Edzard Ernst Edzard gegen Charles

Edzard Ernst erforscht die Alternativmedizin mit wissenschaftlichen Methoden – und ernüchternden Resultaten. Damit hat er sich viele Feinde gemacht, bis ins britische Königshaus. Als seine Universität ihn loswerden wollte, kam es zum Machtkampf.

Es ist schon Mittag, aber noch ruhig. Keine Hassmails von Homöopathen, keine Briefe von Anwälten, kein Ärger mit Prinz Charles. Aber das kann ja noch kommen. Edzard Ernst sitzt im Restaurant der Royal Society of Medicine in London und bestellt ein Sirloin-Steak medium rare, dazu Wasser, keinen Wein, er muss noch Vorträge halten. Mit Lesebrille, Schnauzbart und Doppelkinn sieht er sehr britisch aus, aber vielleicht ist das Einbildung, jedenfalls ist Ernst, geboren 1948 in Wiesbaden, seit zwölf Jahren britischer Staatsbürger. Er liebt dieses Land, er sagt: »Man wird hier nicht nach der Größe des Autos beurteilt.« Nur die Sache mit dem Königshaus, die könne man sich als Deutscher nicht vorstellen.

Am Morgen hat er drei Twittermeldungen abgesetzt und ist dann mit dem Zug von Exeter nach London gefahren. Am Nachmittag wird er als Hauptredner auf dem Kongress Evidence 2011 erwartet, anschließend hat er einen Termin mit Medizinstudenten in einem Krankenhaus. Er will über Homöopathie, Akupunktur und Chiropraktik reden. Über Ethik in der Medizin. Und über den Prinzen, natürlich.

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Prinz Charles könnte der nächste König Großbritanniens werden, er ist ein Anhänger der Homöopathie und hat eine Firma, die vor zwei Jahren Tropfen auf Artischockenbasis zur vermeintlichen Entgiftung des Körpers auf den Markt gebracht hat. Edzard Ernst ist Professor für Alternativmedizin an der University of Exeter und erforscht Nutzen und Risiken alternativer Heilmethoden, er hat die Artischockentropfen als Quacksalberei bezeichnet und den Prinzen einen Schlangenöl-Verkäufer genannt. Es war der Höhepunkt einer Fehde, zu der Prinz Charles sich nie öffentlich äußerte. Glaubt man Ernst, hat Charles jedoch alles darangesetzt, den Professor zum Schweigen zu bringen.

Edzard Ernst

Sein Vater und sein Großvater waren Ärzte, Edzard Ernst folgte ihrem Vorbild. In München studierte er Medizin, den Unterhalt verdiente er sich als Schlagzeuger in einer Jazzband. 1988 wurde er als Professor an die Medizinische Hochschule Hannover berufen, 1990 an die Medizinische Universität Wien, 1993 als Großbritanniens erster Professor für Alternativmedizin an die University of Exeter. »Nichts in meinem Leben war geplant«, sagt Ernst. »Es war das reinste Chaos.«

Die beiden sind Stellvertreter in einer Auseinandersetzung, die mit zunehmender Aggressivität geführt wird. Die Fronten verlaufen quer durch politische Parteien und Bevölkerung, in England wie in Deutschland. Es geht um Geld, Macht und Leid, um Lug und Trug. Wirkt die Homöopathie besser als ein Placebo? Sind Akupunktur und Chiropraktik gefährlich? Lässt sich die Alternativmedizin überhaupt wissenschaftlich erforschen? Und wer soll das alles bezahlen?

Edzard Ernst ist heute der Buhmann der Alternativmediziner. Er habe gar keine homöopathische Ausbildung, schimpfte im vergangenen Jahr der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte, außerdem seien dem Professor wichtige Arbeiten zur Homöopathie unbekannt. Die Ständeorganisation der britischen Chiropraktiker – sie glauben, dass viele Leiden auf Probleme mit der Wirbelsäule zurückgehen – schrieb an die Presse, Ernst ignoriere Forschung die nicht in sein Weltbild passe. Und die Akupunkteure vom Journal of Chinese Medicine bloggten: »Es wäre schön, von einem Professor für Komplementärmedizin etwas mehr Unterstützung zu bekommen.«

ZEIT Wissen 1/2012
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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Als Ernst 1993 als Professor für Komplementär- und Alternativmedizin an die University of Exeter berufen wurde, schien die Welt noch in Ordnung. Der neue Professor hatte selbst einige Monate lang im Münchner Krankenhaus für Naturheilweisen gearbeitet, wo er auch homöopathische Mittel verabreicht hatte. Anschließend hatte er sich als Grundlagenforscher einen Namen gemacht und war dann als Abteilungsleiter an die Universitätsklinik Wien berufen worden, wo ihm 100 Mitarbeiter und Pensionsansprüche rückwirkend zum 18. Lebensjahr zustanden. Diesen Posten hat er aufgegeben, um in die englische Provinz zu kommen. Sogar der Homöopath der Queen war Mitglied der Berufungskommission, die Edzard Ernst für die Stelle in Exeter empfahl, und als Königin Elisabeth zwei Jahre später die Universität besuchte, plauderte sie mit dem deutschen Professor über seine Arbeit.

Es dauerte nicht lange, da waren die Alternativmediziner irritiert. Statt Beweise für die Heilkraft von Globuli und Akupunkturnadeln zu liefern, erforschte Ernst ihre Wirksamkeit mit wissenschaftlichen Methoden. Er organisierte klinische Studien und schrieb Metaanalysen, in denen viele Einzelstudien zu einem Thema kritisch bewertet und zusammengefasst werden. Und er schrieb offen über Nebenwirkungen und Risiken alternativer Heilmethoden.

Einige Chiropraktiker zum Beispiel behandeln selbst Asthma, ADHS und Migräne durch Drücken und Schieben von Wirbeln. Doch je mehr Fachartikel Edzard Ernst und seine Mitarbeiter unter die Lupe nahmen, desto fragwürdiger erschienen die vermeintlichen Therapieerfolge. Im Lindern von Rückenschmerzen, so das Ergebnis, ist das Knochenrichten mäßig erfolgreich, aber nicht besser als eine konventionelle Behandlung. Und dafür, dass die Chiropraktik gegen Asthma oder Migräne hilft, gibt es keine stichhaltigen Belege. Wohl aber für gefährliche Nebenwirkungen: Vor allem Arterien können durch das Rückendrücken und Nackenrecken beschädigt werden. Edzard Ernst zählte rund 500 gravierende Fälle, inklusive Schlaganfall und Querschnittslähmung, außerdem Todesfälle »in der Größenordnung von 100«, und dies, sagt er, »ist wohl nur die Spitze des Eisbergs«. Chiropraktik sei von allen alternativen Therapieformen die gefährlichste.

