Auch der Philosoph Peter Sloterdijk hat sich schon zugeschaltet. "Ich habe sehr viel Sympathien für die Techniker", sagt er und freut sich bereits auf ein "völlig neues Zusammenspiel von Umwelt und Technik". So könne die Erde "ein Hybridplanet werden, auf dem mehr möglich sein wird, als konservative Geologen glauben".

Hugh Hunt lächelt säuerlich. Ihn nervt die öffentliche Erregung, er will doch nur herausfinden, ob der Plan mit dem Schlauch technisch machbar ist, er will Wasser in die Luft sprühen, keinen Schwefel, er will die Machbarkeit beweisen. "Es gibt Können und Sollen", sagt er, "wir Ingenieure sind für das Können zuständig."

Das Trinity College ist eine Harry Potter-Welt, das rote Backsteingemäuer mit Efeu überwuchert, alles ziemlich verwittert. Seit fast 500 Jahren gibt es das College, in der Kapelle steht eine Marmorstatue des Naturforschers Francis Bacon, der hier im 16. Jahrhundert studierte und davon träumte, Regen, Hagel und Blitze zu machen. Hunts Büro liegt gleich nebenan. Dutzende Bumerangs hängen an den Wänden, in einer Vitrine liegen Zauberwürfel, Knobelspiele, Kreisel, in der Ecke steht ein Flügel. Ein Spielzimmer für verrückte Ideen.

Niemand wolle derzeit ins Klimasystem eingreifen, beteuert Hunt. Er holt ein Schweizer Messer aus der Hosentasche und sagt: "Die Tatsache, dass ich ein Messer mit mir herumtrage, heißt doch nicht, dass ich jemanden umbringen will."

Tatsächlich sind es keine Spinner, die darüber nachdenken, wie man das Raumschiff Erde klimatisieren könnte. Bill Gates hat mehrere Millionen Dollar für die Erforschung des Geo-Engineerings spendiert, Professoren aus Harvard und Stanford verwalten die Mittel. Auch die EU hat Geld für ein Forschungsprojekt bewilligt, in Deutschland ist die Max-Planck-Gesellschaft daran beteiligt .

Die Klima-Ingenieure diskutieren zwei verschiedene Ansätze. Erstens das Einfangen und Wegsperren von Kohlendioxid aus der Luft in die Erde. Kritiker bemängeln, dass die unterirdischen Speicher leckschlagen könnten. Doch wenn man das ausschließen könnte, hätte die Technik den Vorteil, dass sie genauso wirkt wie eine Reduktion der CO₂-Emissionen. Die zweite Idee ist, die Sonneneinstrahlung zu verringern, also den Globus zu kühlen. Sonnenstrahlungs-Management sagen die Ingenieure dazu. Der Streit um das Geo-Engineering entzündet sich vor allem daran.

Man könne Dächer, Straßen und Bürgersteige weiß anstreichen und so die Reflektivität der Erdoberfläche erhöhen, schlug der US-Energieminister und Physik-Nobelpreisträger Steven Chu ernsthaft vor. Andere favorisieren viele kleine Spiegel in der Erdumlaufbahn, eine Art Sonnenschirm für die Erde. Außerdem gibt es den Plan, weißere Wolken über dem Meer herzustellen, indem Roboterschiffe Salzwasser in die Luft sprühen. In einem Labor in Kalifornien tüfteln Ingenieure mit Unterstützung von Bill Gates an der Technik. Und schließlich ist da noch das Vulkanspielen, also das Versprühen kleinster Partikel in der Stratosphäre, wie Hugh Hunt es plant. Davon weiß man sicher, dass es funktioniert.

Vulkan spielen

Die Natur hat es vorgeführt: Vor elf Jahren katapultierte der Pinatubo-Vulkan auf den Philippinen etwa zehn Millionen Tonnen Schwefel in Form von Schwefeldioxid in die Stratosphäre. Dort bildeten sich winzige Partikel – Aerosole. Die Höhenwinde verteilten diese über den Globus. Die globale Durchschnittstemperatur sank um ein halbes Grad.

Schwefel in der Luft? War da nicht was mit saurem Regen? Das sei das geringste Problem, sagt Hunt. Um eine Klimaerwärmung von zwei Grad rückgängig zu machen, brauche man etwa fünf Prozent der ohnehin durch Autos und Fabriken emittierten Schwefeloxide. Und diese fünf Prozent würden in die Stratosphäre eingebracht, wo es gar nicht regnet und wo die Kühlwirkung am größten ist.

Ärgerlicher ist, dass die Schwefelpartikel den Abbau der Ozonschicht beschleunigen. Aber darüber zerbricht sich Hunt nicht den Kopf, darum kümmern sich Kollegen in Bristol, die nach alternativen Schattenpartikeln Ausschau halten. Hunts Job ist es, herauszufinden, ob man das Zeug überhaupt 20 Kilometer hoch in die Luft pumpen kann, ohne dass Winde den Schlauch wegblasen. Andere haben vorgeschlagen, die Partikel mit Militärflugzeugen zu versprühen, aber darüber kann Hugh Hunt nur lachen. Man brauchte 30.000 Flüge pro Tag, sagt er, "das ist doch verrückt".

Der Mann, der die Welt auf Plan C vorbereiten will, empfängt eine Etage über Hugh Hunt. Martin Rees, 69, ist Rektor des Trinity College, ein schmaler Gelehrter mit weißen Haaren, der tief im Sessel des Kaminzimmers versinkt. Im College heißt Rees nur "The Master", in Großbritannien ist er eine Instanz. Die Queen ernannte ihn vor Jahren zum königlichen Astronomen. Bis 2010 war er Präsident der Royal Society, der schon Isaac Newton, Charles Darwin und Albert Einstein angehörten. Der angesehene Forscherclub berät das Parlament und die Öffentlichkeit, auf Initiative von Martin Rees hat er eines der ersten Gutachten über Geo-Engineering veröffentlicht . Die Klimamanipulation sei technisch machbar und könne die Kosten und Risiken des Klimawandels wahrscheinlich stark verringern, stand darin. Man brauche aber mehr Forschung und internationale Regeln. Der Bericht fand weltweit Beachtung.