PlacebosPhänomen Placebo

Die Bundesärztekammer empfiehlt Medizinern neuerdings, in einigen Fällen Scheinmedikamente zu verschreiben. Ein heilsamer Trick ohne Nebenwirkungen? Oder glatter Betrug? von 

Wer die Praxis von Ulrich Kiefaber aufsucht, hat hinterher womöglich ein ungewöhnliches Rezept in der Hand: »Capsulae artificiae« oder so ähnlich lautet die Verordnung. Apotheker stellen die Kapseln extra her, auf Privatrezept: rot-weiß gegen Schmerzen, blau-weiß gegen Schlafstörungen. »Den Patienten sage ich: Diese Kapseln haben sich bei manchen anderen Patienten mit den gleichen Beschwerden schon bewährt«, erklärt der Hausarzt. Was seine Patienten zu diesem Zeitpunkt nicht wissen: In diesen Medikamenten findet sich kein Wirkstoff gegen ihr Leiden – sondern Milchzucker oder vergleichbar unwirksame Stoffe. Reine Placebopillen sollen ihnen helfen.

Beschwerden lindern mit – nichts? Was sich nach Zauberei oder Quacksalberei anhört, hat durchaus einen seriösen Hintergrund. Ulrich Kiefaber ist auch kein Exot, der dem Schamanismus frönt, sondern ein rechtschaffener Allgemeinmediziner in Saarbrücken . Und er ist nicht allein mit seiner ungewöhnlichen Therapie. Kiefaber gehört zu einer neuen Bewegung, deren einflussreichste Fürsprecherin die Bundesärztekammer (BÄK) ist, die Standesvertretung aller Ärzte in Deutschland. In einer Stellungnahme rät die Kammer, Placeboeffekte stärker für die Therapie zu nutzen.

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Robert Jütte, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart, war federführend an der Stellungnahme beteiligt. Er fasst die Vorteile zusammen: »Mit dem Einsatz von Placebos lassen sich erwünschte Arzneimittelwirkungen maximieren, unerwünschte Wirkungen verringern und Kosten im Gesundheitswesen sparen.« Keine Frage, das Phänomen Placebo hat Potenzial. Doch ist der Nutzen wirklich so groß?

ZEIT Wissen 2/2012
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Den Autoren der Stellungnahme geht es weniger um Placebopillen, die die Patienten bekommen sollen. Denn deren Einsatz ist nicht ganz unproblematisch. Zwar mögen die Mittel eine Wirkung haben, obwohl sie keinen Wirkstoff enthalten. Doch ihr Einsatz rührt an eine der Grundfesten der modernen Medizin: die Arzt-Patienten-Beziehung. Die sollte auf gegenseitigem Vertrauen aufgebaut sein. Was aber kann das mehr erschüttern als ein Arzt, der seinem Patienten nur vorgaukelt, er verschreibe ihm ein Medikament mit Wirkstoff? Auch juristisch ist das Vorgehen zumindest fragwürdig.

Ein möglicher Placeboeffekt gehe vor allem vom Arzt aus, so die Autoren der Stellungnahme. Der kann durch sein Verhalten, etwa durch gutes Zuhören, durch Empathie oder Zuversicht den Erfolg einer Behandlung beeinflussen. »Die Ärzte müssen sich bewusst sein, dass sie eine Wirkung haben, die über die reine Therapie hinausgeht«, sagt Jütte.

Und nicht nur die Ärzte: »Der Placeboeffekt setzt sich aus allen Faktoren zusammen, die mit der Intervention zu tun haben. Zum Beispiel kann die Praxisassistentin, die zufällig dabeisteht, genauso einen Einfluss haben wie der Arzt, der eine Therapie erläutert«, sagt Jürgen Windeler, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Es gebe also nicht das eine Placebo. Vielmehr habe das gesamte Umfeld eine Wirkung. Windeler redet deshalb lieber von »Kontexteffekten«. Überhaupt kann er den Optimismus von Robert Jütte nicht ganz teilen. Es spreche zwar einiges dafür, dass etwa »die Empathie des Arztes eine Rolle spielt und gut für den Patienten ist«. Aber insgesamt sei der Forschungsstand darüber, wie stark Kontexteffekte wirken, noch sehr dünn, sagt Windeler.

