Besser essenMahlzeit!
Seite 3/6:

Auch in Restaurants lassen wir uns von anderen leiten

Mittagsbuffets, egal ob asiatisch, europäisch oder amerikanisch, sind unberechenbar. Allein schon wegen der Menge: »Die stark gewürzten Speisen machen Appetit auf mehr, und man sieht ja auch, dass die Gäste sich immer wieder nachnehmen«, sagt Freitag. »Man will sich durch alles durchprobieren. Zumindest so lange, bis man merkt, dass alles gleich schmeckt.«

Buffets verleiten zur Maßlosigkeit – insbesondere wenn sie teuer sind. Als eine Pizzeria ihr All-you-can-eat-Angebot um die Hälfte billiger machte, aßen die Kunden ein Drittel weniger, fand der Marketing-Professor Brian Wansink von der Cornell University heraus. Umgekehrt versuchen offenbar Gäste, die für eine Flatrate viel bezahlt haben, möglichst viel für ihr Geld zu bekommen.

Anzeige

Weil man immer wieder zum Buffet läuft und sich ein Häppchen nach dem anderen auflädt, verliert man leicht den Überblick darüber, wie viel man schon gegessen hat. Was dagegen hilft, hat Wansink ebenfalls herausgefunden. Er lud 52 Studenten zu einer Super-Bowl-Party in einer Sportbar in Illinois ein. An einem All-you-can-eat-Buffet gab es Softdrinks und Chicken Wings. Super-Bowl-Partys seien ideal für Forschung dieser Art, schreibt Wansink, denn es sei üblich, während solcher Veranstaltungen zu snacken – und die Probanden seien durch das Footballspiel abgelenkt. An der Hälfte der Tische räumten die Kellner die leer gegessenen Teller gleich ab. An den anderen Tischen blieben sie stehen. Tatsächlich aßen diejenigen weniger, die ständig die Reste ihrer Chicken Wings im Blick hatten. Eine solche Gedächtnisstütze helfe offenbar, die Verzehrmenge einzuschätzen, schreibt Wansink in der Studie, die er Counting Bones genannt hat – »Knochen zählen«.

Aber auch jenseits von Buffets gibt es Mächte, die unser Essverhalten beeinflussen: unsere Mitmenschen. Wie in vielen Alltagssituationen lassen wir uns auch in Restaurants von anderen leiten. So ist bekannt, dass zwei Personen, die einander gegenübersitzen, ungefähr gleich viel essen. Eine Studie niederländischer und kanadischer Psychologen könnte das Phänomen erklären: Jeder imitiert demnach unbewusst seine Mitmenschen. Wenn zwei Personen gemeinsam essen, synchronisieren sie ihre Bewegungen und damit das Tempo und das gesamte Essverhalten. Dieses Imitieren sieht man schon bei Kindern, auch sie lassen sich beim Essen leicht von anderen steuern. Die Gesundheitspsychologin Britta Renner von der Universität Konstanz und ihre Kollegen baten Kinder, sich ein gleichaltriges Kind vorzustellen, das sehr beliebt ist. In der ersten Variante des Tests wurde in einem Nebensatz erwähnt, das Kind esse in der Schulpause Obst und Gemüse, in der zweiten hieß es, es esse immer Hamburger. Während des Experiments naschten die jungen Probanden deutlich mehr Chips und Schokokugeln, wenn sie sich ein Kind vorstellten, das Fast Food vorzieht.

Allerdings folgen wir beim Essen nicht jedem Menschen in gleichem Maße. Es kommt auch auf die Körperfülle der anderen Person an. Für eine Studie kanadischer und amerikanischer Marketing-Professoren durften Studentinnen fernsehen und dabei Kekse und Schokolade essen. Was die Studentinnen nicht wussten: Die Person vor ihnen an der Süßigkeiten-Ausgabe war ein Lockvogel, der die Aufgabe hatte, richtig viel zu nehmen. Tatsächlich ließen sich die Probandinnen mitreißen und nahmen dann mehr, wenn der Lockvogel ordentlich zulangte. Dieser Effekt verstärkte sich noch, wenn die Person dünn war. Offensichtlich tricksten sich die Studentinnen unbewusst selbst aus: Wenn die das isst und schlank bleibt, wird es schon nicht so schlimm sein! Wirkte der gefräßige Lockvogel dank eines gepolsterten Anzugs allerdings dick, fühlten sich die Probandinnen nicht so stark zum Naschen animiert.

