DrohnenPaparazzi der dritten Dimension?

Zivile Drohnen erobern den deutschen Luftraum. Die Angst davor ist übertrieben. Aber es muss bessere Richtlinien für das fliegende Spielzeug geben. von 

Überwachungsdrohne der Polizei vom Typ "md 4-200"

Überwachungsdrohne der Polizei vom Typ "md 4-200"   |  © Peter Steffen / dpa

Ein Schwenk des Smartphones, und die Drohne fliegt eine Kurve. Zweimal den Bildschirm antippen – und sie schlägt eine Pirouette. Ein sonniger Märztag auf der Computermesse Cebit in Hannover, die Besucher erholen sich auf Parkbänken vom Trubel der Messehallen. Und alle schauen in den Himmel, zur Ar.Drone 2.0. Das Video der Bordkamera wird live auf das Smartphone übertragen, es könnte aus einem Actionfilm stammen. Einige Zuschauer applaudieren, ein Jugendlicher fragt: »Ey, darf ich auch mal?«

Die Drohnen kommen. Jahrelang kannte man sie aus den Nachrichten über Afghanistan und den Irak, wo ferngesteuerte Flieger das Land fotografieren und Terroristen unter Beschuss nehmen. Jetzt erobern ihre zivilen Vertreter Deutschland. Die billigsten kann man für ein paar Hundert Euro im Elektronikhandel kaufen. Leistungsfähigere Varianten setzt die Industrie ein – und die Polizei. Das weckt Ängste: Spähen Hightech-Drohnen bald ins Schlafzimmer oder in den Garten? Und wer haftet, wenn so ein fliegender Rasenmäher abstürzt?

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In aller Eile wurde jetzt das Luftverkehrsgesetz novelliert. Das ist gut so, denn lange flogen die Drohnen im rechtsfreien Raum. Sie werden nun einer eigenen Kategorie zugeordnet. Piloten von »unbemannten Luftfahrtsystemen« brauchen demnach eine Erlaubnis der Behörden. Die Zulassungsbedingungen erarbeitet gerade das Bundesverkehrsministerium – vermutlich muss man unbemannte Luftfahrtzeuge in Zukunft auf dem Amt registrieren lassen. Man kann nur hoffen, dass auch eine Art Führerschein sowie ein TÜV für Drohnen eingeführt werden.

Luftverkehrsgesetz

Am 2. März 2012 hat der Bundesrat einer Änderung des Luftfahrtgesetzes zugestimmt. Damit bekommen Drohnen eine eigene Kategorie in der Luftverkehrsordnung: Immer dann, wenn sie zu gewerblichen Zwecken genutzt werden, sind sie »unbemannte Luftfahrtsysteme«. Wer sie fliegen will, braucht eine Erlaubnis der Behörden. Freitzeit-Drohnen fallen in die Klasse der »Flugmodelle«. Wenn sie leichter als fünf Kilogramm sind, brauchen ihre Piloten keine Genehmigung.

Quadrokopter

Vier Rotoren halten die unbemannten Flieger in der Luft. Jeder kann einzeln gekippt werden; das lässt die Drohne in die gewünschte Richtung fliegen. Gesteuert wird entweder mit einem Smartphone über WLAN oder über eine Funk-Fernbedienung. Es gibt auch Drohnen mit mehr als vier Rotoren – dann spricht man von »Multikoptern«.

Occucopter

Polnische Demonstranten ließen die Drohne eines Bastlers einen Polizeiaufmarsch filmen. Die Occupy-Bewegung in New York wollte es nachmachen. Aber Softwarefehler und Regen erschwerten den Einsatz der Ar.Drone – Luftaufnahmen des Protestcamps finden sich bis heute nicht im Internet.

Allerdings werden Spielzeug-Drohnen wie die Ar.Drone von den neuen Paragrafen gar nicht erfasst – obwohl sich Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner gerade über diese empört hatte. Denn in die jetzt geschaffene Kategorie fallen nur kommerziell genutzte Drohnen. Geräte, die zur Freizeitbeschäftigung verkauft werden, zählen zu den ferngesteuerten Modellfliegern. Wenn sie leichter als fünf Kilogramm sind und maximal 30 Meter hoch steigen, darf jeder sie fliegen. Nur in der Nähe von Flughäfen ist eine Erlaubnis erforderlich.

