Genveränderte PflanzenAngeklagt: Die Grüne Gentechnik
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Der Biologe, der Agrarökonom und der Vertreter einer NGO

Die vorsitzende Richterin: Was folgt für Sie daraus?

Der Vertreter einer Umweltorganisation: Im Sinne des Vorsorgeprinzips können wir uns auf dieses Risiko nicht einlassen. Auch nach 25 Jahren wirft die Grüne Gentechnik beunruhigende Fragen auf, auf die es keine verlässlichen Antworten gibt.

Der Biologe: Frau Vorsitzende, in der Diskussion über transgene Pflanzen wird manches behauptet, was wissenschaftlich nicht haltbar ist. So wird immer wieder vor den Gefahren eines horizontalen Gentransfers gewarnt. Tatsächlich nimmt der Mensch täglich mit dem Essen bis zu ein Gramm DNA – das molekulare Material, aus dem die Gene bestehen – zu sich. Und das seit Jahrtausenden. Geschadet hat es ihm bis heute nicht. Im Übrigen sind auch viele natürliche Maisgene für den Menschen »artfremde« Gene, nicht nur die gentechnisch zum Mais hinzugefügten, die das Bt-Toxin produzieren, also Proteine, die auch vom Bakterium B. thuringiensis (Bt) produziert werden. Sie sind giftig für Schädlinge.

Die vorsitzende Richterin: Kommt ein horizontaler Gentransfer in der Natur nicht vor?

Der Biologe: Doch. Bei Einzellern wie Bakterien tritt er immer wieder mal auf. Wir sollten aber mit dem Begriff des »artfremden« Gens vorsichtig sein. Alle Gene sind Kombinationen der vier Basenpaare der DNA, und die sind in allen irdischen Organismen gleich.

Die vorsitzende Richterin: Aber das Einfügen eines fremden Gens in eine Pflanze ist schon ein schwerwiegender Eingriff.

Der Biologe: Nicht schwerwiegender als in der Mutationszüchtung, die etwa mittels Bestrahlung seit vielen Jahrzehnten praktiziert wird: Sie verändert das Pflanzengenom oft massiver als die Methoden der Grünen Gentechnik. Interessanterweise unterliegen in Europa aber Pflanzen, die durch Mutationszüchtung entstehen, nicht denselben Anforderungen für Sicherheitsstudien wie gentechnisch veränderte Pflanzen. Auch dem liegt ein unwissenschaftliches Verständnis von »Natürlichkeit« zugrunde. Daran krankt die verbreitete Ablehnung der Grünen Gentechnik.

Der Vertreter einer Nichtregierungsorganisation: Frau Vorsitzende, um die Konsequenzen der Grünen Gentechnik zu verstehen, genügt es nicht, sie auf einer ausschließlich wissenschaftlich-technischen Ebene zu betrachten. Wir müssen auch genau hinschauen, wie die Grüne Gentechnik in der Praxis eingesetzt wird. Fakt ist, dass sämtliche transgenen Pflanzen durch Patente geschützt sind. Diese Patente halten die großen Agrarchemiekonzerne, deren Anteil am Saatgut-Weltmarkt zusammen 44 Prozent beträgt. Allein der Marktführer Monsanto hält 18 Prozent.

Die vorsitzende Richterin: Warum halten Sie das für problematisch?

Der Vertreter einer Nichtregierungsorganisation: Aufgrund des Patentschutzes dürfen Landwirte transgene Pflanzen nicht einfach in der Folgesaison aus den Samen der Ernte aussäen. Tun sie es, verletzen sie den Patentschutz und müssen mit empfindlichen Strafen rechnen. Sie müssen also Jahr für Jahr neues Saatgut kaufen. Damit mag zwar ihr Ertrag steigen, aber die Preise für das Saatgut sind in den letzten Jahren stark gestiegen – mitunter auf das Fünffache. Nicht wenige geraten deshalb in eine Schuldenfalle. Das ist Neokolonialismus.

Die vorsitzende Richterin: Was schlagen Sie vor?

Der Vertreter einer Nichtregierungsorganisation: Wenn überhaupt, müssten transgene Pflanzen frei verfügbar sein, so wie die Reissorten, die am Internationalen Reisforschungsinstitut auf den Philippinen gezüchtet werden. Das ist aber nicht einmal beim Goldenen Reis der Fall, der gerne als mustergültiges Entwicklungsprojekt dargestellt wird: Rund 70 Patente bestehen an dem Genreis, und nur Bauern, die weniger als 10.000 Dollar pro Jahr verdienen, sind von den Lizenzgebühren befreit. Eine nachhaltige Agrarentwicklungspolitik sieht anders aus.

