FahrräderArtenvielfalt auf dem Radweg

Radfahren ist cool. Das liegt aber weniger am grünen Image als an der neuen Technik und dem reduzierten Design. von Andrea Reidl

Für Trendsetter: E-Bikes

Ihr Reha-Image aus den Anfangsjahren haben die E-Bikes abgelegt, seit die Akkus und Motoren klein, leicht und leistungsfähig sind. E-Bike-Fahren ist hip und macht schnell süchtig. Sportliche Fahrer gleichen damit Leistungsunterschiede aus. Pendler wollen mit ihnen eigentlich nur schweißfrei zur Arbeit fahren. Ohne Kompromisse bei Bremse oder Schaltung einzugehen, ist das ab 1.800 Euro möglich. Der Porsche seiner Gattung ist ein Modell aus Titan. Es kostet 6.000 Euro, zwölf Stück davon baut Elektrolyte pro Jahr. Der kleine Nabenmotor im Hinterrad ist kaum auszumachen. Eine Zeit lang integrierten Designer die Akkus aus ästhetischen Gründen im Rahmen. Aber Vorsicht: Der Akkutausch kann dann problematisch werden.

Ein Miniaturmotor, der im Sitzrohr versenkt werden kann, inspirierte die Rennradszene bereits zu wilden Spekulationen. Der Vorwurf: Fahrraddoping. Einem Fahrer wurde nachgesagt, er habe den »Gruber Assist Nachbausatz« eingebaut und sich so 100 Watt Batteriekraft erschlichen. Nun will die UCI Scanner entwickeln, um versteckte Motoren im Rahmen aufzuspüren.

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Für Pragmatiker: Falträder

Kaum gab es Fahrräder, da faltete man sie schon zusammen. Das erste bereits 1878. Es waren solide Velos, gebaut von Liebhabern oder für den Kriegseinsatz. Die Klappräder der 1970er Jahre haben ihren Ruf ruiniert. Dabei hatte erst wenige Jahre zuvor Sir Alex Moulton das System perfektioniert. Der Ingenieur hatte Hochdruckreifen auf 16-Zoll-Laufräder gezogen, Stoßdämpfer ins Gabelrohr gebaut und das Hinterrad mit einer Gummifederung versehen. Sein voll gefedertes Faltrad brillierte beim Zeitfahren und im Gelände.

Grundsatzfragen im Fahrradladen

Kette oder Riemen?
Riemen sind leicht, leise, fettfrei und wartungsarm. Der »Carbon Drive« von Gates ist die Edelvariante. Aber auch er ist empfindlich: Ein harter Schlag verringert die Haltbarkeit oder lässt ihn sogar reißen. Noch sind Riemen eher ein Spielzeug für Technikfreunde.

26 oder 29 Zoll?
»Twentyniner« sind mehr als ein Modegag. Die imposanten Reifen sind besonders für große Fahrer auf langen Touren durch unwegsames Gelände geeignet. Diese schätzen die hohe Laufruhe und Sicherheit der Räder. Wer lieber wendig unterwegs ist, bevorzugt meist 26er-Laufräder.

Wo soll der Motor hin?
Bei E-Bikes sitzt der Antrieb entweder in einem der Laufräder oder am Tretlager. Zurzeit scheint sich der kompakte Mittelantrieb am Tretlager durchzusetzen. Sein Schwerpunkt liegt in der Radmitte. Das sorgt für Stabilität und das gewohnte Fahrverhalten.

Alu oder Stahl?
Aluminium ist heute das Material der Wahl für Fahrradrahmen. Es ist dreimal so leicht wie Stahl, extrem korrosionsbeständig und hat sich bewährt für Stadt-, Trekking- und Reiseräder. Stahlrahmen werden eher von Liebhabern nachgefragt, die auf die Federwirkung des Materials schwören.

Nabendynamos
Sie haben sich gegenüber den Seitenläuferdynamos längst durchgesetzt. Denn sie brauchen keine Pflege, funktionieren bei jeder Witterung und haben einen hohen Wirkungsgrad. Einige sind mit Ladegeräten fürs Handy verbunden, um dieses während der Fahrt aufzuladen.

Naben- oder Kettenschaltung?
Zu Sorglosfahrern passen Nabenschaltungen. Diese haben meist acht Gänge, sind wartungsfrei, langlebig und können auch im Stehen geschaltet werden. Kettenschaltungen sind meist leichter und bieten eine feinere Abstufung der Übersetzung. Tourenfahrer schwören oft auf eine teure 14-Gang-Nabenschaltung.

Anders als Mountainbiker verschmilzt die kleine Gruppe der Faltradfahrer mit der Marke ihrer Wahl. Im Internet trifft man Birdy-Freunde und Bromptonauten. Letztere versammeln sich jedes Jahr zur Weltmeisterschaft beim »Bike Blenheim Palace«-Festival in Oxfordshire. Der Dresscode schreibt Sakko und Krawatte vor.

Traditionell kommen Faltradkäufer aus dem Jachtsport oder Caravaning. Packmaß und Aufbauzeit interessieren hier wenig. Anders bei Pendlern: Für sie ist nicht nur jede zusätzliche Sekunde beim Aufbau lästig, sondern auch ein großes Packmaß. Beides variiert je nach Modell. Stabil ist dagegen mit rund zehn Kilo das Gewicht. Der Preis liegt etwa ein Drittel höher als bei einem gleichwertigen nicht faltbaren Rad.

Leserkommentare
    • quax74
    • 16. August 2012 9:09 Uhr

    ... nur warum steht das unter der Rubrik "Auto" ?

