InsektenforschungStich! Mich! Nicht!

Was Mücken anlockt und abschreckt, erforschen Spezialisten einer Regensburger Firma. Nun hegen sie einen verblüffenden Verdacht: Sind Menschen mit Alkohol im Blut für Mücken attraktiver?

Eine Mücke macht sich bereit zum Angriff.

Eine Mücke macht sich bereit zum Angriff.

Anja Schlecht wird an diesem Vormittag Bier trinken und sich einem Schwarm Mücken präsentieren – im Dienste der Wissenschaft und vielleicht sogar auch der Menschheit. Für ihre Tätigkeit bekommt sie etwas Geld. Normalerweise studiert Anja Schlecht Biologie, heute ist sie selbst Teil eines Versuchsaufbaus. Sie steht in einem feuchtwarmen Labor der Universität Regensburg und legt ihre Hand auf die Öffnung eines Plexiglasrohrs. Vom anderen Ende der Röhre schwirrt etwa ein Dutzend Mücken heran, kleine Gelbfiebermücken. In den Tropen übertragen sie das Dengue-Fieber, hier in Regensburg stechen sie nur.

Sie sollen eine Wahl treffen: Das Rohr gabelt sich wie ein Y – die Mücken können nach rechts fliegen in eine Sackgasse. Oder nach links zur Hand von Anja Schlecht. Versuchsleiterin Ulla Obermayr drückt eine Stoppuhr. 30 Sekunden haben die Mücken Zeit. Dann wird gezählt, wie viele sich für die Hand entschieden haben.

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Die Forscher gehen einer großen Frage nach: Was zieht Mücken zum Menschen – und was schreckt sie ab? Heute geht es um einen Sonderfall: Sind Menschen mit Alkohol im Blut für manche Mückenarten attraktiver? Kann man mit dem Geruch alkoholisierter Menschen vielleicht sogar Mücken fangen? Die Erkenntnisse sind nicht nur für Biergartenbesucher interessant. Bis zu eine Million Menschen sterben jedes Jahr an Malaria, sie wird von Anopheles-Mücken übertragen. 100 Millionen infizieren sich mit dem Dengue-Virus. Wirksame Fallen könnten Menschenleben retten.

Als Ulla Obermayr nach 30 Sekunden die Uhr anhält, tummeln sich fünf Mücken in der Röhre zu Schlechts Hand. »Jetzt machst du dir erst mal ein Bierchen auf, und dann wiederholen wir das Ganze«, sagt Obermayr. Es sei noch nie so einfach gewesen, Probanden zu rekrutieren, wie für diese Studie, erzählt sie. »Aber morgens um neun Uhr auf 0,8 Promille zu kommen ist anstrengender, als man denkt.«

10.000 Insekten, darunter Gelbfieber- und Anopheles-Mücken, schwirren in grauen Plastikboxen, die sich in dem fensterlosen Raum bis unter die Decke stapeln. Sie gehören der Firma Biogents, einer Ausgründung der Universität, für die auch Ulla Obermayr arbeitet. Zweimal im Monat brauchen die Weibchen Blut für die Eierproduktion. »Die Tiere bekommen dann warmes Rinderblut im Weißwurstdarm«, sagt Firmenchef Andreas Rose, »wir sind hier ja schließlich in Bayern.«

ZEIT Wissen 5/2012
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Wissen Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen

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Biogents macht Freilandforschung in Deutschland, Florida, Brasilien und Australien, hilft Biergartenbesitzern und Militärs gegen Mückenplagen, verdient Geld mit Testgutachten über Insektenabwehrmittel und dem Verkauf einer selbst entwickelten Mückenfalle. Manchmal müssen die Experten auch panische Anrufer beruhigen, die glauben, im heimischen Schlafzimmer eine Asiatische Tigermücke erlegt zu haben. Diese Art kann das Chikungunya- oder das Dengue-Fieber übertragen. Bisher gehörten die eingesendeten Exemplare aber stets zu einer harmlosen Art.

In einer früheren Studie haben die Forscher herausgefunden, dass Gelbfiebermücken Menschen mit erhöhtem Promillewert gegenüber nüchternen bevorzugen. DEET, ein von der US-Armee entwickeltes Insektenabwehrmittel, schützte alkoholisierte und nüchterne Probanden allerdings gleich gut vor Stichen. Dieser Test soll nun mit verschiedenen Insektenabwehrmitteln sowie der Malariamücke Anopheles gambiae wiederholt werden.