Der Agrarökonom: Die hier verbreitete Ablehnung der Grünen Gentechnik offenbart einen Eurozentrismus, der äußerst fragwürdig ist. Denn gerade Entwicklungs- und Schwellenländer können bereits heute nachweislich von transgenen Pflanzen profitieren, wie der Anbau von gentechnisch veränderter (gv-)Baumwolle in Indien zeigt. Sie macht dort inzwischen etwa 90 Prozent des gesamten Baumwollanbaus aus. Das hat ganz erstaunliche Konsequenzen. So ist der durchschnittliche Ertrag pro Hektar seit 1999 – vor der Einführung der gv-Baumwolle – von rund 0,7 Tonnen auf etwa 1,3 Tonnen gestiegen. Das ist fast eine Verdoppelung! Musste Indien noch Ende der neunziger Jahre Baumwolle importieren, hat es sich zum Netto-Exporteur gewandelt. Wenn das keine positive Entwicklung ist!

Die vorsitzende Richterin: Woher stammen diese Zahlen?

Der Agrarökonom: Von der Welternährungsorganisation FAO. Es geht aber noch weiter: Dort, wo gv-Baumwolle angebaut wird, hat sich der Einsatz von Insektiziden in wenigen Jahren halbiert. Man muss sicher aufpassen und darf solche Zahlen nicht verallgemeinern. In manchen Anbaugebieten von transgenen Pflanzen steigt der Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln nach einem anfänglichen Rückgang inzwischen wieder an. Die wesentliche Erkenntnis ist für mich aber, dass eine pauschale Ablehnung der Grünen Gentechnik im Namen der Bauern in Schwellen- und Entwicklungsländern der Realität nicht standhält.

Leserkommentare
  1. die ("grüne") Gentechnik verhandelt, wenn man doch angeblich nur Argumente austauschen will.
    So bekommt das "Fiktionale" von vorn herein doch nur die medial recht übliche Stoßrichtung.
    Die Vermischung sachlicher Aspekte mit moralischen ist zudem unsinnig. Wenn ich klären will, ob etwas gefährlich ist, sollte ich das tun können, ohne das im gleichen Atemzug z.B. die Gewinn- oder Verteilungsfragen, die sich nur stellen, wenn die Gefährlichkeit ausgeschlossen werden kann, geregelt werden. Da vermengt man munter Äpfel und Birnen, vielleicht weil man fürchtet auf der Sachebene ohne Moralkeule nicht zu bestehen?

    5 Leserempfehlungen
    • Harzer
    • 10.04.2012 um 16:20 Uhr

    ...per se anderen Zuchtverfahren überlegen. Man kann neue Pflanzeneigenschaften nach wie vor sehr gut mit konventionellen Methoden heranzüchten. Nehmen Sie Stärkekartoffeln. In derselben Zeit, in der BASF mithilfe der Gentechnik die Sorte Amflora entwickelt hat, haben Züchter Kartoffeln mit einem höheren Stärkegehalt mittels der – nicht gentechnischen – Mutationszüchtung erzeugt. Eine wichtige Frage ist auch: Wie beeinflussen gentechnisch veränderte Nutzpflanzen den Landbau? Hier muss man feststellen: Sie fördern Monokulturen. Das ist für kleinbäuerlich geprägte oder kleinräumigere Landwirtschaften keine gute Lösung.

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    • tobmat
    • 11.04.2012 um 10:36 Uhr

    "In derselben Zeit, in der BASF mithilfe der Gentechnik die Sorte Amflora entwickelt hat, haben Züchter Kartoffeln mit einem höheren Stärkegehalt mittels der – nicht gentechnischen – Mutationszüchtung erzeugt."
    Das ist nicht korrekt. Die Züchtung hat sehr viel länger gedauert. Man hatte nur die Zeit, da Amflora über zehn Jahre mit Hilfe bürokratischer Hindernisse aufgehalten wurde.