Leserkommentare
    • cielo
    • 28. März 2012 17:20 Uhr

    Hahahaaa ich lach mich weg! Gerade hier wird immer wieder über den Hokuspokus der Homoöpathie gefrötzelt, und nun stehen die Allopathen selber mit der Einsicht auf dem Flur:
    "Ein möglicher Placeboeffekt gehe vor allem vom Arzt aus... Der kann durch sein Verhalten, etwa durch gutes Zuhören, durch Empathie oder Zuversicht den Erfolg einer Behandlung beeinflussen."
    Oder sind es nur die Ärzte, die der Pharmaindustrie einfach nicht mehr glauben und die Menschen nicht mehr mit Pillen vollpumpen wollen.
    Jedenfalls sehr köstlich zu lesen. Und dann kommen wieder die Scheuklappen tragenden Wissenschaftshörigen, die sagen, Homöopathie und Placebo wirken nur bedingt und es ist nicht empirisch Bewiesen, dass...

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    • Puzi
    • 28. März 2012 17:54 Uhr

    Kein Wissenschaftler stellt die Existenz oder Wirkung des Placebos in Abrede.

    Was aber seit mittlerweile Jahrzehnten verzweifelt versucht wird (und bisher noch nicht einmal gelungen ist), ist eine Wirkung von homöopathischen Firlefanz zu finden, die ueber den Placeboeffekte hinausläuft.
    Oder beispielsweise einen Hinweis auf das Gedaechtnis des Wassers, das unserem aktuellen Bild Physik recht stark widerspricht und ohne dass Globulis nichts anderes sind als stark überteuerte Zuckerkugeln.

    Die Inklusion des Placeboeffektes (und Vermeidung des Noceboeffektes) in die Schulmedizin ist sehr zu begrüßen. Die Aufnahme von Homöopathie und ähnlicherer Scharlatanerie in die Leistungskataloge der Krankenkassen dagegen zu verdammen.

    Wenn ein Placebo einen positiven Effekt hat, dann ist das nicht nachweisbar. Man bräuchte schließlich eine Hypothese, aufgrund welcher Mechanismen die Gabe von nichts zu einem Effekt führt. Wie soll so eine Hypothese denn aussehen?

    Also kann man sich dem Thema nur empirisch nähern, indem man den Verlauf einer Krankheit in zwei Gruppen von Menschen beobachtet, von denen die eine ein wirksames Medikament bekommt, die andere nicht.

    Der in meinen Augen noch ansatzweise überzeugendste Beleg solcher positiven Effekte kommt gerade aus der Homöapathie. Wenn die Einnahme von Tropfen, die aufgrund der Verdünnungsstufe keine therapeutisch wirksame Dosis von irgendetwas mehr enthalten können, positive Effekte erzielen, dann legt das die Vermutung, dass Placebos tatsächlich wirken können. Und da gibt es einige Hinweise, dass das so sein könnte. Es gibt natürlich ebenso viele Hinweise darauf, dass Homöopathie nicht funktioniert. Das liegt in der Natur der Sache, weil man bei empirischen Versuchen den Boden der Wissenschaft verlässt.

    Wo ist da der Widerspruch? Im übrigen würde sich ein "scheuklappentragender Wissenschaftshöriger" sowieso nicht um empirische Nachweise kümmern, da man mit Empirie nichts beweisen kann.

    Ein nettes Feld wäre es, wenn man mal untersuchen würde, ob die von Ärzten bei viralen grippalen Infekten gerne verschriebenen Antibiotika nicht durch ein Placebo ersetzen könnte. Nutzen tun sie in diesen Fällen ohnehin nichts. Dafür richten sie ziemlichen Schaden.

    Ich hoffe nicht, dass da unbedarft Milchzucker in die Kapseln gefüllt wird, weist doch ein Teil der erwachsenen Menschen eine Milchzuckerunverträglichkeit auf. Die folgenden Stuhlgang-Symptome sind dann aber garantiert nicht mehr Resultat eines Placebos!
    Bei Nüssen, Erdnüssen als Inhalt wird es noch deftiger: Das Ding wird zum veritablen Gefahrenstoff bei Menschen die an einer Allergie bezüglich Nüssen leiden. Da reichen schon kleine Mengen!
    Die Pharmaindustrie verpackt ihre Wirkstoffe in weniger gefährliche Beigaben.