Die Anopheles-Mücken übertragen einzellige Parasiten auf den Menschen. Diese vermehren sich in der Leber und infizieren rote Blutkörperchen. Krämpfe und Fieberschübe sind die Folge, sie enden oft tödlich. »Malaria ist besonders in armen Regionen verbreitet, und da ist oft auch Alkoholkonsum ein Problem«, sagt Obermayr. »Ob und welche Abwehrmittel unter diesen Umständen Schutz vor Malaria bieten, ist eine wertvolle Information.«

Ein leichter Bierdunst liegt in der Luft, als Anja Schlecht zum zweiten Test antritt. Wieder werden die Mücken aus ihrer Kammer am Ende der Y-Röhre entlassen. Nach einer halben Minute sitzt wieder nur eine Handvoll Insekten an der Gaze, die sie von Schlechts Hand trennt. »Nicht mehr als im nüchternen Versuch«, sagt Obermayr, »besonders begeistert scheinen sie nicht zu sein.« Andreas Rose sagt: »Manche Menschen riechen von Natur aus unattraktiv für Mücken. Vielleicht hast du Glück!«

Leserkommentare
  1. Die sind besoffen. :-)

    2 Leserempfehlungen
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    ...die verenden an einer Überdosis THC :))

    ...die verenden an einer Überdosis THC :))

    • 9587
    • 08.08.2012 um 12:47 Uhr

    ... kann ich nur sagen: wenn man die Geschmacksrichtung der Biester trifft, ist es vollkommen egal, ob man Alkohol im Blut hat oder nicht, ob man lange Kleidung trägt und welche Farbe diese hat. Man wird gestochen. Selbst am jeansbedeckten Oberschenkel fand ich schon fiese Stiche, die teils grausam fies jucken (so sehr, dass es fast schmerzt und man es kaum erträgt, Kleidung zu tragen - und die man spätestens im Schlaf aufkratzt).

    Was mir jedoch seit einem Jahr hilft, ist die Behandlung der Stiche mit dem "bite-away". Jetzt können sie mich meinetwegen anfallen (Malaria & Co wird in unseren Breiten erfreulicherweise nicht durch die Plagegeister übertragen), denn mit dem b.-a. ist der Juckreiz fast immer komplett ausgeschaltet, sodass ich nun ungestört meinen Alltagstätigkeiten nachgehen kann. Kurz: da ich die Stiche schon nicht abwehren kann - wenn ich irgendwo sitze, sind die anderen um mich quasi geschützt, weil alle auf mich fliegen - arrangiere ich mich eben.

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  2. ...die verenden an einer Überdosis THC :))

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    wie man sich noch Mücken entledigen kann:

    http://www.youtube.com/wa...

    Naja dann sind sie immerhin bis zum Tod "gechillt" XD

    wie man sich noch Mücken entledigen kann:

    http://www.youtube.com/wa...

    Naja dann sind sie immerhin bis zum Tod "gechillt" XD

  3. wie man sich noch Mücken entledigen kann:

    http://www.youtube.com/wa...

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    Antwort auf "Ich denke ..."
  4. Wg "5. Walnussbäume gegen Stechmücken" ja, das ist bekannt. Das werden Sie bestimmt in vielen Büchern finden - ich hab's mehrmals gelesen, und in unseren Biergärten werden oft Walnussbäume gepflanzt deswegen. Liegt am Geruch und an den Inhaltsstoffen der Blätter, sagt man.

    Zu Kommentar 10: Sie Armer/Ärmste. Probieren Sie doch mal den Saft von frischen Spitz- oder/und Breitwegerichblättern. Geht zwar ein bisschen schwer rauszupressen (die Blätter sind recht derb), aber 14 von 15 Besuchern unserer letzten - moskitoversuchten - Party schwören, dass es ihnen geholfen hat gegen das Jucken. Ich find's auch echt gut, und glücklicherweise sind beide Pflanzen sehr häufige (Un)Kräuter.

    Alles Gute! aj

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    • 9587
    • 09.08.2012 um 2:52 Uhr

    Leider kommt man in der Stadt trotz des häufigen Auftretens eher schwer an die Blätter - und es sähe doch etwas lustig aus, würde ich plötzlich aus einem lauschigen Biergarten fliehen um im Dunkeln erst die nächstgelegene Wiese und dann die Blätter zu suchen, während ich hoffe in keine hündische Tretmine zu tapsen ;-)

    Aber ich bin demnächst wieder in ländlicheren Gefilden unterwegs und werde dann den Tipp ausprobieren. Gründe zur Anwendung wird es ja garantiert geben.