    • tobmat
    • 11.04.2012 um 10:36 Uhr

    "In derselben Zeit, in der BASF mithilfe der Gentechnik die Sorte Amflora entwickelt hat, haben Züchter Kartoffeln mit einem höheren Stärkegehalt mittels der – nicht gentechnischen – Mutationszüchtung erzeugt."
    Das ist nicht korrekt. Die Züchtung hat sehr viel länger gedauert. Man hatte nur die Zeit, da Amflora über zehn Jahre mit Hilfe bürokratischer Hindernisse aufgehalten wurde.

    • Harzer
    • 10.04.2012 um 16:23 Uhr

    ..."dass sämtliche transgenen Pflanzen durch Patente geschützt sind. Diese Patente halten die großen Agrarchemiekonzerne, deren Anteil am Saatgut-Weltmarkt zusammen 44 Prozent beträgt. Allein der Marktführer Monsanto hält 18 Prozent.
    Aufgrund des Patentschutzes dürfen Landwirte transgene Pflanzen nicht einfach in der Folgesaison aus den Samen der Ernte aussäen. Tun sie es, verletzen sie den Patentschutz und müssen mit empfindlichen Strafen rechnen. Sie müssen also Jahr für Jahr neues Saatgut kaufen. Damit mag zwar ihr Ertrag steigen, aber die Preise für das Saatgut sind in den letzten Jahren stark gestiegen – mitunter auf das Fünffache. Nicht wenige geraten deshalb in eine Schuldenfalle.

    Das ist Neokolonialismus."

    4 Leserempfehlungen
    • anbeck
    • 10.04.2012 um 16:30 Uhr
    4. Grün?

    Ein weiteres Mal möchte ich die Zeit-Redaktion darum bitten, den Begriff (und das Schlagwort, unter dem der Artikel abgespreichert wird) der "grünen Gentechnik" bitte durch Agrogentechnik zu ersetzen.

    Die Verwendung durch die Zeit Online zeigt, mit welchem Erfolg sich die Industrie das Label "grün" angeeignet hat. Mit "grün" verbinden viele Verbraucher positive Assoziationen verbinden ("öko", "umweltfreundlich", etc.), und die Industrie versucht, sich diese zu nutze zu machen und die vertretbare Skepsis gegenüber Agrogentechnik zu vermindern oder gar komplett auszuschalten.

    "Grün" ist in diesem Fall also keineswegs unabhängig von Machtbeziehungen zu denken, und die breite sowie unreflektierte Verwendung dieses Begriffs zeigt, wer hier am längeren Hebel sitzt.

    Wenn Zeit nicht zum Sprachrohr der Agrogentechnik-Industrie werden will, möchte ich Sie bitten, diese Sprachregelung kritisch zu betrachten oder zumindest bewusst zu überdenken.

    Sicherlich ist der Systemadministrator gerne dabei behilflich, das Schlagwort "Grüne Gentechnik" Ihres CM Systems in "Agrogentechnik" umzubenennen.

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    Die gentechnikbereiche werden in weiße blaue rote grüne usw Gentechnik eingeteilt. Daher der begriff. Und tatsächlich ist Grün ein Merkmal der Pflanzen.

    Agro-Gentechnik trifft es aber auch nicht, denn ein Teil der Agrarwirtschaft ist ja die Viehwirtschaft. Bei Agro-Gentechnik würde ich an die gentechnische Veränderung vom Nutzvieh denken und das trifft bei der Grünen Gentechnik nun einmal so nicht zu.

    Die gentechnikbereiche werden in weiße blaue rote grüne usw Gentechnik eingeteilt. Daher der begriff. Und tatsächlich ist Grün ein Merkmal der Pflanzen.

    Agro-Gentechnik trifft es aber auch nicht, denn ein Teil der Agrarwirtschaft ist ja die Viehwirtschaft. Bei Agro-Gentechnik würde ich an die gentechnische Veränderung vom Nutzvieh denken und das trifft bei der Grünen Gentechnik nun einmal so nicht zu.

