Besser essen : Mahlzeit!
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Produkte mit positivem Image werden generell für überlegen gehalten

Die Ladenkette versteht sich als gesunde Alternative zu Fast-Food-Filialen, Imbissbuden und Bäckereien. Selbst der kritische Fernsehkoch Björn Freitag ist nach dem ersten Eindruck begeistert: »Dass das Obst vorgeschnitten ist, finde ich richtig gut, weil die meisten Leute zu faul sind, Früchte selbst klein zu schneiden.«

Gleich neben dem Obst gibt es im Kühlregal leichte Desserts: »Joghurt-Quarkcreme, Mangokompott, Pistazienstückchen«, steht an der Seite des Bechers. Weiße Creme und orangefarbenes Kompott sind im Becher hübsch übereinandergeschichtet. Freitag lobt, dass nur wenige Zutaten im Produkt stecken, »das scheint frisch und naturbelassen zu sein«. Doch dann hebt er den Becher – und findet auf der Unterseite die vollständige Zutatenliste: Stabilisatoren, Verdickungsmittel, Sahne, Zucker. Das Joghurt-Dessert ist doch nicht so leicht und natürlich.

Nun sieht Freitag genauer hin und stellt fest, dass in etlichen Produkten viele Zusatzstoffe und Fette stecken. Neben den Salaten stehen im Kühlregal süße Erdbeermilch, abgepackte Minisalamis und Fertigcurrywurst. Was den Genuss angeht, ist Björn Freitag zunehmend kritisch, je weiter er sich in den Laden vorarbeitet. »Noch nie in meinem Leben habe ich ein so vertrocknetes Huhn gesehen«, lautet sein Kommentar zu den Hühnchen-Ananas-Spießen, die in einem Wärmeschrank in Plastikverpackungen liegen. »Das würde ich nicht einmal essen, wenn ich auf einer Raumstation wäre.«

Was ihn besonders stört, ist der Widerspruch zwischen Verpackung und Inhalt des Ladens: »Die grünen Wände, das Obst und der Salat am Eingang vermitteln einem das Gefühl, hier sei alles natürlich und gesund – aber das stimmt nicht.«

Ein Gefühl, das viele Menschen auch nicht hinterfragen, bietet es ihnen doch eine dankbare Ausrede. Wenn etwa ein Fast-Food-Lokal vorgibt, gesundes Essen zu verkaufen, lassen sich viele leichtgläubig in die Irre führen, zeigt eine Studie der Marketing- Forscher Brian Wansink und Pierre Chandon. Sie schätzen dann den Kaloriengehalt der Hauptgerichte geringer ein und wählen Beilagen, Desserts und Getränke mit höherem Kaloriengehalt. Einen solchen Effekt könnte es auch in Supermärkten geben, die auf gesund gestylt sind, vermutet Wansink.

Haben Produkte erst einmal ein positives Image, halten Menschen sie oft generell für überlegen. Etwa ein Biosiegel: Prangt es auf Süßigkeiten, halten Kunden sie automatisch für kalorienärmer. Und essen mehr davon oder verzichten auf Sport: Die Biokekse waren doch gesund – wer braucht da noch Lauftraining? Offenbar können Rechtfertigungen für die Völlerei gar nicht fadenscheinig genug sein, Verbraucher halten selbst Schokolade mit Fair-Trade-Siegel für gesünder und kalorienärmer. In einer Studie von US-Psychologen gaben sie an, man könne deshalb guten Gewissens größere Mengen davon verzehren als von gewöhnlicher Schokolade.

Als wir mit Björn Freitag in einem weiteren Supermarkt nach gesunden Produkten für die kurze Mittagspause suchen, achten wir deshalb darauf, uns von Bioprodukten unser Urteilsvermögen nicht vernebeln zu lassen. Auch bei Fertiggerichten mit Ökostempel ist schließlich Misstrauen angebracht. Wie viel Fett und Zucker stecken darin? Mit welchen Zusatzstoffen arbeiten die Hersteller? Das Verdickungsmittel Carrageen und der Konservierungsstoff Nitritpökelsalz etwa sind umstritten und trotzdem in Bioprodukten erlaubt. Wer Glutamat meiden will, sollte keine Bioprodukte mit Hefeextrakt essen, denn darin ist Glutamat enthalten, wenn auch in geringerer Dosis.

