Besser essenMahlzeit!

12 Uhr, Deutschland beginnt zu essen. Im Imbiss, in der Kantine, am Schreibtisch, oft nebenbei, in Eile. Spitzenköche und Psychologen erkunden, wie gesunde Ernährung trotzdem gelingen kann. von Susanne Schäfer

Zwölf Uhr mittags in Düsseldorf: Der Sternekoch Björn Freitag bricht auf zu einem Essmarathon. Es geht allerdings nicht um exquisite Delikatessen wie in seinem Restaurant, sondern um das, was Kantinen, Mittagsbuffets, Bäckereien, Supermärkte und Imbissbuden den Deutschen jeden Mittag vorsetzen. Gemeinsam mit ZEIT Wissen will Freitag herausfinden, wo man mittags am besten isst – lecker und gesund. Und so viel sei schon einmal verraten: Die eine oder andere Überraschung wird es geben auf der Fresstour, etwa bei der Currywurst von der Imbissbude.

Man könnte meinen, die meisten Menschen hierzulande hätten Ratschläge zur guten Ernährung nicht nötig, wissen sie doch recht genau, was das bedeutet. Und eigentlich wollen sie auch bewusst essen. Trotzdem klappt es im Berufsalltag oft nicht. Essen in der Mittagspause hat für die wenigsten mit Genuss und guter Ernährung zu tun. Viele können im Restaurant oder beim Bäcker nur aus einem begrenzten Angebot wählen. Andere sind so gestresst, dass sie nebenbei irgendetwas hinunterschlingen.

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Das größte Hindernis aber ist die eigene Psyche: Der Mensch verfügt über ein erstaunliches Repertoire an Strategien, sich selbst zu überlisten und die Völlerei zu legitimieren. So übersieht er gern, dass Gerichte in der Kantine oder Snacks aus dem Supermarkt nur locker-leicht und gesund daherkommen, es in Wirklichkeit aber nicht sind. Aber es bringt auf Dauer wenig, Kalorien zu zählen oder Vitamine zu berechnen. Denn nicht die Vernunft bestimmt, was wir essen, sondern die Gewohnheit. Unbewusste Mächte führen uns in Versuchung und machen uns anfällig für die Tricks der Anbieter.

Gemeinsam mit Sternekoch Björn Freitag hat ZEIT Wissen Wege gefunden, wie bei jedem Angebot eine bewusste Ernährung gelingen kann. Als Koch der Profi-Fußballmannschaft FC Schalke 04 hat Freitag ein besonderes Bewusstsein für Ernährung, die fit hält. Und weil er in seiner WDR-Fernsehsendung Der Vorkoster genau prüft, wie Hersteller Nahrungsmittel produzieren, erkennt er mit geschultem Blick, was in den Lebensmitteln wirklich drinsteckt.

Kantine – Schaulaufen am Salatbuffet

Schon die erste Station, die Kantine, macht deutlich, wie der Schein trügen kann. Immerhin: Während Angestellte in den achtziger Jahren meist nur zwischen zwei oder drei deftigen Fleischgerichten wählen konnten, bieten die meisten Kantinen inzwischen auch vegetarische Alternativen, Gerichte mit viel Gemüse sowie Salate an. Doch ein Essen, das sich gesund anhört, ist nicht immer das beste. Selbst in modernen Luxuskantinen sollten Berufstätige genau aufpassen, um sich nicht ungewollt versteckte Kalorienbomben einzuverleiben.

»Unternehmen haben die Ernährung als Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements entdeckt«, sagt Christina Zimmermann von der Initiative »Job & fit« der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. So wie Firmen ihre Mitarbeiter in Kurse gegen Stress und zum Sport schicken, so bieten sie ihnen nun auch gutes Essen an, um sie fit und leistungsfähig zu halten. Das Mittagessen wollen sie zu einer Art Wellness umgestalten.

Die Ausrede »Es gab halt nur Lasagne« zählt also nicht mehr. Das Drittel der Berufstätigen, dem eine Kantine zur Verfügung steht, müsste eigentlich leichtes Spiel haben: im Intranet den Speiseplan anschauen, ein gesundes Gericht aussuchen, dieses Gericht dann tatsächlich nehmen, beim Essen über abwesende Kollegen lästern oder Fußballspiele analysieren, weiterarbeiten. Das aber funktioniert nur in der Theorie.

Mit Björn Freitag beginnen wir das große Fressen im Sky Office in Düsseldorf. In dem gläsernen Hochhaus haben unter anderem Unternehmensberatungen und Kanzleien ihren Sitz, sie teilen sich eine gemeinsame Kantine, die aber nicht so heißt, sondern Bistro EssArt. Durch große Fenster fällt viel Licht in den Raum, Salat und Nachtisch sind dekorativ an eigenen Ständen angerichtet. Jedes Gericht bekommt man an einer anderen Station, sodass keine Schlangen entstehen.

Leserkommentare
  1. ... sie haben mir eine Menge Tipperei erspart.