  2. ...und das sage ich als jemand der kein Freund davon ist.
    Aber sie ist mMn unnötig was die wirklich wichtigen Probleme auf unserer Welt betrifft.
    Hunger als Argument zieht nicht, denn Hunger ist ein Verteilungsproblem das sich auch mit Gentechnik nicht lösen lässt oder höchstens für ein paar Jahre verschieben.
    Irgendwann sind wir wieder da wo wir heute sind, eben weil es an der Verteilung happert und nicht an der Quantität.
    Der Grund warum die Nahrungsmittelpreise steigen ist Spekulation - war ein aufschlußreicher Artikel in der Zeit darüber.
    Und dann bleibt immer noch das Restrisiko, dass wie gesagt, Gentechnik wahrscheinlich ungefährlich ist, aber was wenn nicht? Wäre das ein lokales Problem wie ein Atomunglück würde ich ja noch mit mir reden lassen, aber wir wissen zu wenig, pfuschen der Natur ins Handwerk und glauben trotzdem zu wissen was wir tun.
    Ein Blick ins Geschichtsbuch lehrt mich aber das der Mensch wenn er was verhauen kann es auch verhauen wird.
    Die ganze Welt ist aber ein zu großes Experimentierfeld für solche Fehler.
    Lasst uns forschen vielleicht kommt ja was dabei heraus das wirklich wichtig ist, aber es ist viel zu früh um damit in der freien Natur herumzuspielen. Wir wissen noch viel zu wenig....

    2 Leserempfehlungen
    • Harzer
    • 10.04.2012 um 16:35 Uhr

    ...über Risiken und Gefahrenpotential gentechnisch veränderter Nahrungs- und Futtermittel.
    Erkenntnisse über negative Auswirkungen werden von den Gentechnikfirmen gezielt zurückgehal-ten: So hat z.B. Monsanto die Ergebnisse einer Studie über Fütterungsversuche mit dem Gen-Mais MON 863 an Ratten und Mäusen erst aufgrund eines Gerichtsbeschlusses des Verwaltungsgerichts Köln öffentlich gemacht. Die Studie hatte festgestellt, dass es in Folge der Fütterung mit Gen-Mais zu Veränderungen bei Blutbild und inneren Organen kam.
    Gentechnisch veränderte Pflanzen kreuzen möglicherweise aus: Die Fremdgene gentechnisch veränderter Kulturpflanzen kreuzen auf Pflanzen der gleichen Art sowie verwandte Kultur- und Wildpflanzen aus. Es ist unberechenbar welche Auswirkungen dies auf unsere Pflanzen und Tiere in der freien Natur hat!

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    • tobmat
    • 11.04.2012 um 10:44 Uhr

    Natürlich gibt es Lanzeitstudien. Die Natur ist ie größte. Schließlich werden gentechnisch veränderte Pflanzen seit über 10 Jahren angebaut und auch der Nahrungskette des Menschen zugeführt. Und das nicht in Einzelfällen sondern Milliarden Menschen kommen täglich damit in Kontakt.
    Wo sind die befürchteten Schäden?

    • tobmat
    • 11.04.2012 um 10:44 Uhr

    Natürlich gibt es Lanzeitstudien. Die Natur ist ie größte. Schließlich werden gentechnisch veränderte Pflanzen seit über 10 Jahren angebaut und auch der Nahrungskette des Menschen zugeführt. Und das nicht in Einzelfällen sondern Milliarden Menschen kommen täglich damit in Kontakt.
    Wo sind die befürchteten Schäden?

  3. Redaktion

    Liebe Leserinnen und Leser, wir wollen mit diesem Text, der aus der aktuellen Ausgabe von ZEIT Wissen stammt, die oftmals sehr emotionalen Diskussionen über die Grüne Gentechnik auf eine sachliche, argumentative Ebene lenken. Wir haben das probiert, in dem unser Autor Niels Boeing einmal eine fiktive Gerichtsverhandlung aufgeschrieben hat, weil wir denken, dass auf diese Weise die Argumente von Gegnern und Befürwortern am besten klar gemacht werden können. Gleichzeitig wollen wir damit zu einer breiten Diskussion aufrufen: Debattieren Sie mit! Was halten Sie von der Grünen Gentechnik? Ist sie eine Gefahr und schafft nur Probleme? Oder löst sie sie eher? Ich bin gespannt auf Ihre Argumente!
    Herzliche Grüße,
    Jan Schweitzer (Chefredakteur ZEIT Wissen)

