Ganz Tamkuha ist überzeugt, dass das Dorf ohne HPS noch lange ohne Strom geblieben wäre. Selbst in der Hauptstadt Patna fällt die Versorgung regelmäßig aus. Die wenigen Dörfer, die ans Netz angeschlossen sind, erhalten ihre Elektrizität oft nur zwischen Mitternacht und dem frühen Morgen, wenn niemand sonst sie braucht. So ist es auch in anderen Gegenden Indiens und in vielen Entwicklungsländern. "Um ländliche Gebiete mit Strom zu versorgen, sind die dezentralen Ansätze von sozialen Unternehmen wie HPS ideal", sagt Lucy Scott von der UN-Universität. "Sie sind viel schneller und flexibler als alles, was die Regierungen machen."

Auch der kürzlich erschienene Energiebericht des UN-Klimarats IPCC betont die Schlüsselfunktion der lokalen Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen in der Entwicklung armer ländlicher Gebiete. Lucy Scott fordert allerdings, dass soziale Unternehmen noch mehr tun müssen, als nur Produkte anzubieten, die auch die Ärmsten bezahlen können.

HPS etwa beschäftigt in seinen Anlagen junge Arbeitslose. Sie steigen als Heizer ein und können dann die firmeneigene Ausbildungsstätte in Patna besuchen, um zum Mechaniker, später zum Werkschef oder gar zum regionalen Manager aufzusteigen. "HPS hat viele junge Menschen von der Straße geholt und sie zu den Hauptverdienern ihrer Familien gemacht", sagt Panchanand Yadav. Er ist Bürgermeister von Bansi, einem Nachbardorf Tamkuhas, in dem ebenfalls ein Kleinkraftwerk steht. Einfach sei das jedoch nicht, sagt Gyanesh Pandey: "Viele sind unzuverlässig. Das müssen wir ihnen erst mühsam austreiben." Neben der Ausbildung sorgt die Firma für eine Krankenversicherung der 330 Angestellten, 200 Kindern bezahlt sie ein Schulstipendium.

Seit einiger Zeit versucht HPS, auch noch die Abfälle der Kraftwerke zu verwerten und damit weitere Jobs zu schaffen. Angestellte tüfteln an einem Verfahren, um aus den verkohlten Reishülsen Räucherstäbchen zu machen, die Frauen in Heimarbeit herstellen und verkaufen könnten. "Für mich heißt Erfolg nicht, 2.000 Werke zu errichten", sagt Pandey. "Erfolg heißt, in jedem Dorf doppelt so viel an Einkommen zu schaffen, wie uns die Bewohner an Stromkosten bezahlen."

Solche Geschäftsphilosophien scheinen auch für Manager aus der herkömmlichen Wirtschaft interessant zu werden. Das kleine Führungsteam von HPS besteht aus Ingenieuren und Ökonomen, die zuvor bei großen Firmen Karriere gemacht haben. Gyanesh Pandey arbeitete bei einem Halbleiterhersteller in den USA und verließ die gut bezahlte Stelle, um seine Heimat mit Strom zu versorgen. Das erste Werk in Tamkuha finanzierte er mit seinem Geld aus einem Pensionsfonds. "Meine Eltern waren entsetzt, dass ich eine Karriere in den USA aufgab. Sie haben sich bis heute nicht von diesem Schock erholt."

Es gibt immer mehr soziale Unternehmen. Aber noch zu wenige.

Die Branche der sozialen Unternehmen wächst, vor allem im Energie- und Gesundheitsbereich. Soziale Firmen produzieren günstige Malariamedikamente, bauen Mikrokrankenkassen auf, entwerfen günstige Latrinen oder Geschäftsmodelle, um mithilfe lokaler Unternehmer abgelegene Dörfer mit Medikamenten zu versorgen. Investitionsfonds sind entstanden, die Wagniskapital für die Branche zur Verfügung stellen, und auch staatliche Entwicklungsagenturen wie die amerikanische USAid setzen zunehmend auf soziales Unternehmertum.

Trotzdem stehe man erst am Anfang, meinen manche Experten und Branchenvertreter. "Um die Situation der Armen merklich zu verbessern, müssen wir noch stark zulegen", sagt Shrastant Patara. Er ist Manager bei Tara, einem indischen Gründerzentrum für neue Geschäftsideen. In den ländlichen Gebieten erreiche die Branche der sozialen Unternehmen mit ihren Dienstleistungen bisher nur ein Prozent der Menschen. "Es gibt trotz des Booms zu wenige Investitionen in soziale Unternehmen, darum müssen wir mit herkömmlichen Firmen zusammenarbeiten." So brachte Tara den Zement-Multi Holcim und den Elektrokonzern Philips für eine Kooperation zusammen, um günstige Lampen und Kochherde für den indischen Markt zu entwerfen. "Wir kennen die Bedürfnisse der Menschen, wir können den Konzernen unsere Augen und Ohren leihen."

Die Unternehmen lernen neue Märkte kennen, wenn sie sich vor Ort engagieren.

Der Innovationsforscher Rajnish Tiwari von der Technischen Universität Hamburg-Harburg ist überzeugt: "Davon lernen die westlichen Firmen." Zum Beispiel, dass es sinnvoll sein könne, nicht nur immer leistungsfähigere Produkte herzustellen, sondern auch günstigere, um neue Käuferschichten zu erschließen. Der Autozulieferer Bosch etwa half bei der Entwicklung des weltweit billigsten Autos, des Tata Nano, den der indische Konzern Tata herstellt. "Die Entwicklung führte Bosch in Indien durch", sagt Tiwari.

"Die Ingenieure in Deutschland hätten sich zu wenig von den herrschenden Denkschemata befreien können, erzählte mir ein Bosch-Manager." Der US-Konzern General Electric verlegte Teile seiner Entwicklung nach Indien, um zu lernen, wie man im dortigen Markt besteht. Sonst, schrieb Geschäftsführer Jeffrey Immelt in der Harvard Business Review, könnte seine Firma womöglich abgehängt werden von indischen, brasilianischen und chinesischen Unternehmen.

Bisher kamen die günstigen Produkte, die es bis auf die westlichen Märkte geschafft haben, zwar nicht von sozialen Unternehmen, sondern von herkömmlichen Konzernen im Süden. Doch Innovationsforscher Tiwari sieht im Segment der sozialen Unternehmen eine Innovationskraft entstehen, die künftig in den Norden ausstrahlen könnte. "Dabei darf man nicht nur an Produkte denken, sondern muss auch clevere Geschäftsmodelle in Betracht ziehen." Wie jenes von Husk Power Systems, das präzise an die örtlichen Verhältnisse angepasst ist.

Es hat der Firma ein rasantes Wachstum beschert, das international für Aufsehen sorgt: "Wir haben Anfragen aus Afrika, Südamerika und Südostasien", sagt Pandey. Ein soziales Unternehmen auf dem Weg zum Multi? "Oh, wir müssen noch viel erreichen, um wirklich sagen zu können, wir hätten etwas gegen die Stromlücke bei den Armen getan."

Aber schon jetzt wird HPS mit Preisen überhäuft. Gerade erst hat Pandey in London den angesehenen Ashden Award entgegengenommen – aus den Händen von Prinz Charles. Vielleicht hat ja damit die Empörung der Eltern über die Karriereplanung ihres Sohns etwas nachgelassen.