Das Ergebnis ist erstaunlich, weil es der bisherigen Annahme widerspricht, Dicke im näheren Umfeld ließen den eigenen Body-Mass-Index steigen. »Tatsächlich ist es meist nicht am gefährlichsten, mit Übergewichtigen zu essen, sondern mit Personen, die dünn sind und viel essen«, schreiben die Autoren. Sie geben auch gleich Empfehlungen in puncto Lunchbegleitung: Am schlechtesten seien dünne Vielesser, am zweitschlechtesten dicke Vielesser und am besten dünne Asketen – denn die brächten einen mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu, sich selbst zu zügeln.

Imbissbude – Kalorien, die man sieht

Der eigenen Wahrnehmung mag es gelingen, die mächtigen vegetarischen Maultaschen und das asiatisch Frittierte zu leichten Gerichten umzudefinieren. An der Imbissbude aber ist Selbstbetrug ausgeschlossen. Bei Borras Reibekuchen auf dem Wochenmarkt am Düsseldorfer Carlsplatz glänzen saftige Würste auf dem Grill, als Beilage gibt es Pommes, die Reibekuchen schwimmen im Ölbad. Unserem Koch Björn Freitag gefällt das. »Wer hier isst, weiß, was er bekommt. Das finde ich besser als solche halbfeinen Gerichte wie die vegetarischen Maultaschen, die leicht wirken und dann doch schwer sind«, sagt er. An einem Stehtisch probiert er die Currywurst. Ihm gefällt, dass die Imbissdame sie mit einer Krakauer zubereitet hat, etwas Besonderes. Er kostet noch einmal, und noch etwas mehr – bis der Pappteller leer ist.

Leserkommentare
  1. Steht bei mir oft auf meinen eingefrorenen Portions-Tuppers mit leckeren Resten vom Wochenende, 100% selbstgemacht.
    Gerade auf meinem Teller: Lammbraten mit Weinsauce, Reis mit Salatgurken und Tomaten aus dem Garten (und gekauften Paprikaschoten, die sind eingegangen im Hochbeet).
    Im Frankfurter Westend findet man kaum etwas Bezahlbares als Sekretärin; die günstigen Sachen sind grenzwertig. FRoSTA ist eine sehr gute Alternative.
    Dass so viele Leute ohne Fix-Tüten nicht mehr kochen können, finde ich traurig.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und dann im Büro ab in die Mikrowelle und dort so lange mit Strahlung beschießen bis das Essen heiß ist?

  2. gibt es wohl nur eine Möglichkeit, nämlich das Essen komplett einzustellen.

    Im Ersnt, was sollen all diese Tipps, die mehr verunsichern als helfen und morgen von neuen Studien wieder ad absurdum geführt werden können. Hut, für "Berater" und Konsorten wäre die Welt ärmer, aber eine Kleinigkeit steht dem "gesunden Essen" immer gegenüber. Sterben müssen wir nämlich alle, ob nun gesund ernährt oder nicht.

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ..."sterben müssen wir alle"... danke für diese Binsenweisheit, die mit einem Rundumschlag jedes Gesundheitsbewusstsein ad absurdum führt. Natürlich müssen wir alle sterben, worum es bei der Ernährung geht ist: wie lange LEBEN wir und mit welcher QUALITÄT! Gesunde, ausgewogene (und trotzdem GENUSSVOLLE) Ernährung steigert Ihre Lebensqualität und verlängert das gesunde Leben. Schlimm genug, dass man so etwas überhaupt noch wiederholen muss...

    Und jetzt dürfen Sie wieder auf die Überholspur in Richtung letzte Ausfahrt!

    bevor du ihn kommentierst?

    • Fiesko
    • 02. Oktober 2012 20:31 Uhr

    ich kann Ihnen nur voll und ganz zustimmen! All diese tollen Ernährungsratschläge, deren Halbwertszeit mitunter kürzer ist als das Papier, worauf sie gedruckt sind, zum Verrotten bracht - cui bono? Hauptsächlich den Ernährungsberatern und Fernsehköchen, vermute ich. Dazu kommt, dass der Begriff "Ernährungswissenschaft", es tut mir leid es sagen zu müssen, fast ein Widerspruch in sich ist. Es gibt so gut wie keine Aussagen in dieser Disziplin, die nicht irgendwann widerrufen werden mussten. Ich weiss, dass ich nichts weiss - das wäre mal ein gutes Motto für alle in dieser Branche Tätigen. Verschont uns doch einfach mit euren Ratschlägen, bitte bitte.