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    Hier kann es ja nicht alleine um Agrogentechnik gut/schlecht gehen. Es sind doch mehrere mit einander in Verbindung stehende Probleme auszumachen:

    a) gentechnisch manipulierte Pflanzen gesund für den Menschen/Tier?
    b) beeinflussen diese andere Pflanzen, sodass es zu unabsehbaren Folgen kommen kann (Pflanzensterben, Resistenzen)
    c) lohnt sich der Aufwand, wenn die Natur sich auf die "neue" Pflanze einstellt (z.B. bei Resistenzen gegenüber Schädlingen)
    d) ist es erstrebenswert wenn unsere Nahrungsmittelproduktion auf Patent-Pflanzen beruht? Gab es nicht mal das Bestreben von Monsanto auch Rechte auf die Produkte die mit ihrem Gen-Mais/-Getreide usw hergestellt wurde geltend zu machen?
    e) "Braucht" die Menschheit überhaupt bessere Pflanzen. Wenn mit heutigem Standard 6 Mrd Menschen gut versorgt werden können, wir aber 7 Mrd haben, wovon ein guter Teil Hunger leidet, dann besteht die Möglichkeit, dass mit besserem Saatgut die Menschheit um 1 Mrd wächst und sich am Hungerproblem nichts tut.
    f) Kann es funktionieren, dass in einem internationalen Markt eine Region (z.B.) EU auf Gentechnik verzichtet, eine andere (z.B. USA & Asien) diese verwendet? Ist das zu kontrollieren?

    Meine "Lösung":
    a) lieber nicht ausprobieren, da Vorteil nicht groß genug
    b) keine Ahnung
    c) wahrscheinlich lohnt es sich bei Schutz gegen Schädlinge wohl nicht
    d) sicher nein
    e) nein
    f) nur mit abgeschotteten Märkten

    • RoH
    • 11.04.2012 um 16:07 Uhr

    Sehr geehrter Herr Schweitzer,

    die Gentechnik-Debatte wieder auf eine sachliche Ebene ist ein hohes Ziel. In der hier laufenden Diskussion wird auch wieder deutlich, wie schwierig es zu erreichen ist.

    Zunächst einmal ein Kompliment für den Artikel, die Argumente der jeweiligen Interessensvertreter sind sehr gut getroffen (nur Pflanzenzüchter sind normalerweise weniger zurückhaltend). Auch die Schilderung der Szenerie vor dem Gericht habe ich fast genauso schon erlebt (Anlässlich einer Verhandlung am Landgericht Magdeburg gegen drei Feldzerstörer im letzten Jahr).

    Doch bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass eigentlich nur der Biologe wirklich sachliche Argumente liefern kann.
    Vor allem die NGO-Vertreter lassen wieder nur ihre Halb- und vor allem Unwahrheiten vom Stapel, die entweder kein Grundproblem der Gentechnik sind (Patentrecht) oder schlichtweg lange überholt (dass es keine Langzeitstudien gibt, wird seit 20 Jahren behauptet und stimmt einfach nicht mehr).

    Auch das Fazit der Richterin enttäuscht: „Festhalten lässt sich fürs Erste, dass wir sie uns als Option offenhalten, aber ihren Einsatz sehr genau absichern sollten.“
    Diese Einstellung ist mit ursächlich dafür, dass die Diskussion auf der Stelle tritt. Wir befinden uns derzeit in einem Zustand, in dem durch die „Absicherung“ der Gentechnik ihr Fortschritt und ihre Verbesserung auf fahrlässige Weise behindert werden.

    Hier kann es ja nicht alleine um Agrogentechnik gut/schlecht gehen. Es sind doch mehrere mit einander in Verbindung stehende Probleme auszumachen:

    a) gentechnisch manipulierte Pflanzen gesund für den Menschen/Tier?
    b) beeinflussen diese andere Pflanzen, sodass es zu unabsehbaren Folgen kommen kann (Pflanzensterben, Resistenzen)
    c) lohnt sich der Aufwand, wenn die Natur sich auf die "neue" Pflanze einstellt (z.B. bei Resistenzen gegenüber Schädlingen)
    d) ist es erstrebenswert wenn unsere Nahrungsmittelproduktion auf Patent-Pflanzen beruht? Gab es nicht mal das Bestreben von Monsanto auch Rechte auf die Produkte die mit ihrem Gen-Mais/-Getreide usw hergestellt wurde geltend zu machen?
    e) "Braucht" die Menschheit überhaupt bessere Pflanzen. Wenn mit heutigem Standard 6 Mrd Menschen gut versorgt werden können, wir aber 7 Mrd haben, wovon ein guter Teil Hunger leidet, dann besteht die Möglichkeit, dass mit besserem Saatgut die Menschheit um 1 Mrd wächst und sich am Hungerproblem nichts tut.
    f) Kann es funktionieren, dass in einem internationalen Markt eine Region (z.B.) EU auf Gentechnik verzichtet, eine andere (z.B. USA & Asien) diese verwendet? Ist das zu kontrollieren?