    ---
    (Und zum Thema arm: ein guter Bekannter von mir wird ähnlich arg gequält. Ganz schlimm trafen wir es jedoch auf seiner Hochzeit. Während ich dank meiner Wunderwaffe noch halbwegs glimpflich davon kam, reagierte er auf die dort heimischen Mücken geradezu allergisch: die Stiche wurden heiß, juckten übelst und zu allem Ärger entzündeten sie sich auch noch.
    Er hatte nur Glück, dass das Schlimmste erst kam, als die Feier schon vorbei war - während die anderen Gäste Glück hatten, dass wir beide den Großteil der Stiche - unfreiwillig - abfingen ...)

    • 9587
    • 09.08.2012 um 2:52 Uhr

    Leider kommt man in der Stadt trotz des häufigen Auftretens eher schwer an die Blätter - und es sähe doch etwas lustig aus, würde ich plötzlich aus einem lauschigen Biergarten fliehen um im Dunkeln erst die nächstgelegene Wiese und dann die Blätter zu suchen, während ich hoffe in keine hündische Tretmine zu tapsen ;-)

    Aber ich bin demnächst wieder in ländlicheren Gefilden unterwegs und werde dann den Tipp ausprobieren. Gründe zur Anwendung wird es ja garantiert geben.

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    (Und zum Thema arm: ein guter Bekannter von mir wird ähnlich arg gequält. Ganz schlimm trafen wir es jedoch auf seiner Hochzeit. Während ich dank meiner Wunderwaffe noch halbwegs glimpflich davon kam, reagierte er auf die dort heimischen Mücken geradezu allergisch: die Stiche wurden heiß, juckten übelst und zu allem Ärger entzündeten sie sich auch noch.
    Er hatte nur Glück, dass das Schlimmste erst kam, als die Feier schon vorbei war - während die anderen Gäste Glück hatten, dass wir beide den Großteil der Stiche - unfreiwillig - abfingen ...)

    • 9587
    • 09.08.2012 um 2:52 Uhr

    Leider kommt man in der Stadt trotz des häufigen Auftretens eher schwer an die Blätter - und es sähe doch etwas lustig aus, würde ich plötzlich aus einem lauschigen Biergarten fliehen um im Dunkeln erst die nächstgelegene Wiese und dann die Blätter zu suchen, während ich hoffe in keine hündische Tretmine zu tapsen ;-)

    Aber ich bin demnächst wieder in ländlicheren Gefilden unterwegs und werde dann den Tipp ausprobieren. Gründe zur Anwendung wird es ja garantiert geben.

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    (Und zum Thema arm: ein guter Bekannter von mir wird ähnlich arg gequält. Ganz schlimm trafen wir es jedoch auf seiner Hochzeit. Während ich dank meiner Wunderwaffe noch halbwegs glimpflich davon kam, reagierte er auf die dort heimischen Mücken geradezu allergisch: die Stiche wurden heiß, juckten übelst und zu allem Ärger entzündeten sie sich auch noch.
    Er hatte nur Glück, dass das Schlimmste erst kam, als die Feier schon vorbei war - während die anderen Gäste Glück hatten, dass wir beide den Großteil der Stiche - unfreiwillig - abfingen ...)

    • xoxox
    • 10.08.2012 um 12:47 Uhr

    Warum hat die Evolution keine Stechmücken hervorgebracht, die keine negativen Nebenwirkungen beim Stechen verursachen?

    Eine Mücke die schmerzfrei sticht, eine winzige Menge Blut absaugt und ansonsten nicht stört, müsste doch eine deutlich höhere Überlebenschance haben.

    Es gibt ja auch genügend andere Parasiten die friedlich auf und in uns leben.

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    Scheint einfach nicht nötig zu sein - Mücken stechen Menschen und die konnten das bisher noch nicht effektiv verhindern. Solange Mücken also mühelos überall Nahrung finden, wäre das mit dem schmerzlosen Stich vl. ein nettes Gimmick, aber offensichtlich nicht nötig.

    Scheint einfach nicht nötig zu sein - Mücken stechen Menschen und die konnten das bisher noch nicht effektiv verhindern. Solange Mücken also mühelos überall Nahrung finden, wäre das mit dem schmerzlosen Stich vl. ein nettes Gimmick, aber offensichtlich nicht nötig.

  5. Nur Mückentötolin ist wirksam: http://www.youtube.com/wa...

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