Simon Singh, der gemeinsam mit Edzard Ernst das Buch Gesund ohne Pillen geschrieben hat, wurde vom Verband der britischen Chiropraktiker wegen ähnlicher Äußerungen verklagt: Er hatte behauptet, der Verband propagiere »Lügentherapien«. Ein Berufungsgericht wies die Klage ab.

Als Student ging Edzard Ernst 1968 mit seinen Kommilitonen in München auf die Straße, er trug eines dieser Schilder: »Trau keinem über 30«. Als Professor in Wien schockierte er seine Kollegen mit einem Artikel über die Nazivergangenheit der Fakultät. Und nun, als Professor für Alternativmedizin, ist er wieder der Nestbeschmutzer. Ernst sägt an seinem Steak und schmunzelt. Er sagt: »Ich suche nicht die Kontroverse. Aber ich gehe ihr auch nicht aus dem Weg.«

Er sei kein Gegner der Alternativmedizin, beteuert Ernst. Tatsächlich finden sich in den mehr als 1.000 Veröffentlichungen seiner Forschungsgruppe einige über positive Wirkungen alternativer Arzneien, vor allem von Kräutern. Johanniskraut zum Beispiel wirkt besser als ein Placebo gegen schwache bis mittelschwere Depression. Ernsts wahre Mission aber ist eine andere: Er will zeigen, dass sich die Alternativmedizin mit wissenschaftlichen Methoden erforschen lässt, und zwar selbst so eine individualisierte und bizarre Behandlung wie die Homöopathie.

Homöopathen verordnen zwei Patienten, die etwa über Kopfschmerzen klagen, womöglich unterschiedliche Mittel. Wie sollte man dies in einer klinischen Studie mit vielen Patienten berücksichtigen? Zudem widerspricht das behauptete Wirkprinzip der Naturwissenschaft. In den hoch verdünnten Arzneien ist oft kein einziges Molekül des Wirkstoffs vorhanden, angeblich wird beim Verdünnen Information übertragen. Wie kann eine unwissenschaftliche Therapie wissenschaftlich getestet werden? Ernst zeigte, dass es geht.

Er rekrutierte drei Homöopathen, um Kinder mit Asthma zu behandeln. 96 Kinder wurden aufgeteilt: Die eine Gruppe sollte ein Placebo bekommen, die andere homöopathische Globuli. Weder die Kinder noch die Eltern oder die Homöopathen wussten, welcher Gruppe ein Kind angehörte. Die Homöopathen verschrieben jedem Kind das Mittel ihrer Wahl, dann faxten sie das Rezept an eine Londoner Apotheke, die Apotheke schickte Globuli und Placebo (nur mit »A« und »B« gekennzeichnet) an den Notar, und dieser händigte – nach Abgleich mit der Liste – eines von beiden den Eltern aus.

Die Studie erfüllte den höchsten Standard der evidenzbasierten Medizin: Sie war »randomisiert«, weil die Kinder per Zufallsgenerator ausgewählt wurden, »placebokontrolliert«, weil sie die Medizin mit der Wirkung eines Placebos verglich, und sie war »doppelblind«, weil weder die Homöopathen noch die Kinder wussten, wer das Placebo und wer die mutmaßliche Medizin schluckte. Das Ergebnis war ernüchternd: Die Globuli wirkten nicht besser als das Placebo.

Bis heute sind etwa 200 hochwertige Studien zur Homöopathie erschienen. In der Gesamtschau, sagt Ernst, »zeigen sie, dass die Homöopathie für keine Indikation besser ist als ein Placebo«. Das Kapitel Homöopathie ist für ihn abgeschlossen. Nur seine Frau, eine Französin, sagt noch manchmal, er sehe aus wie Samuel Hahnemann, der Vater der Homöopathie. Dann will sie ihn ärgern.

Was aber ist mit den unzähligen Patienten, die auf homöopathische Mittel schwören? Irren sie sich alle? »Anekdoten führen uns in der Medizin nicht weiter«, sagt Ernst. Er meint Einzelfälle, die von keiner Statistik erfasst werden. »Wir haben in der Medizin Fortschritte gemacht, als wir vor 150 Jahren aufgehört haben, uns an Anekdoten zu orientieren.«

Andererseits: Wenn Globuli genauso wirken wie ein Placebo, könnte man sie dann nicht als Placebo verschreiben? Kann es Patienten nicht egal sein, warum das Mittel wirkt? Darüber will Ernst am Abend mit Medizinstudenten diskutieren. Vorher fährt er zum Evidence-Kongress in einem Hotel im Londoner Westen.

Im Foyer trifft er einen früheren Mitarbeiter aus Südkorea, Myeong Soo Lee. In Südkorea sei Ernst sehr bekannt, weil er viele Studien zur Akupunktur publiziert habe, erzählt Lee. Für placebokontrollierte Studien hat Ernst Teleskopnadeln erfunden: Der Patient denkt, die Nadeln stechen unter die Haut, in Wirklichkeit schieben sie sich zusammen. Die traditionelle Akupunktur, so das Ergebnis der Studien, wirkt in den meisten Fällen nicht anders als diese Scheinakupunktur. Lee lächelt. Er sagt: »Viele traditionelle Ärzte bei uns mögen ihn nicht.«

Um zwanzig nach vier steht Edzard Ernst auf einer Bühne vor rund 300 Medizinern aus aller Welt. Sie haben ihn mit Applaus begrüßt. Für ihn ist dies ein Heimspiel, die meisten sind auf seiner Seite. Ernst führt mit sanfter Stimme durch seine Präsentation, er rechnet mit den Chiropraktikern ab und wirft den Homöopathen Desinformation vor, er zeigt auch ein Foto von Prinz Charles beim Besuch eines Globuli-Herstellers. »Sollten wir vor der Alternativmedizin warnen wie vor dem Rauchen?«, fragt eine Ärztin. »Wenn wir das tun«, antwortet Ernst, »verlieren wir die Menschen. Wir leben in einem freien Land. Wir sollten einfach unvoreingenommen informieren.«

Nur wie? Ernst hat Hunderte Vorträge vor Alternativmedizinern gehalten und endlos mit ihnen diskutiert, auch in Internetforen. Er redete von randomisierten placebokontrollierten Studien, die anderen redeten von Heilungserfolgen. Es frustrierte ihn: »Manchmal kam ich mir vor wie der Nationaltrainer. Jeder Depp redet einem rein.« Klingt arrogant? »Ich spreche auf Basis der Evidenz«, sagt er, und Medizin ohne Evidenz, das sei wie ein Auto ohne Räder. Edzard Ernst hat die Wahrheit auf seiner Seite. So sieht er das.

Und weil die anderen das nicht verstanden, änderte er seine Strategie. Er gab Interviews und schrieb Kolumnen über seine Forschung für Zeitungen. Für die Presse wurde er zu Großbritanniens führendem quackbuster, zum Scharlatan-Schreck. Er begann zu bloggen, und vor fünf Jahren zeigte ihm seine Sekretärin, wie man twittert, er hat inzwischen 3.600 Follower. Auf diesem Kanal wird er mitunter sarkastisch, etwa wenn mal wieder ein Kind gestorben ist, weil es mit Globuli statt Antibiotikum behandelt wurde. »Ein weiteres Opfer der Homöopathie?«, twittert er dann und verlinkt auf den Zeitungsartikel.

