Die Websuche

Für die meisten Menschen gilt: Wenn Suche, dann Google. Daran konnte bislang kein Herausforderer etwas ändern. Vielleicht, weil die meisten versuchten, den unangefochtenen Branchenprimus zu kopieren. Der in London ansässige Dienst Faroo hingegen hat eine P2P-basierte Suche entwickelt. Während Google seinen Index der Webinhalte, aus dem die Suchergebnisse entstehen, in einem eigenen Rechnerpark aus einer Million Computern vorhält, setzt Faroo nur auf die Computer seiner Nutzer, die dafür jeweils etwa ein Gigabyte zur Verfügung stellen. 2,5 Millionen tun dies zurzeit. Noch ist der Faroo-Index mit zwei Milliarden Webinhalten klein gegenüber den 40 Milliarden Dokumenten, über die Google verfügt. »Doch bei insgesamt mehr als zwei Milliarden Internetnutzern kann man das Potenzial eines verteilten Ansatzes schon erahnen«, sagt der deutsche Faroo-Mitgründer Wolf Garbe.

Die Rangfolge der Suchergebnisse wird bei Faroo anders ermittelt als bei Google. Der Datenriese setzt im Kern auf den sogenannten Pagerank-Algorithmus: Ob eine Seite relevant ist, bestimmt sich auch danach, wie viele andere Seiten auf sie verweisen. Den Ansatz von Faroo nennt Garbe attention-based ranking: Relevant ist vor allem, was die Nutzer, die mit dem kleinen Programm arbeiten, auf ihrem Weg durchs Web auswählen. So können auch relativ neue Inhalte weit oben landen. Zu allgemeinen Stichworten taucht deshalb nicht unbedingt die entsprechende Wikipedia-Seite als Erstes auf. Wer etwa nach »Klimawandel« sucht, bekommt bei Google auf Platz eins den Wikipedia-Eintrag, bei Faroo das RealClimate-Blog von Klimaforschern angezeigt – das die Nutzer offenbar besonders häufig angesteuert haben.

Wer sich an Faroo beteiligen will, lädt Apps für iPhone und iPad herunter oder installiert das Windows-Programm. Danach lässt sich Faroo in den Browsern Firefox und Internet Explorer als Dienst im Suchfenster auswählen. Die individuellen Nutzerdaten verbleiben dabei auf dem eigenen Rechner. Wer vorerst nur suchen will, kann dies auf der übersichtlichen Seite faroo.com tun.

Soziale Netzwerke

Ähnlich wie Google scheint auch Facebook unangreifbar zu sein, aller Aufregung um das Horten von Daten und dubiose Geschäftsbedingungen zum Trotz. Denn es ist nicht einfach ein Soziales Netzwerk, sondern das Soziale Netzwerk schlechthin. Auch Facebook arbeitet mit zentralen Rechnerparks, in denen sein gesamter Datenbestand liegt. Jetzt schickt sich eine ganze Reihe von Projekten an, mit P2P-basierten Sozialen Netzwerken eine vertrauenswürdigere Alternative zu schaffen. Die Nutzer behalten hierbei alle Rechte an ihren Daten, die auf viele Rechner verteilt sind. Zwei Konzepte sind vergleichsweise bekannt: Diaspora und Friendica.

Diaspora, zu testen unter joindiaspora.com, läuft über eine Vielzahl sogenannter Pods – Rechner, die Freiwillige zur Verfügung stellen (eine Liste gibt es unter podupti.me). Wer sich auf einem Pod anmeldet, findet danach eine aufgeräumte Seite vor, die zunächst an den Facebook-Konkurrenten Google+ erinnert. Kein Zufall: Google+ hat sich ganz offensichtlich vom 2010 gestarteten Diaspora-Projekt inspirieren lassen, das die Mitteilungen von anderen thematisch in »Aspekten« anordnet (bei Google+: Circles). Diaspora bietet zudem eine Verschlagwortung wie der Kurznachrichtendienst Twitter. Wer nicht auf Facebook verzichten und Diaspora erst mal testen will, kann die beiden Dienste miteinander verbinden. Die Gründer von Diaspora haben aber nun angekündigt, die Kontrolle über das Open-Source-Projekt abzugeben und der Community zu übergeben. Die muss Diaspora künftig also weiterentwickeln.

Während Diaspora durch Schlichtheit besticht, will das Netzwerk Friendica – noch in der Demo-Phase – seinen Nutzern Vielfalt ermöglichen. Anders als bei Facebook, dessen Grundlayout für alle geradezu sozialistisch gleich ist, lassen sich bei Friendica unterschiedliche Varianten wählen. Zudem können Nutzer sehr detailliert einstellen, wer welche Daten sehen darf. Ausprobieren kann man es unter tryfriendica.de.