  1. Die zentrale Frage steht auf Seite 1: Darf der Arzt seinem Patienten ein Medikament verschreiben, dass in Wirklichkeit gar keine Wirkung hat, wenn es dadurch eine Aussicht auf Heilung gibt?

    Der Rest auf Seite 2, das Umfeld habe eine Wirkung auf den Therapieerfolg, ist ja mehr ein Zurückrudern der BAK als eine ernstgemeinte Differenzierung.

    Fakt ist: den Placeboeffekt gibt es. Er tritt nur nicht vorhersehbar ein. Die Frage ist nun, wofür braucht der Arzt das besondere Vetrauensverhältnis mit dem Patienten?

    Mir ist wichtig, dass mir mein Arzt etwas gibt oder rät, was mein Leiden mindert oder beendet. Er kann mich zur Therapie schicken, mir einen Wirkstoff verabreichen oder mich ins Krankenhaus einweisen. Wenn er das tut, kannn es auch passieren, dass mein Leiden bestehen bleibt. Ist deshalb mein Vertrauensverhältnis zum Arzt gestört? Für mich jedenfalls nicht.

    Wenn er mir etwas verschreibt, das gar keine Wirkung hat, er mir aber versichrt, dass es ein wirkungsvolles Medikament sei und anschließend eine Besserung auftritt: warum soll ich das für bedenklich halten? Genauso, wenn eben kein Erfolgsfall eintritt. Dann bleiben ihm die traditionellen Möglickeiten (s.o.). Ich glaube auch, dass sich das besondere am Arzt-Patienten-Verhältnis darin verbirgt, dass er vertraulich mit den Informationen über meine Gesundheit umgeht. Auf die Methoden, die er anwendet, um mich zu heilen, erstreckt sich das meiner Meinung nach nicht.

    2 Leserempfehlungen
    • CCJosh
    • 28. März 2012 17:51 Uhr
    3. @1

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

  2. Wenn ich dann auch mit Scheingeld bezahlen darf...

    3 Leserempfehlungen
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    Jemand, der sich eine Krankheit einbildet und durch die Einnahme von nichts davon geheilt wird, der hat doch Glück. Er fühlt sich nachher gesund und hatte keinerlei Nebenwirkungen zu befürchten.

    Das kann harmloser sein, als eine ernsthafte Behandlung vermeintlicher Symptome mit echten Arzneimitteln.

    • Puzi
    • 28. März 2012 17:54 Uhr

    Kein Wissenschaftler stellt die Existenz oder Wirkung des Placebos in Abrede.

    Was aber seit mittlerweile Jahrzehnten verzweifelt versucht wird (und bisher noch nicht einmal gelungen ist), ist eine Wirkung von homöopathischen Firlefanz zu finden, die ueber den Placeboeffekte hinausläuft.
    Oder beispielsweise einen Hinweis auf das Gedaechtnis des Wassers, das unserem aktuellen Bild Physik recht stark widerspricht und ohne dass Globulis nichts anderes sind als stark überteuerte Zuckerkugeln.

    Die Inklusion des Placeboeffektes (und Vermeidung des Noceboeffektes) in die Schulmedizin ist sehr zu begrüßen. Die Aufnahme von Homöopathie und ähnlicherer Scharlatanerie in die Leistungskataloge der Krankenkassen dagegen zu verdammen.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Milchzucker"
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    >>Kein Wissenschaftler stellt die Existenz oder Wirkung des Placebos in Abrede.<<

    Die Existenz vielleicht nicht. Die Wirkung muss>/em> ein Wissenschaftler aber in Frage stellen, weil sie nicht beweisbar ist. Sie können nicht beweisen, dass nichts etwas bewirkt.

    Wenn Sie Beweise dafür hätten, dass das so ist, wäre unsere Naturwissenschaft am Ende. Gut, dass Sie "Existenz oder>/em> Wirkung geschrieben haben. Das schließt sich wenigstens nicht aus :)

    Ich bin mir nicht sicher, ob die Homöopathie ganz so wirkungslos ist, wie es oft behauptet wird. Fakt ist, dass einige homöopathische Mittel bereits von Krankenkassen bezahlt werden. Das machen die Kassen sicher nicht blindlings, sondern nur weil deren Wirksamkeit belegt ist. Ich denke nicht, dass die Kassen die Wirksamkeit durch den Placebo-Effekt dazuzählen.