Edzard Ernst hat seine Krawatte und sein Jackett abgelegt, als er am Abend vor 30 Studenten im Hörsaal des St George’s Hospital steht. Er hat hier selbst mal geforscht, 31 Jahre ist das jetzt her. Vor ihm sitzen angehende Ärztinnen und Ärzte. Einer von ihnen stellt die Frage, auf die Ernst gewartet hat: Ob man Globuli als Placebo verschreiben solle, das sei doch billiger als eine konventionelle Arznei, und man nutze den Placeboeffekt. »Es wäre unethisch«, erwidert Ernst. Wenn der Arzt behaupte, das Mittel werde dem Patienten helfen, dann würde er entweder lügen oder die wissenschaftliche Evidenz ignorieren. Er dürfe dem Kranken die wirksamen Präparate nicht vorenthalten. Und dann erzählt Ernst den Studenten die Vorgeschichte seines Streits mit Prinz Charles.

Vor sieben Jahren untersuchte eine von Prinz Charles beauftragte Kommission den Nutzen der Alternativmedizin. Edzard Ernst war Mitglied der Expertengruppe, er wurde für den Bericht ausführlich interviewt, doch der Entwurf, den er schließlich zu sehen bekam, schockierte ihn. Wenn jeder zehnte Arzt statt konventioneller Arznei homöopathische Mittel verordnen würde, hieß es darin, könne man 480 Millionen britische Pfund einsparen. Auch dass Homöopathie gegen Asthma helfe, stand in dem Bericht. Edzard Ernst protestierte – und trat aus der Kommission aus. Als ihn ein Reporter der Times, der den Entwurf zugespielt bekommen hatte, anrief, klagte Ernst über die haarsträubenden und fehlerhaften Schlussfolgerungen – und fügte hinzu: »Es scheint, als habe der Prinz seine verfassungsgemäßen Kompetenzen überschritten.« Die Times druckte die Story auf ihrer Titelseite.

Kurze Zeit später erhielt Steve Smith, der Vizekanzler der University of Exeter, einen Brief vom persönlichen Sekretär des Prinzen. Professor Ernst habe die vereinbarte Vertraulichkeit verletzt. Es folgte ein Disziplinarverfahren, doch nach gut einem Jahr wurde Ernst von allen Vorwürfen freigesprochen. Es half nichts, seine Abteilung sollte geschlossen werden. »Ich habe mich wie eine Persona non grata gefühlt«, sagt Ernst heute, »meine Vorgesetzten haben mich behandelt wie Dreck am Ärmel.« Wütend ist er vor allem auf Steve Smith und John Tooke, den damaligen Dekan der medizinischen Fakultät.

Als Tooke an das University College London wechselte, machte Ernst mit dem neuen Dekan einen Deal: Er werde frühzeitig in Pension gehen, wenn seine Abteilung erhalten bleibe. Ein Sprecher der Universität bestreitet, dass es so eine Abmachung gegeben habe. Unbestritten ist allerdings, dass Edzard Ernst im Mai ein kleineres Büro bezog. Er hat nun einen Beratervertrag, arbeitet halbtags, und wenn sein Nachfolger berufen ist, wird er mit seiner Frau in das Ferienhäuschen an der englischen Ostküste ziehen. Dort will er ein Buch über seine Zeit in Exeter schreiben, über den Professor und den Prinzen.

Steve Smith und John Tooke wurden inzwischen zum Ritter geadelt.

 
Leser-Kommentare
  1. Aber es ist nur eine Frage der Zeit bis die Anhänger der "Alternativ"-medizin hier einschlagen und ihren nicht faktengestützten Hokuspokus verteidigen werden.

    Die sind ähnlich merkbefreit, wie die ganzen Leugner des menschengemachten Klimawandels, Creotards, RT-Gegner und andere faktenresitente Menschen.

    Hilfreich wäre hier eine grundlegende Reihe von Artikeln und Sendungen, die den Leuten auf unterhaltsame Art die Wissenschaft, ihre Arbeitsweise und deren Ergebnisse näher bringt.

    Dann könnten sich die Leute viel besser gegen diese ganzen Quacksalber wehren, die ihnen wirkungslosen Dinge andrehen wollen.

    Gruß
    Oli

    Gruß
    Oli

    21 Leser-Empfehlungen
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    Sie schreiben:
    "Hilfreich wäre hier eine grundlegende Reihe von Artikeln und Sendungen, die den Leuten auf unterhaltsame Art die Wissenschaft, ihre Arbeitsweise und deren Ergebnisse näher bringt.
    Dann könnten sich die Leute viel besser gegen diese ganzen Quacksalber wehren, die ihnen wirkungslosen Dinge andrehen wollen."

    Ich schätze, man könnte Millionen solcher Pamphlete produzieren, es hätte aber nicht den gewünschten Effekt.

    Das liegt schlichtweg daran, dass jemand, der eine Idee "verkaufen" möchte (in diesem Fall die Idee "Homöopathie" wirkt nicht), keinerlei Erfolg hat, wenn er den potentiellen Gegner seiner Meinung mittel- oder unmittelbar als Idioten hinstellt oder persönlich zu beleidigen sucht.

    Das ist wie in politischen Debatten auch. Man erreicht mit persönlichen Beleidigungen nur die Klientel, die ohnehin schon immer auf der eigenen Seite stand.

    Ich selbst habe keine festgeschriebene Meinung zur Homöopathie, nutze sie aber auch nicht. Was mir in öffentlichen Diskussionen (vor allem im Internet) aber auffällt, ist die Tatsache, dass der Stil persönlicher Beleidigungen und Verunglimpfungen zu 95% von den Gegnern der Homöopathie gegenüber den Befürwortern angewendet wird
    und nicht umgekehrt.

    Daraus schlussfolgere ich, dass eventuell doch etwas dran sein könnte, denn der Beleidiger hat in Diskussionen nur selten recht, aber meistens ein ganz perönliches Problem.

    ;)

    @ZielWasserVermeider": "Hilfreich wäre hier eine grundlegende Reihe von Artikeln und Sendungen, die den Leuten auf unterhaltsame Art die Wissenschaft, ihre Arbeitsweise und deren Ergebnisse näher bringt.
    Dann könnten sich die Leute viel besser gegen diese ganzen Quacksalber wehren, die ihnen wirkungslosen Dinge andrehen wollen."

    Wohl wahr. Mit ihrem Bashing gegen die Alternativmedizin liegen Sie dennoch falsch. Sie haben offenbar nicht begriffen, worum es in dem Artikel geht.

