InnovationenWie aus guten Ideen Unternehmenserfolg wird

Eine geniale Idee ist wichtig für den Erfolg eines Unternehmens, ihre Umsetzung ist aber ebenso entscheidend. Forscher haben untersucht, was erfolgreiche Firmen ausmacht. von 

Gescheiterte Erfindung: Das Modell einer Concorde in einer Ausstellung über britisches Design und britische Innovationen in London

Gescheiterte Erfindung: Das Modell einer Concorde in einer Ausstellung über britisches Design und britische Innovationen in London  |  © Dan Kitwood/Getty Images

Wenn Facebook in den kommenden Monaten an die Börse geht, wird man sich wieder ein Märchen erzählen. Es war einmal ein Harvard-Student namens Marc, und der hatte einen genialen Einfall: Was wäre, wenn es ein Online-Jahrbuch mit den Fotos der ganzen Klasse gäbe, und jeder könnte diese kommentieren? Aus der Idee wurde Facebook, aus Facebook das größte soziale Netzwerk der Welt. Und am Ende war Marc Zuckerberg der glücklichste Mensch auf Erden – sein Einfall hatte ihn reich gemacht. Und die Moral der Geschichte? Wer es weit bringen will, der braucht vor allem eines – die richtige Idee.

Ein hübsches Märchen, das sich ähnlich in unzähligen Firmenchroniken nachlesen lässt. Die Dramaturgie ist stets die gleiche: Ein kluger Kopf hat eine grandiose Idee, und – schwupps – stellt sich der Erfolg ein. Nur sieht die Wirklichkeit meist anders aus: Sicher, eine großartige Idee ist immer ein guter Anfang, will man etwas Bahnbrechendes entwickeln, das womöglich das Leben von vielen Tausenden oder gar Milliarden Menschen verändert. Doch am Ende entscheiden andere Faktoren darüber, ob aus der Idee etwas Brauchbares wird, ein Gerät oder ein Medikament etwa. Das Gute ist: Inzwischen ist mehr denn je darüber bekannt, welche Faktoren das sind. Innovation lässt sich planen – zumindest bis zu einem gewissen Grad.

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Nirgendwo lässt sich das besser beobachten als im kalifornischen Silicon Valley, jenem 25 mal 80 Kilometer großen Flecken Erde südlich von San Francisco, wo einst die Pioniere der Computer-Ära die ersten Chipsätze zusammenlöteten, wo aus Firmen wie Google, Apple und eben auch Facebook Weltkonzerne wurden. Jenem Fleckchen Erde, das schon so oft totgesagt wurde – dann aber doch wieder einen neuen Innovationsboom erlebte. Für Innovationsforscher ein idealer Ort, um sich auf die Suche nach dem Erfolgsrezept neuer Firmen zu machen. Hier haben jetzt Wissenschaftler der beiden großen Universitäten Stanford und UC Berkeley gemeinsam mit der Firma blackbox erstmals systematisch erforscht, was zwischen Geistesblitz und Börsengang geschieht – wie aus einer Idee nach und nach ein erfolgreiches Geschäft wird. Sie untersuchten mehr als 650 Start-ups und fassten die Ergebnisse im »Startup Genome Report« zusammen.

Drei wichtige Erkenntnisse der jahrelangen Suche nach dem Geheimnis des Erfolgs sollten sich nicht nur Forscher und Gründer zu Herzen nehmen, die es nach Kalifornien zieht oder die sich für Hightech und Internettechnologien interessieren, sondern auch all jene, die in Berlin, Hamburg oder Köln am nächsten großen Ding arbeiten.

1. Eine Idee allein ist nichts wert

Zu Recht haben die Forscher nicht einmal versucht, herauszufinden, was gute von schlechten Ideen unterscheidet. Denn eine Idee allein gilt im Silicon Valley als wertlos. Ideen gibt es im Überfluss. Was zählt, ist ihre Umsetzung. Das müssen schon 22-jährige College-Abgänger schmerzhaft erfahren, wenn sie an sogenannten Pitch-Tagen zum Mikro greifen, um potenziellen Geldgebern ihre Erfindungen vorzustellen. Dann steigt einer nach dem anderen in ausgewaschenen Jeans und T-Shirts mit den Logos noch nicht existierender Firmen auf die Bühne und schwärmt von einer genialen Geschäftsidee und ihrem Marktpotenzial. Doch die Investoren in den ersten Stuhlreihen interessieren sich viel mehr für etwas anderes – für das Team hinter der Idee: Wie lange kennt es sich? Wo hat es sich kennengelernt? Bringen die Mitglieder alle nötigen Fähigkeiten mit? Ergänzen sie sich gegenseitig, oder sind sie sich zu ähnlich? Oft ist nach der ersten Fragerunde schon Schluss, etwa wenn drei BWL-Studenten zusammen auftreten oder drei Computer-Nerds.

Wie aber sieht ein Dream-Team aus? Zunächst einmal besteht es aus zwei oder drei Mitgliedern. Sologründer oder größere Teams, das zeigt die Erfahrung, können sich in der Wachstumsphase nicht einmal halb so viel Geld beschaffen. Geld aber benötigen alle Start-ups – nicht nur um ihre Gründer satt zu machen, sondern vor allem um Prototypen bauen, um zu erforschen, ob die Welt wirklich braucht, was im Labor so genial erscheint, und um in Vermarktung und Herstellung zu investieren. Dass Einzelgänger deutlich kleinere Summen einsammeln, liegt wohl schon daran, dass sie sich meist zu sehr auf ihr Produkt konzentrieren und sich nicht so sehr ums Geschäft kümmern. Und bei Teams mit vier und mehr Gründern sind Geldgeber skeptisch, weil die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass es irgendwann Streit gibt und das Team auseinanderfällt.

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