Stiftung Futurzwei : Die Zukunft ist bunt

Die Stiftung Futurzwei spürt Projekte auf, die mit kreativen Ideen die Umwelt schützen und die Gesellschaft sozialer machen. Sie sollen anderen als Vorbild dienen. ZEIT Wissen stellt vier von ihnen vor.

Wer sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt, mit der ökologischen und sozialen Zukunft, der kann leicht zum Pessimisten werden. Allzu hoffnungslos erscheinen manchem die Perspektiven. Harald Welzer und Dana Giesecke geht die Schwarzmalerei auf die Nerven. Der Sozialpsychologe und die Soziologin haben zum Klimawandel geforscht und geschrieben, und dabei wuchs in ihnen das Bedürfnis, die Stimmung ins Positive zu wenden.

»Es ist so viel von Verzicht die Rede, von dramatischen Fünf-vor-Zwölf-Szenarien«, sagt Giesecke. »Doch es gibt bereits Alternativen – man muss sie nur sichtbar machen.« Davon konnten sie auch Hanna und Dieter Paulmann überzeugen. Das Unternehmerpaar finanziert nun die Stiftung Futurzwei, deren wissenschaftliche Leiterin Giesecke ist.

Zusammen mit ihrem Team sucht die Soziologin jetzt im ganzen Land nach Projekten, die Lust auf Veränderung auch im Kleinen machen.

Deren Entstehung und die Menschen hinter den höchst unterschiedlichen Ideen sind auf der – leider unübersichtlichen – Website von Futurzwei beschrieben.

»Wir erzählen Geschichten von Menschen, die als Vorbild dienen können«, sagt Giesecke. »Denn jeder hat Spielraum für Veränderungen.«

Futurzwei wird die Initiativen begleiten und mit der Universität Flensburg die Bedingungen erforschen, die zu deren Erfolg oder möglichem Scheitern führen. In der Hoffnung, dass immer mehr Projekte nachhaltig Mut machen können – und daraus eine Bewegung für die Zukunft wird.

Initiative Clubmob

Musikclubs verschwenden viel Energie. Wir feiern dort, wo sich die Betreiber beraten lassen und mit den Einnahmen aus unserem Abend die Ökobilanz verbessern.
Christina Rupprecht

Die Idee entstand im vergangenen Sommer. Die BUNDjugend-Mitarbeiterin Christina Rupprecht hatte zur Zukunftswerkstatt Morgen Lande eingeladen und fragte, wie man die Berliner Club-Betreiber dazu bringen könne, in eine bessere Ökobilanz zu investieren.

Die Antwort: mit einem Clubmob. Vorbild war der Carrotmob. Dessen Prinzip: An einem bestimmten Tag verabreden sich umweltinteressierte Menschen zum Einkaufen in einem Laden, der dann einen festgelegten Teil der Tageseinnahmen für mehr Klimaschutz ausgibt.

Der Berliner Musikclub SO36 investierte gar die komplette Einnahme aus dem ersten Clubmob im Dezember. Er hat nun, ertanzt von den Gästen, neue Kühlschränke, LED-Leuchten sowie Wasserspar-Armaturen und bezieht Ökostrom. Jetzt ist die nächste Party geplant: Die Energieberater, die schon dem SO36 kostenlos halfen, haben das MIKZ in Friedrichshain inspiziert – wo zum Mob am 21. April Electro aufgelegt wurde.

Younicos

Die Energiewende muss endlich gelingen. Deshalb haben wir Speicher entwickelt, mit denen man die Schwankungen bei der Stromerzeugung ausgleichen kann.
Clemens Triebel

Mit 15 demonstrierte er erstmals gegen Atomkraft, das war 1974 in Wyhl; zehn Jahre später schrieb er seine Diplomarbeit in Maschinenbau über den solarbetriebenen Kühlschrank. Clemens Triebel kämpft von jeher für Alternativenergien. Doch leider lassen sich Wind und Sonne nicht per Knopfdruck an- und ausschalten.

Deshalb gründete er mit einem Partner Younicos. Sein Ingenieursteam hat Speicher entwickelt, um Hausbesitzern die Sonnenenergie vom eigenen Dach zu sichern oder starke Stromspitzen im Netz aufzufangen und so zu verhindern, dass Windräder vom Netz gehen müssen.

So ein Speicher wird nun auf der Azoren-Insel Graciosa aufgebaut. Bislang beziehen die 4.500 Bewohner ihren Strom aus einem Dieselkraftwerk, künftig soll der Wind 80 Prozent davon liefern. Das könnte ähnlich in Deutschland gelingen. Doch Triebel ist besorgt, was die Energiewende betrifft: »Wir laufen Gefahr, dass der Umstieg nicht gelingt, weil uns die Speicher für den Ökostrom fehlen.«

Bioputzmittel namens Beeta und Upcycling namens Jack in the Box

 Beeta

Reinigungsmittel enthalten viel Chemie, das fördert Allergien und belastet unnötig die Umwelt. Ich wollte zeigen, dass es auch anders geht.
Ilona Parsch

Ilona Parsch lässt sich nicht unterkriegen. Als sie nach der Wende die Stelle als Verkäuferin verlor, nahm sie einen Job bei einer Putzfirma an. Und als sich die Firma aus Mecklenburg zurückzog, machte sie sich selbstständig und übernahm die Kunden. Dafür musste sie die Meisterprüfung machen und außerdem die Allergie ignorieren, die sie von den scharfen Putzmitteln bekam.