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    es das Auto zunehmend ersetzt

    • isl8
    • 16. August 2012 15:20 Uhr

    vielleicht sollte das Ressort ohnehin umbenannt werden. z.B. in "Mobilität" oder "Unterwegs", da die Einschränkung Auto etwas engstirnig ist, welches (zum Glück) von den Redakteurinnen und Redakteuren frei interpretiert wird.

  1. es das Auto zunehmend ersetzt

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Ist ja ganz nett ..."
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    ... und das ist gut so!

  2. ... kann ich mir nur schwer vorstellen. Meine bislang 35jährige Radfahr-Karriere hatte ich während des Zivildienstes (mobiler sozialer Hilfsdienst) kurzzeitig mit einer Velo-Solex unterbrochen, was ich aber bald wieder habe stehen lassen. Nun bin ich Mitte 50, erledige alle Strecken (in Berlin) bei Wind und Wetter mit dem Rad, habe bis heute keinen Autoführerschein und werde den wohl in diesem Leben auch nicht mehr machen wollen.

  3. Es stimmt schon, daß Aluminium Legierungen 3 mal leichter sind als Stahl.

    Aber Stahl kann dafür eine wesentlich höhere Festigkeit erreichen.

    Man kann mit Stahl genauso leicht bauen wie mit Alu, das wird aber teurer und gibt ästhetisch wenig her.
    Deswegen ist Aluminium so beliebt.

    Aluminium ist nur eloxiert korrosionsfest.

    Das Gleiche kan man bei Stahl mit verzinken erreichen, das ist wesentlich umweltfreundlicher.

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    Bei verzinkten Rahmen muss es sich um eine wirkliche Innovation handeln.
    Edelstahlrahmen - OK alter ( aber guter ) Hut, jedoch verzinkt?

  4. Leider hat sich eine Fehlinformation eingeschlichen: Der starreGang an Fixies gilt mitnichten als Bremse! Es gibt kein derartiges Urteil - im gegenteil gibt es Urteile, die bestätigen, dass die Polizei Fixies wegen der fehlenden Bremse beschlagnahmen darf: http://www.adfc.de/news/a...

  5. Nö – nicht, wenn einem 2 mal im Jahr das Fahrrad gestohlen wird.

  6. aber mehr als 50 Euro habe ich im Leben nie fürn Rad bezahlt. Und bin Vielradler.

    Man kann ein teures Rad nicht so leicht abstellen, vor allem, wenn man wie ich in der Natur unterwegs ist,.

    So nehme ich mein altes Rad, das klaut dann keiner, fahr irgendwohin, suche nur noch einen geeigneten Platz zum Abstellen, notfalls an einen Baum im Busch. Und brauch es in der Stadt für den kurzen Sprung ins Geschäft oft auch nur mit dem Speichenschloss schliessen!

    5000 Euro, 1000 Euro, also höchstens 300 Euro. Mir wurden schon bessere Räder geklaut, das nervt.

    Was ich gut fände, wäre ein Klassikprogramm, dass man mit wenig Geld sich etwas zusammenbasteln kann, aber leider sind heute so viele Teile und Marken unterwegs, und selten passt es zusammen.

    Ich wünsche mir auch mehr Youtube Videos für Reparaturen. Denn wenn ich ein 50 Euro Rad habe, also gehe ich dann zum Fahrradladen, kostet allein die Handwerkliche Stunde schon die Hälfte.

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    • Petka
    • 16. August 2012 10:27 Uhr

    ... soll es ja geben. Sogar solche, die um Bäume schlingbar sind.

    Schlösser kann man natürlich auch knacken. Nur eben nicht so leicht, wie man ein abgeschlossenes Rad wegtragen oder ein unabgeschlossenes wegfahren kann.

    Aber sei es drum, man muss an Schlösser nicht glauben. Man kann auch im Zelt wohnen, weil man dem Haustürschloss nicht traut.

    • Petka
    • 16. August 2012 10:27 Uhr

    ... soll es ja geben. Sogar solche, die um Bäume schlingbar sind.

    Schlösser kann man natürlich auch knacken. Nur eben nicht so leicht, wie man ein abgeschlossenes Rad wegtragen oder ein unabgeschlossenes wegfahren kann.

    Aber sei es drum, man muss an Schlösser nicht glauben. Man kann auch im Zelt wohnen, weil man dem Haustürschloss nicht traut.

    Antwort auf "Besser als Autos"
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    Sorry, aber wer in einer Großstadt wie Berlin oder Hamburg ein hochwertige(re)s Bike auch gut gesichert regelmäßig draußen (z.B. im Hof seines Wohnhauses) stehen lässt, der kann leider verdammt sicher sein, dass es relativ bald weg ist oder über Nacht Teile abgebaut werden.

    Der Vgl. mit Haustürschlössern ist auch nicht wirklich hilfreich denn es werden nunmal deutlich mehr Fahrräder gestohlen als Wohnungen aufgebrochen (Berlin 2010: 22000 angezeigte (!) Fahrraddiebstähle vs. 2900 Einbrüche in Wohnungen), das Risiko erwischt zu werden ist deutlich geringer und selbst abgeschlossene Billig-Bikes werden en masse nachts aus Kellern/Treppenhäusern/Höfen oder von Fahrradständern "abgegepflückt" und mit LKW weg transportiert.
    Ich fahre z.B. ein 12 Jahre altes MTB, das damals auch "nur" (für mich viel Geld) 600€ gekostet hat und ich würde es trotz hochwertigem Schloss niemals über Nacht irgendwo draußen angekettet stehen lassen (auch nicht bei mir im Hof, wo mir nach einer Woche die uralte Federgabel ausgebaut wurde).

    Natürlich gibt es sichere Keller oder Balkone etc. aber nicht jeder hat in einer Großstadt eine solche Option und daher ist es wirklich nicht blöd für kurze Alltagsfahrten ein billiges Fahrrad zu nehmen.

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