    Weiterhin gibt es auch eine Tierhomöopathie, die langfristig sicherlich nicht solchen Anklang finden würde, wenn sie nicht so wirksam wäre. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, wie ein Placebo-Effekt bei Tieren funktionieren soll.

    Es ist wohl auch richtig, dass viele Vorstellungen der klassischen Homöopathie auch völliger Humbug sind. Gerne werden hier die höheren Potenzen angesprochen, wo sich der Wirkstoff in einer Lösung von einem Tropfen pro Mittelmeer auf einem Zuckerkügelchen befinden soll. Solche Potenzen kommen in der modernen Homöopathie überhaupt nicht vor. Genauso wie ein Homöpath heute davon ausgeht, dass Krebsleiden und Ebola von solchen Mittelchen definitiv nicht geheilt werden können. Viele Homöpathen sind ordentlich studierte Mediziner und haben nicht nur eine Ausbildung zum Quacksalber.

    Mit der Homoöpathie verhält es sich letztendlich wie mit der klassischen Schulmedizin: Überall will man etwas verkaufen. Man muss stets auf's Neue kritisch hinterfragen und im Zweifelsfall mehrere Ratschläge einholen. Die Wahrheit liegt immer irgendwo in der Mitte.

  3. Wenn ein Placebo einen positiven Effekt hat, dann ist das nicht nachweisbar. Man bräuchte schließlich eine Hypothese, aufgrund welcher Mechanismen die Gabe von nichts zu einem Effekt führt. Wie soll so eine Hypothese denn aussehen?

    Also kann man sich dem Thema nur empirisch nähern, indem man den Verlauf einer Krankheit in zwei Gruppen von Menschen beobachtet, von denen die eine ein wirksames Medikament bekommt, die andere nicht.

    Der in meinen Augen noch ansatzweise überzeugendste Beleg solcher positiven Effekte kommt gerade aus der Homöapathie. Wenn die Einnahme von Tropfen, die aufgrund der Verdünnungsstufe keine therapeutisch wirksame Dosis von irgendetwas mehr enthalten können, positive Effekte erzielen, dann legt das die Vermutung, dass Placebos tatsächlich wirken können. Und da gibt es einige Hinweise, dass das so sein könnte. Es gibt natürlich ebenso viele Hinweise darauf, dass Homöopathie nicht funktioniert. Das liegt in der Natur der Sache, weil man bei empirischen Versuchen den Boden der Wissenschaft verlässt.

    Wo ist da der Widerspruch? Im übrigen würde sich ein "scheuklappentragender Wissenschaftshöriger" sowieso nicht um empirische Nachweise kümmern, da man mit Empirie nichts beweisen kann.

    Ein nettes Feld wäre es, wenn man mal untersuchen würde, ob die von Ärzten bei viralen grippalen Infekten gerne verschriebenen Antibiotika nicht durch ein Placebo ersetzen könnte. Nutzen tun sie in diesen Fällen ohnehin nichts. Dafür richten sie ziemlichen Schaden.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Milchzucker"
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    • GDH
    • 28. März 2012 18:05 Uhr

    Erstmal:
    Dem Meisten kann ich sofort zustimmen. Es ist ja auch ein Unterschied, ob ein Arzt Placeboeffekte nutzt (im Zweifel kann er auch den Rat geben, jeden Morgen einen Apfel und eine Banane zu essen - der Patient hat das Gefühl, etwas zu tun und es schadet wahrscheinlich auch nicht) oder ob (Stichwort: Homöapathie) pseudowissenschaftliche Gedankengebäude errichtet werden, ohne irgendwelche Belege vorweisen zu können.

    Zu Ihrer Aussage "Ein nettes Feld wäre es, wenn man mal untersuchen würde, ob die von Ärzten bei viralen grippalen Infekten gerne verschriebenen Antibiotika nicht durch ein Placebo ersetzen könnte. ":
    Das hab' ich schon häufiger gehört. Haben Sie eine Quelle für die Behauptung? Mir persönlich ist das noch nicht untergekommen und ich kenne auch niemanden, dem ein Arzt ohne Hinweis auf eine bakterielle Infektion Antibiotika verschireben hätte (wohl aber, dass sich der Verdacht, der zur Antibiotikagabe geführt hat, nachher nicht bestätigt hat).