    Der Artikel bzw. die Arbeit der Mediziner ist ein Playdoyer für Evidenzbasierte Medizin! Der Begriff der Evidenzbasierten Medizin steht aber völlig unabhängig von der Unterscheidung zwischen so genannter Schulmedizin und Alternativmedizin.

    Schulmedizin ist nämlich nicht gleich Evidenzbasierte Medizin! Es gibt eine ganze Reihe von Verfahren, die seit Jahrzehnten völlig selbstverständlich von Schulmedizinern angewendet und sogar von den gesetzliche Krankenkassen bezahlt werden, die jede Evidenz missen lassen! (Nicht zu reden von einem Großteil der IGeLeistungen) Hier handelt es sich genauso um zu bekämpfende Quacksalberei wie bei den von Ihnen gescholtenen Verfahren.

    Nicht zu vergessen auch, dass hier mitnichten allen Verfahren der so genannten Alternativmedizin Wirkungslosigkeit unterstellt wird. Im Gegenteil: Der streng an der Evidenz orientierte Ansatz hat ja auch positive Ergebnisse gebracht.

    Als "Anhänger der Schulmedizin" sollte man sich sicher nicht auf der sicheren Seite wähnen!

    Es wundert mich immer wieder wie viel Unverstand in die Köpfe mancher Menschen passt. Wenn ich schon so ein Wort lese wie "faktengestützt". Oh, Mann! Wer alternative Medizin als Hokuspokus bezeichnet, disqualifiziert sich selbst. Es ist auch dumm und überhaupt nicht wissenschaftlich, die Wirkung homöopathischer Mittel und Heilungsweisen in Laboren wissenschaftlich zu erklären.Natürlich ist es auch unerträglich die Schulmedizin per se als Teufelszeug zu bezeichnen. Alles an seinem Platze. Schließlich gibt es zigtausende Krankheitsfälle, wo die Schulmedizin nicht nur kläglich versagt hat, sondern die Gesundheit der Patienten irreversibel zerstörte. Und es gibt zigtausende Fälle, wo die Schulmedizin schon alles aufgegeben hat und alternative Heilmethoden zur vollkommenden Wiederherstellung der Patientengesundheit führten. Andererseits ist z.B. die Unfallmedizin ein Bereich, wo alternative Heilmethoden kaum wirksam sein können, die Schulmedizin aber immer wieder grandiose Erfolge erzielen kann. Wir brauchen beides. [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

    Sie schreiben:
    "Hilfreich wäre hier eine grundlegende Reihe von Artikeln und Sendungen, die den Leuten auf unterhaltsame Art die Wissenschaft, ihre Arbeitsweise und deren Ergebnisse näher bringt.
    Dann könnten sich die Leute viel besser gegen diese ganzen Quacksalber wehren, die ihnen wirkungslosen Dinge andrehen wollen."

    Ich schätze, man könnte Millionen solcher Pamphlete produzieren, es hätte aber nicht den gewünschten Effekt.

    Das liegt schlichtweg daran, dass jemand, der eine Idee "verkaufen" möchte (in diesem Fall die Idee "Homöopathie" wirkt nicht), keinerlei Erfolg hat, wenn er den potentiellen Gegner seiner Meinung mittel- oder unmittelbar als Idioten hinstellt oder persönlich zu beleidigen sucht.

    Das ist wie in politischen Debatten auch. Man erreicht mit persönlichen Beleidigungen nur die Klientel, die ohnehin schon immer auf der eigenen Seite stand.

    Ich selbst habe keine festgeschriebene Meinung zur Homöopathie, nutze sie aber auch nicht. Was mir in öffentlichen Diskussionen (vor allem im Internet) aber auffällt, ist die Tatsache, dass der Stil persönlicher Beleidigungen und Verunglimpfungen zu 95% von den Gegnern der Homöopathie gegenüber den Befürwortern angewendet wird
    und nicht umgekehrt.

    Daraus schlussfolgere ich, dass eventuell doch etwas dran sein könnte, denn der Beleidiger hat in Diskussionen nur selten recht, aber meistens ein ganz perönliches Problem.

    ;)

    @ZielWasserVermeider": "Hilfreich wäre hier eine grundlegende Reihe von Artikeln und Sendungen, die den Leuten auf unterhaltsame Art die Wissenschaft, ihre Arbeitsweise und deren Ergebnisse näher bringt.
    Dann könnten sich die Leute viel besser gegen diese ganzen Quacksalber wehren, die ihnen wirkungslosen Dinge andrehen wollen."

    Wohl wahr. Mit ihrem Bashing gegen die Alternativmedizin liegen Sie dennoch falsch. Sie haben offenbar nicht begriffen, worum es in dem Artikel geht.

    Der Artikel bzw. die Arbeit der Mediziner ist ein Playdoyer für Evidenzbasierte Medizin! Der Begriff der Evidenzbasierten Medizin steht aber völlig unabhängig von der Unterscheidung zwischen so genannter Schulmedizin und Alternativmedizin.

    Schulmedizin ist nämlich nicht gleich Evidenzbasierte Medizin! Es gibt eine ganze Reihe von Verfahren, die seit Jahrzehnten völlig selbstverständlich von Schulmedizinern angewendet und sogar von den gesetzliche Krankenkassen bezahlt werden, die jede Evidenz missen lassen! (Nicht zu reden von einem Großteil der IGeLeistungen) Hier handelt es sich genauso um zu bekämpfende Quacksalberei wie bei den von Ihnen gescholtenen Verfahren.

    Nicht zu vergessen auch, dass hier mitnichten allen Verfahren der so genannten Alternativmedizin Wirkungslosigkeit unterstellt wird. Im Gegenteil: Der streng an der Evidenz orientierte Ansatz hat ja auch positive Ergebnisse gebracht.

    Als "Anhänger der Schulmedizin" sollte man sich sicher nicht auf der sicheren Seite wähnen!

    Es wundert mich immer wieder wie viel Unverstand in die Köpfe mancher Menschen passt. Wenn ich schon so ein Wort lese wie "faktengestützt". Oh, Mann! Wer alternative Medizin als Hokuspokus bezeichnet, disqualifiziert sich selbst. Es ist auch dumm und überhaupt nicht wissenschaftlich, die Wirkung homöopathischer Mittel und Heilungsweisen in Laboren wissenschaftlich zu erklären.Natürlich ist es auch unerträglich die Schulmedizin per se als Teufelszeug zu bezeichnen. Alles an seinem Platze. Schließlich gibt es zigtausende Krankheitsfälle, wo die Schulmedizin nicht nur kläglich versagt hat, sondern die Gesundheit der Patienten irreversibel zerstörte. Und es gibt zigtausende Fälle, wo die Schulmedizin schon alles aufgegeben hat und alternative Heilmethoden zur vollkommenden Wiederherstellung der Patientengesundheit führten. Andererseits ist z.B. die Unfallmedizin ein Bereich, wo alternative Heilmethoden kaum wirksam sein können, die Schulmedizin aber immer wieder grandiose Erfolge erzielen kann. Wir brauchen beides. [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

  2. »Ich spreche auf Basis der Evidenz«, sagt er...

