Ein Schwenk des Smartphones, und die Drohne fliegt eine Kurve. Zweimal den Bildschirm antippen – und sie schlägt eine Pirouette. Ein sonniger Märztag auf der Computermesse Cebit in Hannover, die Besucher erholen sich auf Parkbänken vom Trubel der Messehallen. Und alle schauen in den Himmel, zur Ar.Drone 2.0. Das Video der Bordkamera wird live auf das Smartphone übertragen, es könnte aus einem Actionfilm stammen. Einige Zuschauer applaudieren, ein Jugendlicher fragt: »Ey, darf ich auch mal?«

Die Drohnen kommen. Jahrelang kannte man sie aus den Nachrichten über Afghanistan und den Irak, wo ferngesteuerte Flieger das Land fotografieren und Terroristen unter Beschuss nehmen. Jetzt erobern ihre zivilen Vertreter Deutschland. Die billigsten kann man für ein paar Hundert Euro im Elektronikhandel kaufen. Leistungsfähigere Varianten setzt die Industrie ein – und die Polizei. Das weckt Ängste: Spähen Hightech-Drohnen bald ins Schlafzimmer oder in den Garten? Und wer haftet, wenn so ein fliegender Rasenmäher abstürzt?

In aller Eile wurde jetzt das Luftverkehrsgesetz novelliert. Das ist gut so, denn lange flogen die Drohnen im rechtsfreien Raum. Sie werden nun einer eigenen Kategorie zugeordnet. Piloten von »unbemannten Luftfahrtsystemen« brauchen demnach eine Erlaubnis der Behörden. Die Zulassungsbedingungen erarbeitet gerade das Bundesverkehrsministerium – vermutlich muss man unbemannte Luftfahrtzeuge in Zukunft auf dem Amt registrieren lassen. Man kann nur hoffen, dass auch eine Art Führerschein sowie ein TÜV für Drohnen eingeführt werden.

Allerdings werden Spielzeug-Drohnen wie die Ar.Drone von den neuen Paragrafen gar nicht erfasst – obwohl sich Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner gerade über diese empört hatte. Denn in die jetzt geschaffene Kategorie fallen nur kommerziell genutzte Drohnen. Geräte, die zur Freizeitbeschäftigung verkauft werden, zählen zu den ferngesteuerten Modellfliegern. Wenn sie leichter als fünf Kilogramm sind und maximal 30 Meter hoch steigen, darf jeder sie fliegen. Nur in der Nähe von Flughäfen ist eine Erlaubnis erforderlich.

Der Hersteller der Ar.Drone ist sich dieser Gesetzeslücke wohl bewusst. »Es ist nur ein Spielzeug«, betont der Verkäufer auf der Cebit gebetsmühlenartig. Was er nicht sagt: Im Internet kursieren längst Bauanleitungen, wie man die Quadrokopter mit einer Fernbedienung verbinden und so hundert Meter Flughöhe erreichen kann. Laut Hersteller wurden bereits Zehntausende von den Drohnen verkauft. Bald dürften sie sichtbar übers Land und durch die Städte schwirren. Und genau hierfür bedarf es strengerer Regeln, etwa eines Flugverbots in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen.

Sonst drohen Szenen wie im amerikanischen Oakland. Dort wollte die Occupy-Wallstreet-Bewegung die Ar.Drone nutzen, um polizeiliche Willkür nachzuweisen. Prompt verloren die Piloten beim Testflug in den Häuserschluchten die Kontrolle über ihren »Occucopter«. Er donnerte gegen eine Hauswand und musste mitten auf einer Straße notlanden. Offenbar wurden dem über WLAN gesteuerten Gerät Büronetzwerke zum Verhängnis.