankheit mit gleichen Symptomen. Mehr als Symptome kennt die Homöopathie nicht. Klar, es gibt die Anamnese mit ihrem Hokuspokus, aber das ändert am angeblichen Heilungsprinzip nichts.

Einrede

Es gab vor etlicher Zeit mal eine große Debatte über Homöopathie auf SPON mit etlichen hundert Comments und teilweise wüsten Beschimpfungen, einfach deshalb, weil die Leute immer wieder aneinander vorbei redeten. Es ist sicher besser, das nicht zu wiederholen.

Tatsache ist, dass eine Menge (anderer) Leute mit den kleinen Globuli sonderbar überzeugende Erfahrungen gemacht haben, ohne selbst erklären zu können wieso eigentlich. Ganz subjektiv eben und ganz offenbar unwissenschaftlich.

Witzig ist ja, dass wir von einer Reihe allopathischer Arzneimittel die genauen Wirkmechanismen ebenfalls nicht kennen, sie aber (wohl mit Recht) dem physiochemischen Paradigma zuordnen und uns dann zurücklehnen : alles verstanden! ? Naja!(bezieht sich auf's Zurücklehnen!)

Homöopathie? Placeboeffekt eben. Doppelblindversuche ergeben nichts Signifikantes und die Hinweise der Homöopathen, dass die an das kranke Individuum genau angepasste Gabe möglicherweise solche Art klinischer Tests unangemessen erscheinen lassen, werden als lächerlich zur Seite gewischt. Aber könnte es nicht sein, dass gar kein verrauschter "gesetzmäßiger", sondern ein subtiler individueller Effekt das Geschehen bestimmt und würde dann nicht jede Statistik versagen? Wir haben uns so angewöhnt nach Zusammenhängen in Form von Gesetzen zu suchen, dass wir alles, auch die individuellen Formen und Varianten immer auf Gesetze und ihre direkten oder kombinierten Effekte zurückführen wollen.

Nobelpreis

Das Problem mit der Homöopathie ist, dass sie nicht nur keine Wirkung zu haben scheint, sondern auch noch allem widerspricht, was Einstein und Co. herausgefunden haben. Mit anderen Worten: Es müsste eigentlich langsam mal massenhaft Nobelpreise für Homöopathen regnen. Die Physik wäre gründlich blamiert, Einstein müsste seinen Platz als der Wissenschaftler schlechthin mit Hahnemann tauschen. Klingt das nach Hybris?! http://blog.gwup.net/2010...

@chodo, GWUP

Danke für den link, chodo. Auf der Seite der GWUP (Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung für Parawissenschaften) gibt es auch einen weiteren hervorragenden Artikel zum Thema Homöopathie und Placeboeffekt:

http://www.gwup.org/compo...
(von u.a. Jürgen Windeler, mittlerweile Leiter des IQWiG)

Ist allerdings ziemlich lang und erfordert Mitdenken. Jedenfalls wird sehr schön nachgewiesen, daß für einen Placeboeffekt nicht einmal "falsche" Pillen notwenidg sind, sondern nur ein vertrauenerweckender Arzt. Und er weist- was meines Erachtens viel zu selten geschieht- auf die großen Gefahren des "Nocebo"-Effektes hin.

Titel

Der erste Kommentar hier warnt schon vor den Homöopathiefreunden, und der zweite Kommentar sagt dann das hier:
"[...]die Tatsache, dass homöopathische Heilerfolge meistens anders verlaufen, als wir es von der "Schulmedizin" gewöhnt sind.
[...]
"Während schulmedizinische Behandlungen meistens Symptome zum Verschwinden bringen (Entzündung, Schmerzen usw.), folgen auf eine homöopathische Behandlung häufig Reaktionen, die es zu interpretieren gilt. "

Dass man mit Homöopathie nicht die Symptome angreift ist schon per Definition quatsch. Und wer behauptet denn, dass die Schulmedizin lediglich Symptome behandelt? (Die, die an der Homöopathie verdienen!)

Versuch einer Klärung...

