Deutschland ist Heimat von 2.360 Büffeln, deren Fäkalien im Jahr 2010 mit 1,4 Tonnen Lachgas zur globalen Erwärmung beigetragen haben. Das hat die Bundesregierung vor ein paar Wochen den Vereinten Nationen gemeldet, und so steht es im Nationalen Inventarbericht 2012 . Nicht nur über Büffelkot wird darin Buch geführt. Die staatlichen Statistiker schätzen sämtliche Flatulenzen von Rindern, Schweinen und Pferden ab, jedes Gramm Kohlendioxid aus einem Kraftwerk, jedes Fluormolekül aus Industrieprozessen.

Der 832 Seiten umfassende Bericht ist hochpolitisch. Denn am 31. Dezember endet das vorerst größte Experiment zur Reduzierung von Treibhausgasen . 37 Länder haben sich im Rahmen des Kyoto-Protokolls verpflichtet, ihre Emissionen bis Ende 2012 zu senken. Bald wird man Bilanz ziehen – und Staaten einteilen in Musterschüler, die ihre Ziele erreicht haben, und diejenigen, die sich nicht genug angestrengt haben.

Dumm nur, dass viele Emissionen allenfalls grob abgeschätzt werden können. Über solche Ungenauigkeiten werde zu wenig geredet, kritisieren Wissenschaftler – und fordern, die Berichte durch unabhängige Messungen zu überprüfen. "Ich unterstelle keinem Staat, dass er seine Bilanzen fälscht", sagt Matthias Jonas vom internationalen Forschungsinstitut IIASA in Österreich, "aber viele überschätzen, was sie wirklich wissen."

Das ist riskant. Die Bilanzen sind wichtig für internationale Verträge, Klimaprognosen und die Börsen: Weltweit werden Emissionszertifikate im Gesamtwert von knapp 100 Milliarden Euro gehandelt. Da wäre es gut, wenn man den Zahlen trauen könnte. "Wenn ich im Supermarkt ein Pfund Kekse kaufe", sagt der Klimastatistiker Gregg Marland vom Oak Ridge National Laboratory , "dann möchte ich ja auch sicher sein, dass in der Packung nicht nur ein halbes Pfund drin ist." In der Treibhausgasstatistik seien die Unsicherheiten "inakzeptabel hoch", heißt es in einem Bericht des National Research Council in den USA, an dem Marland mitgearbeitet hat.

Beispiel Industrie: Die Emissionen von Schwefelhexafluorid – das Gas aus der Elektrotechnik ist 24.000-mal so klimaschädlich wie CO₂ – sinken seit 1995, glaubt man den Statistiken der Länder. Als Heidelberger Umweltphysiker jedoch die Daten eines globalen Messnetzes auswerteten, stellten sie fest: Die Emissionen steigen an und lagen zuletzt fünfmal so hoch, wie sie laut UN-Statistik hätten liegen sollen.