    Antwort auf "Fehlannahme"
  2. ... daß man Kommentare wie Ihren nicht mehrfach "empfehlen" kann.

  3. 35. Bento

    Ich kann in diesem Zusammenhang empfehlen, mal nach dem Thema "Bento" zu googlen. Bento stammt aus Japan, bezeichnet ursprünglich den Behälter, aber wird hierzulande vielfach für das "Gesamtkunstwerk" gebraucht. Auch wenn rosa Comicseiten wohl etwas abschreckend für den durchschnittlichen Zeitleser sein dürfte - es lohnt sich wirklich, mal in das Thema hier http://www.nekobento.com/....

  4. "Gesundes" Essen kann doch nur das sein, was "natürlich" verfügbar ist und weshalb unser Körper dahingehend durch die Evolution zusammengestrickt wurde. Dazu zählt zumindest für einen Teil der Menschheit die Kuhmilch, weil die Natur vor etwa 6 ka eben mal den Bauplanleicht geändert hat. Und das ist in den Grundzügen 1 Ma her, nicht erst 50 Jahre. Dieses Datum rührt davon her, dass uns irgendwelche Leute qua Amtes weismachen wollen, was angeblich gesund sei ...

  5. Selbst in modernen Luxuskantinen sollten Berufstätige genau aufpassen, um sich nicht ungewollt versteckte Kalorienbomben einzuverleiben.
    vs.
    So wie Firmen ihre Mitarbeiter in Kurse gegen Stress und zum Sport schicken, so bieten sie ihnen nun auch gutes Essen an, um sie fit und leistungsfähig zu halten. Das Mittagessen wollen sie zu einer Art Wellness umgestalten.

    Wenn die Firmen doch angeblich so gutes Essen anbieten, warum müssen die Beruftstätigen aufpassen nicht doch eine Kalorienbombe zu erwischen? Wen da überhaupt Kalorienbomben rumliegen, muss man sich doch nicht wundern, dass die auch hochgehen.

  6. Seit geraumer Zeit konsumiere ich Artikel wie hier oder im TV teils amüsiert, teils erstaunt.
    .
    Otto Normalverbraucher kann unter Beachtung einiger Leitfäden ALLES essen.
    Es ist nur eine Frage der Menge, respektive der Häufigkeit.
    .
    * frisch kaufen
    * saisonal kaufen
    * regional kaufen
    * selber kochen (besser + preiswerter)
    * nach Gusto (nicht über-) würzen
    * weitgehender Verzicht auf Industriefutter
    * langsam essen
    * BIO wenn verfügbar; aber nicht hysterisch
    * Getränke "überdenken" wegen Diabetes II
    .
    Je denaturierter ein Lebensmittel ist, um so wertloser sein Inhalt. Und wer nicht über den Sättigungspunkt hinaus isst, der läuft auch nicht Gefahr, zu dick zu werden.
    Nahrung + Essen sind eine Frage des Kopfes und weniger des Geldes.
    .
    Genuss ist wichtig und erlaubt. Man/frau kann auch im Büro schmackhaftes Essen geniessen. Es muss nur mitgebracht werden.

  7. Die EPIC-Studie wurde in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern durchgeführt.

    (EPIC = European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)

    Auswertung(wörtlich übersetzt): „Es wird allgemein angenommen, dass man Krebs durch eine hohe Aufnahme von Obst und Gemüse vorbeugen kann. Leider haben die uneinheitlichen Ergebnisse vieler Studien es nicht erlaubt, eine inverse Beziehung zwischen dem Obst- und Gemüsekonsum und dem allgemeinen Krebsrisiko zu etablieren.“

    Wiki schreibt dazu: Die vor Jahren empfohlene Maxime „5 mal täglich Obst und Gemüse“ basierte auf gesundheitspolitisch wünschenswerten Annahmen, die jedoch einer wissenschaftlichen Grundlage entbehrten".

    Schon gewusst?

    Eine Leserempfehlung
  8. Es geht primär darum, sich bewusst zu ernähren. Damit meine ich nicht nach möglichst fettarmen Gerichten Ausschau zu halten, sondern sich bewusst zu machen was man gerade isst.

    Vegetarier ernähren sich nachgewiesen im Schnitt gesünder als Fleischesser - das kommt aber bestimmt nicht vom Fleischverzicht, sondern durch den bewussten Umgang mit der Nahrung. Während Allesesser dazu neigen einfach darauf loszuessen machen sich Vegetarier bewusste Gedanken und entscheiden sich oftmals gegen Völlerei (aus freien Stücken oder aber wegen des begrenzten vegetarischen Angebots)

    Ich finde den Artikel sehr gut! Er räumt mit vielen Irrtümern auf - gesunde Ernährung heißt nicht nur geschmackloses, fettfreies Essen mit einem Reiscracker dazu zu verspeisen - sondern bewusst auch MAL ein Steak, eine Currywurst oder ein Sparmenü essen zu dürfen.

    Essen muss auch noch Spaß machen - sonst kann auf Dauer nciht gesund sein!

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