  3. ..."sterben müssen wir alle"... danke für diese Binsenweisheit, die mit einem Rundumschlag jedes Gesundheitsbewusstsein ad absurdum führt. Natürlich müssen wir alle sterben, worum es bei der Ernährung geht ist: wie lange LEBEN wir und mit welcher QUALITÄT! Gesunde, ausgewogene (und trotzdem GENUSSVOLLE) Ernährung steigert Ihre Lebensqualität und verlängert das gesunde Leben. Schlimm genug, dass man so etwas überhaupt noch wiederholen muss...

    Und jetzt dürfen Sie wieder auf die Überholspur in Richtung letzte Ausfahrt!

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Up, war gar nicht SO gemeint mit dem sterben, ich finde es nur mittlerweile extrem öde, wer einem versucht zu erzählen, was denn nun alles so toll gesund ist. ( Und wie bereits geschrieben, nach einem Jahr gilt immer genau das gegenteil )

    Ich denke mit einfachen, möglichst "naturnah" gezogenen Essensachen kann man nicht so viel falsch machen.

    • ludna
    • 02. Oktober 2012 14:06 Uhr

    heiss muss es sein
    und satt machen muss es.

    2 Leserempfehlungen
  4. und dann im Büro ab in die Mikrowelle und dort so lange mit Strahlung beschießen bis das Essen heiß ist?

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Büroessen "
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • KG
    • 02. Oktober 2012 15:17 Uhr

    Man entkommt der Strahlung einfach nicht mehr. Selbst wenn man um die Gefahren der Mikrowelle weiß und diese meidet. Dann sitzt man im Büro, isst einen kleinen Snack, vergisst dabei aber allzu leich, dass alle modernen Lampen aber ebenfalls elektromagnetische Strahlung im Bereich von 400-800 nm ausstrahlen. Aber genau wie bei den Mikrowellen: Es nützt der Industrie und der Staat tut nichts!
    Gleiches gilt bei modernen Heizkörpern. Die sparen zwar Energie, aber es ist erwiesen, dass die selbst ausgeschaltet, also bei Raumtemperatur bereits Strahlung mit Wellenlängen über 3µm abgeben. Aber dank der Loobyisten ist sowas frei verkäuflich!

    wo ist da das problem?

    • skeptik
    • 02. Oktober 2012 20:20 Uhr

    Die Mirkrowelle ist für Vitamine sogar eine schonende Methode.
    Strahlung ist, wie hier auf unterhaltsammer Weise :) angemerkt wurde ein weiter Begriff. Ionisierende Strahlung ("radioaktive" Strahlung)ist in höheren Dosen gefährlich, elektromagnetische Strahlung ist je nach Wellenlänge schädlich oder harmlos (254nm nicht gut ; 500 nm harmlos). Die Mikrowelle ist übrigens weitgehend abgeschirmt, so dass sie davor nicht ins bruzzeln geraten. Sorgen sollte man sich eher über Kanzerogene Stoffe, hormonähnliche Substanzen, Schwermetalle machen. Diesen sind wir auch ordentlich ausgesetzt. Oder über zuviel kaltes Licht fürs Auge, undiziplinierte Autofahrer, usw. Gefahren gibt es genug, da muss man nichts hinzudichten.

  5. Ein interessanter Artikel. Er zeigt wieder einmal wie tief verankert im Unbewussten unser Essverhalten ist. Und diese stammesgeschichtlichen Prägungen, die isich in Millionen jahren entwickelt haben, lassen sich nicht so einfach überschreiben. Zumal das Bewusstsein für gesundes Essen kaum 50 Jahre alt ist. Da ist es doch eher erstaunlich, dass es doch Menschen gibt, die in der Lage sind, sich gesund zu ernähren. Dabei erscheint mir die Fixierung auf "gesunde Ernährung" schon auch wieder problematisch zu sein. Ich könnte mir vorstellen, dass "gesundes Essen" auch nur in Verbindung mit einem "gesunden Leben" funktioniert, also mit ausreichender Bewegung, einer guten Balance zwischen Ruhe und Anforderungen, einem harmonischen sozialen Umfeld.
    Möglicherweise ist in solch einem "gesunden Leben" die Frage des "gesunden Essens" gar nicht mehr so problematisch, weil man dann eben auf die in Jahrtausenden dem Körper eigenen Verhaltensweisen zurückgreifen kann. Der nicht gestresste Körper hat nämlich durchaus ein Gefühl für die richtige Ernährung, man müsste ihm nur vertrauen.