Besonders gut gefallen Freitag die Tiefkühlprodukte von Frosta. »Normalerweise habe ich als Sternekoch mit Tiefgekühltem nicht viel zu tun, aber hier würde ich eine Ausnahme machen.« Einfache Gerichte wie Nasi Goreng oder Tagliatelle Wildlachs sind naturbelassen und recht kalorienarm. Nach eigenen Angaben verzichtet Frosta auf alle Zusatzstoffe, und Verbraucherschützer loben die Transparenz: Selbst die Inhaltsstoffe von Gewürzmischungen stehen auf der Packung. »Bürokollegen könnten sich zusammentun und einen solchen Beutel mittags aufwärmen und gemeinsam essen«, schlägt Freitag vor.

Auf die Schnellesser aus den Büros stellen sich zunehmend auch Bäckereien ein. In Bastians Bäckerei in der Düsseldorfer Altstadt etwa liegen nicht nur Brote mit so schönen Namen wie »King Karl« oder »Ringelpietz« in der Verkaufstheke. An den Tischen werden auch Suppen und frische Scheiben Brot mit Tomaten serviert. Gleichzeitig ist für Ablenkung gesorgt: Man kann hier den Bäckern beim Teigkneten zusehen und bekommt schnell das wohlige Gefühl, dass hier noch vieles von Hand gemacht wird. Doch das sollte einen nicht beirren: Eine Leberkäs-Semmel ist auch in einer Bäckerei, die urig daherkommt, eine fettige Sache. Besser ist die Ofenkartoffel mit Salat oder, wenn es schnell gehen muss, ein dunkles Baguette mit magerem Aufschnitt auf die Hand.

Ein simpler Rat, aber schwer zu befolgen, wenn man unter Stress steht. Oft lässt sich in solchen Situationen auch die Menge nur schwer kontrollieren. »Manche essen unter Stress weniger, andere aber mehr«, sagt Ernährungsmediziner Ellrott. Wer das Mittagessen hinunterschlingt, nimmt eher mehr zu sich als sonst. »Denn wer schnell isst, bemerkt Sättigungssignale oft nicht und isst weiter, obwohl er eigentlich schon satt ist.«

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Kommentare

40 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Büroessen

Steht bei mir oft auf meinen eingefrorenen Portions-Tuppers mit leckeren Resten vom Wochenende, 100% selbstgemacht.
Gerade auf meinem Teller: Lammbraten mit Weinsauce, Reis mit Salatgurken und Tomaten aus dem Garten (und gekauften Paprikaschoten, die sind eingegangen im Hochbeet).
Im Frankfurter Westend findet man kaum etwas Bezahlbares als Sekretärin; die günstigen Sachen sind grenzwertig. FRoSTA ist eine sehr gute Alternative.
Dass so viele Leute ohne Fix-Tüten nicht mehr kochen können, finde ich traurig.

Strahlung überall!

Man entkommt der Strahlung einfach nicht mehr. Selbst wenn man um die Gefahren der Mikrowelle weiß und diese meidet. Dann sitzt man im Büro, isst einen kleinen Snack, vergisst dabei aber allzu leich, dass alle modernen Lampen aber ebenfalls elektromagnetische Strahlung im Bereich von 400-800 nm ausstrahlen. Aber genau wie bei den Mikrowellen: Es nützt der Industrie und der Staat tut nichts!
Gleiches gilt bei modernen Heizkörpern. Die sparen zwar Energie, aber es ist erwiesen, dass die selbst ausgeschaltet, also bei Raumtemperatur bereits Strahlung mit Wellenlängen über 3µm abgeben. Aber dank der Loobyisten ist sowas frei verkäuflich!