    "Einar von vielen schreibt":

    "Wenn die Einnahme von [homöopathischen] Tropfen, die aufgrund der Verdünnungsstufe keine therapeutisch wirksame Dosis von irgendetwas mehr enthalten können, positive Effekte erzielen, dann legt das die Vermutung, dass Placebos tatsächlich wirken können. Und da gibt es einige Hinweise, dass das so sein könnte. Es gibt natürlich ebenso viele Hinweise darauf, dass Homöopathie nicht funktioniert."

    Hier ordnen Sie ein paar Sachen falsch zu: Dass Homöopathie einen positiven Einfluss auf Patienten hat, es dem Patienten also im Schnitt mit homöopathischer Behandlung besser geht als ohne, ist wissenschaftlich in unzähligen Studien bewiesen. Dass Placebos einen positiven Einfluss haben, ist ebenso wissenschaftlich bewiesen. Wenn nun aus wissenschaftlichen Studien zitiert wird, dass Homöopathie nicht funktioniert, ist folgendes gemeint: Homöopathische Globuli funktionieren nicht besser (aber auch nicht schlechter) als andere Placebos auch. Ob der Arzt also ein geheimnisvolles Zeichen auf das Rezept malt und der Apotheker dann Milchzucker extra anrührt, ob er die speziell verordneten Homöopathischen Kügelchen oder irgendwelche anderen rausgibt, ist egal. Homöopathie bietet, wie viele andere Therapien auch (etwa Bachblüten oder Mistelpräparate) nicht mehr oder nicht weniger als den Placebo-Effekt.

    Da der Placebo-Effekt heilen kann, ist das nicht unbedingt falsch, nur sollte bei der Wahl des Placebos der Arzt schon die Kostenfrage berücksichtigen.

    Jag

  4. 7. Warum?

    Jemand, der sich eine Krankheit einbildet und durch die Einnahme von nichts davon geheilt wird, der hat doch Glück. Er fühlt sich nachher gesund und hatte keinerlei Nebenwirkungen zu befürchten.

    Das kann harmloser sein, als eine ernsthafte Behandlung vermeintlicher Symptome mit echten Arzneimitteln.

    2 Leserempfehlungen
    • GDH
    • 28. März 2012 18:05 Uhr

    Erstmal:
    Dem Meisten kann ich sofort zustimmen. Es ist ja auch ein Unterschied, ob ein Arzt Placeboeffekte nutzt (im Zweifel kann er auch den Rat geben, jeden Morgen einen Apfel und eine Banane zu essen - der Patient hat das Gefühl, etwas zu tun und es schadet wahrscheinlich auch nicht) oder ob (Stichwort: Homöapathie) pseudowissenschaftliche Gedankengebäude errichtet werden, ohne irgendwelche Belege vorweisen zu können.

    Zu Ihrer Aussage "Ein nettes Feld wäre es, wenn man mal untersuchen würde, ob die von Ärzten bei viralen grippalen Infekten gerne verschriebenen Antibiotika nicht durch ein Placebo ersetzen könnte. ":
    Das hab' ich schon häufiger gehört. Haben Sie eine Quelle für die Behauptung? Mir persönlich ist das noch nicht untergekommen und ich kenne auch niemanden, dem ein Arzt ohne Hinweis auf eine bakterielle Infektion Antibiotika verschireben hätte (wohl aber, dass sich der Verdacht, der zur Antibiotikagabe geführt hat, nachher nicht bestätigt hat).

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    Von der Ausbildung her bin ich aber Mikrobiologe. Das letzte Mal, als ich einen schlimmeren grippalen Infekt hatte, war ich wegen eines da nicht mehr zu vermeidenden Krankenscheins beim einem Arzt. Der hat mich weder genau über die Symptome befragt, noch eingehender untersucht.

    Am Schluss bekam ich eine Woche Krankenschein und ein Rezept für ein Breitbandantibiotikum, das ich umgehend weggeworfen habe.

    Ich höre solche Geschichten aus meinem Bekannten- und Kollegenkreis immer wieder. Ich vermute mal, das beruht darauf, dass die meisten Leute die Erwartung hegen, dass man in solchen Fällen ein Antibiotikum bekommen muss, weil das als Wundermittel betrachtet wird. Und welcher Arzt enttäuscht schon gerne seine Patienten.

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