Wieso wiederspricht denn die Homöopathie und ihre Denkweise der RT? Könnten Sie das bitte mal erläutern? (Es scheint da viel Verwirrung der Begriffe zu geben...)

Die einzige Frage, die ich da als bislang ungelöst ansehe, ist, ob man der Seele eine ebenso reale Existenz zubilligt wie dem stofflichen Körper. Tut man das, so ist die homöopathische Denkweise folgerichtig, sinnvoll und weiterführend - dann kann man mit Recht auch Analoga zu den materiellen Stoffen auf einer feineren, nicht-materiellen Ebene annehmen, die mit dem Potenzierungsvorgang aus der materiellen Ebene gelöst, gereinigt und aktiviert werden können - gemäß Hahnemann's Vorstellung, die geistartige Essenz aus dem materiellen Stoff mittels schrittweisem Schütteln und Verdünnen herauslösen zu können. Seine Behandlungsergebnisse und die Rückmeldungen seiner und vieler Patienten späterer Homöopathen scheinen ihm Recht zu geben.

Aus meiner Sicht ist die Homöopathie eine Erweiterung unserer materiellen Weltsicht, sie ersetzt weder die Wissenschaften der Biologie noch die Chemie oder die Physik. All das, alle Entdeckungen und gefundenen Gesetze bleiben voll gültig. Es geht "nur" darum, ob unsere Welt wirklich primär aus Materie besteht oder ob das Primäre das Geistig-Seelische ist. (Hinweise aus der modernen Teilchenphysik deuten darauf hin, dass der Materie etwas "nicht-materielles" im Sinne unseres normalen Sprachgebrauches zugrunde liegen könnte.)

Dazu möchte ich anmerken:

"Mehr als Symptome kennt die Homöopathie nicht. Klar, es gibt die Anamnese mit ihrem Hokuspokus, aber das ändert am angeblichen Heilungsprinzip nichts."

Andere bekommen von der Krankenkasse eine Psychotherapie bezahlt, und die Anamnese dürfte eine ähnliche Wirkung haben - jemand nimmt sich Zeit und hört zu. Und dann bekommt man von dieser Person auch noch zusätzlich "Medikamente". Ich denke, bei vielen Leiden dürfte das schon weiterhelfen, v.a. weil ja auch die Selbstheilungskräfte des Körpers mithelfen.

Man sollte auch nicht vergessen, dass v.a. diejenigen, denen diese "Alternativmedizin" nicht geschadet hat bzw. die aus anderen Gründen gesund wurden, sich bevorzugt zu Wort melden. Diejenigen, bei denen es nicht geholfen hat, und das dürfe die Mehrheit sein, gilt wohl eher "aber geschadet hat es ja auch nicht...", aber das erzählt man natürlich nicht mit Missionseifer...

Und zu der Aussage "wirkt sogut wie Placebo" möchte ich mal was sagen: bei der normalen evidenzbasierten Schulmedizin wird eine neue Medikamentation entweder gegen Placebo oder aber gegen bereits genutzte andere Substanzen getestet. Nur, wenn ein signifikanter Unterschied in der Wirkung (!) gegenüber Placebo bzw. Altmedikamentation festgestellt wird, bekommt es unter Umständen eine Zulassung (kommt ja auch auf die Nebenwirkungen an).

Symptomlinderung

Vor einiger Zeit laß ich einen Artikel über Rückenschmerzen (war ein Spiegel-Titel) und da war eine Aussage eines Spezialisten, dass manchmal Leute mit super aussehenden wirbelsäulen rückenschmerzen hätten, und Leute bei denen das Röntgenbild ganze furchtbare Schäden zeige schmerzfrei seien. und er sagte sinngemäß: Eigentlich gehts um die Lebensqualität.

Und dem kann ich mich anschließen: "Ganz Gesund" ist eh eine Illusion - es soll mir möglichst lange gut gehen, dann bin ich zufrieden. Wenn ich dann irgendwann (hoffentlich im hohen Alter) den Löffel abgebe, ist die Diskussion um den genauen Grund eh egal.