    ...und genau dort ist der Hacken.

    Ich denke nicht, dass Prof. Ernst den Titel "Prof. für Alternativmedizin" zurecht trägt. "In dieser Zeit hat er auch Globuli verschrieben" - das ist nun wirklich kein Beweis, dass er von Homöopathie etwas versteht.

    Sein Versuch mit der randomisierten Doppelblindstudie in allen Ehren, aber was der Herr Prof. dabei übersieht (muß er auch, da ihm das notige Wissen fehlt) ist die Tatsache, dass homöopathische Heilerfolge meistens anders verlaufen, als wir es von der "Schulmedizin" gewöhnt sind.

    Während schulmedizinische Behandlungen meistens Symptome zum Verschwinden bringen (Entzündung, Schmerzen usw.), folgen auf eine homöopathische Behandlung häufig Reaktionen, die es zu interpretieren gilt. Gerade bei Asthma können auch latent vorhandene Primärerkrankungen (meistens die Asthmaauslöser) wieder auftreten, eine Voraussetzung für eine kausale Heilung (regressive Vikariation).

    Für Herrn Prof. Ernst gibt es aber nur die etwas primitive evidenzbasierte Sichtweise: Medikament einnehmen und beobachten, ob das Symptom, bzw. Symptome verschwinden bzw. sich bessern.

    Ich denke nicht, dass diese Sichtweise den komplizierten Abläufen und Störungen in der Physis und Psyche eines Menschen gerecht werden. Sie ist eher in der Lage kurzfrisitge Erfolge zu erzielen, aber nur allzu oft auf Kosten einer langfristigen Gesundheit.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Dok06
    • 28.01.2012 um 17:26 Uhr

    Welchen Sinn hat denn bitte ein Heilmittel, wenn es nicht zu einer Verbesserung der Symptome beiträgt?

    Ich habe auch so eine "primitive" evidenzbasierte Sichtweise. Diese Sichtweise ist tatsächlich schon ein bisschen älter, besonders populär wurde sie in einem Zeitalter namens Aufklärung. Ihr verdanken wir sämtlichen Fortschritt, den die Menschheit seither gemacht hat.
    Für eine nicht evidenzbasierte Sichtweise gibt es auch ein schönes Wort in der Umgangssprache: Aberglaube

    Also für mich ist der Sinn der Heilkunde der: Ich habe Beschwerden, gehe zu einem Menschen, der sich mit der Linderung von medizinischen (und/oder psychischen) Beschwerden auskennt, dieser Mensch gibt mir ein Mittel oder verschreibt mir eine Therapie, ich nehme das Medikament ein resp. halte mich an die Therapie - und bin entweder geheilt von den Beschwerden oder sie sind deutlich gelindert.

    Wer allerdings Mittel und Therapien verschreibt, bei denen man bei der Mehrzahl der behandelten Menschen keine signifikante Verbesserung des Zustandes resp. Linderung der Beschwerden sieht - auch unter Berücksichtigung, dass Heilung manchmal längere Zeit beansprucht - ist schlicht nicht der Heilkunde kundig. So einfach ist dass. Leider trifft dies in besonderen Mass auf Homöopathen, Akupunkteure, Chiropraktiker und Konsorten zu.

    Sich rauszureden, dass man den Erfolg halt manchmal nicht sieht, ist nur ein billiger Taschenspielertrick. Erst den Leuten eine fragwürdige Therapie aufschwatzen, und wenn keine Heilung eintrifft, den Leuten einreden, sie hätten halt den Sinn der Therapie nicht verstanden, dass ist für mich Scharlatanerie.

    Mit der "primitiven" evidenzbasierten Sichtweise ist die Medizin des 21. Jahrhunderts gut in der Lage ihre Grenzen und Möglichkeiten zu beschreiben. Aber auch die "Alternativmedzin" gibt Heilungsversprechen. Nur wird hier auf Mechanismen verwiesen, die sich grundsätzlich einer systematischen Erkenntnis entziehen. Die Existenz einer "regressiven Vikariation" konnte bisher nicht bewiesen werden. Erst recht nicht deren heilende Effekte bei den Behandelten. Dies erzeugt nicht etwa Zweifel bei den Jüngern sondern ist ihnen Beweis der Primitivität der wissenschaftlichen Methodik.

    Zur Behandlung diverser Idiosynkrasien bei Bessergestellten haben diese Methoden ihren Platz. Die Bezeichnung "Alternativmedizin" als Alternative zur wissenschaftlichen Medizin ist schon lächerlich.

    • chodo
    • 28.01.2012 um 18:55 Uhr

    Das ist vor allem vor dem Hintergrund albern, dass Homöopathie vom Grundsatz her nur Symptome kennt. Das ganze Prinzip "Gleiches mit Gleichem" zu heilen läuft darauf hinaus: Löst ein (unverdünntes) Präparat bei einem gesunden (!) Menschen gewisse Symptome (!) aus, dann hilft es (im verdünnten Zustand (!)) gegen eine Krankheit mit gleichen Symptomen. Mehr als Symptome kennt die Homöopathie nicht. Klar, es gibt die Anamnese mit ihrem Hokuspokus, aber das ändert am angeblichen Heilungsprinzip nichts.

    >>> ... folgen auf eine homöopathische Behandlung häufig Reaktionen, die es zu interpretieren gilt. <<<

    Mit anderen Worten, die Wirkung homöopathischer Behandlungen ist nicht beweisbar, und jeder, der das benennt, ist gemäß dieser Argumentation eben einfach nicht fachkundig genug. Praktisch.

    Es gab vor etlicher Zeit mal eine große Debatte über Homöopathie auf SPON mit etlichen hundert Comments und teilweise wüsten Beschimpfungen, einfach deshalb, weil die Leute immer wieder aneinander vorbei redeten. Es ist sicher besser, das nicht zu wiederholen.

    Tatsache ist, dass eine Menge (anderer) Leute mit den kleinen Globuli sonderbar überzeugende Erfahrungen gemacht haben, ohne selbst erklären zu können wieso eigentlich. Ganz subjektiv eben und ganz offenbar unwissenschaftlich.

    Witzig ist ja, dass wir von einer Reihe allopathischer Arzneimittel die genauen Wirkmechanismen ebenfalls nicht kennen, sie aber (wohl mit Recht) dem physiochemischen Paradigma zuordnen und uns dann zurücklehnen : alles verstanden! ? Naja!(bezieht sich auf's Zurücklehnen!)