Eine nicht satirische Antwort:

Die Mirkrowelle ist für Vitamine sogar eine schonende Methode.
Strahlung ist, wie hier auf unterhaltsammer Weise :) angemerkt wurde ein weiter Begriff. Ionisierende Strahlung ("radioaktive" Strahlung)ist in höheren Dosen gefährlich, elektromagnetische Strahlung ist je nach Wellenlänge schädlich oder harmlos (254nm nicht gut ; 500 nm harmlos). Die Mikrowelle ist übrigens weitgehend abgeschirmt, so dass sie davor nicht ins bruzzeln geraten. Sorgen sollte man sich eher über Kanzerogene Stoffe, hormonähnliche Substanzen, Schwermetalle machen. Diesen sind wir auch ordentlich ausgesetzt. Oder über zuviel kaltes Licht fürs Auge, undiziplinierte Autofahrer, usw. Gefahren gibt es genug, da muss man nichts hinzudichten.

Nach dem Lesen des gesamten Artikels ...

gibt es wohl nur eine Möglichkeit, nämlich das Essen komplett einzustellen.

Im Ersnt, was sollen all diese Tipps, die mehr verunsichern als helfen und morgen von neuen Studien wieder ad absurdum geführt werden können. Hut, für "Berater" und Konsorten wäre die Welt ärmer, aber eine Kleinigkeit steht dem "gesunden Essen" immer gegenüber. Sterben müssen wir nämlich alle, ob nun gesund ernährt oder nicht.

Herrje...

..."sterben müssen wir alle"... danke für diese Binsenweisheit, die mit einem Rundumschlag jedes Gesundheitsbewusstsein ad absurdum führt. Natürlich müssen wir alle sterben, worum es bei der Ernährung geht ist: wie lange LEBEN wir und mit welcher QUALITÄT! Gesunde, ausgewogene (und trotzdem GENUSSVOLLE) Ernährung steigert Ihre Lebensqualität und verlängert das gesunde Leben. Schlimm genug, dass man so etwas überhaupt noch wiederholen muss...

Und jetzt dürfen Sie wieder auf die Überholspur in Richtung letzte Ausfahrt!

Naturnahe Nahrung

Das leuchtet im ersten Moment ein.

Allerdings zeigt die Geschichte auch, dass gerade durch den großen Abstand zur Natur, den wir in der zivilisierten Welt nun einmal haben, viele Dinge besser für uns laufen, als wenn wir naturnahe leben würden. So ist insbesondere die Lebenserwatung deutlich hochgegangen und die Kindersterblichkeit rapide gesunken. Sicherlich hat dies Grenzen und gerade hinsichtlich Allergien und Autoimmunkrankheiten werden uns was Hygiene und Sterilität antrifft harte Schranken aufgezeigt.

Aber wieso sollte das mit dem Essen nicht ähnlich sein? Das wir nämlich unser Essen und Essverhalten gegenüber dem aus der Natur gebotenen Möglichkeiten optimieren können.

Naturfernes Leben

Keine Ahnung was diese "zivilisierte Welt" sein soll, aber egal.

Zur Sache:

Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, dass Forschung und Technik uns das Leben leichter gemacht hat. "Leichter" mit "Besser" zu verwechseln ist jedoch ein fataler Fehler.

Sie sprechen bereits die Autoimmunerkrankungen und Allergien an, die oft zu den sogenannten "Zivilisationskrankheiten" (Besser Lebensumstandskrankheiten) gezählt werden. Dazu gehört aber auch die extrem verbreitete Adipositas, gerade weil wir nicht mehr Erdbeeren essen, sondern Erbeersauce.

In einer Dokumentation habe ich gehört, dass die Krebserkrankungen in sogenannten "Entwicklungsländern" in denen die Verschmutzung von Boden, Luft und Wasser noch nicht allzu weit fortgeschritten ist, kaum Krebserkrankungen auftreten.

Die Naturferne in der wir leben vermittelt uns durch ihre Bequemlichkeit ein trügerisches Bild.