Von daher bin ich ein Anhänger der Symptomlinderung. (Zumal man das ja eh nie ganz trennen kann, denn die Symptome der einen Krankheit (z.b. Schmerzen)können die Ursache der nächsten Krankheit sein (z.b. Gelenkprobleme aufgrund der Vermeidungshaltung der Urpsrungsschmerzen.

...und da ist schon der Erste(im zweiten Kommentar)

Ohne näheres über den im Artikel beschriebenen Professor zu wissen wird ihm direkt jeglichen Wissen aberkannt. Vermutlich wurde er nur als Scherz Professor und jene die ihn berufen haben wussten auch nicht was sie da tun. Wie alle Anderen, die nicht mit der eigenen Meinung übereinstimmen, auch.
Es ist immer wieder schön wenn an Stelle mit fundierten Argumenten zu diskutieren direkt versucht wird den Diskussionsgegner zu diskreditieren.
Schade nur, daß solche Verhaltensweisen die Naturheilkunde mit in Verruf gebracht wird.
Nein, entgegen landläufiger Vorurteile sind Naturheilkunde und Alternativmedizin nicht das Gleiche.

Ich halte es im übrigen für grob fahrlässig den Auslöser einer chronischen Entzündung erneut aufflammen zu lassen und somit billigend in Kauf zu nehmen, die Überempfindlichkeit noch zu verstärken.

Eine Anwendung, deren Wirkung (welcher Art auch immer) sich nicht beweisen sonder nur interpretieren lässt, fällt nach gängigen Definitionen nicht unter Wissenschaft sondern Glaube und damit Religion.

@ Taranis

"Nein, entgegen landläufiger Vorurteile sind Naturheilkunde und Alternativmedizin nicht das Gleiche."

Völlig richtig. Gleichzeitig wird aber oftmals dem ebenfalls gefährlichen Irrglauben angehangen, daß Naturheilkunde- weil "rein pflanzlich"- grundsätzlich "sanfter" und "natürlicher" ist als "chemische" Medizin.
Das ebenfalls erwähnte Johanniskraut ist ein gutes Beispiel: es wirkt zwar gegen (leichte bis mittelschwere) Depressionen, hat aber natürlich auch Nebenwirkungen. Erstens erhöht es die UV-Empfindlichkeit der Haut, d.h. erhöhte Sonnenbrand- und im Extremfall Hautkrebsgefahr. Zweitens beeinträchtigt es die Wirkung der Pille. Das sollte man wissen, bevor man denkt "Oh, super, lieber ein lecker billiges Teechen als irgendwelche bunten Pillen einzuwerfen."
Wenn man sich über den Grundsatz "alles, was eine Wirkung hat, hat auch eine Nebenwirkung" im klaren ist und sich da jeweils informiert, ist ein Teechen oftmals tatsächlich eine gute Alternative (sic!) zu Arztbesuch und Medikamentenarsenal.

"Das ebenfalls erwähnte Johanniskraut ist ein gutes Beispiel:"

Es gibt in der "Natur" ja nun genügend Substanzen, die eine ziemlich heftige Wirkung haben können, denn immer macht die Dosis das Gift. Seltsam ist oft der Aberglaube an die Heilkraft einzelner Substanzen: Vitamine schlucken die Leute in viel zu hohen Dosen, aber auf die Idee, sich fünf Esslöffel Salz über die Salzkartoffeln zu schütten, ist glaub ich noch keiner gekommen. Dabei ist Salz lebenswichtig, und unsere lieben kleinen grauen Zellen können überhaupt nicht ohne (und alle anderen auch nicht).

Und für alle anderen mal in Erinnerung gerufen: man sollte sich von der Ausnahme von der Regel (bzw. von scheinbaren Ausnahmen) nicht ins Bockshorn jagen lassen! Genauso wie es bekannte Raucher gibt, die ein fast schon biblisches Alter erreicht haben, ist Zigarettenkonsum schädlich und verkürzt im Durchschnitt die Lebenserwartung. Und ohne evidenzbasierte Medizin würden wir immer noch im finstersten Mittelalter leben.