    Homöopathie? Placeboeffekt eben. Doppelblindversuche ergeben nichts Signifikantes und die Hinweise der Homöopathen, dass die an das kranke Individuum genau angepasste Gabe möglicherweise solche Art klinischer Tests unangemessen erscheinen lassen, werden als lächerlich zur Seite gewischt. Aber könnte es nicht sein, dass gar kein verrauschter "gesetzmäßiger", sondern ein subtiler individueller Effekt das Geschehen bestimmt und würde dann nicht jede Statistik versagen? Wir haben uns so angewöhnt nach Zusammenhängen in Form von Gesetzen zu suchen, dass wir alles, auch die individuellen Formen und Varianten immer auf Gesetze und ihre direkten oder kombinierten Effekte zurückführen wollen.

    Der erste Kommentar hier warnt schon vor den Homöopathiefreunden, und der zweite Kommentar sagt dann das hier:
    "[...]die Tatsache, dass homöopathische Heilerfolge meistens anders verlaufen, als wir es von der "Schulmedizin" gewöhnt sind.
    [...]
    "Während schulmedizinische Behandlungen meistens Symptome zum Verschwinden bringen (Entzündung, Schmerzen usw.), folgen auf eine homöopathische Behandlung häufig Reaktionen, die es zu interpretieren gilt. "

    Dass man mit Homöopathie nicht die Symptome angreift ist schon per Definition quatsch. Und wer behauptet denn, dass die Schulmedizin lediglich Symptome behandelt? (Die, die an der Homöopathie verdienen!)

    • Dok06
    • 28.01.2012 um 17:26 Uhr

    Welchen Sinn hat denn bitte ein Heilmittel, wenn es nicht zu einer Verbesserung der Symptome beiträgt?

    Ich habe auch so eine "primitive" evidenzbasierte Sichtweise. Diese Sichtweise ist tatsächlich schon ein bisschen älter, besonders populär wurde sie in einem Zeitalter namens Aufklärung. Ihr verdanken wir sämtlichen Fortschritt, den die Menschheit seither gemacht hat.
    Für eine nicht evidenzbasierte Sichtweise gibt es auch ein schönes Wort in der Umgangssprache: Aberglaube

    Also für mich ist der Sinn der Heilkunde der: Ich habe Beschwerden, gehe zu einem Menschen, der sich mit der Linderung von medizinischen (und/oder psychischen) Beschwerden auskennt, dieser Mensch gibt mir ein Mittel oder verschreibt mir eine Therapie, ich nehme das Medikament ein resp. halte mich an die Therapie - und bin entweder geheilt von den Beschwerden oder sie sind deutlich gelindert.

    Wer allerdings Mittel und Therapien verschreibt, bei denen man bei der Mehrzahl der behandelten Menschen keine signifikante Verbesserung des Zustandes resp. Linderung der Beschwerden sieht - auch unter Berücksichtigung, dass Heilung manchmal längere Zeit beansprucht - ist schlicht nicht der Heilkunde kundig. So einfach ist dass. Leider trifft dies in besonderen Mass auf Homöopathen, Akupunkteure, Chiropraktiker und Konsorten zu.

    Sich rauszureden, dass man den Erfolg halt manchmal nicht sieht, ist nur ein billiger Taschenspielertrick. Erst den Leuten eine fragwürdige Therapie aufschwatzen, und wenn keine Heilung eintrifft, den Leuten einreden, sie hätten halt den Sinn der Therapie nicht verstanden, dass ist für mich Scharlatanerie.

    Mit der "primitiven" evidenzbasierten Sichtweise ist die Medizin des 21. Jahrhunderts gut in der Lage ihre Grenzen und Möglichkeiten zu beschreiben. Aber auch die "Alternativmedzin" gibt Heilungsversprechen. Nur wird hier auf Mechanismen verwiesen, die sich grundsätzlich einer systematischen Erkenntnis entziehen. Die Existenz einer "regressiven Vikariation" konnte bisher nicht bewiesen werden. Erst recht nicht deren heilende Effekte bei den Behandelten. Dies erzeugt nicht etwa Zweifel bei den Jüngern sondern ist ihnen Beweis der Primitivität der wissenschaftlichen Methodik.

    Zur Behandlung diverser Idiosynkrasien bei Bessergestellten haben diese Methoden ihren Platz. Die Bezeichnung "Alternativmedizin" als Alternative zur wissenschaftlichen Medizin ist schon lächerlich.

    • chodo
    • 28.01.2012 um 18:55 Uhr

    Das ist vor allem vor dem Hintergrund albern, dass Homöopathie vom Grundsatz her nur Symptome kennt. Das ganze Prinzip "Gleiches mit Gleichem" zu heilen läuft darauf hinaus: Löst ein (unverdünntes) Präparat bei einem gesunden (!) Menschen gewisse Symptome (!) aus, dann hilft es (im verdünnten Zustand (!)) gegen eine Krankheit mit gleichen Symptomen. Mehr als Symptome kennt die Homöopathie nicht. Klar, es gibt die Anamnese mit ihrem Hokuspokus, aber das ändert am angeblichen Heilungsprinzip nichts.

    >>> ... folgen auf eine homöopathische Behandlung häufig Reaktionen, die es zu interpretieren gilt. <<<

    Mit anderen Worten, die Wirkung homöopathischer Behandlungen ist nicht beweisbar, und jeder, der das benennt, ist gemäß dieser Argumentation eben einfach nicht fachkundig genug. Praktisch.

    Es gab vor etlicher Zeit mal eine große Debatte über Homöopathie auf SPON mit etlichen hundert Comments und teilweise wüsten Beschimpfungen, einfach deshalb, weil die Leute immer wieder aneinander vorbei redeten. Es ist sicher besser, das nicht zu wiederholen.

    Tatsache ist, dass eine Menge (anderer) Leute mit den kleinen Globuli sonderbar überzeugende Erfahrungen gemacht haben, ohne selbst erklären zu können wieso eigentlich. Ganz subjektiv eben und ganz offenbar unwissenschaftlich.

    Witzig ist ja, dass wir von einer Reihe allopathischer Arzneimittel die genauen Wirkmechanismen ebenfalls nicht kennen, sie aber (wohl mit Recht) dem physiochemischen Paradigma zuordnen und uns dann zurücklehnen : alles verstanden! ? Naja!(bezieht sich auf's Zurücklehnen!)

    Homöopathie? Placeboeffekt eben. Doppelblindversuche ergeben nichts Signifikantes und die Hinweise der Homöopathen, dass die an das kranke Individuum genau angepasste Gabe möglicherweise solche Art klinischer Tests unangemessen erscheinen lassen, werden als lächerlich zur Seite gewischt. Aber könnte es nicht sein, dass gar kein verrauschter "gesetzmäßiger", sondern ein subtiler individueller Effekt das Geschehen bestimmt und würde dann nicht jede Statistik versagen? Wir haben uns so angewöhnt nach Zusammenhängen in Form von Gesetzen zu suchen, dass wir alles, auch die individuellen Formen und Varianten immer auf Gesetze und ihre direkten oder kombinierten Effekte zurückführen wollen.