Aber es musste doch eine Alternative zu der Chemie geben, die ihr so zu schaffen machte. Sie fand eine: in Roter Bete.

Sie experimentierte in ihrer Küche mit der natürlichen Oxalsäure aus den roten Rüben, ergänzte noch pflanzliche Substanzen – und meldete ein Patent an. Ein Bauer im Nachbardorf baut nun für sie Rote Bete an. Und ihr Sohn Thomas, Wirtschaftsingenieur für Reinigungs- und Hygienetechnik, produziert die Erfindung für rund 500 Händler, die die umweltschonenden Putzmittel bundesweit verkaufen, auch über das Internet.

Jack in the Box

Jeder Mensch braucht eine sinnvolle Beschäftigung, auch wenn er schon lange arbeitslos ist. Und was ist sinnvoller als das Upcycling von gebrauchten Dingen?
Martin Schmittseifer

Die Idee ließ ihn nicht mehr los. »Was könnte man alles daraus machen!«, dachte Martin Schmittseifer, als er die alten Container sah. Der Sozialarbeiter betreute damals Arbeitslose, die in Metall- und Holzwerkstätten beschäftigt wurden – und dort unverkäufliche Dinge fertigten. Die großen Blechkisten für eine sinnvolle Nutzung umzubauen: Das wäre doch viel befriedigender.

2006 kündigte Schmittseifer den Job und gründete den Verein Jack in the Box. Dort finden Langzeitarbeitslose (Ein-Euro-)Jobs.

Ihre umgebauten Container dienen als Jugendraum eines Stadtteilzentrums oder als Studentenatelier an der Uni – und erfüllen ihre Erbauer mit viel Stolz. Zudem bauen sie Möbel aus Ölfässern und Obstkisten, die sie auf Ausstellungen zeigen. »Es gibt ein Riesenpotenzial bei den Arbeitslosen«, sagt Martin Schmittseifer . »Man kann damit viel bewegen, was der Stadt zugutekommt, anstatt die Menschen etwas tun zu lassen, woraus kein Mehrwert entsteht.«

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Speicher

Auf einer Insel mag es ja sinnvoll sein Windstrom in Batterien zu speichern.

Aber in Mitteleuropa sind solche "Speicher" Quatsch, weil die viel Geld kosten und zur Herstellung auch Energie nötig ist.

Die meisten wissen doch gar nicht wann im Norden der Wind bläßt und viel Strom zur Verfügung ist um ihn zu speichern.

Immer dagegen

Ja genau, gleich mal wieder gegen Ökostrom jammern - wir hier können keine Speicher bauen, weil... und Windräder verschandeln die Landschaft und...

Vielleicht sollte man einfach mal anfangen - auch wenn noch keine 100%igen Lösungen vorhanden sind.
Im übrigigen: Mir wäre neu, dass Atomkraft- und Kohlekraftwerke sich harmonisch in die Landschaft einfügen!!!

Ökostrom

Ich bin doch nicht gegen Ökostrom. Nur die in dem Link von Younicos angeprießenen Speicher halte ich für ungünstig.
Weil es einfachere Möglichkeiten gäbe.

Beim Atomstrom gibt es die gleichen Probleme mit dem Speichern nur umgekehrt, weil sie total unflexibel sind.
Bei 50 % Atomstrom, wie im Freistatt Bayern jahrzehntelang üblich, mußte er bei schwacher Nachfrage auch entsorgt oder gespeichert werden.
Damals wurden die Nachtspeicherheizungen erfunden.

"Atomstrom unflexibel"

"Beim Atomstrom gibt es die gleichen Probleme mit dem Speichern nur umgekehrt, weil sie total unflexibel sind."

Das ist falsch. Siedewasserreaktoren können innerhalb von einiger Sekunden in einem Bereich zwischen 20 und 100 Prozent ihrer Leistung auf- und abgefahren werden. Nur macht das kein Mensch, weil man mit Kernkraftwerken praktisch grenzkostenfrei produzieren kann und daher in einer freien Wirtschaft jeder Betreiber den Kernkraftwerken den Produktionsvorrang einräumen wird.

"Bei 50 % Atomstrom, wie im Freistatt Bayern jahrzehntelang üblich, mußte er bei schwacher Nachfrage auch entsorgt oder gespeichert werden.
Damals wurden die Nachtspeicherheizungen erfunden."

Nachtspeicherheizungen sind ja auch gut, weil sie ohne Gasinfrastruktur auskommen und dann, wenn man die der Stromwirtschaft aufgetürmten Lasten beseitigt, ihre Nutzung viel billiger ist als die anderer Energieträger.

Das Argument, Bayern hätte "Atomstrom entsorgen" müssen, zeugt von tiefgehender Ahnungslosigkeit.

und die restlichen 20%

liefert das Dieselaggregat-wie gehabt. Statt einem System laufen dann zwei Systeme. das ist bestimmt billiger! Zu den Kosten fehlt jede nachprüfbare Angabe. Aber Hauptsache "gut gemeint" statt "gut funktionierend". Erschreckend,daß unsere
Merkel-Regierung mit dem EEG genau den gleichen Weg geht.