Der Hersteller der Ar.Drone ist sich dieser Gesetzeslücke wohl bewusst. »Es ist nur ein Spielzeug«, betont der Verkäufer auf der Cebit gebetsmühlenartig. Was er nicht sagt: Im Internet kursieren längst Bauanleitungen, wie man die Quadrokopter mit einer Fernbedienung verbinden und so hundert Meter Flughöhe erreichen kann. Laut Hersteller wurden bereits Zehntausende von den Drohnen verkauft. Bald dürften sie sichtbar übers Land und durch die Städte schwirren. Und genau hierfür bedarf es strengerer Regeln, etwa eines Flugverbots in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen.

Ar.Drone 2.0

Ein Plastikspielzeug für jedermann: Kann sich bis zu 50 Meter vom Piloten entfernen, eine integrierte Kamera überträgt Livebilder aufs Smartphone.

Md4-1000

Für Profis: 250-mal wurde die Drohne verkauft, auch an die Polizei Niedersachsen. 40 Kilometer Reichweite, 70 Minuten Flugzeit. Kosten: 40.000 Euro.

Fancopter

So fliegt die Bundespolizei: Das Gerät bleibt 25 Minuten oben und kann eine Infrarotkamera sowie Sensoren für radioaktive und chemische Stoffe tragen.

Euro Hawk

Die neue Aufklärungs-Drohne der Bundeswehr ist 15 Meter lang, soll 30 Stunden in der Luft bleiben und Zehntausende Kilometer weit fliegen.

Sonst drohen Szenen wie im amerikanischen Oakland. Dort wollte die Occupy-Wallstreet-Bewegung die Ar.Drone nutzen, um polizeiliche Willkür nachzuweisen. Prompt verloren die Piloten beim Testflug in den Häuserschluchten die Kontrolle über ihren »Occucopter«. Er donnerte gegen eine Hauswand und musste mitten auf einer Straße notlanden. Offenbar wurden dem über WLAN gesteuerten Gerät Büronetzwerke zum Verhängnis.

Leserkommentare
  1. Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk

  2. nur für Rettungswachen erlaubt sein.

    Sie unterscheiden sich von bemannten Flugobjekten mit Pilot dadurch, dass sie komplett anonym sind. Ich halte nichts von amerikanischen, israelischen, chinesischen oder kanadischen Drohnen in deutschem Luftraum oder von Drohnen des militärischen Abschirmdienstes oder sonst wem. Bewaffnet oder unbewaffnet ist mir auch völlig egal. Es sollte ein Gesetz veranlasst werden Drohnen prinzipiell abschießen zu dürfen. Dazu gehört das Waffengesetz erneuert und das Recht auf Verteidigung gegen bewaffnete anonyme Systeme im Luftraum geschaffen. Wenn mir so ein Ding zu nahe kommt mach ich das kapputt, weil ich durch so ein Ding akut mein Leben bedroht sehe.

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    sie abschießen, kann sie auch noch einem Unschuldigen auf den Kopf fallen, und Sie halten denselben hin, wenn's wer bezeugen kann ... Deshalb: strengstes Reglement für deren Einsatz samt Meldepflicht und Kontrolle!

    • GDH
    • 22. Mai 2012 16:51 Uhr

    Das mit der Anonymität gilt für bemannte Fluggeräte erst Recht (wenn Sie nicht gerade vorhaben, die abzuschießen und den Piloten danach nach dem Namen zu fragen).

    Eine Kennzeichnungspflicht wäre eine Alternative. Vielleicht sogar die Pflicht, ständig die eigene Position plus Signatur zu senden.
    Dagegen könnte man zwar verstoßen aber das könnte man gegen die Beschränkung auf Rettungsdienste schließlich auch.

    Interessieren würde mich in dem Zusammenhang, in welcher Höhe man eigentlich anderer Leute Grundstücke überfliegen darf ohne ihre Zustimmung zu brauchen.

    Aus dem Artikel:
    "Die Angst vor Spannern aus der dritten Dimension dagegen ist übertrieben. Die Paparazzi-Qualitäten der Hobby-Drohnen fallen bescheiden aus. Ein lautes Surren kündigt ihr Kommen an, der Akku reicht nur für zwölf Minuten Flugzeit, die Kamera ist kaum besser als die eines Smartphones."

    Naja, ich kenne durchaus Fluggeräte, die würde ich von drinnen nicht hören, wenn die bei mir vor'm geschlossenen Fenster rumfliegen. Eine typische Smartphone-Kamera reicht auch durchaus aus, um die Privatsphäre zu verletzen. Schließlich geht es nicht darum, ob jemand in gestochen scharfer Auflösung sieht, was ich gerade mache, sondern ob jemand das überhaupt sieht.