    Der erste Kommentar hier warnt schon vor den Homöopathiefreunden, und der zweite Kommentar sagt dann das hier:
    "[...]die Tatsache, dass homöopathische Heilerfolge meistens anders verlaufen, als wir es von der "Schulmedizin" gewöhnt sind.
    [...]
    "Während schulmedizinische Behandlungen meistens Symptome zum Verschwinden bringen (Entzündung, Schmerzen usw.), folgen auf eine homöopathische Behandlung häufig Reaktionen, die es zu interpretieren gilt. "

    Dass man mit Homöopathie nicht die Symptome angreift ist schon per Definition quatsch. Und wer behauptet denn, dass die Schulmedizin lediglich Symptome behandelt? (Die, die an der Homöopathie verdienen!)

  3. Unfug muss man Unfug nennen.
    Und Homöopathie *ist* Unfug.

    Herr Professor Ernst, machen Sie unbedingt weiter.
    Und gehen Sie keiner Kontroverse aus dem Weg.

    35 Leser-Empfehlungen
    • Dok06
    • 28.01.2012 um 17:26 Uhr

    Welchen Sinn hat denn bitte ein Heilmittel, wenn es nicht zu einer Verbesserung der Symptome beiträgt?

    Ich habe auch so eine "primitive" evidenzbasierte Sichtweise. Diese Sichtweise ist tatsächlich schon ein bisschen älter, besonders populär wurde sie in einem Zeitalter namens Aufklärung. Ihr verdanken wir sämtlichen Fortschritt, den die Menschheit seither gemacht hat.
    Für eine nicht evidenzbasierte Sichtweise gibt es auch ein schönes Wort in der Umgangssprache: Aberglaube

    30 Leser-Empfehlungen
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    Vor einiger Zeit laß ich einen Artikel über Rückenschmerzen (war ein Spiegel-Titel) und da war eine Aussage eines Spezialisten, dass manchmal Leute mit super aussehenden wirbelsäulen rückenschmerzen hätten, und Leute bei denen das Röntgenbild ganze furchtbare Schäden zeige schmerzfrei seien. und er sagte sinngemäß: Eigentlich gehts um die Lebensqualität.

    Und dem kann ich mich anschließen: "Ganz Gesund" ist eh eine Illusion - es soll mir möglichst lange gut gehen, dann bin ich zufrieden. Wenn ich dann irgendwann (hoffentlich im hohen Alter) den Löffel abgebe, ist die Diskussion um den genauen Grund eh egal.

    Von daher bin ich ein Anhänger der Symptomlinderung. (Zumal man das ja eh nie ganz trennen kann, denn die Symptome der einen Krankheit (z.b. Schmerzen)können die Ursache der nächsten Krankheit sein (z.b. Gelenkprobleme aufgrund der Vermeidungshaltung der Urpsrungsschmerzen.

    "der Buhmann der Alternativmediziner... habe gar keine homöopathische Ausbildung"!
    .
    Ich stelle mir gerade vor, die Zunft der Kaffeesatzleser würde verlangen, dass man erstmal bei ihnen eine Ausbildung macht, bevor man sich kritisch mit der Frage befassen darf, ob Kaffeesatzleser die Zukunft sehen können ...

    Vor einiger Zeit laß ich einen Artikel über Rückenschmerzen (war ein Spiegel-Titel) und da war eine Aussage eines Spezialisten, dass manchmal Leute mit super aussehenden wirbelsäulen rückenschmerzen hätten, und Leute bei denen das Röntgenbild ganze furchtbare Schäden zeige schmerzfrei seien. und er sagte sinngemäß: Eigentlich gehts um die Lebensqualität.

    Und dem kann ich mich anschließen: "Ganz Gesund" ist eh eine Illusion - es soll mir möglichst lange gut gehen, dann bin ich zufrieden. Wenn ich dann irgendwann (hoffentlich im hohen Alter) den Löffel abgebe, ist die Diskussion um den genauen Grund eh egal.

    Von daher bin ich ein Anhänger der Symptomlinderung. (Zumal man das ja eh nie ganz trennen kann, denn die Symptome der einen Krankheit (z.b. Schmerzen)können die Ursache der nächsten Krankheit sein (z.b. Gelenkprobleme aufgrund der Vermeidungshaltung der Urpsrungsschmerzen.

    "der Buhmann der Alternativmediziner... habe gar keine homöopathische Ausbildung"!
    .
    Ich stelle mir gerade vor, die Zunft der Kaffeesatzleser würde verlangen, dass man erstmal bei ihnen eine Ausbildung macht, bevor man sich kritisch mit der Frage befassen darf, ob Kaffeesatzleser die Zukunft sehen können ...

  4. Ohne näheres über den im Artikel beschriebenen Professor zu wissen wird ihm direkt jeglichen Wissen aberkannt. Vermutlich wurde er nur als Scherz Professor und jene die ihn berufen haben wussten auch nicht was sie da tun. Wie alle Anderen, die nicht mit der eigenen Meinung übereinstimmen, auch.
    Es ist immer wieder schön wenn an Stelle mit fundierten Argumenten zu diskutieren direkt versucht wird den Diskussionsgegner zu diskreditieren.
    Schade nur, daß solche Verhaltensweisen die Naturheilkunde mit in Verruf gebracht wird.
    Nein, entgegen landläufiger Vorurteile sind Naturheilkunde und Alternativmedizin nicht das Gleiche.

    Ich halte es im übrigen für grob fahrlässig den Auslöser einer chronischen Entzündung erneut aufflammen zu lassen und somit billigend in Kauf zu nehmen, die Überempfindlichkeit noch zu verstärken.

    Eine Anwendung, deren Wirkung (welcher Art auch immer) sich nicht beweisen sonder nur interpretieren lässt, fällt nach gängigen Definitionen nicht unter Wissenschaft sondern Glaube und damit Religion.

    14 Leser-Empfehlungen
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    "Nein, entgegen landläufiger Vorurteile sind Naturheilkunde und Alternativmedizin nicht das Gleiche."

    Völlig richtig. Gleichzeitig wird aber oftmals dem ebenfalls gefährlichen Irrglauben angehangen, daß Naturheilkunde- weil "rein pflanzlich"- grundsätzlich "sanfter" und "natürlicher" ist als "chemische" Medizin.
    Das ebenfalls erwähnte Johanniskraut ist ein gutes Beispiel: es wirkt zwar gegen (leichte bis mittelschwere) Depressionen, hat aber natürlich auch Nebenwirkungen. Erstens erhöht es die UV-Empfindlichkeit der Haut, d.h. erhöhte Sonnenbrand- und im Extremfall Hautkrebsgefahr. Zweitens beeinträchtigt es die Wirkung der Pille. Das sollte man wissen, bevor man denkt "Oh, super, lieber ein lecker billiges Teechen als irgendwelche bunten Pillen einzuwerfen."
    Wenn man sich über den Grundsatz "alles, was eine Wirkung hat, hat auch eine Nebenwirkung" im klaren ist und sich da jeweils informiert, ist ein Teechen oftmals tatsächlich eine gute Alternative (sic!) zu Arztbesuch und Medikamentenarsenal.