    Allein an der Ernährung rumzudoktern dürfte deshalb ein problematischer Ansatz sein, man sollte das gesamte Lebensumfeld im Auge haben, auch gerade wenn es ums Essen geht.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass das Selbst-Kochen im Zuge der Vetreibung des "Heimchens" vom Herd ins Buero innerhalb zweier Generationen sich zu einer ausgestorbenen Kunst entwickelt hat.
    Dass man "Processed Food" (i.e. vorverarbeitet) durch Dekoration mit eine Salatbar als gutes und gesundes Essen maskieren will, egal ob im Restaurant oder daheim schnell zusammengeschmissen, ist ein Taueschungsmanoever.
    Wer nicht nur Ramsch essen will muss sich die Muehe machen "originale" Zutaten zu kaufen und die gesamte Zubereitung selbst zu machen.

    "Gesundes" Essen kann doch nur das sein, was "natürlich" verfügbar ist und weshalb unser Körper dahingehend durch die Evolution zusammengestrickt wurde. Dazu zählt zumindest für einen Teil der Menschheit die Kuhmilch, weil die Natur vor etwa 6 ka eben mal den Bauplanleicht geändert hat. Und das ist in den Grundzügen 1 Ma her, nicht erst 50 Jahre. Dieses Datum rührt davon her, dass uns irgendwelche Leute qua Amtes weismachen wollen, was angeblich gesund sei ...

  6. Up, war gar nicht SO gemeint mit dem sterben, ich finde es nur mittlerweile extrem öde, wer einem versucht zu erzählen, was denn nun alles so toll gesund ist. ( Und wie bereits geschrieben, nach einem Jahr gilt immer genau das gegenteil )

    Ich denke mit einfachen, möglichst "naturnah" gezogenen Essensachen kann man nicht so viel falsch machen.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Herrje..."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das leuchtet im ersten Moment ein.

    Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass gerade durch den großen Abstand zur Natur, den wir in der zivilisierten Welt nun einmal haben, viele Dinge besser für uns laufen, als wenn wir naturnahe leben würden. So ist insbesondere die Lebenserwatung deutlich hochgegangen und die Kindersterblichkeit rapide gesunken. Sicherlich hat dies Grenzen und gerade hinsichtlich Allergien und Autoimmunkrankheiten werden uns was Hygiene und Sterilität antrifft harte Schranken aufgezeigt.

    Aber wieso sollte das mit dem Essen nicht ähnlich sein? Das wir nämlich unser Essen und Essverhalten gegenüber dem aus der Natur gebotenen Möglichkeiten optimieren können.

  7. „Wer sich bevormundet fühlt, reagiert leicht mit Ablehnung oder Trotz.“ Wie wahr! Nach Lektüre des Artikels habe ich so richtig Appetit auf eine Currywurst und werde gleich mal runter zur Imbissbude gehen.

    Ansonsten liest sich die Fixierung darauf, möglichst nicht zu viel zu essen - und schon gar nicht Fett oder Zucker! - die den ganzen Artikel durchzieht, wie ein Einstieg in die Psychologie von Magersucht. Dick wird man nicht durch Fett oder Zucker sondern dadurch, dass man mehr ist als man verbraucht. Wer sich vor Übergewicht sorgt, sollte lieber Sport machen anstatt permanent sein Essverhalten zu kontrollieren. Wenn ich mir meinen Bekanntenkreis angucke korreliert sportliche Aktivität deutlich stärker mit Schlankheit als das Essverhalten.

    Ansonsten ist die ganze Frage, ob ein Essen jetzt "gesund" ist oder nicht, wissenschaftlich viel weniger eindeutig als mancher es gerne hätte. Dass dreimal täglich Currywurst nicht zu empfehlen ist, leuchtet sicher jedem ein, aber wie denn die optimale Ernährung aussieht kann keiner mit Sicherheit sagen. Früher sollten es die Fette sein, die dick machen, heute die Kohlehydrate; die Ernährungswissenschaft hat in der Hinsicht sicher noch einen langen Weg vor sich.

    Lange Rede kurzer Sinn: Beim Essen ist für mich auch weiterhin das Wichtigste, dass es schmeckt und satt macht.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • snoek
    • 02. Oktober 2012 14:45 Uhr

    Das war auch mein Gedanke. Auch in seiner Sendung achtet Freitag sehr auf Fettfreiheit bei der Zubereitung. Das nervt.

    Zum Anderen wundert mich auch, dass Freitag das geschnittene, abgepackte Obst gut findet. In seiner Sendung hat er Salate getestet. Dabei kam heraus, dass die geschnittenen, abgepackten Salate oft mit Keimen oder Bakterien belastet waren und er eher vom Verzehr abraten würde. Seitdem habe ich nur noch Mitleid für die Leute, die sich diesen Mist kaufen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Ernährung | Gesundheit | Psychologie | Nahrungsmittel | Essen
Service