Liebes Turbohuhn,

ich kann Ihnen nur voll und ganz zustimmen! All diese tollen Ernährungsratschläge, deren Halbwertszeit mitunter kürzer ist als das Papier, worauf sie gedruckt sind, zum Verrotten bracht - cui bono? Hauptsächlich den Ernährungsberatern und Fernsehköchen, vermute ich. Dazu kommt, dass der Begriff "Ernährungswissenschaft", es tut mir leid es sagen zu müssen, fast ein Widerspruch in sich ist. Es gibt so gut wie keine Aussagen in dieser Disziplin, die nicht irgendwann widerrufen werden mussten. Ich weiss, dass ich nichts weiss - das wäre mal ein gutes Motto für alle in dieser Branche Tätigen. Verschont uns doch einfach mit euren Ratschlägen, bitte bitte.

Das Essen ist nur ein Teil...

Ein interessanter Artikel. Er zeigt wieder einmal wie tief verankert im Unbewussten unser Essverhalten ist. Und diese stammesgeschichtlichen Prägungen, die isich in Millionen jahren entwickelt haben, lassen sich nicht so einfach überschreiben. Zumal das Bewusstsein für gesundes Essen kaum 50 Jahre alt ist. Da ist es doch eher erstaunlich, dass es doch Menschen gibt, die in der Lage sind, sich gesund zu ernähren. Dabei erscheint mir die Fixierung auf "gesunde Ernährung" schon auch wieder problematisch zu sein. Ich könnte mir vorstellen, dass "gesundes Essen" auch nur in Verbindung mit einem "gesunden Leben" funktioniert, also mit ausreichender Bewegung, einer guten Balance zwischen Ruhe und Anforderungen, einem harmonischen sozialen Umfeld.
Möglicherweise ist in solch einem "gesunden Leben" die Frage des "gesunden Essens" gar nicht mehr so problematisch, weil man dann eben auf die in Jahrtausenden dem Körper eigenen Verhaltensweisen zurückgreifen kann. Der nicht gestresste Körper hat nämlich durchaus ein Gefühl für die richtige Ernährung, man müsste ihm nur vertrauen.

Allein an der Ernährung rumzudoktern dürfte deshalb ein problematischer Ansatz sein, man sollte das gesamte Lebensumfeld im Auge haben, auch gerade wenn es ums Essen geht.

Sie koennen noch hinzufuegen,

dass das Selbst-Kochen im Zuge der Vetreibung des "Heimchens" vom Herd ins Buero innerhalb zweier Generationen sich zu einer ausgestorbenen Kunst entwickelt hat.
Dass man "Processed Food" (i.e. vorverarbeitet) durch Dekoration mit eine Salatbar als gutes und gesundes Essen maskieren will, egal ob im Restaurant oder daheim schnell zusammengeschmissen, ist ein Taueschungsmanoever.
Wer nicht nur Ramsch essen will muss sich die Muehe machen "originale" Zutaten zu kaufen und die gesamte Zubereitung selbst zu machen.

Unsinn

Berufstätigkeit der Frau und Selberkochen schließen sich doch nicht aus, wie kommen Sie denn darauf? Erstens können sich die Herren der Schöpfung auch gerne zum Kochen aufgerufen fühlen, und zweitens sind Frauen nun wirklich nicht so einseitig konstruiert, dass sie nur eines erlernen können, nämlich Kochen oder einen Beruf.

Und meinen Sie wirklich, die Frauen fühlen sich tatsächlich vom Herd ins Büro "vertrieben"? Ich würde eher denken, diejenigen, die sich die Mühe machen, einen Beruf zu erlernen, üben diesen dann auch recht gerne aus, egal ob Mann oder Frau.

Schade, dass Sie selber kochen offensichtlich als "Mühe" ansehen. Mir macht kochen jedenfalls Spaß und nein, ich werfe nicht irgendwelche Fertigdinger zusammen und hoffe.

... das Bewusstsein für gesundes Essen kaum 50 Jahre alt ...

"Gesundes" Essen kann doch nur das sein, was "natürlich" verfügbar ist und weshalb unser Körper dahingehend durch die Evolution zusammengestrickt wurde. Dazu zählt zumindest für einen Teil der Menschheit die Kuhmilch, weil die Natur vor etwa 6 ka eben mal den Bauplanleicht geändert hat. Und das ist in den Grundzügen 1 Ma her, nicht erst 50 Jahre. Dieses Datum rührt davon her, dass uns irgendwelche Leute qua Amtes weismachen wollen, was angeblich gesund sei ...