    "Nein, entgegen landläufiger Vorurteile sind Naturheilkunde und Alternativmedizin nicht das Gleiche."

    Völlig richtig. Gleichzeitig wird aber oftmals dem ebenfalls gefährlichen Irrglauben angehangen, daß Naturheilkunde- weil "rein pflanzlich"- grundsätzlich "sanfter" und "natürlicher" ist als "chemische" Medizin.
    Das ebenfalls erwähnte Johanniskraut ist ein gutes Beispiel: es wirkt zwar gegen (leichte bis mittelschwere) Depressionen, hat aber natürlich auch Nebenwirkungen. Erstens erhöht es die UV-Empfindlichkeit der Haut, d.h. erhöhte Sonnenbrand- und im Extremfall Hautkrebsgefahr. Zweitens beeinträchtigt es die Wirkung der Pille. Das sollte man wissen, bevor man denkt "Oh, super, lieber ein lecker billiges Teechen als irgendwelche bunten Pillen einzuwerfen."
    Wenn man sich über den Grundsatz "alles, was eine Wirkung hat, hat auch eine Nebenwirkung" im klaren ist und sich da jeweils informiert, ist ein Teechen oftmals tatsächlich eine gute Alternative (sic!) zu Arztbesuch und Medikamentenarsenal.

  5. Vielen Dank für diesen sehr guten und interessanten Artikel, Herr Rauner. (witzig, daß gerade die Diskussion zu einem anderen Artikel leicht zum Thema Homöopathie abschweifte)

    Ich habe das Buch "Gesund ohne Pillen" Von Edzard Ernst und Simon Singh vor einiger Zeit gelesen und war sehr angetan von der hervorragenden, gründlichen und seriösen Arbeit, die dem Buch zugrundeliegt. Die Bedeutung dieser Arbeit ist meines Erachtens gar nicht hoch genug einzuschätzen. Wissenschaftlern wie Ernst gebührt meine absolute Hochachtung.

  6. Also für mich ist der Sinn der Heilkunde der: Ich habe Beschwerden, gehe zu einem Menschen, der sich mit der Linderung von medizinischen (und/oder psychischen) Beschwerden auskennt, dieser Mensch gibt mir ein Mittel oder verschreibt mir eine Therapie, ich nehme das Medikament ein resp. halte mich an die Therapie - und bin entweder geheilt von den Beschwerden oder sie sind deutlich gelindert.

    Wer allerdings Mittel und Therapien verschreibt, bei denen man bei der Mehrzahl der behandelten Menschen keine signifikante Verbesserung des Zustandes resp. Linderung der Beschwerden sieht - auch unter Berücksichtigung, dass Heilung manchmal längere Zeit beansprucht - ist schlicht nicht der Heilkunde kundig. So einfach ist dass. Leider trifft dies in besonderen Mass auf Homöopathen, Akupunkteure, Chiropraktiker und Konsorten zu.

    Sich rauszureden, dass man den Erfolg halt manchmal nicht sieht, ist nur ein billiger Taschenspielertrick. Erst den Leuten eine fragwürdige Therapie aufschwatzen, und wenn keine Heilung eintrifft, den Leuten einreden, sie hätten halt den Sinn der Therapie nicht verstanden, dass ist für mich Scharlatanerie.

    15 Leser-Empfehlungen
  7. Sie schreiben:
    "Hilfreich wäre hier eine grundlegende Reihe von Artikeln und Sendungen, die den Leuten auf unterhaltsame Art die Wissenschaft, ihre Arbeitsweise und deren Ergebnisse näher bringt.
    Dann könnten sich die Leute viel besser gegen diese ganzen Quacksalber wehren, die ihnen wirkungslosen Dinge andrehen wollen."

    Ich schätze, man könnte Millionen solcher Pamphlete produzieren, es hätte aber nicht den gewünschten Effekt.

    Das liegt schlichtweg daran, dass jemand, der eine Idee "verkaufen" möchte (in diesem Fall die Idee "Homöopathie" wirkt nicht), keinerlei Erfolg hat, wenn er den potentiellen Gegner seiner Meinung mittel- oder unmittelbar als Idioten hinstellt oder persönlich zu beleidigen sucht.

    Das ist wie in politischen Debatten auch. Man erreicht mit persönlichen Beleidigungen nur die Klientel, die ohnehin schon immer auf der eigenen Seite stand.

    Ich selbst habe keine festgeschriebene Meinung zur Homöopathie, nutze sie aber auch nicht. Was mir in öffentlichen Diskussionen (vor allem im Internet) aber auffällt, ist die Tatsache, dass der Stil persönlicher Beleidigungen und Verunglimpfungen zu 95% von den Gegnern der Homöopathie gegenüber den Befürwortern angewendet wird
    und nicht umgekehrt.

    Daraus schlussfolgere ich, dass eventuell doch etwas dran sein könnte, denn der Beleidiger hat in Diskussionen nur selten recht, aber meistens ein ganz perönliches Problem.

    ;)

    Antwort auf "Netter Bericht...."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • chodo
    • 28.01.2012 um 19:01 Uhr

    Du glaubst doch nicht wirklich, die Wirksamkeit der H. mit unbelegten Behauptungen über ihre Gegner und einer Binsenweisheit belegen zu können.

    ;)

    braucht es anscheinend ein "böses" Erwachen.
    Besonders weh tut es einem zu sehen, wie getäuschte Bürger um einen gestorbenen Tyrannen trauern.

    • Anthon
    • 01.02.2012 um 13:38 Uhr

    "Daraus schlussfolgere ich, dass eventuell doch etwas dran sein könnte, denn der Beleidiger hat in Diskussionen nur selten recht,"

    und seinen Apologeten, - die alles andere als wissenschaftlich begründet ist - spricht Bände - hinsichtlich des Versuchs, etwas, was das Weltbild dieser Vertreter infragestellt, mit aller Macht zu verdrängen.

    • chodo
    • 28.01.2012 um 19:01 Uhr

    Du glaubst doch nicht wirklich, die Wirksamkeit der H. mit unbelegten Behauptungen über ihre Gegner und einer Binsenweisheit belegen zu können.

    ;)

    braucht es anscheinend ein "böses" Erwachen.
    Besonders weh tut es einem zu sehen, wie getäuschte Bürger um einen gestorbenen Tyrannen trauern.

    • Anthon
    • 01.02.2012 um 13:38 Uhr

    "Daraus schlussfolgere ich, dass eventuell doch etwas dran sein könnte, denn der Beleidiger hat in Diskussionen nur selten recht,"

    und seinen Apologeten, - die alles andere als wissenschaftlich begründet ist - spricht Bände - hinsichtlich des Versuchs, etwas, was das Weltbild dieser Vertreter infragestellt, mit aller Macht zu verdrängen.

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