    Völlig korrekt. Drohnen sind eine konkrete Bedrohung. Eine Drohne bedeutet Zerstörung oder mindestens Beobachtung. Das ist mittelbar eine Gefahr für jeden Einzelnen und rechtfertigt insofern Zerstörung als Notwehr. Die Hobbieflieger sind da das kleinste Problem. Komisch dass hier im Forum eher die Spannergefahr Sorgen macht..

  3. "Er donnerte gegen eine Hauswand und musste mitten auf einer Straße notlanden."

    ...

    Bei 12 Min Akkulaufzeit sollte Helmpflicht endlich auch für Fußgänger verordnet werden.

    Kann man die Teile eigentlich auch mit kleinen Kanonen bewaffnen statt mit Webcams? - so für den Fall, dass einem jemand in der Nachbarschaft unsympatisch ist ...

    Fazit: Ich finde aus meinem Bedürfnis nach einem Minimum an Sicherheit heraus, für den Hobby- und Privatgebrauch gehören die Dinger absolut verboten, ihr Einsatz sollte strengstens reglementiert und kontrolliert werden.

  4. sie abschießen, kann sie auch noch einem Unschuldigen auf den Kopf fallen, und Sie halten denselben hin, wenn's wer bezeugen kann ... Deshalb: strengstes Reglement für deren Einsatz samt Meldepflicht und Kontrolle!

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    • DDave
    • 24. Mai 2012 18:24 Uhr

    Ja, ich weiss, Gesetze haben schon Vorzüge, aber irgendwann wird es nur noch lächerlich, z.B. beim Krümmungsgrad einer Gurke!

    Es gibt sowas wie eine Haftplicht, somit müssen einfach diese Leute bzw die Haftpflicht für Schäden aufkommen.
    Ich finde diesen Gesetze- und Bürokratiewahnsinn einfach nur sinnlos. Wenn man einfach Drohnen wie Modellflugzeuge handhabt, dazu muss man sie nur in das Luftverkehrsgesetz aufnehmen.
    Denn mit einem Modellflugzeug, insbesondere Benzinmodelle, kann man sehr viel mehr Schaden anrichten, als mit einer Drohne, die Bilder aufnimmt und in Bezug auf Bilder verweise ich auf: http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_am_eigenen_Bild

    • GDH
    • 22. Mai 2012 16:51 Uhr

    Das mit der Anonymität gilt für bemannte Fluggeräte erst Recht (wenn Sie nicht gerade vorhaben, die abzuschießen und den Piloten danach nach dem Namen zu fragen).

    Eine Kennzeichnungspflicht wäre eine Alternative. Vielleicht sogar die Pflicht, ständig die eigene Position plus Signatur zu senden.
    Dagegen könnte man zwar verstoßen aber das könnte man gegen die Beschränkung auf Rettungsdienste schließlich auch.

    Interessieren würde mich in dem Zusammenhang, in welcher Höhe man eigentlich anderer Leute Grundstücke überfliegen darf ohne ihre Zustimmung zu brauchen.

    Aus dem Artikel:
    "Die Angst vor Spannern aus der dritten Dimension dagegen ist übertrieben. Die Paparazzi-Qualitäten der Hobby-Drohnen fallen bescheiden aus. Ein lautes Surren kündigt ihr Kommen an, der Akku reicht nur für zwölf Minuten Flugzeit, die Kamera ist kaum besser als die eines Smartphones."

    Naja, ich kenne durchaus Fluggeräte, die würde ich von drinnen nicht hören, wenn die bei mir vor'm geschlossenen Fenster rumfliegen. Eine typische Smartphone-Kamera reicht auch durchaus aus, um die Privatsphäre zu verletzen. Schließlich geht es nicht darum, ob jemand in gestochen scharfer Auflösung sieht, was ich gerade mache, sondern ob jemand das überhaupt sieht.

    • TDU
    • 22. Mai 2012 17:10 Uhr

    Bei allen technischen Neuerugen gibts Missbrauchsmöglichkeiten. Ärgerlich ist nur, wenn die Fragee Missbrauch oder nicht von der politische Einstellung oder der Skandalträchtigkeit oder dem Zusammenwirken beider abhängig ist.

    • jkluge
    • 22. Mai 2012 18:05 Uhr

    ... vor allem wenn mir der Pizzaservice eine an mein Fenster im vierten Stock vorbeischickt. Die logistische Nutzbarkeit für kleine Kurierdienste wird im Artikel garnicht betrachtet.

  5. Der Störsender, den ein Verwandter und dessen Bruder schon vor 3 Jahren fertig entwickelt haben, wird sich bald auszahlen. :)

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