    Meine "Lösung":
    a) lieber nicht ausprobieren, da Vorteil nicht groß genug
    b) keine Ahnung
    c) wahrscheinlich lohnt es sich bei Schutz gegen Schädlinge wohl nicht
    d) sicher nein
    e) nein
    f) nur mit abgeschotteten Märkten

    • RoH
    • 11.04.2012 um 16:07 Uhr

    Sehr geehrter Herr Schweitzer,

    die Gentechnik-Debatte wieder auf eine sachliche Ebene ist ein hohes Ziel. In der hier laufenden Diskussion wird auch wieder deutlich, wie schwierig es zu erreichen ist.

    Zunächst einmal ein Kompliment für den Artikel, die Argumente der jeweiligen Interessensvertreter sind sehr gut getroffen (nur Pflanzenzüchter sind normalerweise weniger zurückhaltend). Auch die Schilderung der Szenerie vor dem Gericht habe ich fast genauso schon erlebt (Anlässlich einer Verhandlung am Landgericht Magdeburg gegen drei Feldzerstörer im letzten Jahr).

    Doch bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass eigentlich nur der Biologe wirklich sachliche Argumente liefern kann.
    Vor allem die NGO-Vertreter lassen wieder nur ihre Halb- und vor allem Unwahrheiten vom Stapel, die entweder kein Grundproblem der Gentechnik sind (Patentrecht) oder schlichtweg lange überholt (dass es keine Langzeitstudien gibt, wird seit 20 Jahren behauptet und stimmt einfach nicht mehr).

    Auch das Fazit der Richterin enttäuscht: „Festhalten lässt sich fürs Erste, dass wir sie uns als Option offenhalten, aber ihren Einsatz sehr genau absichern sollten.“
    Diese Einstellung ist mit ursächlich dafür, dass die Diskussion auf der Stelle tritt. Wir befinden uns derzeit in einem Zustand, in dem durch die „Absicherung“ der Gentechnik ihr Fortschritt und ihre Verbesserung auf fahrlässige Weise behindert werden.

  4. Also ich persönlich habe Bedenken, von einer Firma (Monsanto) die im Vietnamkrieg Agent Orange entwickelt hat und Schuld ist an Krebserkrankungen und Missbildungen von ca. 500.000 Vietnamesen seit 3 Generationen, auch nur irgentein genverändertes Lebensmittel zu vertilgen.

    Und das ist nur eine der extrem giftigen Substanzen mit denen dieses Unternehmen rumhantiert.

    Ausserdem gefällt mir die überwätigende Marktmacht dieses Konzerns nicht. Wo kommen wir denn hin, wenn ein riesiger Konzern das Saatgut der Welt kontrolliert.

    Nein, wir haben in Europa so eine extreme Überproduktion, dass wir mit unseren hochsubventionierten Agrargütern sogar die Märkte der Schwellenländer überfluten. In der USA ist es genauso. Wozu bitte noch Erträge steigern, wenn wir sowieso Unmengen an Nahrung exportieren oder sogar vernichten.

    Und es ist blödsinn, dass nicht genug produziert wird um die Erdbevölkerung zu ernähren. Es wird nur extrem ungleich verteilt.

    11 Leserempfehlungen
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    ist ein Problem. Diese Firma hat ihren Teil dazu beigetragen die Etablierung der Gentechnik in Deutschland massiv zu erschweren. Bayer und BASF könnn sich da bei dieser Firma bedanken.

    übrigens war es nicht mal der Wirkstoff von Agent Orange, der diese Auswirkungen auf die Menschen verursacht hat. Eine qualitativere Fertigung dieses Mittels hätte sehr viel Leid erspart.

    Über die Patentwirtschaft, die dieser Konzern betreibt kann man sich auch nur aufregen.

    ist ein Problem. Diese Firma hat ihren Teil dazu beigetragen die Etablierung der Gentechnik in Deutschland massiv zu erschweren. Bayer und BASF könnn sich da bei dieser Firma bedanken.

    übrigens war es nicht mal der Wirkstoff von Agent Orange, der diese Auswirkungen auf die Menschen verursacht hat. Eine qualitativere Fertigung dieses Mittels hätte sehr viel Leid erspart.

    Über die Patentwirtschaft, die dieser Konzern betreibt kann man sich auch nur aufregen.

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